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 <>< Predigt zum 1. Sonntag nach Trinitatis
von Pfarrer Friedhelm Peters,
Costa del Sol

(Rückmeldung oder Frage an
Pastor Friedhelm Peters)

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Gottesdienst am 14. Juni 2009

Drei Wahrheiten vom Jenseits

19 Es war einmal ein reicher Mann, der sich in Purpur und feines Leinen kleidete und Tag für Tag herrlich und in Freuden lebte.
20 Vor der Tür des Reichen aber lag ein armer Mann namens Lazarus, dessen Leib voller Geschwüre war.
21 Er hätte gern seinen Hunger mit dem gestillt, was vom Tisch des Reichen herunterfiel. Statt dessen kamen die Hunde und leckten an seinen Geschwüren.
22 Als nun der Arme starb, wurde er von den Engeln in Abrahams Schoß getragen. Auch der Reiche starb und wurde begraben.
23 In der Unterwelt, wo er qualvolle Schmerzen litt, blickte er auf und sah von weitem Abraham, und Lazarus in seinem Schoß.
24 Da rief er: Vater Abraham, hab Erbarmen mit mir, und schick Lazarus zu mir; er soll wenigstens die Spitze seines Fingers ins Wasser tauchen und mir die Zunge kühlen, denn ich leide große Qual in diesem Feuer.
25 Abraham erwiderte: Mein Kind, denk daran, daß du schon zu Lebzeiten deinen Anteil am Guten erhalten hast, Lazarus aber nur Schlechtes. Jetzt wird er dafür getröstet, du aber mußt leiden.
26 Außerdem ist zwischen uns und euch ein tiefer, unüberwindlicher Abgrund, so daß niemand von hier zu euch oder von dort zu uns kommen kann, selbst wenn er wollte.
27 Da sagte der Reiche: Dann bitte ich dich, Vater, schick ihn in das Haus meines Vaters!
28 Denn ich habe noch fünf Brüder. Er soll sie warnen, damit nicht auch sie an diesen Ort der Qual kommen.
29 Abraham aber sagte: Sie haben Mose und die Propheten, auf die sollen sie hören.
30 Er erwiderte: Nein, Vater Abraham, nur wenn einer von den Toten zu ihnen kommt, werden sie umkehren.
31 Darauf sagte Abraham: Wenn sie auf Mose und die Propheten nicht hören, werden sie sich auch nicht überzeugen lassen, wenn einer von den Toten aufersteht.

Lukas 16, 19-31

Liebe Gemeinde!

1.1 Man hat diese Erzählung Jesu oft verstanden als die Geschichte vom gerechten Ausgleich. Kleine Sünden bestraft der Liebe Gott sofort. Große Sünden bestraft Er in der Ewigkeit. Der reiche Sünder wird dort bitter arm. Der arme Bettler sitzt in Abrahams Schoß. Endlich geht es ihm gut.

1.2 Der gerechte Ausgleich in der Ewigkeit wurde dann sehr bald als ungerechte Vertröstung gebrandmarkt. Die Kirche verhindere mit dem Trost von Abrahams Schoß nur den gerechten Ausgleich auf dieser Erde und den Reichtum für alle.

1.3 Solche politischen Deutungen unseres Textes haben Geschichte gemacht - und sich darin weit vom biblischen Text entfernt.


2.1 Es mag sein, dass Gottes Gericht darin besteht, dass Er uns in alle Ewigkeit unseren Sünden überlässt, von denen wir nicht umkehren. Die Hölle würden wir uns so selbst bereiten.

2.2 Doch im Text steht davon gar nichts. Hier steht nicht, weil der Mann reich war kam er in die Hölle. Hier steht auch nicht, dass er gesündigt hatte und deshalb in der Ewigkeit bestraft wurde. Und es steht auch nicht da, dass Lazarus in den Himmel kam, weil er arm war. Vom Vermögen der beiden wird nicht auf den Zustand in der Ewigkeit geschlossen. Ein gerechter Ausgleich wird hier nicht erwähnt. Von keinem der beiden wird eine Sünde oder ein gerechtes Leben erwähnt. Armut wird nicht zum Schlüssel für die Ewigkeit, Reichtum nicht zur Tür der Hölle.

2.3 Es wird lediglich erwähnt, ein Reicher und ein Armer sterben. Der eine kommt an den Ort der Qual. Der andere an den Ort der Wonne. Warum wissen wir nicht. So steht es da.

2.4 Mir scheint, Jesus will uns mit dieser Erzählung vom Jenseits einige Wahrheiten vom Diesseits klarmachen. Die sollen wir begreifen, solange es Zeit ist. Denn die Zeit ist im Jenseits abgelaufen. Was sollen wir für unser Leben begreifen, bevor es zu spät ist? Schauen wir in den Text.


3.1 Was hatten Lazarus und der Reiche miteinander zu tun? Nichts. Der eine hatte Freuden (19). Den anderen leckten die Hunde (21). Der eine lebte an gedeckten Tischen. Der andere lebte von Abfällen (21). Die beiden hatten nichts miteinander.

3.2 Und genau das wird in Ewigkeit fortdauern. Nach einer Hilfe gefragt sagt Abraham dem Reichen: Außerdem ist zwischen uns und euch ein tiefer, unüberwindlicher Abgrund, so daß niemand von hier zu euch oder von dort zu uns kommen kann, selbst wenn er wollte (26).

3.3 Was wir hier an Kluft säen, das werden wir dort an Abstand ernten. Das scheint die erste Wahrheit zu sein, die uns Jesus vom Jenseits über das Diesseits klarmachen will. Unsere irdischen Trennungen werden zu ewigen.
Nur auf Erden können wir Wasser reichen und gereicht bekommen. Nur hier ist die Zeit zur Barmherzigkeit, gegenseitigen Hilfe, zur Versöhnung, zum Glauben. Die Trennung von Himmel und Hölle entsteht auf der Erde.

3.4. Deswegen ist die Frage wichtig: Wer ist vor unserer Tür? Wer lebt von unseren Abfällen? Haben wir hingeschaut und geholfen? Wer ist für uns Lazarus? Haben wir hier den Himmel für unser Herz durch Jesus gefunden? Kennen wir die Gnade von Abrahmas Schoß?


4.1 Die nächste Wahrheit. Stellen Sie sich vor, es gäbe die Stimme aus dem Jenseits. Die Friedhöfe wären keine stillen Orte, sondern Sendestudios. Es könnte sein, dass am nächsten Wochenende die Kirchen besetzt wären. Alle wollen hören was das bedeutet? Doch die Herzen - sie wären weiter leer. Das Verlangen nach der Gnade Gottes kommt so nicht.

4.2 Das ist ja das Erstaunliche, dass Menschen mit Jenseitserfahrung nicht mehr umkehren, um von Jesu Gnade zu leben als andere. Tote und deren Stimmen führen nicht zur Buße.

4.3 Die Wahrheit ist: Meine Umkehr nimmt mir keiner ab. Auch eine Stimme aus dem Jenseits hilft mir nicht. Ich selbst muss in meinem Herzen sagen: Herr, ich habe vor Dir gesündigt. Ich habe nicht genau hingeschaut. Ich habe meine Freude nicht geteilt. Ich habe nur mich selbst gesehen. Ich kehre um. Um Deiner Gnade willen lass mich neu Dein Kind sein. - Ich bin es neu, weil Du es sagst.

4.4 Das ist die zweite Wahrheit, die Jesus uns zeigt: Nur im Diesseits gibt es Umkehr. Und es gibt dafür keine Nachhilfe aus dem Jenseits. Wir haben Mose und die Propheten (31), Sein Wort. Die Entscheidung liegt bei mir, nicht bei einer Stimme aus dem Jenseits.


5.1 Eine dritte Wahrheit, die uns Jesus zeigt. Nur in dieser Welt ist es möglich, zu den Brüdern die gute Nachricht von der Gnade zu senden.

5.2 Ich habe noch fünf Brüder. Er soll sie warnen, damit nicht auch sie an diesen Ort der Qual kommen (28). Das ist ja sehr nett von diesem Reichen. Spätestens hier sieht man auch sein gutes Herz. Er will die Seinen warnen. Doch er hat es zu spät gezeigt. Eine Sendung, ein Weitergeben des Glaubens, Hinweisen auf Jesus geht vom Jenseits nicht. Zur Umkehr einladen geht nur hier.

5.3 Von wem haben wir den Wunsch, er möge Glauben finden? Welche Lieben sind uns wichtig, dass sie auch die Gnade Jesu finden? - Was vom Jenseits aus nicht mehr möglich ist, dass geht vom Diesseits auch nicht mit der Brechstange. Bleiben wir in der Fürbitte treu: Herr, zeige ihnen Dein Licht. Hoffen wir auf offene Situationen: Ja, mir ist es wichtig. Ich lebe von Jesu Gnade. Schauen wir, wann ein Reden über den Glauben hilft: Jesus gehören ist für jeden möglich.

5.4 Nur in dieser Welt ist ist es möglich, andere zu Jesus einzuladen.


6.1 Drei Wahrheiten für unser Leben, erklärt vom Jenseits her. Hier die Grenzen überwinden. Hier die Umkehr leben. Hier zu Jesus einladen.

6.2 Ein Reicher, der zeigt, was alles nicht geht:
Unüberwindliche Kluft.
Keine Buße.
Keine Mission.
Ein Armer, der zeigt, was alles geht:
Engel Gottes tragen ihn.
Ruhe und Trost in Abrahams Schoß.

6.3 Der Reiche trägt keinen Namen. Er steht für jeden, der in sich selbst reich ist und es dabei lässt.
Der Arme trägt den Namen Lazarus. Das ist hebräisch und heißt: Gott ist Hilfe. Er ist ein Bild für jeden, der Gottes Hilfe erfahren will, ein Bild für die Gemeinde Jesu, die Gottes Hilfe annimmt.



Amen.



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Zuletzt geändert am 10.06.2009 von: (fp)