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Der Weinstock - Dranbleiben Der Weinstock - Dranbleiben

 <>< Predigt zu Jubilate
von Pfarrer Friedhelm Peters,
Costa del Sol

(Rückmeldung oder Frage an
Pastor Friedhelm Peters)

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Gottesdienst am 3. Mai 2009

Der Weinstock - Die Selbstvorstellung Gottes


1 Ich bin der wahre Weinstock, und mein Vater ist der Winzer.
2 Jede Rebe an mir, die keine Frucht bringt, schneidet er ab, und jede Rebe, die Frucht bringt, reinigt er, damit sie mehr Frucht bringt.
3 Ihr seid schon rein durch das Wort, das ich zu euch gesagt habe.
4 Bleibt in mir, dann bleibe ich in euch. Wie die Rebe aus sich keine Frucht bringen kann, sondern nur, wenn sie am Weinstock bleibt, so könnt auch ihr keine Frucht bringen, wenn ihr nicht in mir bleibt.
5 Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und in wem ich bleibe, der bringt reiche Frucht; denn getrennt von mir könnt ihr nichts vollbringen.
6 Wer nicht in mir bleibt, wird wie die Rebe weggeworfen, und er verdorrt. Man sammelt die Reben, wirft sie ins Feuer, und sie verbrennen.
7 Wenn ihr in mir bleibt und wenn meine Worte in euch bleiben, dann bittet um alles, was ihr wollt: Ihr werdet es erhalten.
8 Mein Vater wird dadurch verherrlicht, daß ihr reiche Frucht bringt und meine Jünger werdet.

Johannes 15, 1-8

Liebe Gemeinde!

1.1 Wieder so eine Selbstvorstellung Gottes in den Worten Jesu, wie wir sie bei Johannes finden. ICH bin - das war reserviert für Gott. Hebräisch Jahwe. Keiner sprach das im Judentum aus. Die Ehrfurcht vor dem Heiligen verbot das. ICH bin - das war tabu, das galt nur Gott.

1.2 Und dann kommt Jesus her und wählt nach Johannes gleich siebenmal diese Formulierung. Jesus setzt damit die Selbstvorstellung Gottes bei Moses am brennenden Dornbusch fort. ICH bin - der ich bin, hieß es damals. Jetzt wird Gott konkreter, deutlicher, klarer. Gott zum Anfassen. Gottes Liebe direkt. Seine Heiligkeit hat Raum für jeden.

1.3 Hieß es beim letzten Mal: ICH bin der gute Hirte. So heißt es jetzt: ICH bin der wahre Weinstock. Was bedeutet diese Vorstellung? Was sagt sie über Gott und über uns?


2.1 Ich habe neulich ein Interview mit einem Weingutbesitzer aus dem Frankenland gehört. Darin sagte er neben vielen anderen Dingen auch folgendes Interessante: Die Trauben, die am längsten am Weinstock blieben, seinen das größte Risiko. Sie hätten zwar den größten Gehalt durch das lange Wachsen, sicherlich. Und ginge alles gut gäben sie ja auch den besten Wein. Doch nur eine schlechte Wetterperiode könnte alles zunichte machen. Durch einen Regen könnten sie verderben, abfallen oder verfaulen.

2.2 Da dachte ich an unser Jesuswort. Die vielen langjährigen Christen, die schon echt lange mit dem Herrn verbunden glauben und leben, die manchen Sturm des Wachsens hinter sich haben, in denen ein großer Gehalt steckt für einen guten geistlichen Wein - auch die sind nicht aus dem Schneider. Uns kann es noch erwischen. Erst die Ernte macht den Schluss, wenn der Weinbauer, Gott selbst, uns zu sich in seine Hand nimmt. Bis dahin heißt es, am Weinstock bleiben ohne abzufallen, zu verfaulen oder zu vertrocknen. Schauen wir uns an, was das bedeutet.


3.1 Die Traube am Weinstock erzählt eine einfache Botschaft: Ich bin versorgt durch meinen Weinstock. An ihm werde ich, was ich bin. Von dort kommt mein Saft. Von ihm ziehe ich Kraft. Die Bodenbeschaffenheit wird durch den Weinstock in mir verarbeitet. Meine Sorte, mein Charakter bilden sich durch den Weinstock in mir aus. Der Ort, wo meine Stelle sein wird, die Größe, wie viel ich wachse, das alles wird durch den Weinstock bestimmt. Was ich bin, bin ich durch ihn. Aus der Verbindung mit ihm wachse ich als seine Frucht.

3.2 Das beschreibt, wie wir als Kinder Gottes nach der Meinung Jesu leben sollen. Wir haben viel zu lernen. Ging es beim Hirten noch um die Orientierungslosigkeit der Schafe, die Er überwindet und heilt, so geht es beim Weinstock um die Kraft- und Saftlosigkeit eines Glaubenslebens. Nur die Verbindung mit dem Weinstock verhindert sie. Ein guter Anfang führt noch nicht zu einem reifen Ende. Dranbleiben ist das Stichwort. Dranbleiben für Saft und Kraft im Glauben.

3.3 Manche Menschen sagen: Man muss morgens die Bibel lesen und abends beten. Dann bleibt man dran. Andere wiederum sagen: Genau umgekehrt. Es gibt so viele Regeln der Praxis Pietatis. - Merkt nicht eine Traube, wann der Zustrom stoppt? Ob morgens oder abends, ob mittags oder nachts, wenn der Strom stoppt, dann muss ich ran.

3.4 Herr, hilf, ich verliere den Anschluss. Wo bin ich Dir entwischt? Was tue ich jetzt ohne Dich? Wie kann ich zu Dir umkehren? Wo kam ich aus Deiner Spur? Hier bin ich. Wo bist Du? -
Es ist gut beim Suchen nach der Verbindung zum Herrn stets an der trockensten Stelle anzufangen. Herr, hier spüre ich nichts von Dir. Muss ich davon lassen? Dann kehre ich gleich jetzt um. Habe ich etwas von Dir übersehen? Dann möchte ich es erkennen und jetzt danach handeln, was Du willst. -
Es gilt, so lange zu beten, bis die Verbindung zu Ihm wieder fließt. Nicht die Uhr, der Inhalt bestimmt die geistlichen Regeln. Ich soll solange beten und die Bibel lesen bis ich dran bin. Und dann soll ich tun, was Er will, damit ich mich nicht wieder vom Ihm löse.

3.5 Die Kraft des Glaubens ist das Ergebnis der ständigen Nähe zu Ihm.
In je mehr Situationen ich mich darin übe, umso mehr wächst in mir die Kraft des Glaubens aus Seiner Gegenwart. Ständiges Training wirkt.

3.6 Dran bleiben ist wie ein innerer Lebensstrom. Lebendiges Wasser nennt Jesus das an anderer Stelle (7, 38). Es ist eine Quelle für das eigene Herz, das dadurch reicher wird. Wer in Mir bleibt und ich in Ihm bringt viel Frucht, sagt Jesus in unserem Wort.

3.7 Dran bleiben und Wachsen bewirkt eine innere Freude, die Christen unabhängig von den äußeren Gegebenheiten kennen. Dies habe ich euch gesagt, damit meine Freude in euch ist und damit eure Freude vollkommen wird (11). Dies sagt Jesus in dem Abschnitt nach unserem Text.
So erklärt sich auch der Name unseres Wochenendes Jubilate, Freut Euch! Es ist das Ergebnis der Nähe zum Herrn, wenn wir dran bleiben. Das lässt uns reifen. Reifen macht Freude. Jubilate.

3.8 Und wer in der Nähe des Herrn mit Herz und Händen bleibt, der erlebt, was Jesus weiter beschreibt. Manches von der Rebe muss auch weg. Es bringt keine Frucht. Das nimmt Gott. Er weiß, was Frucht bringt und was nur Kräfte verzehrt, die zu nichts führen. Das wird abgeschnitten. -
Wir tun uns mit Recht schwer, wenn wir im Leben vor der Aufgabe stehen - wie Jesus in Gethsemane - etwas oder jemanden oder sogar sich selbst loszulassen. Doch hilft uns dieses Bild vielleicht zu einer größeren Sicht. Vielleicht können wir nach unserer Trauer auch mit Jesus sagen: Dein Wille, Herr, geschehe.

3.9 Und reinigen wird Er uns. Was gut ist, aber so nichts wird, weil es von Schimmel oder Pilz umwuchert ist, das wird Er sauber machen. - Kein Christ lebt ohne Buße und Umkehr im Lebenstrom von Jesus. Sein Wort deckt auf, es korrigiert, es reinigt und spricht Vergebung zu.


4.1 Wenn wir also so verbunden mit Jesus leben, dann freut sich der Weingärtner: Mein Vater wird dadurch verherrlicht, daß ihr reiche Frucht bringt (8).

4.2 Und wir? Die Traube wird prächtig und prall, voller Saft und Kraft: Wer in mir bleibt und in wem ich bleibe, der bringt reiche Frucht (5).

4.3 So stellt Jesus eine gelungene Beziehung zwischen Gott und uns vor. So sieht das aus, wenn Gott sich vorstellt: ICH bin der Weinstock. Und wir gehen darauf ein. Eingehen heißt Dranbleiben. Dranbleiben an Ihm, damit Saft und Kraft fließen. Bleib dran!


5.1 Und zum Schluss, was ist wenn wir nicht dran bleiben?
Wir wissen alle, was mit Weintrauben geschieht, die nicht am Weinstock bleiben. Wenn sie in der Sonne des Lebens liegen bleiben und trocknen, verändern sie sich. Sie schrumpeln und schrumpeln. Die Süße bleibt, der Saft ist weg. Am Ende werden sie Rosinen. Rosinen zum Naschen, Rosinen für den Kuchen. Wein entsteht daraus nicht mehr.

5.2 Wie viele haben in ihrem Glauben am Weinstock begonnen und sind dann zu Rosinen-Christen geworden. Süß wohl, aber schrumpelig und trocken. Sie sind nicht dran geblieben an Jesus. Sie tragen noch geistlichen Süßstoff in sich, wissen alles Mögliche über den Glauben, sind aber Trockenobst und schrumpelig. Und der Rest ihrer Rebe verbrennt unter den Bedingungen dieser Welt. Das Ziel von Jesus ist das nicht. Er sagt uns nicht: Ich bin der Weinstock, ihr seid die Rosinen.

5.3 Also, Weintrauben sollen wir sein, die den Wein der ewigen Welt erbringen. Dafür ist es wichtig, im Detail zu lernen, dran zu bleiben an Ihm. Nehmen wir Gott mit Seiner Selbstvorstellung als Quelle von Saft und Kraft des Glaubens an.


Amen.



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Zuletzt geändert am 01.05.2009 von: (fp)