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von Pfarrer Friedhelm Peters,
Costa del Sol

(Rückmeldung oder Frage an
Pastor Friedhelm Peters)

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Gottesdienst am 17. Mai 2009

Erhörte Gebete

23 An jenem Tag werdet ihr mich nichts mehr fragen. Amen, amen, ich sage euch: Was ihr vom Vater erbitten werdet, das wird er euch in meinem Namen geben. 24 Bis jetzt habt ihr noch nichts in meinem Namen erbeten. Bittet, und ihr werdet empfangen, damit eure Freude vollkommen ist.
25 Dies habe ich in verhüllter Rede zu euch gesagt; es kommt die Stunde, in der ich nicht mehr in verhüllter Rede zu euch spreche, sondern euch offen den Vater verkünden werde.
26 An jenem Tag werdet ihr in meinem Namen bitten, und ich sage nicht, daß ich den Vater für euch bitten werde;
27 denn der Vater selbst liebt euch, weil ihr mich geliebt und weil ihr geglaubt habt, daß ich von Gott ausgegangen bin.
28 Vom Vater bin ich ausgegangen und in die Welt gekommen; ich verlasse die Welt wieder und gehe zum Vater.
29 Da sagten seine Jünger: Jetzt redest du offen und sprichst nicht mehr in Gleichnissen.
30 Jetzt wissen wir, daß du alles weißt und von niemand gefragt zu werden brauchst. Darum glauben wir, daß du von Gott gekommen bist.
31 Jesus erwiderte ihnen: Glaubt ihr jetzt?
32 Die Stunde kommt, und sie ist schon da, in der ihr versprengt werdet, jeder in sein Haus, und mich werdet ihr allein lassen. Aber ich bin nicht allein, denn der Vater ist bei mir.
33 Dies habe ich zu euch gesagt, damit ihr in mir Frieden habt. In der Welt seid ihr in Bedrängnis; aber habt Mut: Ich habe die Welt besiegt.

Johannes 16, 23b-28.(29-32).33

Liebe Gemeinde!

1.1 Erhörte Gebete sind schön.
Da zittern sie vor einem Arztbesuch. Und sie bitten Gott inständig: Lass es gut gehen. Alle Ihre Angst fließt in dies Stoßgebet. Sie hängen zwischen Tür und Angel. Und dann sagt der Arzt: Es ist gut. Sie brauchen sich keine Sorgen zu machen. Wenn Sie wollen, Wiedersehen in einem Jahr. - Schon in der Tür merken Sie wie Ihnen Flügel wachsen. Die Beine tragen nicht, weil alles leicht ist. Sie stoßen Luft aus. Das ist Ihr Dankgebet. Noch einmal davon gekommen. ER hat mein Gebet erhört. Schön.

1.2 Ich denke, dass fast jeder von uns solche Geschichten erzählen kann. Aber wir tun es nicht oder nur sehr selten. Wir geben uns wohl Tipps über irdische Ärzte. Doch über den himmlischen Arzt schweigen wir meist. Vielleicht zünden wir eine Kerze irgendwo in einer Kirche an, als Dank. Vielleicht helfen wir im Verborgenen und zeigen Dankbarkeit. Das alles ist auch gut. Doch so schön auch die erhörten Gebete für uns sind, darüber reden ist nicht schön.

1.3 Warum nicht? Warum diese Scheu? Der Grund ist klar. Wir könnten ganz schön auf die Nase fallen. Es brauchte ja nur irgendjemand sagen: Bei mir half es aber nicht. Schön, wenn du betest und Er hilft. Ich habe wohl nicht so einen guten Draht nach oben. Bei mir kam alles anders.
Verstehen Sie. Wenn auf jedes erhörte Gebet bei mir, mindestens ein nicht erhörtes von jemand anderem genannt werden kann, dann ist das mit dem Beten vielleicht doch wie eine riesige Lotterie. Schön für den Gewinner. Doch am besten man erwähnt das nicht. Es ist halt Glück und macht nur Neid.

1.4 Ist Beten Zufall? Ist Fürbitte Lotterie? Würfelt Gott, und die Gewinner haben Glück?
Ein bisschen ist der Gedanke in ganz vielen Menschen. Deshalb lohnt es sich noch einmal bei Jesus nachzuschauen, wie Er von den erhörten Gebeten spricht. Was ist dafür Bedingung? Und wie sollen wir beten? Und wie könnten wir dann ohne Scheu auch von erhörten Gebeten sprechen?


2.1 Unsere Worte stammen aus der sogenannten Abschiedsrede bei Johannes. Jesus spricht darin an, dass Er durch Sein Sterben am Kreuz die Jünger verlassen wird, aber als Auferstandener ihnen wieder begegnen wird. Dann wird Er durch Seinen Geist auf andere Weise in jedem gegenwärtig sein. An jenem Tag werdet ihr mich nichts mehr fragen (23), so präsent wird Er durch Seinen Geist in jedem sein. Er spricht von Pfingsten. Dann kündigt Er als Nächstes Seine Himmelfahrt an. Nach Seiner Auferstehung wird Er, der Weihnachten auf die Welt kam, diese Welt wieder verlassen. Vom Vater bin ich ausgegangen und in die Welt gekommen; ich verlasse die Welt wieder und gehe zum Vater (28).

2.2 Doch bevor über diese erneute Unsichtbarkeit Jesu, die äußere Abwesenheit Trennungsschmerz aufkommen kann spricht Er vom Gebet als dem Kontakt zu Ihm. Was die Jünger bisher in direktem Gespräch mit Jesus besprachen, das lässt sich jetzt nach Jesu Himmelfahrt im Gebet mit dem Vater klären. Wichtig, wichtig, sagt Jesus. Amen, amen, ich sage euch: Was ihr vom Vater erbitten werdet, das wird er euch in meinem Namen geben (23). Es gibt einen direkten Draht zu Gott, auch wenn wir Gott den Vater und Jesus den Sohn äußerlich direkt nicht sehen. Das Gebet ist der direkte Draht.

2.3 In Gesprächen über den persönlichen Glauben höre ich häufig Fragen, die Menschen an Gott haben. Und manche sagen auch sehr salopp: Das werde ich Ihn als Erstes fragen, sollte ich Ihn mal zu Gesicht bekommen.
Ich frage dann oft zurück: Und warum fragen Sie nicht jetzt? Haben Sie Ihre Zweifel, Ihr Anliegen, Ihre Bedenken schon einmal ernsthaft im Gebet Gott genannt? - Meist gucken sie erstaunt. Ja kann man das? - Sagen Sie doch: Gott, ich zweifele an Dir. Ich verstehe nicht, warum mir das passieren musste. Kannst Du mir einen Hinweis geben? Ich möchte Dir schon neu vertrauen. Ich weiß nicht wie. Ich warte. - Viele zögern nicht nur, sondern fragen: Darf ich das?
Es gibt oft keine erhörten Gebete, weil die Gebete gar nicht gesprochen worden sind.
Warum also im Grübeln bleiben? Warum die Scheu pflegen? Warum nicht die Frage offen stellen und Gott selber fragen? Ich habe doch nur die Chance einer Antwort, wenn ich das tue und bete.


3.1 Nun ist das direkte Gespräch mit Gott dem Vater nicht das einzige, worauf Jesus hinweist. Er sagt darüber hinaus, dass unser Gebet erhört wird. Was ihr vom Vater erbitten werdet, das wird er euch in meinem Namen geben (23).

3.2 Stimmt das denn überhaupt? Wird denn ein jedes Gebet von uns erhört? Das war unsere Ausgangsfrage? Wenn jedes Gebet erhört würde wäre Beten doch nicht Lotterie. Doch stimmt das?
Schon aus unserem menschlichen Miteinander wissen wir, dass wir uns gegenseitig alle Wünsche sagen können. Doch können wir nicht alle Wünsche auch erfüllen. Sebst wenn wir es könnten, bei manchen Wünschen wäre es noch nicht mal gut.

3.3 Ich glaube, dass Gott jeden Wunsch meines Gebete hört und kennt. Was ich Ihm sage kommt bei Ihm auch an. Darauf kann ich nach Jesu Worten fest vertrauen. Gott hört.
Doch weiß ich auch, dass Er nicht jeden Wunsch von mir nach meinen Plänen erfüllt. Sehr häufig macht Er es anders. Und oft sogar auch unverständlich. Wie sollte es auch anders sein. Er kennt doch meine Zukunft und mein Leben vom ersten bis zum letzten Atemzug. Da wird Er doch in meiner Biografie als guter Vater wissen, was jetzt dran ist und welche Kurve wichtig. Er will gebeten sein. Und Er gibt, wie es zum Besten dient und passt. Wir wissen, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen, denen, die nach Seinem Vorsatz berufen sind (Römer 8, 28).
Auf diese Weise kann ich wohl unterscheiden zwischen erhörten und erfüllten Gebeten. Wenn dieses bei uns Menschen schon so ist, dann will ich Gott dasselbe auch wohl zugestehen. Erhören tut Er alle Gebete. Erfüllen die, die mir zum Besten dienen.


4.1 Doch sagt nicht Jesus hier noch mehr? Sagt Er nicht auch, dass Gott uns alles gibt, worum wir bitten? - Das steht hier wohl, auch wenn mit einer wichtigen Ergänzung: In Meinem Namen. An jenem Tag werdet ihr in meinem Namen bitten (26). Was ist in Jesu Namen beten?

4.2 Wenn ich zur Bank ginge und sagte: Da gibt es eine nette Person, die sehr vermögend ist. Bitte überweisen Sie doch von deren Konto etwas auf unser Spendenkonto. Da würde ich - auch wenn ich nett und überzeugend spreche - ein Lächeln ernten und hören: Dann bringen Sie uns mal einen Scheck. Das wäre es.
Wenn ich aber dann mit einem Scheck käme und der wäre unterschrieben mit dem Namen des Betreffenden, dann wäre die Überweisung perfekt.

4.3 Im Namen Jesu heißt: mit Seiner Unterschrift, in Seiner Vollmacht, mit Seinen Rechten.
Wenn Jesu Worte in mir leben und ich sie tue, dann stehe ich auch mit Seinen Rechten als Kind Gottes vor dem himmlischen Vater. Dann sieht ER mich, als wäre ich so rein wie Jesus. Dann hört ER mich, als wäre ich Jesus. Dann handelt ER auf mein Gebet wie ER es schon bei Jesus tat.

4.4 In Jesu Namen beten ist ein heiliges Geschäft. Es ist nicht eine Formulierung. Niemand geht mit einer Unterschrift des anderen leichtfertig um, wenn er sie nutzen darf.
Es ist ein Stück des Lebens Jesu in mir, was ich vor Gott den Vater zurücktrage. Wir sind in Seine Vollmacht eingesetzt. Und für den Weg des Herrn mit Seinem Volk und auch mit uns, da ist es Recht, im Namen Jesu vor den Herrn zu treten.

4.5 Im Namen Jesu: Dir ist die Sünde jetzt vergeben. - Im Namen Jesu: Unglaube verschwinde. - Im Namen Jesu: Lass Frieden herrschen. - Im Namen Jesu. Was aus dem Herzen Jesu kommt, das können wir auch im Namen Jesu beten. Probieren wir es und fangen wir zart an.


5.1 Ist Beten nun wie eine Lotterie?

5.2 Was den Gewinn - vielleicht nicht gerade an Geld - im Wert des Lebens angeht, ist Beten mehr als Lotterie. Was seine Wirkung anbetrifft, da hat das Beten weniger mit Lotterie zu tun. Denn wie schon Einstein sagte: Gott würfelt nicht. ER hört. Und ER erfüllt nach Seinem Plan zum Besten.

5.3 Im Ganzen aber hat das Beten gar nichts mit einer Lotterie zu tun. Denn anders als beim Gewinntopf macht Beten Gott nicht ärmer. Und uns verändert es in unserem Herzens. Wir wachsen darin, Jesus zu vertrauen, Ihm zu folgen und Seine Vollmacht anzunehmen. Ein großes Geschenk.


Amen.



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Zuletzt geändert am 01.05.2009 von: (fp)