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von Pfarrer Friedhelm Peters,
Costa del Sol

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Pastor Friedhelm Peters)

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Gottesdienst am 29. März 2009

Geistliche Führung

35 Da traten Jakobus und Johannes, die Söhne des Zebedäus, zu ihm und sagten: Meister, wir möchten, dass du uns eine Bitte erfüllst. 36 Er antwortete: Was soll ich für euch tun? 37 Sie sagten zu ihm: Lass in deinem Reich einen von uns rechts und den andern links neben dir sitzen.
38 Jesus erwiderte: Ihr wisst nicht, um was ihr bittet. Könnt ihr den Kelch trinken, den ich trinke, oder die Taufe auf euch nehmen, mit der ich getauft werde? 39 Sie antworteten: Wir können es. Da sagte Jesus zu ihnen: Ihr werdet den Kelch trinken, den ich trinke, und die Taufe empfangen, mit der ich getauft werde. 40 Doch den Platz zu meiner Rechten und zu meiner Linken habe nicht ich zu vergeben; dort werden die sitzen, für die diese Plätze bestimmt sind.
41 Als die zehn anderen Jünger das hörten, wurden sie sehr ärgerlich über Jakobus und Johannes. 42 Da rief Jesus sie zu sich und sagte: Ihr wisst, dass die, die als Herrscher gelten, ihre Völker unterdrücken und die Mächtigen ihre Macht über die Menschen missbrauchen. 43 Bei euch aber soll es nicht so sein, sondern wer bei euch groß sein will, der soll euer Diener sein, 44 und wer bei euch der Erste sein will, soll der Sklave aller sein.
45 Denn auch der Menschensohn ist nicht gekommen, um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen und sein Leben hinzugeben als Lösegeld für viele.

Markus 10, 35-45

Liebe Gemeinde!

1.1 Jakobus und Johannes zeigen richtige Führungsqualität. Sie erkennen worum es geht. Als Jünger sind sie jetzt an der Seite Jesu. Aber richtig interessant wird es erst, wenn Er als Messias die Herrschaft Gottes öffentlich antritt. Dann kommt es darauf an, am richtigen Platz zu sein. Zur rechten und linken Hand sitzen die Wichtigsten, die planende und ausführende Macht. Gibt es eine wichtigere Stelle? Von hier aus wird die Welt regiert. Da wollen sie hin. Ist das schlecht?

1.2 Spricht es nicht für sie, dass sie sich das zutrauen und sich deshalb melden. Ich kann Kanzler, sagt man heute. Sollte das schlimm sein, seine Stärken zu präsentieren? Lernen wir nicht, dass es darauf ankommt? Sind nicht alle Führungskräfte genau dadurch zu solchen geworden, dass sie zeigen, was in ihnen steckt und sich damit durchsetzen?

1.3 Und dann tragen sie das alles auch noch richtig nett als Bitte vor. Nicht zu fordernd aber deutlich, nicht anmaßend aber selbstbewusst. Wir können das. Jakobus und Johannes machen das gut.

1.4 Warum funktioniert irdisches Management nicht im Himmel? Was lässt Führung im Glauben anders sein als Führungsqualität unter Menschen? Warum kommen Jakobus und Johannes mit ihrem Auftritt nicht durch? Was mussten sie lernen, um später doch zentrale Führungspersonen in der frühen Kirche zu werden, was beide gewesen sind? Was ist geistliche Führungsqualität?

1.5 Diese Frage können wir an unserem Bibeltext lernen. Jetzt sagen sie vielleicht: Nette Frage. Aber ich will da nicht hin. Mir reicht es, wenn ich gerade mal in den Himmel reinrutsche. Anspruch auf Führung erhebe ich dort nicht und hier auf Erden erst Recht nicht. Dann gehen Sie ruhig Ihren Gedanken nach und schauen sich den Rest der Predigt die Kirchfenster an, die auch schön sind. Aber es könnte sein, dass Sie dabei doch etwas Interessantes verpassen.


2.1 Führung regelt Macht. Wird das gut gemacht, gerecht, friedensstiftend, frei und sozial, dann haben wir eine gute Führung. Was aber ist gut? Darum wird gestritten. Und wer in der Demokratie die Mehrheit hat, der bekommt die Macht.
Das war zu Zeiten Jesu anders. Herrscher wurde man durch Stand und Stellung, gleich ob man sie durch Herkunft oder militärische Herrschaft erwarb.
Doch gute oder schlechte Führung gab es zu allen Zeiten, gleich wie man an die Macht gelangte. - Gute Führungsqualität bieten Jakobus und Johannes Jesus für Seine Herrschaft als Messias an. Warum nur blitzten sie bei Jesus ab? Braucht Gottes Reich denn keine Menschen, die mit Macht gut umgehen können?

2.2 Nein, meint der Herr. Die auf der Erde alles entscheidende Frage: Wie hältst Du es mit der Macht und mit dem Gehorsam, ist im Reich Gottes anders.

2.3 Es gibt im Reiche Gottes Macht. Aber die hat Gott. Er hat sogar alle Macht. Und Er leiht sie Menschen, die damit gut umgehen sollen. Doch darum geht es nicht in Gottes Reich.
Macht ist nicht Thema. Christen greifen nie nach Gottes Macht, um mit ihr zu herrschen. Tun sie es, ist es falsch. Auch Jesus griff nicht nach ihr, obwohl Er es konnte. Er ließ sie hin und wieder aufblitzen, gab sie auch Seinen Jüngern als Kraft des Heiligen Geistes, um Berge zu versetzen und Kranke gesund zu machen. Er tat dies nur, um Glauben zu erwecken, nie um Menschen zu führen. Auf dieser Erde geschieht die Führung Jesu ohne Macht als Herrschaft. Wie anders wäre es zu verstehen, dass Jesus den Beistand ganzer Engelheere im Garten Gethsemane ablehnt und später zu Pilatus sagt: Mein Reich ist nicht von dieser Welt. Wahrlich nicht. Das Kreuz Jesu durchkreuzt alle normalen Führungskonzepte von Macht und Herrschaft.
Aber: Wie wie geht dann Führung in Glaubensdingen? Was ist geistliche Leitung?


3.1 Jesus teilt das in unserem Wort klar mit. Wir sollen als Menschen, die Ihm folgen, nicht lernen, uns gegenseitig zu beherrschen. Wir sollen lernen, einander zu lieben. Führung im Reiche Gottes ist nicht Ausübung von Macht mit der Frage, gehorchst du mir. Geistliche Führung ist Weitergeben von Liebe. Und wer ein großer Führer im Reich Gottes ist, teilt viel von Gottes Liebe aus. "Wer bei euch groß sein will, der sei euer Diener - Diakon. Und wer bei euch der Erste sein will, sei der Sklave - Doulos - aller."
Geistliche Führung ist Umgang in Liebe, nicht mit Macht. Geistliche Führung liebt und herrscht nicht. Das unterscheidet sie fundamental von irdischen Führungskonzepten. Und Jesus bestätigt das noch einmal klar mit Seinem eigenen Weg. "Denn auch der Menschensohn ist nicht gekommen, um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen und sein Leben hinzugeben als Lösegeld für viele."

3.2 Das zu verstehen ist wie eine Taufe. Man kriegt den Kopf nicht hoch, sondern runter, unter Wasser. Man trinkt nicht aus goldenem Becher als Krösus, sondern nimmt den Kelch des Leides. Das erklärte Jesus Jokobus und Johannes. Doch sie verstanden nicht. Wie soll man auch, wenn man nach menschlicher Führung strebt. Und als die Jünger über das Anliegen ihrer beiden Kollegen sauer wurden, weil sie auch gerne die Ersten wären, erklärt Jesus allen Jüngern es noch einmal. Doch sie verstanden auch nicht worum es geht: Führungskonzept der Liebe.


4.1 Es ist eine Frage, wie solche Führung gelingt. Die Effektivität von Macht und Führung mit ihr kennen wir. Wer damit am besten umgeht hat zu sagen. So ist das bis in die frömmsten Gruppen, die von Liebe reden und doch auf Herrschaft bauen. Unsere Kirchen geben davon Zeugnis. Leider.

4.2 Warum hat Jesus das so nicht gewollt? Warum hat Er nicht Seinen Glauben auf handfeste Macht gegründet, was sich als wirkungsvoll erweist? Hat Er nicht Seine Führungsleute der Liebe damit zur Ohnmacht verurteilt, zur Wirkungslosigkeit degradiert? Schuf Er nicht ein sehr schwaches Modell?

4.3 Die Antwort liegt auf der Hand. Er schuf ein Modell der Zukunft.
Denn Seine Meinung ist: Die Zeit auf dieser Erde ist für Glaubende da, Liebe zu üben, nicht Herrschaft. Die kommt von ganz alleine und übermächtig groß, wenn Gottes Herrschaft bei Jesu Wiederkunft mit Macht anbrechen wird. Von dannen Er kommen wird zu richten die Lebenden und die Toten, so beten wir im Glaubensbekenntnis. Jetzt ist die Zeit der Liebe und der Verborgenheit von Gottes Macht. Dann kommt die Zeit der offenen Herrschaft Gottes, Seiner Macht.

4.4 Und damit ist auch klar, wer auf den Stühlen sitzen wird, um die Jakobus und Johannes fragen. Es werden die sein, die sich hier in Liebe bewähren. Denen wird in Gottes Reich die Macht gegeben werden. Denn nur die gehen mit göttlicher Macht richtig um, die den Weg der Liebe bis zur Ohnmacht gegangen sind. Das werden dort die Großen sein, die hier die Diener aller waren.


5.1 Ist das nicht interessant, wie Jesus hier Sein Herz zeigt. Was Er lebte - Führung durch Liebe - das gibt Er uns weiter.

5.2 So ist Er in uns. So lenkt Er uns. So baut Er uns auf. Er fragt nach uns und donnert uns nicht zusammen. Er stellt kein Ultimatum. Und so soll auch unser Führungsstil in Glaubensdingen sein.

5.3 Er zeigt uns damit eine echte Alternative zu dem, was wir als Menschen sonst erleben müssen und oft auch selber leben, um nicht unter zu gehen. Er zeigt, was in der Zukunft unsere Welt regieren wird und wir schon jetzt hier üben können: Die Macht der Liebe. Für Menschen, die mit irdischen Führungsqualitäten leben und begabt sind, ist das die wirkungsvollste Horizonterweiterung.



Amen.



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Zuletzt geändert am 19.03.2009 von: (fp)