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 <>< Predigt zu Misericordias Domini
von Pfarrer Friedhelm Peters,
Costa del Sol

(Rückmeldung oder Frage an
Pastor Friedhelm Peters)

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Gottesdienst am 26. April 2009

Der gute Hirte - Die Selbstvorstellung Gottes

11 Ich bin der gute Hirt. Der gute Hirt gibt sein Leben hin für die Schafe.
12 Der bezahlte Knecht aber, der nicht Hirt ist und dem die Schafe nicht gehören, läßt die Schafe im Stich und flieht, wenn er den Wolf kommen sieht; und der Wolf reißt sie und jagt sie auseinander. Er flieht,
13 weil er nur ein bezahlter Knecht ist und ihm an den Schafen nichts liegt.
14 Ich bin der gute Hirt; ich kenne die Meinen, und die Meinen kennen mich,
15 wie mich der Vater kennt und ich den Vater kenne; und ich gebe mein Leben hin für die Schafe.

16 Ich habe noch andere Schafe, die nicht aus diesem Stall sind; auch sie muß ich führen, und sie werden auf meine Stimme hören; dann wird es nur eine Herde geben und einen Hirten.

27 Meine Schafe hören auf meine Stimme; ich kenne sie, und sie folgen mir. 28 Ich gebe ihnen ewiges Leben. Sie werden niemals zugrunde gehen, und niemand wird sie meiner Hand entreißen.
29 Mein Vater, der sie mir gab, ist größer als alle, und niemand kann sie der Hand meines Vaters entreißen.
30 Ich und der Vater sind eins.

Johannes 10, 11-16.27-30

Liebe Gemeinde!

1.1 Wenn ein Jude zurzeit Jesu die Worte "Ich bin" hörte, dann war das für ihn wie eine Erkennungsmelodie: Ich bin - der ich bin. Das war die Selbstvorstellung Gottes an Moses beim brennenden Dornbusch. Seit dieser Zeit wagte es keiner mehr das Worte "Jahwe" laut auszusprechen, was dies auf Hebräisch bedeutet. Das Wort war reserviert für Gott.

1.2 Jetzt aber kam jemand und setzte diese Rede fort: Ich bin. Die scheinbar leere Fortführung "der ich bin" des alten Testaments wurde gefüllt mit Fleisch und Blut, mit "Strumpf und Handschuh", wie Luther sagte. Gleich siebenmal schreibt Johannes nutzt Jesus die Selbstvorstellung Gottes - für sich selbst. ER darf es, denn ER und der Vater, sie sind eins, wie es in unserem Wort zum Schluss heißt.

1.3 Die Selbstvorstellung Gottes geht hier in eine neue Runde. Hieß es bei David 1000 Jahre zuvor noch "Der Herr ist mein Hirte" - und keiner wusste, wo ist Er denn? - so sagt nun Jesus: Ich bin es. Hier ist Er. Ich bin der gute Hirte. Zum Anfassen, zum Hören, zum Glauben. Ich, euer Gott, bin da.

1.4 Das ging schon damals nicht jedem in den Kopf und in das Herz. Es ist ja möglich, den Intellekt zum Glauben zu benutzen oder auch, um gerade nicht zu glauben. Ich kann so lange alle Glaubenshindernisse pflegen, bis mir mein Intellekt sagt: Geht nicht, kann nicht sein. Ich kann mein Denken freilich auch zu etwas anderem lenken, die Schwierigkeiten zu verstehen und auszuräumen.

1.5 Das tut hier Jesus. Die hoch gebildeten unter den Juden sagten: Kann nicht sein. Wie kann einer so reden als wäre er Gott. Gott ist der Mann aus Nazareth wohl nicht. Und Gottes Stimme hören wir in seinen Worten auch nicht. - Und Jesus? Gott zwingt nicht. Er teilt sich mit und lockt. Ich tue euch Gutes. Ich teile euch Gutes mit. Das tut Er hier in unserem Text. Schauen wir uns Ihn an.


2.1 Was macht den "guten Hirten" gut? Und warum stellt sich Jesus vor mit diesen Worten?

2.2 Vielleicht erinnern Sie sich, warum wir Menschen im Hinblick auf den Glauben in der Bibel mit Schafen gleich gesetzt werden. Das Palästina-Schaf hatte, so weiß man heute, im Hirn ein Loch. Dies war leider gerade an der Stelle, wo Orientierung entsteht. Die gab es nicht. So wird klar, was auch im Gleichnis beschrieben wird. Ein Schaf konnte "Mäh!" sagen und fröhlich in den Abgrund springen. Es wusste nicht was die richtige Richtung ist. Deshalb der Schäfer. Der musste sagen: Hier geht es lang. Dort ist die Weide, da der Tod. Hier ist das Wasser, dort die Wüste.

2.3 Wir Menschen gleichen in unserem Geist dem Palästina-Schaf. Wenn uns nicht jemand Orientierung gibt, verirren wir uns auf unseren religiösen Wegen. - Ich bin der gute Hirte, sagt Jesus. Ich kann euch auf rechter Straße führen, damit ihr nicht mit fröhlichem Mäh in euren Abgrund lauft.

2.4 Und warum "gut"? Ist nicht ein jeder, der in Glaubensdingen führt, auch gut? - Prüft selbst, sagt Jesus. Wie viele Hirten eurer Seelen pflegen nur sich selbst. Sie bereichern sich daran, dass ihr ihnen folgt. Sie verdienen an eurer Orientierungslosigkeit. Sie lieben euch nicht wirklich. Sie freuen sich nicht wahrhaft, wenn ihr das Wasser findet und die Weide, die euer Leben satt machen. Sie spielen mit eurem Geist. Sie denken nur an ihre eigene Bezahlung. Droht aber Gefahr, dann sind sie weg. Sie retten nur die eigene Haut. Die Schafe sind ihnen egal. - So ist kein guter Hirte. So sind bezahlte Seelen-Knechte. Ich aber bin der gute Hirte.
Ich kenne meine Schafe. Habe ich nicht jedem von euch das Leben geschenkt? Weiß ich nicht, was ihr braucht? Ich liebe euch doch als meine Geschöpfe.
Ich lasse selbst mein Leben für die Schafe. Wenn es denn nötig ist, stelle ich mich zwischen dich und alles Böse. Mich kann es treffen, du bist frei. Mich trifft das Kreuz, du findest Leben. Ich bin der gute Hirte. - Jesus hat gezeigt, dass Er das hält und tut.


3.1 So hat sich Gott bisher noch niemals vorgestellt. So klar, so einfach, so zum Anfassen, so unmissverständlich im Hinblick auf Seine Liebe. Da müsste doch ein jeder mit Freuden zugreifen.

3.2 Oh. Da irren wir uns sehr. Nervös reagierten die Angesprochenen. Bloß nicht einen solchen Hirten. Da müssten wir die eigenen Pfründe unserer Seelenführung in Frage stellen. So weit soll es nicht kommen. (20) Viele von ihnen sagten: Er ist von einem Dämon besessen und redet im Wahn. Warum hört ihr ihm zu? - Doch andere hielten die Tür noch offen. (21) Andere sagten: So redet kein Besessener. Kann ein Dämon die Augen von Blinden öffnen?

3.3 So sind wir Menschen. Wir können unsere Freiheit, die wir vor Gott haben, für alles nutzen.


4.1 Und dann redet dieser gute Hirte wie über die Zuhörer hinweg für die Zukunft, gleichsam prophetisch.

4.2 Er spricht davon, dass es noch andere Schafe nicht aus diesem Stall geben wird.
Da meint Er Sie und mich. Er meint die Völker dieser Welt. In einem Stall bei Juden geboren bleibt Er als Gott doch nicht in diesem Stall. Er wendet Seine Liebe allen zu.
Der neue Stall, der neue Bund, die neue Ökumene, die neue Gemeinschaft aller, die Jesus als guten Hirten folgen. Das spricht hier Jesus an.

4.3 Das stimmt auch wirklich. Egal in welches Land der Welt Sie kommen, in welche Art von Kirche. Stets werden Sie auch dort auf Menschen treffen, bei denen Sie die Liebe zu Jesus spüren. Sie sagen: Den kenne ich auch. Für mich ist Jesus auch der gute Hirte.
Das ist nach Gottes neuer Selbstvorstellung die neue "eine Herde", wie sie Jesus nennt. Das ist ein Stallgeruch, der sich nicht nach den kirchlichen Etiketten und Mitgliedschaften orientiert. Das ist ein Stückchen Heimat durch den Hirten Jesus.


5.1 Bleibt nach der Prophetie der neuen "einen Herde" das letzte Wort in unserem Text. Es bezieht sich auf das Loch im Hirn des Palästinenser-Schafes, die Orientierungslosigkeit. Das wird geschlossen. An diese Stelle bringt Jesus Heilung.

5.2 Meine Schafe hören Meine Stimme.
Das ist sehr rührend, wenn ein Mensch den Tinitus überwindet und wieder hören kann, wenn eine Augenkrankheit heilt und wieder Licht und Farbe zu sehen ist. Es ist ein eben solches Wunder, wenn Christen in ihrem Geist beginnen, die Worte Jesu zu hören. Da tut sich eine ganze Welt auf von neuer Orientierung.

5.3 Zunächst mögen es Worte sein, die lange schon im Herzen ruhen als Bibelwissen, doch plötzlich klar und lebendig sprechen. Du bist Mein Kind. Folge Mir nach. Du bist in Meiner Liebe. Dir ist vergeben. - Dann aber wachsen diese Worte, werden reicher, länger, deutlicher.

5.4 Ich kenne sie, sagt dieser gute Hirte von uns. Sie folgen mir. Meine Schafe hören Meine Stimme. Aus der Nähe zu Ihm und der Nachfolge von Ihm folgt das Hören auf Ihn im täglichen Glauben. Dort ist Abgrund. Hier ist alles, was du heute brauchst. Geh jetzt. Bleibe. Warte bis Ich rede. Orientierung.

5.5 Die neue Selbstvorstellung Gottes als guter Hirte legt das alte Gesetz der 10 Gebote als Sein lebendiges Reden in Liebe in die Mitte unseres Herzens.


6.1 Da sollen wir als Schafe Seiner neuen Herde hin. Ist das nicht ein gutes Ziel? Lohnt es sich nicht, die Entscheidungen des Lebens darauf auszurichten?

6.2 Dann kann der Herr anders als in unserem Text nicht nur sagen: Ich bin der gute Hirte. Er kann sagen: Ich bin Dein guter Hirte.



Amen.



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Zuletzt geändert am 24.04.2009 von: (fp)