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 <>< Predigt Sechster Sonntag nach Trinitatis
von Pfarrer Friedhelm Peters,
Costa del Sol

(Rückmeldung oder Frage an
Pastor Friedhelm Peters)

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Gottesdienst am 29. Juni 2008

Geistliche Milch, lebendige Steine, auserwähltes Volk

2 Verlangt, gleichsam als neugeborene Kinder, nach der unverfälschten, geistigen Milch, damit ihr durch sie heranwachst und das Heil erlangt. 3 Denn ihr habt erfahren, wie gütig der Herr ist.
4 Kommt zu ihm, dem lebendigen Stein, der von den Menschen verworfen, aber von Gott auserwählt und geehrt worden ist. 5 Lasst euch als lebendige Steine zu einem geistigen Haus aufbauen, zu einer heiligen Priesterschaft, um durch Jesus Christus geistige Opfer darzubringen, die Gott gefallen. 6 Denn es heißt in der Schrift: Seht her, ich lege in Zion einen auserwählten Stein, einen Eckstein, den ich in Ehren halte; wer an ihn glaubt, der geht nicht zugrunde. 7 Euch, die ihr glaubt, gilt diese Ehre. Für jene aber, die nicht glauben, ist dieser Stein, den die Bauleute verworfen haben, zum Eckstein geworden, 8 zum Stein, an den man anstößt, und zum Felsen, an dem man zu Fall kommt. Sie stoßen sich an ihm, weil sie dem Wort nicht gehorchen; doch dazu sind sie bestimmt.
9 Ihr aber seid ein auserwähltes Geschlecht, eine königliche Priesterschaft, ein heiliger Stamm, ein Volk, das sein besonderes Eigentum wurde, damit ihr die großen Taten dessen verkündet, der euch aus der Finsternis in sein wunderbares Licht gerufen hat. 10 Einst wart ihr nicht sein Volk, jetzt aber seid ihr Gottes Volk; einst gab es für euch kein Erbarmen, jetzt aber habt ihr Erbarmen gefunden.

1. Petrus 2, 2-10

Liebe Gemeinde!

1.1 Es könnte sein, dass der 1. Petrusbrief eine nachgeholte Taufansprache für Menschen des ersten Jahrhunderts ist. Ohne ein Glaubensbekenntnis, ohne eine Großkirche, ohne weiteren Unterricht mit Gesangbuch, Katechismus und Bibel lebten Menschen als Christen rund um das Mittelmeer. Doch was bedeutet das? Getauft bei einer Durchreise des Paulus oder eines anderen Christen fragte sich mancher: Und was bin ich jetzt? Ich bin kein Heide mehr, der an das Götter Pantheon mit Zeus als oberste Instanz glaubt. Ich glaube an Jesus als Erlöser. Ich trage seinen Name. Auf ihn bin ich getauft. Wer bin ich damit?

1.2 Was ein Christ ist, das ist bis heute eine gute Frage. Stichworte wie Nächstenliebe, Jesus Nachfolge, Erlösung durch Vergebung, ewiges Leben sind jedem bewusst. Doch was lebt im Herzen? Worauf stehen wir, wenn wir Christ sind?

1.3 Denkt daran, was eure Taufe bedeutet, sagt der 1. Petrusbrief. Schauen wir, was uns das sagt.


2.1 Drei Bilder benutzt diese Unterrichtsstunde zum Christsein, um es zu erklären. Das Bild vom Baby. Das Bild vom Haus. Und das Bild von Volk Gottes. Beginnen wir mit dem Neugeborenen.

2.2 Christen sind wie Neugeborene. Sie sind Wiedergeboren. Wir kennen die Nikodemus Frage dazu an Jesus: Geht das? Kann ich neu geboren werden? Leiblich nicht, sagt Jesus. Aber im Geist. -

2.3 Unser Geist ist die unsichtbare Schaltzentrale des Lebens in uns. Er wirkt durch unsere Seele, in Wollen, Fühlen, Phantasieren und Realisieren. Normalerweise sind wir von unseren Ich-Interessen als letzter Instanz geprägt. Für Christen ist das anders. Dieser Geist hat ausgedient. Es lebt der Geist Jesus in uns. Wir sagen mit ihm: Herr, komme in mir wohnen. Ich gehöre Dir. Ich will Dir folgen. Dein Geist sei die Quelle meines Geistes. -
Christen haben einen neuen Input in ihren Geist. Sie sind angeschlossen an das lebendige Wasser Gottes. Sie schöpfen die Kräfte ihres Lebens nicht aus ihrem Leben, sondern aus ihrem lebendigen Herrn. Im Wasser der Taufe ist das eigene Ich als Quelle des Lebens untergegangen. Und das Wasser der Taufe wird zur neuen Quelle als Zeichen für den in uns fließenden Geist Gottes. -
Christen sind Neugeborene im Geist. Das kann zu jeder Lebenszeit geschehen, weil der Geist nicht der Zeit unterliegt. Einen neuen Geist kann ich als Baby, als Jugendlicher oder Erwachsener oder in der letzten Sekunde irdischen Lebens bekommen. Bleiben tut er nur in mir wenn ich zustimme und irgendwann sage: Ich will ihn. -
Die meisten Großkirchen der Welt betonen den sakramentalen Zuspruch des neuen Lebens. Die meisten Freikirchen betonen die eigene Entscheidung zur Aneignung.

2.4 Was nährt das neue Leben aus dem Geist Jesu in mir? Was stärkt mich? Was lässt mich darin wachsen? -
Milch ist die Nahrung für Babys. Geistliche Milch ist die Nahrung für uns als Glaubensbabys. -
Verlangt danach, sagt der Text. Babys schreien, wenn sie Hunger und Durst haben. Schreit nach geistlicher Nahrung. Babys wissen auch nicht, ob es passt oder wo sie herkommt. Aber sie schreien. Verlangt danach, sagt das Wort. Herr, ich brauche mehr von Dir. -
Was ist geistliche Milch? Im Griechischen steht hier das Wort logikos, dem Logos gemäß, dem Wort Gottes entsprechend. Wo ist geistliche Milch? Da wo Gott spricht. Spricht ER hier im Gottesdienst, dann ist das hier. Spricht ER während ich mit anderen Christen rede, dann ist es da. Spricht ER durch Sein Wort, dann ist es dort. Herr, ich möchte Deine Stimme vernehmen. Verlangt danach.

2.5 Das ist das erste, was einen Christen ausmacht. Er verlangt nach Gottes Reden. Wie Kinder nach der Mutter schreien, so verlangen Christen nach der Nähe und dem Reden des Herrn. Das ist geistliche Milch.


3.1 Wir sind jetzt beim zweiten Bild des nachgeholten Taufunterrichts. Christen sind nicht nur wie ein geistliches Baby, Wiedergeborene, sie werden zum Teil eines Hauses. Zu einem geistlichen Haus. Sie sind lebendige Steine.

3.2 Hier wird nicht die Herkunft, sondern die Zukunft von uns Christen angesprochen. Ziel des Glaubens ist die Herrschaft Gottes, in der unsere Schöpfung von den Zielen des Himmels bestimmt wird. Das geschieht Zurzeit nicht in dieser Welt. -
Aber wo wir es anfangen zu tun, nach Jesu Liebe leben, da bricht es an. Danach schaut der Herr. Da sind wir schon lebendige Steine für einen unsichtbaren Tempel Gottes. Fertig gebaut wird der, wenn Jesus in Herrlichkeit wiederkommt und das Böse ausschaltet. Jetzt bauen wir nur an Mauerstückchen. Einmal wird dieser Tempel oder dieses himmlische Jerusalem vollendet sein. Wer dann schon Teil der Mauer ist hat das Ziel erreicht.

3.3 Wir sehen, was hier erklärt wird, wofür die Tempel aller Zeiten und jede Kirche bis heute Bild und Symbol ist: Die vollendete Schöpfung. Eine Königsherrschaft Gottes, wo Regierung und Gottesdienst zusammen gehören und nicht auseinander fällt. Dafür sind wir als Christen da.

3.4 Jesus war der Erste, sogar weggeworfene, zerschlagene Stein. Das war sein Kreuz. Aber ER ist zum Eckstein geworden, der den Bogen, die Statik, alles zusammenhält - durch Seine Auferstehung. Da hat sich Sein Leben als stark und neu durchgesetzt.

3.5 Steine tragen und werden getragen. Lebendige Steine werden von Gottes Liebe getragen und tragen in Seiner Liebe. Bin ich mit meinem Lebensweg ein lebendiger Stein Gottes geworden für Sein Haus?


4.1 Bleibt das Bild vom Volk Gottes als Drittes. Das Volk Gottes zeichnete sich dadurch aus, dass der Herr selbst es berufen und auserwählt hatte. Worin bestand seine Wahl? ER suchte Menschen, denen ER alles schenken konnte: Zwölf Stämme als Struktur einer gelungenen Sozialordnung. Eine Priesterschaft als Struktur für eine gelungene Gottesordnung. Damit würden die großen Tagen Gottes verkündet.

4.2 Was im alten Volk Gottes angelegt war und dort gelegentlich gelang, das soll im neuen Volk Gottes der Christen Realität werden. An uns sollen die großen Taten Gottes sichtbar werden.

4.3 Was trage ich ein für die Gemeinschaft und Einheit des Volkes Gottes? Als ein Teil eines Stammes der Christenheit, diene ich der Einheit aller?
Und bin ich ein Priester des Königs Jesu? Stehe ich für das Opfer Jesu ein? Bringe ich im Namen Jesu meine Anliegen vor Gott? Diene ich Ihm?
Nur so sind wir Volk Gottes. Nur so wird Seine Ehre groß und nicht unsere. Nur so erfüllt sich, was wir als Christen sein sollen.


5.1 Nachgeholte Taufansprache für Christen: Wiedergeboren, lebendiger Stein, Volk Gottes. Drei große Bilder für das, was wir als Christen sind.

5.2 Und ich denke, dass das bis heute viel aussagt, egal wann wir getauft wurden.



Amen.



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Zuletzt geändert am 25.06.2008 von: (fp)