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 <>< Predigt zum Osterfest
von Pfarrer Friedhelm Peters,
Costa del Sol

(Rückmeldung oder Frage an
Pastor Friedhelm Peters)

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Gottesdienst am 12. April 2009

Auferstehung und das leere Grab

1 Als der Sabbat vorüber war, kauften Maria aus Magdala, Maria, die Mutter des Jakobus, und Salome wohlriechende Öle, um damit zum Grab zu gehen und Jesus zu salben. 2 Am ersten Tag der Woche kamen sie in aller Frühe zum Grab, als eben die Sonne aufging. 3 Sie sagten zueinander: Wer könnte uns den Stein vom Eingang des Grabes wegwälzen? 4 Doch als sie hinblickten, sahen sie, daß der Stein schon weggewälzt war; er war sehr groß. 5 Sie gingen in das Grab hinein und sahen auf der rechten Seite einen jungen Mann sitzen, der mit einem weißen Gewand bekleidet war; da erschraken sie sehr. 6 Er aber sagte zu ihnen: Erschreckt nicht! Ihr sucht Jesus von Nazaret, den Gekreuzigten. Er ist auferstanden; er ist nicht hier. Seht, da ist die Stelle, wo man ihn hingelegt hatte. 7 Nun aber geht und sagt seinen Jüngern, vor allem Petrus: Er geht euch voraus nach Galiläa; dort werdet ihr ihn sehen, wie er es euch gesagt hat. 8 Da verließen sie das Grab und flohen; denn Schrecken und Entsetzen hatte sie gepackt. Und sie sagten niemand etwas davon; denn sie fürchteten sich.

Markus 16, 1-8

Liebe Gemeinde!

1.1 Es ist merkwürdig wie unser christlicher Glaube begonnen hat: Mit einem Schrecken, der sich zu der größten Freude wandelte. In jedem von uns wohnt das bis heute.

1.2 Was waren das für drei tüchtige Frauen. Die Hinrichtung und Grablegung war gerade vorbei, da gehen sie in der ersten erlaubten Stunde nach dem Passahfest zu Jesu Grab. Dazu gehört Kraft. Sie wollten ihrem Jesus die letzte Ehre erweisen. Das tat man durch eine Salbung. Vergessen hatten sie, dass das ja gar nicht ging. Die Wächter würden im Weg stehen. An die hatten sie gar nicht gedacht. Ihnen fiel der Stein ein, der die Grabhöhle abschloss. Den rollte keiner weg. So kamen sie zum Grab. Ein neuer Schrecken. Das Grab war offen. War Jesus geschändet, entwendet, gestohlen? Sie hatten immer noch viel Mut. Sie gingen in das Grab hinein.
Ein neuer Schreck. Sie waren nicht allein. Da sitzt ein junger Mann in weißem Gewand. Ein Lichtmensch. Jetzt versagt die Fassung. Dass sie nicht schrien war schon viel. Und diese Lichtgestalt teilt ihnen mit: Jesus lebt. Er ist auferstanden. Der Tote lebt. Er werde ihnen erscheinen wie Er es angekündigt hat: Sagt das nun Seinen Jüngern.
Wer kann das nicht verstehen: Schrecken und Entsetzen packten sie. Sie sagten niemanden etwas. Sie fürchteten sich. Die Erfahrung des leeren Grabes entsetzt. Der Tote ist weg. Mit so etwas spaßt man nicht. Die Pietät verbietet das. Fassen ließ sich was sie erlebten nicht. So schwiegen sie erschrocken.

1.3 In vielen Christen lebt dieser leere Grabes-Schrecken weiter, auch wenn er sich ganz anders formuliert. So mancher sagt: Ich glaube wohl. Die Liebe und die Gebote sind meine Dinge. Mit denen findet jedes Leben Halt.
Doch Auferstehung? Ein leeres Grab? Wie soll ich damit umgehen? Vielleicht war es so eine typische Geschichte. Was wirklich war weiß keiner. Schließlich war niemand dabei. Wenn dann die Frauen Jesus im Grab nicht mehr gesehen haben, wer weiß. Vielleicht sind ihnen die Nerven durchgegangen. Wer sieht nicht gerne seine Lieben auch als Lichtgestalt. Aus der Geschichte ist am Ende doch nur Gutes geworden. Jesu Sache geht weiter. Ein leeres Grab, dazu schweige ich. - Mit einer solchen Meinung lässt sich Schrecken abwenden.

1.4 Denn wir erschrecken, wenn der Tod nicht Tod ist, wenn Gräber keine Gruft mehr bleiben, wenn eine letzte Grenze schmilzt, wenn wir hier gehen - durchgehen - weitergehen.
Sehen wir sie doch einst wieder, die vor uns gegangen sind? Ist dieses Leben hier nicht mit dem letzten Atemzug zu Ende? Durchschreite ich im Grab nur eine Tür, die weiterführt, gleich einer Geburt? Ist dieses Leben hier doch nicht das einzige? Was muss ich hier recht machen, dass ich dort bestehe? Führt Jesu Botschaft über den Tod hinaus? Gilt dort auch, was Er hier sagt? Bin ich gut vorbereitet, aufgestellt wie man heut' sagt? Leb ich nachhaltig - für das Weiterleben, Seine Ewigkeit?

1.5 Ein leeres Grab ist voll von Fragen. Und mindestens die Hälfte davon erschrickt. Der Alltag hat dafür ja keine Antwort. Die meisten Menschen machen deshalb einen großen Bogen ums leere Grab von Jesus. Nicht reinschauen. Wir sehen ja wie es den Frauen ging. Nur ja nicht schrecken lassen.


2.1 Doch die Frauen blieben nicht in ihrem Schrecken. Sie wurden bald die größten Freudenbotinnen. Die Welt, in die sie blickten, führte nicht in den Abgrund. Sie wurde zu neuem Grund des Lebens. Ihr Osterspaziergang war nicht ein Irrweg. Er leitete sie auf neue Wege.

2.2 Was macht den Wandel? Was führt zur Freude? Wie kommt der Glaube in erschreckte Herzen? Was lässt die stummen Menschen singen und laut jubeln?
Es ist bis heute die entscheidende Frage, was mich im Glauben froh und gewiss macht. Was? Wer?

2.3 Kein leeres Grab vermag das. Auch keine Lichtgestalt. Auch keine Erkenntnis, die ich daraus ziehe. Auch nicht mein Glaube selbst, zu dem ich mich entschließe.

2.4 Die Freude zieht durch Jesus ein, den Auferstandenen selbst. Die Frauen fingen an zu reden als sie von Jesus selber hörten. Wie zugesagt begegnete Er ihnen als Auferstandener. Den Jüngern auf dem Weg nach Emmaus. Dem sogenannten ungläubigen Thomas. Den Frauen selbst am Grab. Er füllte ihnen das Herz. Brannte es nicht in uns als Er mit uns auf dem Wege war?
Der Geist des Auferstandenen selbst entzündet unseren Geist und schafft in uns Erleuchtung. Feuer kommt durch Feuer. Licht entsteht durch Licht. Glaubensleben in uns entsteht durch die Quelle des Glaubens, den Auferstandenen Herrn. Durch die Begegnung mit Ihm wandelt sich der Schrecken. Aus Seiner Berührung fließt die Freude in unser Herz.
Der Auferstandene begründet den Glauben der Kirche. Das leere Grab wird durch Ihn zu einer wunderbaren Horizonterweiterung, was Tod ist angesichts des Auferstehungslebens. Er bringt das Licht in die Erkenntnis. Der Schrecken weicht.

2.5 Bis heute ist das geblieben.
Wie kannst Du glauben in Gewissheit und mit Freude? So werde ich gefragt. - Dafür gibt es kein Studium und kein Rezept. Es gibt nur Einen, der das schenkt. Du musst Ihm selbst begegnen. Mehr weiß ich nicht. - Und woher weiß ich, dass Er es ist und nicht nur pure Einbildung? - Wenn Du Ihn triffst und Ihm vertraust, dann weißt Du, dass Er es ist. Ich weiß, dass ich weiß, dass ich es weiß. Das ist Gewissheit, kein Beweis. Doch darauf lässt sich bauen. Entschließt Du Dich für Ihn zu leben fließt Freude ein ins Herz.

2.6 Wie sollte es auch anders sein. Der Auferstandene ist Geist. Er ist Raum-Zeit nicht unterworfen. So kann Er heute und in Ewigkeit hier und auch dort sein. Und die Begegnung mit Ihm ist eine Geisterfahrung. Zutiefst prägt sie das Herz. Er tut dies mit der Kraft des neuen Lebens. Das leere Grab war dabei nur eine Etappe. Noch viele andere gehören dazu. Ein spannender Weg bis in die ewige Welt.


3.1 Das ist die Osterfreude. Ein Schrecken stand am Anfang. Der Auferstandene wandelt sie in Freude. Er lebt. Er ist bei mir. Und etwas von Ihm auch in mir.

3.2 Was wären wir als Christen ohne Ostern? Ohne den Auferstandenen? Ohne die Begegnung mit Ihm in Echtzeit bis zum heutigen Tag.
Ostern kam der Auferstandene dicht dran an die Herzen der Menschen. Er füllte sie mit Seiner Gegenwart in einer Weise, wie dies zuvor nur wenigen auserwählten Menschen der Geschichte zuteil geworden war. Bis heute gilt dies Oster-Privileg für allen Menschen, uns allen. Dem Auferstandenen begegnen macht das Leben hell. Also: Nicht beim leeren Grab stehen bleiben. Ihn selber suchen, bis ich mit den Jüngern sagen kann: Auch ich bin Ihm begegnet.



Amen.



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Zuletzt geändert am 05.04.2009 von: (fp)