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 <>< Predigt am Letzten Sonntag nach Epiphanias
von Pfarrer Friedhelm Peters,
Costa del Sol

(Rückmeldung oder Frage an
Pastor Friedhelm Peters)

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Gottesdienst am 1. Februar 2009

Jenseitserfahrung und Verklärung

1 Sechs Tage danach nahm Jesus Petrus, Jakobus und dessen Bruder Johannes beiseite und führte sie auf einen hohen Berg. 2 Und er wurde vor ihren Augen verwandelt; sein Gesicht leuchtete wie die Sonne, und seine Kleider wurden blendend weiß wie das Licht. 3 Da erschienen plötzlich vor ihren Augen Mose und Elija und redeten mit Jesus. 4 Und Petrus sagte zu ihm: Herr, es ist gut, dass wir hier sind. Wenn du willst, werde ich hier drei Hütten bauen, eine für dich, eine für Mose und eine für Elija. 5 Noch während er redete, warf eine leuchtende Wolke ihren Schatten auf sie, und aus der Wolke rief eine Stimme: Das ist mein geliebter Sohn, an dem ich Gefallen gefunden habe; auf ihn sollt ihr hören. 6 Als die Jünger das hörten, bekamen sie große Angst und warfen sich mit dem Gesicht zu Boden. 7 Da trat Jesus zu ihnen, fasste sie an und sagte: Steht auf, habt keine Angst! 8 Und als sie aufblickten, sahen sie nur noch Jesus. 9 Während sie den Berg hinab stiegen, gebot ihnen Jesus: Erzählt niemand von dem, was ihr gesehen habt, bis der Menschensohn von den Toten auferstanden ist.

Matthäus 17, 1-9

Liebe Gemeinde!

1.1 Jenseitserfahrungen können schön sein. Zumindest sind sie interessant. Ich erinnere mich an einige Menschen, die mir berichteten, was sie nach ihrem klinischen Sterben erlebt hatten. Sie konnten das, weil ab einem bestimmten Zeitpunkt ihre innere Reise endete. Sie wurden zurückgeschickt. Dann setzte Ihr Herzschlag wieder ein. Und ein meist verblüfftes ärztliches Team fragte denn auch unverblümt: Wo kommen sie denn her?

1.2 In den Berichten der Menschen fiel mir auf, dass viele befürchteten man würde ihre Erfahrungen belächeln. Vieles im Leben außerhalb des Körpers war leicht und licht solange, bis man wieder zurück musste. Mancher sagt, er wäre am liebsten dort geblieben, so beglückend war der Zustand.

1.3 Der Wunsch von Petrus auf dem Berg der Verklärung erinnert mich an dieses Verlangen: Herr, es ist gut, dass wir hier sind. Wenn du willst, werde ich hier drei Hütten bauen. Wer wollte das nicht verstehen, der das Licht des Jenseits einmal sah.


2.1 Noch etwas anderes ist mir bei den Gesprächen mit Reanimierten aufgefallen. Auch wenn sie vorher harte Gottesleugner waren, sind nahezu alle durch ihre Jenseitserfahrung religiös geworden. Nie mehr wollten sie ihre Wirklichkeit auf das für die Augen sichtbare eingrenzen lassen. Sie waren zu gläubigen Menschen geworden.

2.2 Doch wenn ich sie als ebenfalls religiöser Mensch auf den Glauben an Christus und den auferstandenen Jesus ansprach lief ich stets ins Leere. Nein, an Jesus als Licht glaubten sie nicht. In der Welt hier und in der jenseitigen dort Ihm gehören, das wollten sie auch nicht. Ob sie denn nicht die Quelle der inneren Erleuchtung in Jesus hätten entdecken oder zumindest fragend prüfen wollen - meine Hinweise liefen alle ins Leere. Ich machte die für mich zunächst erstaunliche Beobachtung: Man kann äußerst religiös werden und bleibt völlig ungläubig gegenüber Jesus.

2.3 Mein Nachdenken über diese Beobachtung wurde durch unsere Geschichte erhellt.


3.1 Jesus vermittelt einem Teil Seiner Jünger eine Jenseitserfahrung. ER, der als Sohn Gottes, als Gottes Geist in Menschengestalt lebte, zeigt Seine sonst verborgene geistliche Seite. Diese Wirklichkeit des Geistes ist normalerweise für unsere Augen verborgen. Wir würden sonst wahrscheinlich schnell verrückt. Den Jüngern wird sie hier für eine bestimmte Zeit geöffnet. Verklärung heißt das, wenn man dies sieht, was man sonst nicht sieht.

3.2 Und in diesem jenseitigen Teil der Wirklichkeit sind auch die Toten ansprechbar, wenn Gott das will und erlaubt. Jesus wollte es. Er redete mit Mose und Elia, den beiden Propheten des alten Bundes mit den 10 Geboten und der Ankündigung von der Vollendung des neuen Bundes. Diese Vollendung geschieht bei der Wiederkunft Jesu, wenn Seine Erlösung für alle Welt erkennbar anbricht. So glauben die Christen. Zuvor muss jedoch Elia kommen, heißt es vom Messias. Jesus in der Mitte zwischen Mose und Elia, zwischen altem Bund und Vollendung des neuen, zwischen der gefallenen Schöpfung und der neuen. Die ganze Heilsgeschichte personell komplett vertreten in geistlichen Gestalten. Das zeigt die Verklärung auf dem Berg Tabor.

3.3 Erkennen das Petrus, Jakobus und Johannes? Sieht man das, wenn die inneren Augen für die geistige Welt in besonderem Maße geöffnet werden? Überhaupt nicht. Man kann prophetisch gucken bis zum geht nicht mehr und sieht nichts von der Wirklichkeit der Erlösung. Man kann in die unsichtbare Welt schauen und ist blind für Jesus und Sein Heil. Beeindruckt ist fast jeder. Lasst uns Hütten bauen. Beglückt vielleicht auch. Hier ist gut sein. Aber Glauben entsteht dadurch nicht. Das hält der Bibeltext klar fest. Keiner der Jünger sagt: Herr, Du bist wirklich Gottes Sohn. Keiner fragt: Was redet ihr miteinander? Was sagen Mose und Elia? Was läuft gerade in der Entwicklung der Heilsgeschichte? Wo stehen wir? Warum zeigst Du uns das? Alles nichts. Man wird eben nicht dadurch Christ, dass man ins Jenseits blickt, so schön das auch sein mag. Man wird auch nicht dadurch Christ, dass man im Jenseits ist, auch wenn das bestimmt interessante Seiten hat.


4.1 Ich habe mich gefragt, warum das so ist. Warum ist der Schlüssel zur unsichtbaren Welt nicht auch der Schlüssel zum Glauben an Jesus Christus? Auch darauf gibt unsere Geschichte Antwort.

4.2 Die geistliche Welt zu sehen klärt noch lange nicht, auf welchem geistlichen Fundament ich stehe. Die Sonne zu sehen bedeutet nicht, dass es in mir licht ist. Ein Brötchen zu erkennen heißt noch nicht, dass ich satt bin. Wem mein unsichtbares Fundament gehört, das entscheidet sich nicht schon damit, dass ich fundamentale Dinge der unsichtbaren Welt vor Augen habe. Geistliche Erfahrung macht noch keinen geistlichen Entschluss.

4.3 Der entsteht in meinem Herzen, wenn mein Geist sagt: Dem Licht will ich gehören. An Seiner Speise bin ich satt geworden. ER soll auch mein Fundament sein. Mein Geist ist in Seinem Geist gegründet. Dann sieht mein Herz nicht nur ins Jenseits, es lebt auch davon. Dann bleibt es nicht beim Wie-schön-ist-es-hier. Dann spricht das Herz auch mit. Dann baut es keine Hütten, es ist selbst dort zu Hause.


5.1 Davon sind die drei Jünger noch weit entfernt. Erst später werden sie selbst davon erzählen. Hier baut sie Jesus auf, keine Hütten. Was ihnen fehlt, das gibt Er. Nicht die Erlaubnis, Hütten zu bauen, um noch mehr Jenseits zu genießen. Ihr Herz muss anders werden. Das zeigt er ihnen.

5.2 Das kommt nur durch das Wort von Gott, dem wir gehorchen oder nicht. Er sprach: Das ist mein geliebter Sohn. Den sollt ihr hören. Das berührt das Fundament. Sie fallen deshalb zu Boden. Jetzt konnten sie entscheiden. Ja oder Nein. Das prägt das Fundament. Das lässt Ihn, Jesus, dann erkennbar werden im Diesseits und im Jenseits. Dann hat der Geist in uns nicht nur Erfahrung, er hat auch sein zu Hause. Bei Jesus.

5.3 Was für ein Schlüsselerlebnis wir auch mit dem Jenseits hatten oder haben werden, den Schlüssel finden wir nur in uns selbst. In unserem Bekenntnis: Ja oder Nein zum Herrn.



Amen.



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Zuletzt geändert am 29.01.2009 von: (fp)