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von Pfarrer Friedhelm Peters,
Costa del Sol

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Pastor Friedhelm Peters)

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Gottesdienst am 22. Februar 2009

Das Kreuz nehmen

31 Dann begann er, sie darüber zu belehren, der Menschensohn müsse vieles erleiden und von den Ältesten, den Hohenpriestern und den Schriftgelehrten verworfen werden; er werde getötet, aber nach drei Tagen werde er auferstehen. 32 Und er redete ganz offen darüber. Da nahm ihn Petrus beiseite und machte ihm Vorwürfe. 33 Jesus wandte sich um, sah seine Jünger an und wies Petrus mit den Worten zurecht: Weg mit dir, Satan, geh mir aus den Augen! Denn du hast nicht das im Sinn, was Gott will, sondern was die Menschen wollen.
34 Er rief die Volksmenge und seine Jünger zu sich und sagte: Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach. 35 Denn wer sein Leben retten will, wird es verlieren; wer aber sein Leben um meinetwillen und um des Evangeliums willen verliert, wird es retten. 36 Was nützt es einem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt, dabei aber sein Leben einbüßt? 37 Um welchen Preis könnte ein Mensch sein Leben zurückkaufen? 38 Denn wer sich vor dieser treulosen und sündigen Generation meiner und meiner Worte schämt, dessen wird sich auch der Menschensohn schämen, wenn er mit den heiligen Engeln in der Hoheit seines Vaters kommt.

Markus 8, 31-38

Liebe Gemeinde!

1.1 Kreuz tragen ist In. Was im Kruzifixstreit in deutschen Gerichten aus Klassenzimmern und öffentlichen Räumen weggekämpft wird hängen sich modebewusste Personen vermehrt freiwillig um den Hals. Merkwürdig. Mancher Bischof ist mit seinem Brustkreuz längst nicht mehr Topträger was die Größe des Schmucks betrifft. Wie kommt das?
Wir müssen zumindest drei Dinge beim Kreuz unterscheiden. Sie helfen uns, auch Jesu Worte zu verstehen.

1.2 Zunächst war das Kreuz ein Folterinstrument. Es diente den Römern als Tötungsmaschine. Auf grausamste Weise wurden damit Menschen hingerichtet. Die Botschaft lautete: Das Recht wurde durchkreuzt. Ob zu Recht oder Unrecht: Durchs Kreuz erlebst du jetzt dein eigenes Ende. Du sühnst für gebrochene Recht. Niemand kann ernsthaft jemanden ein solches Ende wünschen.

1.3 Dann wurde durch die Kreuzigung Jesu und Sein Liebeswerk das Kreuz zum Zeichen des Sieges über das Unrecht. Vater, vergib Ihnen. Das war Jesu Botschaft. Und sie machte das Kreuz zu einem Liebeszeichen. Im Zeichen des Kreuzes, im Sieg der Liebe über gebrochenes Recht und Tod, wurde das christliche Abendland geschaffen. Kein Marktwirtschaft, kein Recht, keine Menschenrechte und moderne Verfassung unserer Zeit sind denkbar ohne das Zeichen des Kreuzes. - Natürlich wissen wir, dass der Missbrauch des Kreuzes neues Blut fließen ließ, sogar den Antisemitismus schürte, statt ihn zu überwinden. Doch der Kern ist Liebe: Im Namen des Kreuzes Jesu. Dir ist vergeben. Daraus entstand eine neue Zivilisation, in der wir heute leben.

1.4 Wie alle starken Symbole wird auch in unserer Zeit das Kreuz als Modeschmuck genutzt. Engel dienen bei der Autowerbung, um himmlische Möglichkeiten anzudeuten. Wunder werden mit Produkten verknüpft, die unsere Waschmaschinen revolutionieren sollen. Und das Kreuz dient als Hinweis darauf, dass etwas echt havy ist, dass was drinsteckt. Man ist zwar kein Bischof oder Kardinal, aber mindestens so gewichtig - als Schmuck. Keiner wird dadurch Christ, so wenig wie ein neues Waschmittel Wunder wirkt.


2.1 Wenn Petrus vor dem Kreuz warnt: Das geschehe Dir nicht!, dann ist das Kreuz im ersten Sinne gemeint. Petrus bekommt Mitleid angesichts der Schreckensnachricht Jesu, der Seine Kreuzigung vorhersagt. Um alles in der Welt, so weit darf es nicht kommen! Petrus reagiert menschlich angesichts einer unmenschlichen Prophetie.

2.2 Dagegen kann Jesus gar nichts haben, sonst hätte ER nicht die Geschichte vom barmherzigen Samariter erzählt. Wenn Jesus hier dennoch protestiert und Petrus sogar Satan nennt, dann hat das einen anderen Grund.
Gottes Weg zu gehen bedeutet nicht immer, ohne Leid davon zu kommen, menschlich behandelt zu werden, Recht zu bekommen. Wer Gottes Wege dennoch geht erlebt oft, dass über ihm der Stab gebrochen wird, Verleumdungen niederprasseln und das Recht Gottes in einem selbst gekreuzigt wird. Jesus wusste das. Und Seine Jünger weist ER vorweg darauf hin. Sie sollen Seine Prophetie und Seine darin aufgehobene Weisheit hören und verstehen. - Komm, lass das mal, sagt Petrus. Das war zwar nett gemeint. Doch er traf voll daneben. Und Jesus nimmt es dennoch ernst. An Seiner Antwort können wir es sehen. Wissen wir wer spricht, wenn Gottes Weisheit mit Unverständnis oder Dummheit, nieder gemacht wird? Der Satan handelt so, sagt Jesus. "Lass das Kreuz weg! Ach, hör doch auf, das ist doch übertrieben!" So etwa kann er reden.

2.3 Doch Jesus gibt nicht auf. Noch einmal fängt er an. Jetzt nicht mehr aufgehängt an Seiner eigenen Geschichte erklärt ER den Gottesweg des Kreuzes. Worin besteht der? Was ist der Kern? Warum entsteht so Liebe?


3.1 Diesmal fängt Jesus mit unserer inneren Geschichte an. Woher kommt unser Leben? Wie können wir es sichern? Wie erhalten? Die Antwort ist ganz klar. Wir können unsere Lebendigkeit nicht schaffen. Wer sie selbst sichern will wird sie verlieren. Ein Eimer füllt sich nicht selbst mit Wasser. Ein Teich ist nicht selbst Quelle. Wer nicht Lebendigkeit von Gott als Spender unseres Lebens aufnimmt, füllt sich mit leeren Dingen. Stillstand, Vergiftung, Vertrocknen, Lebens-Langeweile sind übliche Ergebnisse. Wer kennt sie nicht. Wer sein Leben erhält, der wird es verlieren. Auf Dauer läuft der Eimer leer. Der Lebens-Teich riecht abgestanden.

3.2 Doch leider passt die Sehnsucht nach dem lebendigen Wasser Gottes nicht in unser Leben, unseren Alltag, unsere Welt. Fast immer läuft sie auch den eigenen äußeren Bedürfnissen gegenüber quer. Sie entspricht nur unserem Innersten, der tiefsten Sehnsucht unseres Geistes. Doch äußerlich durchkreuzt der Weg mit Gott fast ständig unser Leben.

3.3 Soll ich jetzt etwa noch beten? Gleich fängt der Film an. - Muss ich das für Dich Herr tun? Da habe ich jetzt überhaupt keine Lust zu. Morgen ist auch noch ein Tag. Doch Morgen ist das Wort des Herrn schon weg. - Soll ich dem vergeben? Das schafft mein Herz nicht. Und es wäre Unrecht. - Gottes Wege sind oft höher als unsere Wege. Doch kommen sie in unserem Leben an und füllen unser Herz, dann muss ich mich entscheiden: Will ich den höheren Weg auch gehen? Will ich, dann entsteht ein Kreuzesweg. Mein Weg, Sein Weg, Kreuzesweg.

3.4 Zwei Dinge hält Jesus damit fest. Es gibt tatsächlich eine Quelle des Lebens. Der Herr ist jeden Tag bei uns, in uns, um uns. ER ist hier in unserer Mitte. Unser Leben kann im Kern daran heil werden. Wer mit dem auferstandenen Herrn lebt, erlebt in sich diese Quelle des Lebens, die hier schon lebendig sprudelt und bis ins ewige Leben quillt. -
Doch fließt sie, strömt sie oftmals quer zu unserm eingefleischten Wesen. Wir würden sie so selbst nicht erfinden. Der Herr macht es meist anders als wir denken. Seine Prophetie ist nicht unser Wunschpaket. ER führt. Und so entsteht in uns ein Kreuzweg. Für den muss ich mich entscheiden, wenn ich den Herrn will. Das Kreuz ist Preis der Liebe.


4.1 Jesus hat das vorgemacht. Deswegen spricht ER hier auch von Nachfolge. ER will damit sagen: Es geht. Aber es kostet auch. ICH gehe voran. Folgt Mir. - Dass ER dabei auch äußerlich sogar das Kreuz ertragen musste bei Seinem Tod ist Seine Geschichte. Sie zeigt, wie bei Gott alle Dinge völlig stimmig sind und von innen bis außen transparent. Doch den Kreuzweg ist Jesus schon vor dem Weg zum Kreuz gegangen. Und um diesen inneren Kreuzweg ging es Ihm.

4.2 Nehmen wir also ernst, dass das Kreuz ein wahrhaftiger Schmuck sein kann, nicht nur ein Modeanhänger. Es ist der wahrhaftige Schmuck eines Herzens, das sich nicht selbst erwählt, sondern den Herrn als Quelle des Lebens.



Amen.



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Zuletzt geändert am 19.02.2009 von: (fp)