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 <>< Predigt 23. Sonntag nach Trinitatis
von Pfarrer Friedhelm Peters,
Costa del Sol

(Rückmeldung oder Frage an
Pastor Friedhelm Peters)

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Gottesdienst am 26. Oktober 2008

zum Reformationstag 31.10.2008 - Seligkeit schaffen

12 Also, meine Lieben, - wie ihr allezeit gehorsam gewesen seid, nicht allein in meiner Gegenwart, sondern jetzt noch viel mehr in meiner Abwesenheit, -
schaffet, dass ihr selig werdet, mit Furcht und Zittern.
13 Denn Gott ist's, der in euch wirkt beides, das Wollen und das Vollbringen, nach seinem Wohlgefallen.

Philipper 2, 12-13

Liebe Gemeinde!

1.1 Hat Luther sich geirrt bei seiner Übersetzung oder Paulus bei seinem Schreiben? Seligkeit und Schaffen? Wie geht das zusammen? War nicht gerade das angebliche Schaffen einer Seligkeit durch Ablasszahlungen der Anlass der Reformation Martin Luthers?

1.2 Erinnern wir uns. Sein Thesenanschlag an die Tür der Schlosskirche in Wittenberg hielt fest, dass das ganze Leben des Christen Buße ist. Und diese richtet sich auf Gott und nicht auf den Klingelbeutel, mit dem der Petersdom in Rom gebaut werden sollte. Und dieser lebendige Gott und nicht der Papst schenkt um Jesu Christi willen Vergebung der Sünde.

1.3 Luther wollte nicht gegen Papst und Kaiser ins Feld ziehen. Er wollte nur richtig stellen, was falsch war. Und daraus sind die drei großen Soli der Reformation entstanden, die übrigens heute 500 Jahre später auch in der katholischen Kirche anerkannt sind. Nach der gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigungslehre im Jahr 1999 ist Luther zwar nicht selig gesprochen worden. Doch er gilt seitdem als Vater des Glaubens.

1.4 Wie werden wir reich in Gott? So hatte er gefragt. Sola gratia - allein aus Gnade. Sola fides - allein durch den Glauben. Sola scriptura - allein durch das Wort. Nach den Hammerschlägen von Wittenberg - heute würde man sagen, nach der Veröffentlichung im Internet - waren die drei Soli die Säulen nicht nur der Reformation, sondern einer neuen Welt, die das Mittelalter ablöste.

1.5 Und jetzt dieses Bibelwort: Schaffet dass ihr selig werdet. Wie das? Luther sagte einmal, er studiere die Bibel genauso, wie er Äpfel ernte. Zuerst schüttle er den ganzen Baum, damit die reifsten Früchte fallen, dann klettere er auf den Baum und schüttele jeden Ast, danach schüttle er jeden Zweig, dann jedes Zweiglein und zum Schluss schaue er noch unter jedes einzelne Blatt. So wollen auch wir in der Bibel forschen: Wir wollen sie in ihrer Gesamtheit betrachten, danach jedes Buch einzeln studieren und dann Kapitel, Abschnitt und einzelne Texte nachdenkend lesen. - Tun wir das.


2.1 Keine Frage: Erlöst und Erlöser und erlöst ist Jesus Christus. Nur ER.
ER besiegte am Kreuz die Finsternis, die Gottesferne, den Tod. Sein Blut bedeckt unsere Schuld. ER ist das wahre Opferlamm, das hin wegnimmt die Sünde der Welt.
In Seine Liebe hat ER jeden eingeschlossen. In Seiner Versöhnung macht ER jeden zum Gotteskind. In Seiner Auferstehung ist ER bei uns jeden Tag. ER zeigt uns damit, was wir seien werden. Erreichen wir das Ziel des Glaubens, dann sind auch wir selig wie ER. Wir leben mit Gott in Herrlichkeit.

2.2 Das ist die Kernbotschaft der Christen aus dem Zeugnis der Bibel: In Christus sind wir erlöst, sonst nicht.
Extra ecclesiae non salus est - außerhalb der Kirche gibt es kein Heil. Dieses Wort heißt jetzt: außerhalb von Christus gibt es kein Heil. Das ist für Paulus klar. Das ist für Luther klar. Das ist uns heute klar.
Was aber gibt es da zu schaffen?

2.3 Johannes verankert Liebe im Morgenlicht: Schon leuchtet - in Jesus - das wahre Licht (8). Der Schatz des eigenen Herzen ist einbruchgefährdet. Böses kann viel zu schnell eindringen. Deshalb muss Liebe zwar durchs eigene Herz, aber verwurzelt werden im unzerstörbaren Schatz der Liebe Jesu. Sie soll unsere tragen und durch uns scheinen. Morgenlicht der Ewigkeit.


3.1 Sehr viel. Man kann doch auch als Erlöster schaffen. Ist uns die Gnade geschenkt, haben wir Gottes Vergebung angenommen, sind wir Gottes Kinder - tun wir dann etwa nichts mehr? Hat Jesus, der immer schon erlöst war, nur die Hände in den Schoß gelegt? Auch wenn wir für unsere Erlösung nicht mehr schaffen, so können wir noch eine Menge tun bis wir in der Seligkeit ankommen. Das spricht Paulus an. Schaffet - als Erlöste -, bis ihr selig werdet.

3.2 Man kann nämlich auch Christ sein und völlig unselig schaffen. Paulus sagt wie das aussieht. Unseliges Schaffen geschieht nicht mit Furcht und Zittern, mit Gottesfurcht und gespannter Wachheit, sondern mit Schrecken und Angst. Unselig meint Paulus.

3.3 Lass nie den Schrecken im Herzen zu, der lähmt. Du bist geschützt. Gottes Angesicht leuchtet über seinen erlösten Kindern. Der Auferstandene ist bei dir alle Tage. Sei getrost und unverzagt. Nur er, der Teufel geht umher wie ein brüllender Löwe. Dem widersteh fest im Glauben.

3.4 Und lass die Angst nicht in die Mitte deines Herzens. Die Angst ist wie ein Loch, in dem du versinkst. Dringt sie doch in dein Herzen, dann wirf sie hinaus. Weihe den Kern deiner Person erneut dem Herrn: Du bist meine Mitte. Und Du bist kein Loch, sondern mein Halt. Der Herr ist mein Hirte. Und ob ich schon wanderte im finstern Tal fürchte ich kein Unglück, denn Du bist bei mir. Sprechen sie es für sich.
Unseliges Schaffen in Schrecken und Angst ist dann vorbei.

3.5 Seliges Schaffen in Gottesfurcht und Wachheit empfiehlt Paulus den Christen.

3.6 Gottesfurcht, was ist das? Mir bleibt Gottes Autorität stets vor Augen und verschwindet nicht, wenn ich aus der Kirche gehe. Die Ehrfurcht vor Ihm ist wie eine Folie, vor der sich alles andere abzeichnet. Was habe ich gerade gemacht? Verträgt sich das mit meiner Ehrfurcht vor dem Schöpfer? Was habe ich gerade gesagt? Gebe ich damit Gott die Ehre? Wer so an sich arbeitet, der schafft - als Erlöster.

3.7 Zittern, gespannte Wachheit. Haben Sie von der letzten Olympiade auch noch die Bilder in Großaufnahme vor sich, die die Kurzstreckenläufer beim Start zeigten? Alles bereit, gespannte Wachheit, wann geht es los. Zittern ist möglich. Eine hundertstel Sekunde kann entscheidend sein. Jetzt. So in den Startlöchern stehen, um etwas für Gott zu tun. Das meint Paulus. Gott lieben und den Nächsten lieben wie sich selbst in dieser Wachheit.
So als Erlöste schaffen ist das Gegenteil vom langweiligen Glaubensleben. Herr, wo bin ich jetzt für Dich dran? Was soll ich für Dich tun? Der Herr ist mein Hirte. Du salbest mein Haupt mit Öl. Mit dem Heiligen Geist Gesalbte sind für ihren Herrn im Einsatz.


4.1 Warum liegt noch zwischen der Erlösung in Jesus Christus und der Seligkeit, dem seligen Leben in Gottes Herrlichkeit, die Zeit des Schaffens? Warum macht es nicht Plopp - und wir sind mit dem Taufwasser zum gläsernen Meer entrückt oder mit "Großer Gott wir loben Dich" im Himmel verschwunden. Warum als Erlöste noch so viel Mühe?

4.2 Damit wir uns auf den Himmel freuen, sagen einige Glaubensväter. Richtig daran ist, dass Himmelsfreude wächst wo wir unsere Mühe mit Glauben tragen. Himmelsfreude tröstet.
Paulus meint in unserem Wort, dass Gott es so will. Wollen und Vollbringen - ER ist dabei. ER stößt es an. ER lässt es gelingen. ER wirkt es.
Und es könnte sein, dass einmal Schaffen mit Gottesfurcht und Wachheit auf dieser Erde, zehn Runden Lernen in der Ewigkeit erspart.

4.3 Tun wir also hier was uns von Gott geboten ist. Schaffen wir als Erlöste bis zur Seligkeit.



Amen.



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Zuletzt geändert am 12.11.2008 von: (fp)