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 <>< Predigt am Ersten Sonntag nach Weihnachten 2008
von Pfarrer Friedhelm Peters,
Costa del Sol

(Rückmeldung oder Frage an
Pastor Friedhelm Peters)

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Gottesdienst am 28. Dezember 2008

nunc dimittis
Simeon und Hanna

22 Dann kam für sie der Tag der vom Gesetz des Mose vorgeschriebenen Reinigung. Sie brachten das Kind nach Jerusalem hinauf, um es dem Herrn zu weihen, 23 gemäß dem Gesetz des Herrn, in dem es heißt: Jede männliche Erstgeburt soll dem Herrn geweiht sein. 24 Auch wollten sie ihr Opfer darbringen, wie es das Gesetz des Herrn vorschreibt: ein Paar Turteltauben oder zwei junge Tauben.
25 In Jerusalem lebte damals ein Mann namens Simeon. Er war gerecht und fromm und wartete auf die Rettung Israels, und der Heilige Geist ruhte auf ihm. 26 Vom Heiligen Geist war ihm offenbart worden, er werde den Tod nicht schauen, ehe er den Messias des Herrn gesehen habe. 27 Jetzt wurde er vom Geist in den Tempel geführt; und als die Eltern Jesus hereinbrachten, um zu erfüllen, was nach dem Gesetz üblich war, 28 nahm Simeon das Kind in seine Arme und pries Gott mit den Worten:
29 Nun lässt du, Herr, deinen Knecht, wie du gesagt hast, in Frieden scheiden. 30 Denn meine Augen haben das Heil gesehen, 31 das du vor allen Völkern bereitet hast, 32 ein Licht, das die Heiden erleuchtet, und Herrlichkeit für dein Volk Israel.
33 Sein Vater und seine Mutter staunten über die Worte, die über Jesus gesagt wurden. 34 Und Simeon segnete sie und sagte zu Maria, der Mutter Jesu: Dieser ist dazu bestimmt, dass in Israel viele durch ihn zu Fall kommen und viele aufgerichtet werden, und er wird ein Zeichen sein, dem widersprochen wird. 35 Dadurch sollen die Gedanken vieler Menschen offenbar werden. Dir selbst aber wird ein Schwert durch die Seele dringen.
36 Damals lebte auch eine Prophetin namens Hanna, eine Tochter Penuëls, aus dem Stamm Ascher. Sie war schon hoch betagt. Als junges Mädchen hatte sie geheiratet und sieben Jahre mit ihrem Mann gelebt; 37 nun war sie eine Witwe von vierundachtzig Jahren. Sie hielt sich ständig im Tempel auf und diente Gott Tag und Nacht mit Fasten und Beten. 38 In diesem Augenblick nun trat sie hinzu, pries Gott und sprach über das Kind zu allen, die auf die Erlösung Jerusalems warteten.
39 Als seine Eltern alles getan hatten, was das Gesetz des Herrn vorschreibt, kehrten sie nach Galiläa in ihre Stadt Nazaret zurück. 40 Das Kind wuchs heran und wurde kräftig; Gott erfüllte es mit Weisheit, und seine Gnade ruhte auf ihm.

Lukas 2, 22-40

Liebe Gemeinde!

1.1 Nunc dimittis wird in der Tradition das Zeugnis des Simeon genannt. Es ist in das jahrhundertealte Stundengebet der Kirche eingegangen: Herr, nun lässt Du Deinen Diener in Frieden fahren. Knapp könnte man übersetzten: Endlich! Danke. Jahrzehnte war ich im Glauben geduldig. Ich habe das Geheimnis des Glaubens bewahrt und bin Dir treu geblieben. Ich habe alle Durststrecken auf mich genommen und Dir vertraut. Jetzt erfüllt sich, was Du, Herr, verheißen hast. Endlich, Danke! Ich bin am Ziel. Nunc dimittis.

1.2 Wer so etwas sagt erlebt etwas Besonderes. Was war es? Maria und Josef brachten Jesus zur Darstellung in den Tempel. Äußerlich war da nichts zu erkennen. Wir müssen tiefer schauen.


2.1 Die Erstgeburt gehörte in Israel in besonderem Maß Gott selbst. Das galt für die Erstlinge der Ernte, die Erstgeburt der Tiere, auch für das erste Kind. Die Erstlingsgabe Gott zu weihen war Ausdruck dafür: Du, Herr, gibst das Leben. Es kommt von Dir, es geht zu Dir. Das erkennen wir an. Im Ersten wird Gott als Erster geehrt. Im Ersten begegnet uns deshalb auch der Erbe. Er trug das Erbe. Und das gehörte Gott.

2.2 Eine Loslösung war möglich durch ein stellvertretendes Opfer. Das wurde im Tempel in Jerusalem vollzogen. Herr nimm nicht meinen Sohn, sondern nimm statt seiner dieses Opfer an!

2.3 Was tun Maria und Josef? ER, Jesus, ist der Erste Gottes, der Heiland. Euch ist heute der Heiland geboren. - Ob der Tempel einstürzt? Ob sich der Hohepriester verbeugt? Ob der Himmel wieder mitspielt und Engelchöre singen? Im Tempel wäre es doch passender als auf den Weiden.

2.4 So treten Maria und Josef nicht auf. Sie erwarten es nicht. Der Glaube macht aus seinem Wissen nie ein Argument. Er spielt nie: Ich weiß, was du nicht weißt. - Wenn Sie etwas von Gott wissen, oder ich von Ihnen, so bleibt es ungesagt bis ER es will und offenbart: Jetzt ist die rechte Zeit. Kein Drängen. Warten und Demut sind das Geschenkpapier der Erkenntnis. - Sie gehen in den Tempel und lösen Gottes Sohn aus, sehr wohl wissend dass es völlig anders sein müsste. Doch es ist noch nicht die rechte Zeit. Sie geben für ihn das Opfer der Armen: Zwei junge Tauben. Sie bleiben in Gottes Spur trotz ihres göttlichen Wissens.

2.5 Durch diesen Gehorsam wurde über Jesus das erste Zeichen aufgerichtet. Was mit Ihm geschah ist ER selbst: ER ist das Opfer der Armen, der alle auslöst. ER ist die Turteltaube, Zeichen des Heiligen Geistes, der für uns und in uns spricht. Hier sehen wir - völlig verborgen - Seine Erlösung, die Er bringt.


3.1 Sieht das denn einer? Erkennt das denn jemand? Tausende von Menschen schwirren im Tempel herum. Viele Familien stellen ihre Erstgeborene dar. Kennst du den? Hast du schon die gesehen?

3.2 Wo Menschen Gott gehorsam sind schaut der Himmel zu. Unter den tausenden findet Simeon im Gedränge des Tempels, was Gott ihm eingibt: Dort. ER. Gott kommt durch jeden Stau. Endlich. Danke. Herr, nun lässt Du Deinen Diener in Frieden fahren. Gehorsam wird bestätigt für Maria und Josef und auch für Simeon.


4.1 Und dann weissagt Simeon über Jesus alle die verborgenen Dinge, die durch ihn als Erlöser geschehen werden: Heil der Völker und Herrlichkeit für Israel. Das ist alles noch nicht geschehen, sondern das erwarten Christen bei Jesu Wiederkunft. Das ist noch Zukunft.

4.2 Und danach redet er von Jesu Erlösung: Viele werden durch Ihn aufgerichtet, aber viele werden auch zu Fall kommen. Denn ER ist ein Zeichen am Kreuz, dem widersprochen wird. Und Maria erhält die Weissagung vom Schwert durch ihre Seele. Es ist der Hinweis auf den Schmerz über die Verborgenheit Gottes, den jeder Christ auf dieser Erde kennt. Maria trug ihn ihr Leben lang, zuletzt unter dem Kreuz.

4.3 Merkwürdig, der alte Tempel stürzt nicht ein. Und doch kriegt er hier sein erstes Zeichen: Jesus trägt das Opfer für uns vor Gott. Das nächste Zeichen wird zu Karfreitag geschehen, wenn der Vorhang zum Heiligtum zerreißt. Und wieder eine Generation später wird der Tempel ganz zerstört und nie mehr sein. Jesus löst ihn ab. ER ist der neue Hohepriester wie der Hebräerbrief sagt. Hier zieht ER ein als Baby.


5.1 Diese verborgenen Dinge sieht Simeon und darf sie aussprechen. Und neben ihn tritt Hanna und spricht über das Kind zu allen, die auf Erlösung warten.

5.2 Zwei Menschen, die im Strom ihrer Jahre - sie waren sehr alt - und im Trubel des Alltagslebens der inneren Sehnsucht treu geblieben sind, den Herrn, der Erlöser, für sich zu finden. Nach den Hirten und den Weisen sind es die nächsten Jesus-Sucher. Die ersten religiösen, kirchlichen, frommen Menschen. Und sie finden ihn. Sogar im Tempel, in der Kirche. Wir dürfen uns getrost neben sie stellen und unser "nunc dimittis" sagen: Herr, nun lässt Du Deinen Diener in Frieden fahren. Gut wer es kann und tut.



Amen.



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Zuletzt geändert am 16.01.2009 von: (fp)