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von Pfarrer Friedhelm Peters,
Costa del Sol

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Pastor Friedhelm Peters)

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Gottesdienst am 15. März 2009

Nachfolge

57 Als sie auf ihrem Weg weiterzogen, redete ein Mann Jesus an und sagte: Ich will dir folgen, wohin du auch gehst.
58 Jesus antwortete ihm: Die Füchse haben ihre Höhlen und die Vögel ihre Nester; der Menschensohn aber hat keinen Ort, wo er sein Haupt hinlegen kann.
59 Zu einem anderen sagte er: Folge mir nach! Der erwiderte: Lass mich zuerst heimgehen und meinen Vater begraben.
60 Jesus sagte zu ihm: Lass die Toten ihre Toten begraben; du aber geh und verkünde das Reich Gottes!
61 Wieder ein anderer sagte: Ich will dir nachfolgen, Herr. Zuvor aber lass mich von meiner Familie Abschied nehmen.
62 Jesus erwiderte ihm: Keiner, der die Hand an den Pflug gelegt hat und nochmals zurückblickt, taugt für das Reich Gottes.

Lukas 9, 57-62

Liebe Gemeinde!

1.1 Hat jemand von uns kein Kopfkissen? Wenn das der Fall ist, dann bestimmt nur deshalb, weil er oder sie einen steifen Hals bekommt. In jedes normale Bett gehört doch in der Regel ein Kopfkissen. Nur Obdachlose besitzen kein ordentliches Bett. Der Menschensohn hat nicht, wo ER Sein Haupt hinlegt. Muss jemand ohne Kopfkissen sein, um Jesus nachzufolgen?

1.2 Wer würde von uns nicht seine Eltern beerdigen? Es gibt zwar viel Streit an Gräbern, vor allem um den Nachlass. Aber anwesend sind doch alle, selbst die sich nicht verstehen oder verständigen können. Lass die Toten ihre Toten begraben. Muss jemand pietätlos werden, um Jesus zu folgen?

1.3 Wer geht schon ohne Abschied weg. Sicher, es gibt Menschen, die grüßen sich nicht mehr. Der Bruch zwischen ihnen ist so stark, dass sie sich übersehen wollen. Wer kennt das nicht. Doch keinem tut das gut. Eltern und Familie nicht mehr grüßen - welche Not steckt da bei allen Beteiligten! Wer … zurückschaut ist nicht geschickt für das Reich Gottes. Muss ich mit allen Brechen, um Jesus zu folgen?

1.4 Wie sollen wir diese merkwürdigen Forderungen Jesu verstehen? Ohne Kopfkissen leben, pietätlos handeln, keinen Blick auf meine Lieben werfen? Wie soll das gehen?


2.1 Wie immer müssen wir bei Jesus tiefer schauen, um nicht beim falschen frommen Knigge stehen zu bleiben. Die Nachfolge Jesu hat es in sich. Wie verwandelt uns in der Tiefe unseres Herzens. Aufgepasst, sagt Jesus. Du wirst anders. Deshalb ist dieses Wort wie ein Verkehrsschild. Änderung der Wegstrecke.

2.2 Und seine krassen Beispiele sagen, wo etwas anders wird. Schauen wir uns dafür die Beispiele und Hintergründe an.


3.1 Menschen ohne Kopfkissen. - Kennen Sie das auch. Der Koffer ist schon ziemlich voll. Aber das kleine Kopfkissen muss noch rein. Kinder steigen nicht ohne das Kuschelkissen in das Flugzeug. Jugendliche fahren nicht ohne das Kissen weg. Erwachsene haben sich so daran gewöhnt, dass es im fremden Hotelzimmer das eigene Kopfkissen braucht.

3.2 Jesus meint, Seine Nachfolge macht uns arm. Denn es zählt nicht mehr zu aller erst meine liebgewordene Verwöhnung. Es zählt Seine Erlösung. Es ist nicht mein Nest, was mich trägt. Es ist Sein Nest: Ich bin Sein Kind. Jesus macht das mit dem krassen Beispiel klar: Der Reichtum Seiner Geborgenheit kostet mich meine Heimat. Habe ich sie bei IHM gefunden, bekomme ich zwar hundert Kopfkissen zurück geschenkt. Aber die erste Geborgenheit und Sicherheit bleibt ER in mir.

3.3 Manchmal übt das der Herr. Dann werden mir lieb gewordene Kopfkissen weggenommen. Das ist Seine Art der Kissenschlacht. Und wir denken, die Welt geht unter. Dabei ist es nur der Einbruch unserer Bequemlichkeit mit der ER fragt: Stehe Ich auf Platz eins? Bin Ich dein Ruhekissen? Schläfst du in Meinem Frieden ein? Stehst du in Meinem Segen auf?

3.4 Oft entsteht ein Kampf im Herzen. Nein, sagen wir. Gott, Du bist ungerecht. Habe ich nicht immer …. Und ER: Das ist alles Mein. Du bist es auch. Akzeptiere das doch. Nimm an, Ich bin dein Friede. Und es wird dir alles andere zufallen. - Bin ich bereit, meine lieb gewordenen Bequemlichkeiten dem Herrn zu opfern, wenn ER es fragt? Das meint Jesus mit: Mensch ohne Kopfkissen.


4.1 Nach dieser Erklärung können wir schon ahnen wie es weiter geht. Wir werden Menschen ohne Vater und Mutter. -
Natürlich hat Jesus nichts gegen Kopfkissen und auch nichts gegen die Beerdigung. Er wurde ja selbst beerdigt und lobte die Frau, die ihn dafür salbte. Aber so arm macht uns die Nachfolge Jesu hier auch: Wir werden zu einem Teil Menschen ohne Familie.

4.2 Familienbindungen sind ein Reichtum. Und eine große Familie ist ein großer Reichtum. Wenn es gut geht ist es besonders schön. Im anderen Fall belastet es umso mehr, was auch nur zeigt, wie wir zusammengehören. Vater und Mutter ehren ist nicht nur ein Gebot. Es tut uns selber gut. -
Doch wie bei der Eheschließung Vater und Mutter verlassen werden, so stellt auch die Nachfolge Jesu die Bindung an Vater und Mutter auf neue Füße. Der Reichtum, Kind Gottes zu sein, kostet mich Vater und Mutter. Gott gehöre ich als Sein Kind zuerst. Meine Eltern sind für Ihn irdische Platzhalter. ER ist der gute Vater, die gute Mutter. Wie schön, wenn dafür meine Eltern Beispiele waren. Doch ER ist der erste Vater. Das hat viele gute Seiten.

4.3 Manche fürchten ihr Leben lang in allen Menschen ihren strengen Vater, unter dem sie litten. Immer lebt im Herzen die Furcht: Ist es jetzt wieder wie bei ihm? Manche reagieren ihr Leben lang wie eine von der Mutter übersehene Tochter. Werde ich hier wieder übersehen wie schon immer? Wir büßen in diesen Dingen für die Eigenarten unserer Eltern bis ins dritte und vierte Glied, sagt die Bibel. -
Als selbstbewusste Kinder Gottes können wir dem Herrn zuerst gehören. Dem guten Vater gehöre ich, der mich nicht in allem straft, mich nicht übersieht. Ich bin von meinen irdischen Eltern an diesem Punkt gelöst, geheilt. Ich stehe nicht mehr in der Schuld von ihnen. Von Eltern so befreit zu werden auf dem Weg der Nachfolge Jesu ist oft ein langer Weg. Doch es kann gelingen.

4.4 Die neue Familie ist der Kreis der Menschen, die ebenfalls als Kinder Gottes leben. Wie will man eigentlich die eigene natürliche Familie in rechter Weise lieben, wenn man nicht losgelöst von ihr von Gott die Kraft bekommt, für sie zu leben? Und dann schenkt Gott oft Segen im reichen Maß dazu. Das meint Jesus mit: Menschen ohne Vater und Mutter.


5.1 Zurückschauen gehört zu unserem Leben. Auch unseren letzten Hinweis kann Jesus nicht so meinen, dass wir nicht Abschied nehmen sollten, wenn wir gehen. ER selbst hat eine lange Abschiedsrede Seinen Jüngern mitgeteilt.

5.2 Doch wieder spricht Jesus die Bindung an, die auch Vergangenes betrifft. Bin ich was ich war? Oder bin ich, was ich als Kind Gottes werde? Bindet mich die vergangene Geschichte? Oder bin ich durch Jesu Vergebung frei für neue Schritte?

5.3 Daran hängt sehr viel für das eigene Bild und auch für das der anderen? Sehe ich mich im Licht der Erlösung, die in mir steckt? Sehe ich die Mitarbeitenden, die Gemeindeglieder, die Menschen als Kinder Gottes an? - Wie anders sehen wir aus, wenn uns das gelingt. -
Die Regel ist das nicht. Normalerweise tragen wir die Missgeschicke als Flecken mit uns herum. Hast du schon gehört, was mit der, mit dem passiert ist? Vergangenheitsbindung. In der Nachfolge werden wir zu Menschen, die nicht an ihre Vergangenheit gebunden sind und andere auch nicht für immer daran binden. Das meint Jesus mit: Menschen, die sich nicht umschauen.


6.1 Was ist denn daran schlimm, beim Pflügen umzuschauen? Das habe ich mir von einem Bauern erklären lassen. Die Furche pflügen geht nur dann, wenn man nach vorne schaut. Dann wird die Linie gerade. Blicke ich mich um, verspringt der Pflug. Die Linie wird krumm. Ich lande in der alten Furche. Die Arbeit war vergeblich. Ich ende wo ich war.

6.2 Ein jeder von uns zieht in seinem Leben Furchen. Achten wir darauf, dass wir in der Nachfolge Jesu Seinen Reichtum leben und nach vorne blicken. Uns sollte dann nicht schrecken, wenn wir dabei manchmal Menschen ohne Kopfkissen, ohne Vater und Mutter und ohne Bindungen an Vergangenes werden. Im Gegenteil: Es könnte uns frei machen.



Amen.



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Zuletzt geändert am 11.03.2009 von: (fp)