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 <>< Predigt am Dritten Sonntag nach Epiphanias
von Pfarrer Friedhelm Peters,
Costa del Sol

(Rückmeldung oder Frage an
Pastor Friedhelm Peters)

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Gottesdienst am 25. Januar 2009

Großer Glaube

5 Als er nach Kafarnaum kam, trat ein Hauptmann an ihn heran und bat ihn: 6 Herr, mein Diener liegt gelähmt zu Hause und hat große Schmerzen. 7 Jesus sagte zu ihm: Ich will kommen und ihn gesund machen. 8 Da antwortete der Hauptmann: Herr, ich bin es nicht wert, dass du mein Haus betrittst; sprich nur ein Wort, dann wird mein Diener gesund. 9 Auch ich muss Befehlen gehorchen, und ich habe selber Soldaten unter mir; sage ich nun zu einem: Geh!, so geht er, und zu einem andern: Komm!, so kommt er, und zu meinem Diener: Tu das!, so tut er es. 10 Jesus war erstaunt, als er das hörte, und sagte zu denen, die ihm nachfolgten: Amen, das sage ich euch: Einen solchen Glauben habe ich in Israel noch bei niemand gefunden. 11 Ich sage euch: Viele werden von Osten und Westen kommen und mit Abraham, Isaak und Jakob im Himmelreich zu Tisch sitzen; 12 die aber, für die das Reich bestimmt war, werden hinausgeworfen in die äußerste Finsternis; dort werden sie heulen und mit den Zähnen knirschen. 13 Und zum Hauptmann sagte Jesus: Geh! Es soll geschehen, wie du geglaubt hast. Und in derselben Stunde wurde der Diener gesund.

Matthäus 8, 5-13

Liebe Gemeinde!

1.1 Es gibt nicht viele Momente, wo die Bibel beschreibt, dass Jesus überrascht ist. Hier ist ein solcher. Jesus wundert sich über den Glauben eines Menschen. Den findet er außergewöhnlich. Er findet ihn bei einem Ausländer.

1.2 Und das führt sogar dazu, dass er den Moment dazu nutzt, um die Öffnung des Reiches Gottes für alle Menschen mitzuteilen. Jeder, nicht nur Juden, haben Teil am Heil Gottes. Alle werden ohne Ansehen ihrer Herkunft aufgrund ihres Glaubens einen Platz am Tisch Gottes haben. Was für eine Öffnung löst dieser Mann mit seinem Glauben aus. Worin liegt die Besonderheit?


2.1 Glauben ist für viele Menschen so etwas wie ein Vertrag mit dem Himmel. Ich gebe etwas, damit Du, Gott, mir auch etwas gibst. Ich glaube an Dich, Du hilfst mir dafür. Ich bete zu Dir, Du machst gesund. Ich halte Dir im geheimen die Treue, nach außen kann ich das nicht zeigen, dafür schenkst Du uns noch viele schöne Jahre. Do ut des. Ich gebe, damit Du gibst. - Jeder Glaube fängt so an. Auch der Glaube in unserer Geschichte. Sonst machte ja die Bitte zu Gott keinen Sinn. Herr, mache meinen Diener gesund! Und Jesus sagte: Ich tue es. Der Diener wurde gesund. Gott hat geholfen. - Wahrscheinlich wäre die Geschichte nicht festgehalten worden, wäre es so gewesen.

2.2 So war es nicht. Der Hauptmann fängt viel demütiger an. Er bittet nicht um Gesundheit, sondern sagt nur wie es ist. Was daraus wird - er überlässt Jesus die Entscheidung. Von Anfang an: Mir geschehe wie Du willst.

2.3 Jesus scheint das sofort zu erkennen. Denn Er stellt keine Rückfrage wie das sonst oft bei Heilungen ist. Sofort bestätigt ER: Ich will kommen und ihn gesund machen. Auch hier hätte die Begegnung zu Ende sein können. Danke. Wie schön. Eine Heilung. Ein Wunder. - Doch auch so war es nicht.

2.4 Vielmehr präzisiert der Hauptmann noch einmal das Geschehen, lässt sich nicht vom Wunder mitreißen. Er weist darauf hin, dass ein Jude wie Jesus nicht in das Haus eines Sünders und Heiden wie seines kommen darf. Aber zur Lösung des Problems macht er deutlich, dass dies auch nicht nötig sei. Ein Wort des Heilands reicht. Durch Gottes Wort wurde die Welt. Durch ein Wort von Ihm kann Heilung kommen. Denn hier in Jesus ist Gott. Sprich nur ein Wort, dann wird mein Diener gesund. Wahrlich, dieser ist Gottes Sohn, heißt das im Klartext.

2.5 Hier erkennt einer die Göttlichkeit Jesu und respektiert sie, ehrt und achtet sie, obwohl er eigentlich mit einer Bitte zu Gott kam und schon zweimal hätte bei deren Erfüllung zugreifen können. Hier achtet einer wirklich Gott größer als sich selbst und die eigene Not. Hier lebt einer nicht mehr do ut des - ich mache was, dafür machst Du auch etwas. Hier sagt einer im Herzen: Du allein Herr bist groß. Dir gebührt alle Ehre. Wir sind ein Teil von Dir. Mache Du mit uns wie Du es willst. Wir gehorchen. Wie Du es tust, so soll es geschehen. - Das ist Stufe zwei im Glauben. Diesen Glauben nennt Jesus groß, bewunderungswert.


3.1 Dieser Glaube steht allen Menschen offen, nicht nur dem ersten Volk Gottes Israel. Dies ist der Glaube, der uns teilhaben lässt am Reich Gottes, gleich welcher Herkunft. Er stellt die Ehrfurcht Gottes und Seine Anbetung an die erste Stelle. Dein Reich komme, heißt es. Nicht: Mein Reich komme, Herr. - Die Kirche hat dies festgehalten in dem kurzen Satz der Liturgie, der oft beim Abendmahl gebetet wird: Herr, ich bin nicht wert, dass Du eingehst unter mein Dach. Aber sprich nur ein Wort, so wird meine Seele gesund. - Das ist der große Glaube im Reich Gottes. Den bewundert Jesus. Den möchte Er bei uns finden.

3.2 Ich sage zwar: Amen. Aber nicht weil ich aufhöre, sondern weil es bedeutet: So ist es. Denn es lohnt sich zum Schluss noch hinzuschauen, wie der Hauptmann zu diesem Glauben kommt.


4.1 Dazu erklärt er sehr praktisch: Auch ich muss Befehlen gehorchen. Und ich gehorche. Auch ich sage zu anderen: Geh! Und sie gehen. Und er folgert: Wenn Du Herr unserer Welt gebietest, dann geschieht es. Wenn Du sagst: Krankheit geh! Dann geht sie. Wer sollte sich dem obersten Gebieter allen Lebens denn entziehen können. Damit erklärt der Hauptmann wie der Glaube wirkt.

4.2 Das Empfinden, Fühlen, Handeln unseres Lebens lebt von der Bitte mit Respekt. Könntest du mir helfen? Fühlst du dich nicht wohl? Was empfindest du? Wer sagt: Fühl keine Trauer! Empfinde Freude!, ist ein unmenschlicher Diktator und bewirkt das Gegenteil. Er knechtet die Seele.

4.3 Doch unser Herz, der Geist in uns, in dem der Glaube wohnt, lebt von dem Willen, lebt von dem Anstoß, lebt vom geistlichen Befehl. Lobe den Herrn meine Seele! Anordnung an den Geist: Lobe den Herrn. Dann kann meine Seele es ausführen. - Deswegen heißt es: Sage ab dem Bösen. Und nicht: Bitte, bitte, handle nicht mehr in Sünde. Deswegen heißt es: Dir ist deine Sünde vergeben. Und nicht: Bitte empfinde ein wenig, ein weniger schlechtes Gewissen.

4.4 Glauben sagt dem Herzen, dem eigenen Geist: Ich will dem Herrn gehören. Nicht: Bitte, bitte, ich möchte mich ein wenig glaubender empfinden. Mit einem Geist, der will, sind wir geschaffen. Mit einem Geist, der will, glauben wir.


5.1 Und so kann Gottes Geist auch in uns wirken. Je mehr Vollmacht, je mehr Wirkung. Jesus, der alle Vollmacht in sich trug, Er konnte sagen: Krankheit geh! Und sie ging. Ihm war der Geist in Wirklichkeit zu Diensten. Er konnte im Geist anordnen und es geschah. Dem öffnete sich der Hauptmann. Das war der Grund für seinen großen Glauben. Er sah, wie Glaube durch den Geist in uns, der will, auch wirkt. Herr schaffe in mir ein reines Herz und einen willigen Geist.

5.2 Was Gott will selbst von Herzen wollen - das macht Raum für Gott. Ob wir diesen großen Glauben vom Hauptmann lernen.



Amen.



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Zuletzt geändert am 22.01.2009 von: (fp)