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 <>< Predigt zu Quasimodogeniti
von Pfarrer Friedhelm Peters,
Costa del Sol

(Rückmeldung oder Frage an
Pastor Friedhelm Peters)

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Gottesdienst am 19. April 2009

Der ungläubige Thomas - Korridor der Freiheit

19 Am Abend dieses ersten Tages der Woche, als die Jünger aus Furcht vor den Juden die Türen verschlossen hatten, kam Jesus, trat in ihre Mitte und sagte zu ihnen: Friede sei mit euch! 20 Nach diesen Worten zeigte er ihnen seine Hände und seine Seite. Da freuten sich die Jünger, daß sie den Herrn sahen. 21 Jesus sagte noch einmal zu ihnen: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch. 22 Nachdem er das gesagt hatte, hauchte er sie an und sprach zu ihnen: Empfangt den Heiligen Geist! 23 Wem ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben; wem ihr die Vergebung verweigert, dem ist sie verweigert.

24 Thomas, genannt Didymus (Zwilling), einer der Zwölf, war nicht bei ihnen, als Jesus kam. 25 Die anderen Jünger sagten zu ihm: Wir haben den Herrn gesehen. Er entgegnete ihnen: Wenn ich nicht die Male der Nägel an seinen Händen sehe und wenn ich meinen Finger nicht in die Male der Nägel und meine Hand nicht in seine Seite lege, glaube ich nicht. 26 Acht Tage darauf waren seine Jünger wieder versammelt, und Thomas war dabei. Die Türen waren verschlossen. Da kam Jesus, trat in ihre Mitte und sagte: Friede sei mit euch! 27 Dann sagte er zu Thomas: Streck deinen Finger aus - hier sind meine Hände! Streck deine Hand aus und leg sie in meine Seite, und sei nicht ungläubig, sondern gläubig! 28 Thomas antwortete ihm: Mein Herr und mein Gott! 29 Jesus sagte zu ihm: Weil du mich gesehen hast, glaubst du. Selig sind, die nicht sehen und doch glauben.

Johannes 20, 19-29

Liebe Gemeinde!

1.1 Haben Sie das schon einmal beim Kirchcafe erlebt: Da bringt jemand ein besonders leckeres Kuchenblech mit. Ihnen läuft das Wasser im Mund zusammen. Und Sie freuen sich nicht nur auf den Gottesdienst, sondern auch auf die Zeit danach. Dann werden Sie kurz aufgehalten beim Rausgehen. Sie kommen zum Kaffeetisch. Und - alles weg. Nur noch Krümel. Sie denken, so schnell kann doch keine Menschen das Blech leer machen. Doch es ist so. Sie kriegten nichts.

1.2 In der Erziehung ist es ähnlich. Es ist die gleiche Liebe von Mutter und Vater. Alle bekommen sie mit. Der eine der Geschwister kann sie nehmen, trägt sie in sich, wird dadurch ein Mensch, der sich geliebt weiß und das auch anderen weiter geben kann. Die andere kann das nicht aufnehmen. Sie fühlt sich verstoßen und ungeliebt. Sie hat Schwierigkeiten, jemandem seine Liebe zu glauben. Sie hat gelernt: Für mich ist nichts auf dem Tablett.

1.3. Auch unser Glaube weiß um diese Phänomen. Zwei Menschen erleben das gleiche Wunder. Der eine dankt und vertraut daraufhin Gott. Der andere schimpft und sagt: Wenigstens etwas. Es hätte aber mehr sein können. Wenn das Gott sein soll. Darauf verlasse ich mich nicht.
Eine Gabe, zwei Haltungen. Ein Geschehen, zwei Reaktionen. Ein Küchentisch, zwei Entwicklungen. Ein Anlass, zwei Glaubenshaltungen.

1.4 Warum das so ist haben sich schon viele Menschen gefragt. Warum weckt nicht eine Glauben weckende Predigt alle zum Glauben? Sie tut es nicht. Warum lässt nicht eine christliche Erziehung alle zum Glauben kommen? Das Gegenteil ist der Fall. Warum ruft nicht die eine Auferstehung Jesu bei allen Jüngern das gleiche Echo hervor? Schon im Jüngerkreis geschieht das nicht. Warum?

1.5 Wir finden in unserem Text bei Jesus einen interessanten Hinweis. Der kann uns helfen. Worauf müssen wir bei uns und anderen achten?


2.1 Etwas im eigenen Leben aufnehmen und für sich anzunehmen durchläuft in uns stets einen Korridor der Freiheit. Ich kann dazu Ja oder Nein sagen. Ich kann es wollen oder nicht wollen. Ich kann in diesem Korridor sagen: Ich nehme eine andere Tür. Die Liebe nehme ich nicht. Den Glauben will ich nicht. Auf so etwas lass ich mich nicht ein. Ich biege vorher ab. Ich wähle den Zweifel. Und manchmal kommen wir im Leben einfach zu spät. Dann ist das Tablett schon leer.

2.2 Meistens haben wir guten Grund, im Korridor der Freiheit so zu wählen wie wir es tun. Oft ist es eine alte Erfahrung, die wir stets neu kopieren und deren Ursprung wir vergessen haben. Wir wiederholen uns aus Gewohnheit. Irgendwann hat es uns mal geholfen, nicht zu vertrauen, nicht zu glauben, zu spät zu sein. Jetzt tun wir es, weil wir es tun. - Das ist unsere Freiheit. Gott lässt sie zu. Warum?

2.3 Neben der Nähe ist die Freiheit unserer Entscheidung das Höchste, was uns Gott auf dieser Erde schenkt. Wir tragen sie in uns. Gott rührt sie nicht an.

2.4 Das gilt auch in Glaubensdingen. Gott lässt uns die Entscheidung, auf Seine Liebe in Freiheit zu antworten. Er lockt, aber Er zwingt nie. Auch auf die Gefahr, dass wir Ihn ablehnen oder sogar zum Teufel werden wie der Diabolos: Den Korridor der Freiheit lässt Er in uns.
Er sagt Ja. Doch ob ich Ja oder Nein sage, das überlässt Er mir. Nie macht Er mich zur Marionette. Oft lässt Er sogar Glück oder Leid aus eben diesem Grund zu: Ich soll selber wählen wie ich wirklich zu Ihm stehe. Ich - kein anderer entscheidet. Er sucht meine Wahl.

2.5 Ein solches Geschenk der Freiheit trägt kein anderes Lebewesen der Schöpfung in sich. Nur wir als Menschen haben diese Fähigkeit. Und Gott sucht sie in uns. Warum? Ich denke, das ist Seine Ebenbildlichkeit, die wir tragen. Weil Er selber so ist, freut Er sich, wenn wir Ihm darin gleich sind. Die freie Entscheidung für einen Glauben an Ihn macht uns zu Seinem echten Gegenüber, an dem Er Freude hat. Glaube ich so habe ich zu Gott eine persönliche Beziehung. Gott sagt Ja. Ich sage Ja.


3.1 Aus diesem Grund ist Jesus auch überhaupt nicht sauer auf Thomas, als der nicht an Ihn als Auferstandenen glaubt. Thomas wählt ja nur nach seinem Muster, durchläuft seinen Korridor der Freiheit, findet für sich nicht die Tür, Jesus die Auferstehung zuzutrauen. Jesus akzeptiert diese Entscheidung des Thomas. Kein Groll. Keine Schelte. Kein Ausschluss aus dem Jüngerkreis. Jesus zerstört nicht die Freiheit, die sich Thomas bei seiner Entscheidung nimmt.

3.2 Dass die Entscheidung des Thomas trotzdem eine Fehlentscheidung ist, lässt Jesus Thomas selbst herausfinden. Und wie liebevoll das Jesus macht.

3.3 Keine Demütigung: Guck mal, hier bin Ich. Und was sagst du jetzt, du Schlaumeier. Hast wohl gedacht, das gibt es nicht. Und jetzt schau mal wie du mit deiner Weisheit da stehst. -
Nein, Jesus macht nicht den Korridor seiner Wahl schlecht, sondern zeigt ihm nur eine neue Tür:
Willst du mal tasten? Möchtest du sinnliche Bestätigung von übersinnlichem Auferstehungsleben? Denkst du, du kannst nur dem vertrauen, was du siehst?

3.4 Und die Antwort gibt Thomas sehr deutlich. Er sagt gar nicht mehr: Nein, ich habe mich geirrt. Er sagt gleich: Ja, mein Herr und mein Gott.
Ich gehe durch die neue Tür. Ich brauche nicht sehen, fühlen, schmecken. Ich vertraue Dir so, weil Du es bist, dessen Stimme ich höre, der zu mir spricht, dem ich folge. Thomas lernt schnell.

3.5 Und Jesus gibt für alle die Zusammenfassung: Verhake dich nicht in deiner Freiheit.
Nur wenn ich sehe, nur wenn ich erlebe, nur wenn ich erreiche, nur wenn ich, nur wenn ich … .
So kann ein jeder im Korridor der Freiheit reden - und sich verhaken. Durch die Tür des Glaubens geht er so nicht. Auf der steht: Selig, wer nicht "wenn" sagt. Selig, wer nicht sieht und doch glaubt.
Für diesen Weg kann ein jeder sich sehr wohl entscheiden. Auch Thomas tat es, wenn auch nach einer besonderen Nachhilfe des Herrn.


4.1 Wie schön der Herr das macht. Wo wir noch unsere "Wenn" und "Aber" pflegen, da ruft Er liebevoll nach unserem Namen. Die Freiheit nimmt Er uns nicht. Doch zeigt Er uns die Tür der Seligkeit. Er lockt. Was dann zu korrigieren ist, das überlässt Er uns. Wenn wir danach wie Thomas das alte Bekenntnis ganz neu sagen können: Mein Herr und mein Gott! - dann freut Er sich. So geht Jesus mit Thomas um. So macht Er es bis heute.

4.2 Ob wir das auch hinkriegen, einander solche Freiheit zu zubilligen wie Jesus das tut? Auf Anhieb scheint es einfacher, den anderen erst die eigene Meinung aufzudrücken. Unser Lebensstil ist darauf angelegt, zwar Freiheit anzupreisen und sie doch innerlich zu stehlen. Gott tut das nicht. Wer es mit Ihm zu tun hat, wird in seinem Herzen frei und darin aufgebaut. Und wer das umsetzt und auch andere so behandelt erlebt, dass Freiheit im Glauben Freude macht, für sich und andere.


5.1 Bleibt noch zum Schluss der Hinweis auf Pfingsten. Wenn wir annehmen, dass Johannes vom Pfingstwunder der Geistausgießung aus den anderen Evangelien wusste, bleibt die Frage: Warum berichtet er jetzt hier davon?

5.2 Johannes ist es eigen, die inneren Kleinigkeiten zu ergänzen, die ihm prophetisch wichtig sind. So schildert er auch hier nicht die öffentliche Geistausgießung wie Lukas dies tat. Sondern er spricht von einer anderen Geistausgießung mit der Vollmacht zur Sündenvergebung. Jesus hatte sie schon Petrus zugesagt. Jetzt werden alle Jünger dazu eingesetzt, auch der ungläubige Thomas. Wie das?

5.3 Sünde ist, Freiheit gegen Gott auszunutzen und Wege ohne Gott zu gehen. Vergebung ist, die Freiheit im Sinne Gottes zu gebrauchen. Genau das aber zeigt Jesus an Thomas, wie das geschehen kann, wie so etwas aussieht. Jesus setzt um, was Er zuvor ansagte.

5.4 Und Johannes zeigt mal wieder, dass er das sieht: Jesus der Heiland, in Wort und Tat.



Amen.



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Zuletzt geändert am 17.04.2009 von: (fp)