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 <>< Predigt 24. Sonntag nach Trinitatis
von Pfarrer Friedhelm Peters,
Costa del Sol

(Rückmeldung oder Frage an
Pastor Friedhelm Peters)

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Gottesdienst am 2. November 2008

Weisheit

1 Alles hat seine Stunde. Für jedes Geschehen unter dem Himmel gibt es eine bestimmte Zeit:
2 eine Zeit zum Gebären und eine Zeit zum Sterben, eine Zeit zum Pflanzen und eine Zeit zum Abernten der Pflanzen,
3 eine Zeit zum Töten und eine Zeit zum Heilen, eine Zeit zum Niederreißen und eine Zeit zum Bauen,
4 eine Zeit zum Weinen und eine Zeit zum Lachen, eine Zeit für die Klage und eine Zeit für den Tanz;
5 eine Zeit zum Steine werfen und eine Zeit zum Steine sammeln, eine Zeit zum Umarmen und eine Zeit, die Umarmung zu lösen,
6 eine Zeit zum Suchen und eine Zeit zum Verlieren, eine Zeit zum Behalten und eine Zeit zum Wegwerfen,
7 eine Zeit zum Zerreißen und eine Zeit zum Zusammennähen, eine Zeit zum Schweigen und eine Zeit zum Reden,
8 eine Zeit zum Lieben und eine Zeit zum Hassen, eine Zeit für den Krieg und eine Zeit für den Frieden.
9 Wenn jemand etwas tut - welchen Vorteil hat er davon, dass er sich anstrengt?
10 Ich sah mir das Geschäft an, für das jeder Mensch durch Gottes Auftrag sich abmüht.
11 Gott hat das alles zu seiner Zeit auf vollkommene Weise getan. Überdies hat er die Ewigkeit in alles hineingelegt, doch ohne dass der Mensch das Tun, das Gott getan hat, von seinem Anfang bis zu seinem Ende wiederfinden könnte.
12 Ich hatte erkannt: Es gibt kein in allem Tun gründendes Glück, es sei denn, ein jeder freut sich, und so verschafft er sich Glück, während er noch lebt,
13 wobei zugleich immer, wenn ein Mensch isst und trinkt und durch seinen ganzen Besitz das Glück kennenlernt, das ein Geschenk Gottes ist.
14 Jetzt erkannte ich: Alles, was Gott tut, geschieht in Ewigkeit. Man kann nichts hinzufügen und nichts abschneiden, und Gott hat bewirkt, dass die Menschen ihn fürchten.

Prediger 3, 1-14

Liebe Gemeinde!

1.1 Der Prediger gibt uns Einblicke in Worte der Weisheit. Weisheit ist die Fähigkeit, seinen Leben nach einem Sinn auszurichten und sich nicht durch den Alltag treiben zu lassen. Nachhaltig leben ist ein modernes Wort dafür. Sich mit einem inneren Kompass durch das Gestrüpp dieser Welt zu bewegen, wer will das nicht gerne. Dafür ist Weisheit nötig.

1.2 Der Glaube verbindet die Erde mit dem Himmel. Die Weisheit verbindet den Himmel mit der Erde. Weisheit sucht nach Lösungen für unser Leben aus höherer Kraft. Sie sucht nach dem Hintergründigen im Vordergründigen. Kennen Sie die unendlichen Warum Fragen von Kindern. Das ist die Spur der Weisheit. Haben Sie sich bei aller Lebenstüchtigkeit die Tür zur Weisheit offen gehalten?

1.3 Alle Religionen kennen Weisheitsstreben. Biblische Weisheit verbindet die Gotteserfahrung Israels und Jesu Christi mit unserem Alltagsleben. Was bewirkt der Glaube im Leben? Was hält und was hält nicht? Was hat Bestand? Nachhaltig in der Nachfolge leben - wie sieht das aus?

1.4 In der Regel steht für uns Menschen am Anfang aller Weisheit die Frustration. Warum klappt das Leben nicht? Warum geht es nicht auf? Warum ist nichts beständig? - Weisheit entsteht auf dornigem Acker. Und sie wächst, wo wir im Herzen trotzdem Gott lieben und neugierig bleiben.
Am Ende entsteht durch die Weisheit Gottesfurcht, Ehrfurcht vor dem Herrn. Oder in einem Wort von Ihm: Du weißt oft nicht, warum etwas geschieht. ICH tue es doch. Mein Weg führt dich zum Ziel. Ein Sprichwort sagt es so: Der Mensch denkt, Gott lenkt. Ein Weisheitsspruch.


2.1 Und nun die Weisheitsworte unseres Bibeltextes. Fragen - Antworten.
- Leben wird geboren. Ein Wunder. Du bist ein Wunder. - Hält es ewig? Nein. Auf jeden wartet der Tod. Auch du und ich werden sterben. (2) Es gibt Zeit zum Gebären und Zeit zum Sterben.
- Du pflanzt in Mühe und Hoffnung und weißt nicht was wird. Und dann ist Erfolg da: Die Ernte beschenkt dich. (2) Es gibt Zeit zu Pflanzen und Zeit zum Ernten.
- Du weinst und dein Schmerz hat kein Ende. Und du denkst: Wird es mir je anders gehen? - Und dann hast du den Kummer überwunden. Du hast den Schmerz eingekapselt wie eine Auster das Sandkorn. Du kannst lachen. (4) Es gibt eine Zeit zu weinen und eine Zeit zum Lachen.
- Du liebst einen Menschen. Du öffnest dich und legst dein Herz frei. Du umarmst ihn. - Doch nicht ewig kannst du so bleiben. Du kannst nichts halten. Der Augenblick ist flüchtig. Du hältst keinen Menschen, keine Sache, nicht einmal dich selbst. (5) Es gibt Zeit zum Umarmen und Zeit, die Umarmung zu lösen.
- Alles Ding hat seine Zeit, sagt der Prediger. (1) Alles hat seine Stunde. Für jedes Geschehen unter dem Himmel gibt es eine bestimmte Zeit.
- Unsere augenblickliche Zeit weltweiter großer finanzieller Unsicherheit trifft ein Wort besonders. (3) Es gibt eine Zeit zum Bauen und eine Zeit zum Niederreißen. Der Mehrwert ist Gewinn. Wie gut. Wir haben davon profitiert. Es hat den Westen reich gemacht. - Doch gibt es Grenzen des Wachstums? Ja. Haben wir uns darüber belügen lassen? Reißt jetzt ein, was über unsere Köpfe ging?

2.2 Gebären, Lachen, Pflanzen, Bauen - das alles kann sehr schön sein. Doch nichts davon hält ewig. Wir sind alt genug, um dies zu wissen. Dann kommt das Sterben, Weinen, Niederreißen. Und was ist dann? Wenn die Warum Fragen entstehen ist es nie leicht. Wie mit der Vergänglichkeit im Glauben leben?

2.3 Verzweifelt unser Prediger? (9) Wenn jemand etwas tut - welchen Vorteil hat er davon, dass er sich anstrengt? Auf gut deutsch: Hat alles überhaupt noch Sinn?


3.1 Was ist die Antwort?

3.2 Windhauch, Windhauch, sagte Kohelet, Windhauch, Windhauch, das ist alles Windhauch. Welchen Vorteil hat der Mensch von all seinem Besitz, für den er sich anstrengt unter der Sonne? (1, 1.2) Mit diesen Worten beginnt unser Buch. Auf Hebräisch heißt Windhauch Abel. Abel aber wurde erschlagen. Der eingeblasene Hauch Gottes (Abel) verfiel dem Tod, war nichtig. Alles ist eitel, Abel, Windhauch.

3.3 Wir alle tragen Abel, Windhauch, Nichtigkeit in uns. Wie oft fühlen wir uns wie Abel, erschlagen. Der Tod trägt viele Vorstufen in unserem Leben. Einmal bekommt er das Übergewicht.
Auch Jesus erfuhr das Schicksal Abels. Am Kreuz haucht ER Sein Leben aus.

3.4 Doch das ist nicht alles. Windhauch ist nicht das Ende. Das Blut von Abel schrie zu Gott, und der gab eine Antwort. Das wusste schon das Alte Testament.

3.5 Jesus blieb nicht im Tod. Das neue Auferstehungsleben, den Geist von Gott, kann niemand töten. Und den gab Jesus seinen Jüngern weiter. Es heißt im Neuen Testament: ER hauchte sie an. Der Windhauch Abels wird ersetzt durch Gottes neuen Geist, Jesu Geist. Pfingsten löst Kain und Abel ab. Ein neuer Geist, nicht Windhauch mehr allein, kann unser Leben sein.
Der Gottesgeist gibt Boden über dem Abgrund der Verzweiflung.


4.1 Der Prediger kannte die Auferstehung Jesu und Seinen neuen Geist - statt Windhauch - noch nicht. Und doch lebte in ihm Hoffnung. Er nahm sie ganz aus Gott. (11) Gott hat das alles zu seiner Zeit auf vollkommene Weise getan. Überdies hat Gott die Ewigkeit in alles hineingelegt. So glaubt er es.

4.2 Und daraus zieht er seinen Weisheitsschluss. Nicht unser Tun und unser Schicksal trägt Glück in sich. Das alles ist nur Windhauch.

4.3 Glück ist dagegen, wenn du dich freuen kannst. Dann nämlich verschaffst du dir Glück, während du lebst (12). Doch wisse stets, es ist Geschenk von Gott (13). ER bleibt in allem Urheber. Nichts nimmst du Gott weg oder fügst Ihm etwas zu (14). Das ist Weisheit aus Gottesehrfurcht. So unser Prediger in großer Demut. Freue ich im Leben, wann du es kannst.

4.4 Erfüllung ist - so können wir als Christen weiter sagen - wenn du dich freuen kannst in Jesus, in Seinem Geist, in Gottes neuem Windhauch. Wir wissen auch: Der Heilige Geist bleibt ein Geschenk von Ihm. Wir können Ihn nur bitten: Komm, Heiliger Geist. Verfügen können wir nicht über Sein Wirken.

4.5 Mit dieser Erfüllung bleibt die Verzweiflung über alle Vergänglichkeit draußen vor. Wir können mit Jesus Geburtstagsfeiern, Lachen, Pflanzen, Bauen. Was aber nicht weniger wichtig ist, wir können mit Jesus Sterben, Weinen, Niederreißen aushalten. Das ist sehr viel. Es ist Halt in der Vergänglichkeit. Weisheit im Heiligem Geist: Daraus zu leben ist Ziel unseres Glaubens. Packen wir unseren Alltag in Freud und Leid im Namen Jesu an.


5.1 Soweit ein Stück weit Weisheitslehre. Zum Schluss. Wenn Weisheit eine himmlische Macht ist, dann kommt sie von Gott. Die Bibel meint, dies sei so (Sprüche 8, 22-31). Die Weisheit steht sehr nah an Gottes Thron. Sie ist sein liebstes Engelkind. Die Weisheit spielt vor Gott (Sprüche 8, 30). Sie ist Seine Gespielin. (Weisheit 9, 9) Mit DIR ist die Weisheit, die Deine Werke kennt und die zugegen war, als DU die Welt erschufst.

5.2 Die Weisheit möchte mit uns leben. (Sprüche 8,31) Ich spielte auf Seinem Erdenrund, und meine Freude war es, bei den Menschen zu sein. Und der Weisheitslehrer sagt: (Weisheit 8, 9) So beschloss ich, sie als Lebensgefährtin heimzuführen. Tun wir es ihm nach. Wie schön mit ihr zu leben.


Amen.



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Zuletzt geändert am 31.10.2008 von: (fp)