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 <>< Predigt am ersten Sonntag im Kirchenjahr
zum 1. Advent 2008
von Pfarrer Friedhelm Peters,
Costa del Sol

(Rückmeldung oder Frage an
Pastor Friedhelm Peters)

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Gottesdienst am 30. November 2008

Hosianna mit IA

1 Als sich Jesus mit seinen Begleitern Jerusalem näherte und nach Betfage am Ölberg kam, schickte er zwei Jünger voraus 2 und sagte zu ihnen: Geht in das Dorf, das vor euch liegt; dort werdet ihr eine Eselin angebunden finden und ein Fohlen bei ihr. Bindet sie los, und bringt sie zu mir! 3 Und wenn euch jemand zur Rede stellt, dann sagt: Der Herr braucht sie, er lässt sie aber bald zurückbringen.
4 Das ist geschehen, damit sich erfüllte, was durch den Propheten gesagt worden ist:
5 Sagt der Tochter Zion: Siehe, dein König kommt zu dir. Er ist friedfertig, und er reitet auf einer Eselin und auf einem Fohlen, dem Jungen eines Lasttiers.
6 Die Jünger gingen und taten, was Jesus ihnen aufgetragen hatte. 7 Sie brachten die Eselin und das Fohlen, legten ihre Kleider auf sie, und er setzte sich darauf. 8 Viele Menschen breiteten ihre Kleider auf der Straße aus, andere schnitten Zweige von den Bäumen und streuten sie auf den Weg. 9 Die Leute aber, die vor ihm hergingen und die ihm folgten, riefen: Hosanna dem Sohn Davids! Gesegnet sei er, der kommt im Namen des Herrn. Hosanna in der Höhe!

Matthäus 21, 1-9

Liebe Gemeinde!

1.1 Die Straßen von Jerusalem - bestimmt waren sie erfüllt von großem Lärm als Jesus einzog. Bei allen Geräuschen höre ich zwei, die in dem Durcheinander ungewöhnlich klingen: Hosianna und IA. Ehre sei Gott, Hosianna, das rief man nicht einfach so beim Einkauf. Das war schon reserviert für Gottesdienst und Heiligtum. Und dazu dann IA. Der Eselsruf war wohl bekannt auf offener Straße. Doch wiederum nicht da, wo Gotteslob und Heiligtum regieren. Hosianna mit IA. Wie passt das? Was hat sich Jesus da gedacht?

1.2 Man könnte fast an heute denken, an unseren Advent. Advent heißt Ankunft. Wir freuen uns auf Jesu Ankunft, dass Gottes Sohn ein Mensch wird und uns als Menschen zu Gotteskindern macht. Hosianna.

1.3 Doch dieses Hosianna ist umgeben von soviel Dummheit und Zerstörung von uns Menschen. Wir kriegen es oft hin, das Wenige Schöne auch noch zu zerstören, zu entleeren, zu missbrauchen. Advent als Ausverkauf. November und Dezember zählen die meisten Burn-Outs und Familienkräche. IA lässt grüßen. Wollte Jesus uns den Spiegel unseres Lebens vorhalten, wenn ER mit Hosianna und IA einzieht?


2.1 Mag sein. Doch unser Herr zeigt mehr. Er baut stets auf, führt nicht in Verzweifelung. Das ist Spezialität des Widersachers. In einem jüdischen Sprichwort heißt es: Wer im Traum einen Esel sieht, der schaut aus nach Erlösung. Erinnern wir uns, was damit gemeint ist.

2.2 Bileam, der ungehorsame Prophet, wird durch einen Esel gerettet, sonst hätte er Israel verflucht (Numeri 22). Saul erwirbt seine Königssalbung bei Samuel als er verlorene Esel sucht. Die Tradition kennt unsere Weihnachtsgeschichte nicht ohne Esel. Einer, der Maria trägt. Einer, der im Stall da ist. Esel sind da, wo Gott eingreift, wo ER handelt.


3.1 So ist es auch in unserem Text. Jesus zieht in Jerusalem ein. Das heißt: Gott kommt als Erlöser in unsere Welt. Jetzt wird es akut. Jetzt wird das Opfer der Kreuzigung vollbracht. IA. Erlösung naht von Gott.

3.2 Nicht zufällig versteckt sich Gott in einem solchen Symbol statt im starken Streitross wie alle die Herrscher, die wir auf Denkmälern sehen. Denn Gott findet Seine Ruhe in den Herzen der Niedrigen, der Demütigen, der Barmherzigen. ER ist selber so angetreten wie ein Esel, Lasten zu tragen. Sonst gäbe es uns nicht mehr. Gott und der Esel haben dies gemein: Sie nehmen das Joch auf, statt es abzuwerfen.

3.3 Was ist mein Dienst? ist deshalb die Frage in Seiner Nachfolge. Die Frage war noch nie beliebt. IA ist die Frage Gottes: Was tust du mit den Lasten, die Ich dir auflege? Ziehst du mit Mir?
In der Prophetie ist der Esel Bild für Lastenträger, Diakone, für einen echten Heilungsdienst. Wen wundert es, dass Gott sich darin findet.

3.4 Bindet sie los! befiehlt Er Seinen Jüngern. Bindet sie los. Wie viele erlöste aber festgebundene Lastenträger gibt es. Löst sie. Bleibt nicht in euren Bindungen. Lasst sie. Steht nicht für euch allein herum.


4.1 Eine Besonderheit unseres Textes vertieft dieses Geheimnis. Es wird betont, dass Jesus nicht auf einem Esel ritt, sondern auf dem Füllen einer Eselin. Was meint das? - Es könnte sprachlich leicht erklärt werden mit dem Parallelismus Membrorum, einer Wiederholungsform im Hebräischen. Ich sitze auf dem Stuhl - soeben setzte ich mich hin. - Es könnte aber Tieferes bedeuten. Der Tag des Einzugs war der 10. Nisan oder 2. April. Das war der Tag der Aussonderung des Passahlammes (Exodus 23). Das war das Osterlamm, ein reines Tier, kein alter Bock. Nicht zufällig ist der Einzug Jesu der Tag des reinen Tieres.

4.2 Er war das selbst. Er zeigt, Ich werde ausgesondert für die Kreuzigung. Christus unser Passahlamm ist für uns geopfert. Er war das Erste, das Fohlen der Mutterstute Gottes. Seine Unberührtheit schenkt Er uns. Deswegen kommt Er auf dem Fohlen.

4.3 Gott schenkt Sein Erstes, Sein Reinstes, Seinen Sohn. - Was Er tut, das sucht Er auch bei uns. Schenken wir Gott unser Erstes? - Es gibt so vieles, was das Erste unseres Lebens wird. Es blüht in uns, es läuft mit uns, es ist da wie ein Fohlen. Bindet es los! Darf Er darauf sitzen? Er zieht damit ein. Darf Er es für sich haben? Der Herr sucht Seine Füllen auch bei uns. Wo sind sie? Wo halten wir sie vor Ihm schön versteckt? Wo wir sie geben ist Er da.


5.1 Und mit Ihm auch das Hosianna. Jetzt ist es deutlicher, warum es sich mit dem IA vermischt. IA sagt: Unser Herr ist da. Er kommt als Lastenträger. Er schenkt dabei Sein Erstes, das Fohlen. Und Er fragt umgekehrt nach uns. Bist du auch da? Trägst du mit Mir? Schenkst du dein Erstes?

5.2 Da können wir nun wählen wie die Leute damals. Wir können laut mit Hosianna singen, rufen, denken und hinterher das Kreuzige schreien. Die Freiheit lässt der Herr. Doch wirklich Hosianna ist das nicht.

5.3 Hosianna, gelobt sei Gott, bedeutet: Ich lobe dich mit meinem ganzen Leben. Und dann kommt Gott als Lastenträger und mit seiner Erstlingsgabe neuen Lebens auch zu uns. Advent, Er kommt. Er zieht in mein Leben ein. Den Jubel macht kein Mensch auf dieser Erde, den Gott im Herzen macht.

5.4 So lässt sich sehen, dass Advent nicht in Dummheit enden muss, auch wenn ein Esel vorne weg zieht.
Wir sollten nur verstehen und umsetzen, was es bedeutet.



Amen.



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Zuletzt geändert am 28.11.2008 von: (fp)