Deutschsprachiges Evangelisches Pfarramt an der Costa del Sol - online
Startseite

Grußwort

Gottesdienste

Predigten

Predigtplan

Gottesdienste
passiert...notiert...
und Fotos
Veranstaltungen
Wissenswertes
Kontakt und Anreise

 <>< Predigt 21. Sonntag nach Trinitatis
von Pfarrer Friedhelm Peters,
Costa del Sol

(Rückmeldung oder Frage an
Pastor Friedhelm Peters)

Pdf Datei

Gottesdienst am 12. Oktober 2008

Verbundenheit

12 Denn wie der Leib eine Einheit ist, doch viele Glieder hat, alle Glieder des Leibes aber, obgleich es viele sind, einen einzigen Leib bilden: so ist es auch mit Christus.
13 Durch den einen Geist wurden wir in der Taufe alle in einen einzigen Leib aufgenommen, Juden und Griechen, Sklaven und Freie; und alle wurden wir mit dem einen Geist getränkt.
14 Auch der Leib besteht nicht nur aus einem Glied, sondern aus vielen Gliedern.
26 Wenn darum ein Glied leidet, leiden alle Glieder mit; wenn ein Glied geehrt wird, freuen sich alle anderen mit ihm.
27 Ihr aber seid der Leib Christi, und jeder einzelne ist ein Glied an ihm.

1. Korinther 12, 12-14.26-27

Liebe Gemeinde!

1. Aua! Sagen wir, wenn uns etwas in den Fuß sticht oder wir uns die Hand verletzen und merken: Das tut weh. Und wenn etwas weh tut, dann schreien wir, mehr oder weniger.
Es gibt keinen gesunden Menschen, der Schmerz schön findet. Und doch ist es ein Wunder, wie der Körper sich damit schützt und wie er warnt. Gäbe es keinen Schmerz, wäre ein Frühwarnsystem unseres Überlebens ausgefallen. Wir liefen mit kaputten Knochen und schrecklichen Entzündungen herum - wir merkten es nicht.
Doch das merkwürdigste ist, dass der Fuß weh tut und der Mund schreit. Natürlich kann das Bein nicht quietschen, aber warum meldet sich der Mund? Der Schaden ist am Fuß ist, das Gehirn nimmt es wahr und der Mund schreit Aua. Das ist ein Wunder. So eins ist unser Leib.

2. Paulus gebraucht dies als ein Bild für unser Zusammenleben in der Gemeinde. Leidet eine oder einer, so leiden alle. Freut sich eine oder einer, so sind alle mit froh. Wie schön. So wünschen wir es uns.
Doch leider ist das oft nicht unsere Erfahrung. Die Tränen, die ich weine - wer sieht mich schon und wer tröstet mich? Die Sorgen, die ich mir mache - wer hört schon zu? Wo ist die Empathie der Glaubensgeschwister?
Zudem könnte man fragen: Paulus, stimmt das denn? Ist das ein zutreffendes Bild der Einheit der Gemeinde? Stimmt nicht vielmehr, dass jeder doch einmalig ist und darin einzigartig? Kann denn überhaupt der Glaube eines anderen mit meinem eigenen so eins sein, dass das Bild vom Körper passt? Sind wir nicht eher wie ein Zoo, wo jeder seinen Käfig hat mit eigenem Terrain? Gemeinsame Versorgung soll schon sein. Doch wehe einer kommt in meine Nähe, der nicht zu meiner Art und Sitte passt.

3. Das ist ein gutes Argument. Doch Paulus wäre wohl nicht wiederlegt. Auch er wusste wohl: Jede Zelle unseres Körpers ist einmalig. Keine gleicht der anderen wie auch kein Glaube einem anderen gleicht. Doch darin liegt das Wunder: Aus so viel Unterschieden wird ein Leib. Verletzungen im Fuß treffen auf andere Zellen als im Gehirn, doch diese reagieren. Und wieder andere Zellen melden sich und schreien Aua. Die Einheit ist nicht Gleichheit. Sie ist lebendiges Netz. Wie kann das aber entstehen?

4.1 Ihnen ist das vielleicht auch schon einmal passiert. Sie sind mit jemandem von Herzen verbunden. Plötzlich fangen Sie über etwas an zu reden. Und der andere sagt: Du, da habe ich auch gerade dran gedacht. Oder: Wir leben im Moment als Kernfamilie in drei unterschiedlichen Ländern Europas. Zur für uns nicht bekannten Zeit der Geburt unserer Enkeltochter rufen zwei der anderen Schwestern "zufällig" bei der Mutter an. - Der Grund ist klar: Es gibt eine Verbindung im Herzen. Die funktioniert auf Leben und Tod. Das gemeinsame innere Bild verbindet.

4.2 Wie tief das verankert ist, zeigt ein ungewöhnliches Experiment mit dem Herz eines Huhnes. Man legte die gestorbenen Zellen dieses Herzens in einer Nährlösung und geguckte was passiert. Das Merkwürdigste geschah: Die Zellen fingen wieder an zu pulsieren. Sie schienen ihr inneres Bild wieder zu entdecken: Wir sind ein Herz. Sie fanden über ihrem Bild ihr Leben.

5. Das passt zu dem, was Paulus meint. Verbundenheit lebt vom inneren gemeinsamen Bild. Für Christen ist das klar. Das Bild ist Jesus, der Auferstandene. ER lebt in jedem wie ER sagt, ist bei uns alle Tage. Wir werden so verwandelt in Sein Bild. Wir sind Sein Brief. ER nennt uns Seine Braut. In vielen Bildern spricht die Bibel immer wieder aus: Der Glaube eines jeden ist einmalig. Doch gibt es nur den einen Herrn. Die Meinungen von IHM sind unzählig. Der Geist von IHM ist einer. Und jeder sieht von Gott im Glauben Unterschiedliches. Doch bleibt in allem Gott nur einer.

6.1 Worauf wir blicken, das prägt unser Herz.
Blicken wir mit unserem Glauben doch auf IHN, den Auferstandenen. Dann wissen wir: ER trägt uns wie auch jeden anderen. In IHM sind wir verbunden - nicht in uns. In IHM sind wir ein Leib - nicht durch uns. In IHM sind wir auch lebendig als Sein Leib - durch uns sind wir nur Teile. Denn blickt der Fuß nur auf sich selbst, dann wird der Mund nie schreien, wenn es weh tut. Zählt sich aber der Fuß zum Leib, dann können Kopf und Mund sich melden.

6.2 Das kann uns in der Gemeinde helfen. Wenn jeder von uns jeden Tag die ihm bekannten Menschen vor Gott bringt, vor Gott für sie Mund und Hand ist, dann wächst eine tiefe Verbundenheit. Gott segnet dies. Es fließt zurück in unser Leben und macht es reich. Es lässt Gemeinschaft von innen schön werden. Wo soll das sonst herkommen, wenn Menschen sagen: Da gehe ich gerne hin. Sie spüren innere Verbundenheit.

7. ER selbst hat Seine Gegenwart versprochen. Der Pulsschlag Seines Lebens ist in uns. Wir spüren IHN durch Seinen besonderen Frieden, mit dem ER uns erfüllt, wenn wir uns IHM hingeben. Bauen wir darauf unsere Verbundenheit. So wächst der Glaube und stärkt die Einheit.



Amen.



Zur Startseite      Zum Anfang dieser Seite

Zuletzt geändert am 11.09.2008 von: (fp)