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von Pfarrer Friedhelm Peters,
Costa del Sol

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Pastor Friedhelm Peters)

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Gottesdienst am 8. Februar 2009

Entlohnt - aber wie?

20 Denn mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Gutsbesitzer, der früh am Morgen sein Haus verließ, um Arbeiter für seinen Weinberg anzuwerben. 2 Er einigte sich mit den Arbeitern auf einen Denar für den Tag und schickte sie in seinen Weinberg. 3 Um die dritte Stunde ging er wieder auf den Markt und sah andere dastehen, die keine Arbeit hatten. 4 Er sagte zu ihnen: Geht auch ihr in meinen Weinberg! Ich werde euch geben, was recht ist. 5 Und sie gingen. Um die sechste und um die neunte Stunde ging der Gutsherr wieder auf den Markt und machte es ebenso. 6 Als er um die elfte Stunde noch einmal hinging, traf er wieder einige, die dort herumstanden. Er sagte zu ihnen: Was steht ihr hier den ganzen Tag untätig herum? 7 Sie antworteten: Niemand hat uns angeworben. Da sagte er zu ihnen: Geht auch ihr in meinen Weinberg! 8 Als es nun Abend geworden war, sagte der Besitzer des Weinbergs zu seinem Verwalter: Ruf die Arbeiter, und zahl ihnen den Lohn aus, angefangen bei den letzten, bis hin zu den ersten.
9 Da kamen die Männer, die er um die elfte Stunde angeworben hatte, und jeder erhielt einen Denar. 10 Als dann die ersten an der Reihe waren, glaubten sie, mehr zu bekommen. Aber auch sie erhielten nur einen Denar. 11 Da begannen sie, über den Gutsherrn zu murren, 12 und sagten: Diese letzten haben nur eine Stunde gearbeitet, und du hast sie uns gleichgestellt; wir aber haben den ganzen Tag über die Last der Arbeit und die Hitze ertragen. 13 Da erwiderte er einem von ihnen: Mein Freund, dir geschieht kein Unrecht. Hast du nicht einen Denar mit mir vereinbart? 14 Nimm dein Geld und geh! Ich will dem letzten ebensoviel geben wie dir.
15 Darf ich mit dem, was mir gehört, nicht tun, was ich will? Oder bist du neidisch, weil ich (zu anderen) gütig bin? 16 So werden die Letzten die Ersten sein und die Ersten die Letzten.

Matthäus 20, 1-16a

Liebe Gemeinde!

1.1 Dass dieses Gleichnis nicht von der Gewerkschaft stammt leuchtet unmittelbar ein. Bei so viel Unrecht in der Entlohnung kann man nur staunen. Ein Generalstreik in den Weinbergen Israels wäre sogar ohne Abstimmung durch gegangen, wäre dies passiert. Oder war das passiert? Und Jesus greift diese anstößige Geschichte auf? Aber wie kommt es, dass Jesus Sein Himmelreich mit so einer zum Himmel schreienden Unrechtserzählung erklärt? Gegen Gerechtigkeit war Er doch nie. Geht hier die Liebe mit Ihm durch, die das Maß verliert? - Solche und ähnliche Fragen hat es viele bei der Auslegung gegeben. Dabei lässt sich schon erkennen, was Jesus meint.

1.2 Es geht um den Lohn, den jemand erhält, der seinen Glauben lebt. Was ist der? Petrus fragt das nach dem der sogenannte Reiche Jüngling weggegangen war: Herr wir haben alles verlassen. Und Jesus verheißt Seinen Jüngern einen großen Lohn in der ewigen Welt. An anderer Stelle nennt Er ihn konkret. Teilhaben an der Schöpfermacht Gottes steht den Jüngern bevor. Sitzen auf den Stühlen am Thron Gottes.

1.3 Und was meint dazu die Geschichte von den Arbeitern im Weinberg?


2.1 Zunächst einmal ist jedem Zuhörer von damals klar: Der Weinberg ist das Gottesreich. Israel wurde von den Propheten damit verglichen. Jesus vergleicht hier den Kreis Seiner Nachfolger ebenfalls mit dem Weinberg. Ich bin der Weinstock. Ihr seid die Reben. Sagt Er. Warum? Die Traube als Frucht bringt Saft. Vergärt der entsteht Wein.
Ein Bild für das, was Glauben ausmacht. Die Frucht unseres Lebens soll in uns wachsen und sich unter Gottes Geist zu himmlischer Freude wandeln. Aus unserem Wasser wird Wein der Ewigkeit am Weinstock Jesus. Wer diese Frucht im Glauben nicht bringt, der wird abgeschnitten und verdorrt zu Dürr Holz. Das verbrennt. So Jesus.

2.2 Wer gehört denn zum Weinberg? Wer darf darin wirken? - Das erste Besondere: Alle, die es möchten. Zu keiner Zeit wird eine Vorbedingung ausgemacht vom Herrn des Weinbergs. Am Anfang und noch viermal später wird jeder eingeladen: Komm und schaffe. - Damit sagt Jesus: Ich frage nicht, wo kommst du her. Du darfst im Glauben wirken. Jeder ist eingeladen. Ein Dienst für Gott kennt keine Hürde. Komm, komm, komm. So offen ist die Tür in keiner Religion. Zum Leben und Wirken am Weinstock Jesu wird jeder eingeladen. Zu allen Zeiten unseres Lebens, zu Anfang, Mitte, Ende, dürfen wir in eine Arbeit für Ihn einsteigen. - Herr, 60 Jahre warst Du für mich Luft. Jetzt merke ich, was in Dir steckt. Du willst mich wirklich. Ich folge Dir. - Und der Dienst im Weinberg beginnt.

2.3 Den Letzten hatte der Besitzer unseres Weinbergs gar keinen Lohn mehr zugesagt. Sie machten einfach. Sie fragten nicht nach Lohn. Er wird mir schon was geben. Dann gab Er ihnen den vollen Tagessatz für eine Stunde.

2.4 Was ist das, was ein Christ erhält, wenn er Jesus nachfolgt? Ein jeder weiß das, der sich genau beobachtet beim Glauben. Leben wir mit und in dem Herrn, dann ist Er auch in uns. Er breitet Seinen Frieden in uns aus. Er ist mit Seinem Licht in uns. Er spricht in uns. Er gibt uns Klarheit. Er lebt mit Seinem Geist in unserem. Das ist der Denar eines jeden Dieners. Und in der Ewigkeit steht damit alles offen, was hier verborgen anklingt: Ewiger Friede, ewiges Licht, ewige Klarheit, ewige Kraft Seines Geistes. Wer die Münze des Weinbergbesitzers bekommt hat alles, erst verborgen, später offenbar.

2.5 Kann man davon zwei haben? Nein. Lässt sich der Wert verdoppeln. Unmöglich. Es gibt nicht zwei Ewigkeiten. Im Himmel sind Gewerkschaften arbeitslos. Das Maximalziel ist erlangt. Wer nach mehr fordert, der hat weniger verstanden. - So warnt Jesus hier die schon lange Glaubenden, aber auch die schon früh zum Reich Gottes gekommenen: Verwechselt Eure lange Zeit des Wirkens im Reich Gottes nicht mit einem Dienstjubiläum. Verrechnet Eure Glaubenszeit nicht mit der Arbeitszeit. Es gibt nur einen Lohn, Sein Friede. Schafft ihr schon lange, dann habt ihr schon lange Frieden des Herrn in euch. Schafft ihr erst kurz für Ihn, dann freut euch, dass das Wort des Herrn euch auch noch mitnimmt. Denn wer im Glauben Erster oder Zweiter sein will, versteht gar nichts. Er wird der Letzte sein. Es gibt nur einen Lohn beim Herrn: ER in uns, wir bei Ihm. Einen Denar. Der Herr selbst ist das.


3.1 Nun sehen wir, dass wir es nicht mit Ungerechtigkeit in der Entlohnung zu tun haben, die Jesus noch als Vorbild hinstellt. Vielmehr wird hier der Wert geklärt, den Glaubende erwirken und empfangen. Es gibt nur einen: Die Arbeit im Reich Gottes lebt vom Weinstock Jesus. Sie bringt Früchte aus Seiner Kraft. Sie empfängt den Lohn als Seine Kraft. Auf Erden ist das in des Tages Last und Mühe schon im Herz zu spüren. In Ewigkeit wird in Vollendung Seine Freude in uns sein und wir in ihr. Zu einem solchen Weg und Dienst ist jeder und zu jeder Zeit noch eingeladen.

3.2 Kenn ich schon den Denar, den ich für meinen Weg der Nachfolge in mir habe? - Freue dich an ihm.


4.1 Neben dieser traditionellen Auslegung des Gleichnisses hat es stets auch Hinweise gegeben, den Text prophetisch zu begreifen. Dann würde Jesus hier die Zeit der Kirche meinen, in der Gott jeweils neu Arbeiter in den Weinberg sandte, zur Erneuerung Seines Werkes. Die Kirchenväter dachten an zweitausend Jahre. Auf 12 Stunden macht das jeweils fünfhundert Jahre für einen Schub, drei Stunden. Der Zeit der Apostel folgte die Germanenmission um 500. Um die Jahrtausendwende die Mission des Ostens mit den Entgleisungen der Kreuzzüge. Um 1500 die Reformation. Und um die elfte Stunde die Erneuerungsbewegungen des 19. Jahrhunderts. Auch das trifft zu.

4.2 Doch immer bleibt die Botschaft der Entlohnung gleich, egal für welchen Einsatz uns der Herr gebrauchte. Es gibt nur einen Denar. Ihn selbst.



Amen.



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Zuletzt geändert am 12.02.2009 von: (fp)