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Strafesel Strafesel

 <>< Predigt Palmsonntag
von Pfarrer Friedhelm Peters,
Costa del Sol

(Rückmeldung oder Frage an
Pastor Friedhelm Peters)

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Gottesdienst am 5. April 2009

Der Esel beim Einzug

12 Am Tag darauf hörte die Volksmenge, die sich zum Fest eingefunden hatte, Jesus komme nach Jerusalem. 13 Da nahmen sie Palmzweige, zogen hinaus, um ihn zu empfangen, und riefen: Hosanna! Gesegnet sei er, der kommt im Namen des Herrn, der König Israels! 14 Jesus fand einen jungen Esel und setzte sich darauf - wie es in der Schrift heißt:
15 Fürchte dich nicht, Tochter Zion! Siehe, dein König kommt; er sitzt auf dem Fohlen einer Eselin. 16 Das alles verstanden seine Jünger zunächst nicht; als Jesus aber verherrlicht war, da wurde ihnen bewusst, dass es so über ihn in der Schrift stand und dass man so an ihm gehandelt hatte. 17 Die Leute, die bei Jesus gewesen waren, als er Lazarus aus dem Grab rief und von den Toten auferweckte, legten Zeugnis für ihn ab. 18 Ebendeshalb war die Menge ihm entgegengezogen: weil sie gehört hatte, er habe dieses Zeichen getan. 19 Die Pharisäer aber sagten zueinander: Ihr seht, dass ihr nichts ausrichtet; alle Welt läuft ihm nach.

Johannes 12, 12-19

Liebe Gemeinde!

1.1 Ein jüdisches Sprichwort sagt: Wer im Traum einen Esel sieht, der schaut aus nach Erlösung. Wie kommt es zu dieser Verbindung von Esel und Erlösung? Schon eher erinnern Palmzweigen daran, die an diesem Wochenende von Palmsonntag auf vielen Prozessionen geschwenkt werden.

1.2 Erinnern wir uns.
Bileam, der käufliche Prophet, ritt auf einem Esel. Als der bockte rettete er damit Israel vor dem Fluch, den Bileam sprechen wollte (Nummeri 22).
Die verlaufenen Eselinnen von Sauls Vater Kisch führten dazu, dass Saul dem Propheten Samuel begegnete und die Königssalbung empfing (1. Samuel 9,10).
Maria wäre nicht ohne den Esel nach Bethlehem gekommen, sagt die Legende. Ein Esel schaute der Geburt des Retters im Stall zu.
Und die Weissagung von Sacharja 9, 9 spricht davon, dass der Retter auf einem Esel einzieht und die Streitwagen der Mächtigen vernichtet werden.
Gottes Erlösung kommt in Begleitung eines Esels. Das zeigen viele Erzählungen der Bibel.

1.3 Warum denn gerade ein Esel? In unserer Tradition verbinden sich mit ihm eher Dummheit oder Strafe. Der Strafesel war berüchtigt.

Er bestand aus zwei Brettern, die oben spitzwinklig miteinander befestigt waren. In einigen Ausführungen wurde der Rücken des Esels aus scharfkantigem Eisen gefertigt. Vorne befand sich meist ein mit Stroh ausgestopfter Eselskopf. Die Delinquenten wurden auf diesen "Esel" gesetzt. Je nach der Schwere ihres Vergehens wurden ihnen dann noch Gewichte an die Füße gebunden.
Auf den Esel kamen in der Regel Soldaten für kleinere Dienstvergehen, aber auch "schlechte Eheleute" wurden auf den Strafesel gesetzt. Der Strafesel diente zur Bestrafung leichter Verbrechen an öffentlichen Stellen, wie beispielsweise auf Marktplätzen oder vor Rathäusern. Er stand für gewöhnlich neben dem Pranger.

Wie kommt es beim Esel zur Erlösung?


2.1 Der Esel ist kein Protz- sondern ein Lasttier. Und Erlösung gibt es nicht ohne Lastenträger.

2.2 Denn Friede kommt nicht durch Stolz und Herrschaft. Friede wird getragen und ertragen.
Jesus sagt: Nehmt auf euch Mein Joch.
Der Herr schenkt mir Seinen Frieden und nimmt auf Sich meine Last. Habe ich das erfahren und lebe ich von Seiner Erlösung, dann lebt auch in mir was ER tut. Trägt Er mich dann trage ich auch andere. Ist ER mein Lastenträger dann bin ich auch Seiner. Ist ER mein "Esel" bin ich auch Seiner. An welcher Stelle ist Sein Dienst für mich zu meinem Dienst für Ihn geworden? Lastenträger für den Herrn sein wie Er auch einer war. Dafür steht der Esel.


3.1 Es gibt noch einen interessanten Hinweis bei den anderen Evangelisten. Jesus bittet seine Jünger, den Esel zu besorgen. Er beschreibt, wo sie ihn finden, und sagt dann noch: Bindet sie los.
Als ob man einen festgebundenen Esel mit nehmen könnte. Warum dieser Hinweis? Ich sehe unweit meiner Wohnung oft einen Esel stehen. Neugierig kommt er ein paar Schritte, wenn Passanten sich nähern. Doch dann stoppt er. Denn er ist festgebunden.

3.2 So scheint mir oft unser Weg im Glauben. Wir Festgebundenen. Neugierig gehen wir ein paar Schritte. Doch dann: Der Weg im Glauben stoppt. Wir ungelösten, wenn auch schon erlösten Lastenträger. Jesus sagt: Bindet sie los! Welche Bindungen muss ich lassen, damit es weiter geht. Löst sie! sagt der Herr.


4.1 Noch eine Beobachtung zum Esel in unserer Geschichte. Hier steht, ER reitet auf dem Esel und auf dem Füllen einer Eselin. Also worauf reitet Er nun? Kann man denn auf zweien sitzen?
Manche Ausleger finden hier einen Parallelismus Membrorum wieder, eine Stilform, in der man mit zwei Sätzen das gleiche sagt. Die Wiese ist grün, grün ist die Wiese. Vielleicht.
Doch es gibt auch noch einen anderen möglichen Hintergrund mit tieferem Sinn. Der Einzug Jesu in Jerusalem geschah nach biblischer Zeitrechnung am 10. Nisan, das ist der 2. April. Und das ist der Tag der Aussonderung des Passahlammes (Exodus 12, 3) für das Passahfest. Das Opferlamm musste ein reines Tier sein, kein alter Bock. Nicht zufällig geschieht der Einzug Jesu am Tag des "reinen Tieres", auf einem Füllen, einem noch unverbrauchten Esel. Denn Jesus selbst ist so. Auch Er ist ein reines Opferlamm. Ohne Sünde gibt Er sich für uns. Darin ist Er wie ein Füllen.

4.2 Und wiederum sucht Er die Haltung auch bei uns. Natürlich nimmt Er uns die alten Sachen ab und trägt die schrecklichen Dinge unseres Lebens. Doch dann, wenn Er es in uns tut, fragt Er nach unseren "Füllen": Darf Ich auch alles Neue deines Lebens haben? Das Letzte trage ich schon. Gibst Du mir auch dein Erstes? Schenkst du Mir deine Unberührtheit, deine erste Kraft, deine schönste Begabung, dein erstes Kind, das Schönste, was du hast? Der Herr sucht Seine Füllen.

4.3 Erlösung naht wo Esel sind. Aber wo ein Füllen auftaucht und der Herr danach fragt, da geht es um die Krönung der Erlösung. Da wird das Beste dem Herrn gegeben. Und wer dies tut, dem gilt: Gebt nur Gott und Seiner Sache den ersten Platz in eurem Leben, so wird Er euch alles geben, was ihr nötig habt (Matthäus 6, 33).


5.1 Wir sehen, dass die Wahl von einem Esel als Transportmittel zum Einzug in Jerusalem schon alles beinhaltet, was Jesus mit seiner Erlösung dort bewirken will.
Er das Lasttier. Er trägt hinweg die Sünde der Menschen. - Wo folgen wir Ihm als Lastenträger?
Er lässt es losbinden. - Wo stehen wir immer noch an kurzer Leine fest? Er reitet auf dem Füllen, Er ist es selbst. - Wo schenken wir ihm unser Erstes, unser Bestes?

5.2 Das ist das Ambiente vom Esel beim Einzug in Jerusalem und beim Beginn der Karwoche.


6.1 Bleiben noch die Palmenwedel. Es sind die Fahnen der Vergangenheit. Denn Stoff war nicht für jedermann verfügbar. Die Menschen schwenkten sie zum Zeichen des Triumphes. Doch wussten sie, worüber sie hier jubelten? Wohl kaum. Denn wenig später riefen sie genauso laut und willig: Kreuziget Ihn.
Bei allzu lautem Jubel soll man kritisch bleiben, sowohl beim Schwenken von Palmzweigen wie beim Genießen dieser Ehre.

6.2 Warum wohl Jesus nicht einschritt und diese Prozession beendete?
Es gab noch einen zweiten Jahrestag am 10. Nissan, 2. April. Vielleicht hat Jesus den im Sinn und lässt den Jubel zu. Es war der Tag, wo Josua über den Jordan ging. Der Einzug ins gelobte Land.

6.3 Jesus ging auch über den Jordan durch Seine Kreuzigung und zog als Auferstandener ein in das gelobte Land unserer Zukunft, der Herrlichkeit Gottes. Da gilt sehr wohl: Hosianna. Gelobt sei der kommt im Namen des Herrn. Verborgen hinter den Straßenrufen mag Jesus diesen himmlischen Jubel gehört haben. Auch wenn die Menschen es noch nicht verstehen, es ist doch wahr. Sein Weg ist der Weg ins gelobte Land. Dafür mag dann der Palmzweig stehen.

6.4 Und sicher gilt für jeden Weg, den wir mit Jesus gehen, dass dieser Jubel der Ewigkeit mitklingt.



Amen.



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Zuletzt geändert am 03.04.2009 von: (fp)