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 <>< Predigt zum 3. Sonntag nach Trinitatis
von Pfarrer Friedhelm Peters,
Costa del Sol

(Rückmeldung oder Frage an
Pastor Friedhelm Peters)

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Gottesdienst am 28. Juni 2009

Einladung

1 Alle Zöllner und Sünder kamen zu ihm, um ihn zu hören. 2 Die Pharisäer und die Schriftgelehrten empörten sich darüber und sagten: Er gibt sich mit Sündern ab und ißt sogar mit ihnen. 3 Da erzählte er ihnen ein Gleichnis und sagte: 11b Ein Mann hatte zwei Söhne. 12 Der jüngere von ihnen sagte zu seinem Vater: Vater, gib mir das Erbteil, das mir zusteht. Da teilte der Vater das Vermögen auf.
13 Nach wenigen Tagen packte der jüngere Sohn alles zusammen und zog in ein fernes Land. Dort führte er ein zügelloses Leben und verschleuderte sein Vermögen. 14 Als er alles durchgebracht hatte, kam eine große Hungersnot über das Land, und es ging ihm sehr schlecht. 15 Da ging er zu einem Bürger des Landes und drängte sich ihm auf; der schickte ihn aufs Feld zum Schweinehüten. 16 Er hätte gern seinen Hunger mit den Futterschoten gestillt, die die Schweine fraßen; aber niemand gab ihm davon. 17 Da ging er in sich und sagte: Wie viele Tagelöhner meines Vaters haben mehr als genug zu essen, und ich komme hier vor Hunger um. 18 Ich will aufbrechen und zu meinem Vater gehen und zu ihm sagen: Vater, ich habe mich gegen den Himmel und gegen dich versündigt. 19 Ich bin nicht mehr wert, dein Sohn zu sein; mach mich zu einem deiner Tagelöhner. 20 Dann brach er auf und ging zu seinem Vater. Der Vater sah ihn schon von weitem kommen, und er hatte Mitleid mit ihm. Er lief dem Sohn entgegen, fiel ihm um den Hals und küßte ihn. 21 Da sagte der Sohn: Vater, ich habe mich gegen den Himmel und gegen dich versündigt; ich bin nicht mehr wert, dein Sohn zu sein. 22 Der Vater aber sagte zu seinen Knechten: Holt schnell das beste Gewand, und zieht es ihm an, steckt ihm einen Ring an die Hand, und zieht ihm Schuhe an. 23 Bringt das Mastkalb her, und schlachtet es; wir wollen essen und fröhlich sein. 24 Denn mein Sohn war tot und lebt wieder; er war verloren und ist wiedergefunden worden. Und sie begannen, ein fröhliches Fest zu feiern. 25 Sein älterer Sohn war unterdessen auf dem Feld. Als er heimging und in die Nähe des Hauses kam, hörte er Musik und Tanz. 26 Da rief er einen der Knechte und fragte, was das bedeuten solle. 27 Der Knecht antwortete: Dein Bruder ist gekommen, und dein Vater hat das Mastkalb schlachten lassen, weil er ihn heil und gesund wiederbekommen hat. 28 Da wurde er zornig und wollte nicht hineingehen.
Sein Vater aber kam heraus und redete ihm gut zu. 29 Doch er erwiderte dem Vater: So viele Jahre schon diene ich dir, und nie habe ich gegen deinen Willen gehandelt; mir aber hast du nie auch nur einen Ziegenbock geschenkt, damit ich mit meinen Freunden ein Fest feiern konnte. 30 Kaum aber ist der hier gekommen, dein Sohn, der dein Vermögen mit Dirnen durchgebracht hat, da hast du für ihn das Mastkalb geschlachtet. 31 Der Vater antwortete ihm: Mein Kind, du bist immer bei mir, und alles, was mein ist, ist auch dein. 32 Aber jetzt müssen wir uns doch freuen und ein Fest feiern; denn dein Bruder war tot und lebt wieder; er war verloren und ist wiedergefunden worden.

Lukas 15, 1-3.11b-32

Liebe Gemeinde!

1.1 Jesus erklärt die Geheimnisse über die Herrschaft Gottes in Geschichten und Gleichnissen. Was passiert, wenn wir Gott bestimmen lassen? Wie werden wir, wenn ER bestimmt? Wie ist Gott, wenn wir Ihn sehen, wie Jesus Ihn vorstellt?

1.2 Dabei spart Jesus nicht mit Überraschungen. Der himmlische Vater ist oft so anders als wir denken. Und was vor Ihm zählt entspricht oft gar nicht dem, was wir uns denken. Korrekturen im Gottesbild. So könnte man dieses Gleichnis auch überschreiben. Sehen wir uns das genauer an.


2.1 Der Vater in der Geschichte wird vom Sohn aufgefordert, ihm das Erbe auszuzahlen. Eine solche Bitte vor dem Sterben des Vaters zu äußern kam dessen Todeserklärung gleich: Gib mir was mir zusteht. Dich gibt es für mich nicht mehr. Nach dem Erbrecht stand dem zweiten Sohn ein Viertel des Gesamtvermögens zu. Das war bei vielleicht vielen Ländereien keine Kleinigkeit. Der Vater sagt kein Wort und gibt es ihm.

2.2 Hier steckt die erste Überraschung. Warum widerspricht der Vater nicht? Warum enterbt Er nicht, wenigstens zeitweise seinen aufmüpfigen Jungen? Warum lässt er dem Übel freien Lauf? Warum lässt er ihm Sein Erbe?

2.3 Die Antwort ist klar. Es ist das Wesen Gottes. Er greift in Seine Gaben nicht ein, die Er uns als Seinen Kindern gibt. Unsere Selbständigkeit ist Sein unangetastetes Ziel.

2.4 Mit Seinen Gaben und Reichtümern in unserem Leben handeln wir in eigener Verantwortung. Gott möchte, dass wir sie in Freiheit gebrauchen, um Liebe zu üben.
Wir können Gutes tun. Wir können alles gebrauchen, um damit Gottes Liebe zu würdigen und selbst andere zu lieben. - Aber wir können ebenso gut Böses denken und tun. Wir können unser Leben, unsere Begabungen, alles was wir von Gott haben, ohne Ihn nutzen, indem wir leben: Komm gib her. Ich ziehe meinen Weg. Ich brauche dich, Gott, nicht mehr.
Gott lässt das zu. Denn nur wer freiwillig bei Ihm bleibt oder zu Ihm kommt, der glaubt. Der sieht Gott Recht. Ein hoher Preis, den Gott eingeht. Doch anders wären wir nie Sein Ebenbild, Sein Gegenüber. Der Sohn ist frei, ob er geht oder bleibt. So sind wir Menschen alle in Gottes Sicht.


3.1 Die nächste Überraschung: Es geht nicht gut, was doch so gut aussieht. Verloren ist der Sohn nicht nur durch all die Missgeschicke, die er erlebt. Zuerst geht es noch gut. Und wie so oft: Dann reicht das Geld nicht mehr. Und schnell geht es bergab. Am Ende steht Armut. Aus Achtung wird Ächtung. Kein Geld für Nahrung. Kein guter Job. Das Schweinehüten ist für einen Juden allerletztes Los. Tiefer geht es nicht mehr. Schweine gelten als unrein. Sie zu behüten macht das eigene Leben unwert.

3.2 Der Sohn war also selbst geworden, was er dem Vater zu Beginn zumutete: Erledigt. Tot.

3.3 In diesem Punkt ist Jesu Botschaft klar: Wir werden irgendwann, was wir wollen und glauben. Wollen wir unser Erbe ohne Gott und erklären Ihn für erledigt, dann werden wir uns selbst erledigen. Denn Gott wohnt in uns. ER ist die Quelle und das Ziel. Nehmen wir Ihn weg, verschwinden am Ende auch wir selbst.


4.1 Die nächste Überraschung. Der Sohn erinnert sich: Beim Vater war es besser als es jetzt ist. -
Wie gut, dass fast alle Menschen ein inneres Wissen darum haben, Gott ist die Liebe.

4.2 Und weiter überraschend: Der Sohn bereut. Ich habe es nicht gut gemacht. Ich habe mein Leben verspielt. Ich war Sein Sohn. Ich bin es nicht mehr. Ich habe das selbst verursacht. Er sagt: ich. -
Das ist schon seltener in einem Herz zu hören: Ich bereue. Ich bin es nicht mehr wert, Kind Gottes zu sein. Ich habe das vermasselt. Und doch setzt diese Reue unglaublich viele Kräfte frei.

4.3 Denn jetzt kommt die größte Überraschung beim Sohn: Er kehrt um. Ich will mich aufmachen und zu meinem Vater gehen. Wenn auch nicht mehr als Sohn, so doch als Tagelöhner. Denn denen geht es besser bei meinem Vater als mir in meinem Loch. -

4.4 Die Umkehr ist der wichtigste Schritt zum Reich Gottes. Jesus erwähnt sie unentwegt, immer wieder neu: Kehrt um und glaubt an das Evangelium. Umkehr ist die Voraussetzung zum Eintritt ins Reich Gottes. Umkehr ist der Weg zum Vater ohne Anspruch auf Erbe oder Verdienst.


5.1 Eigentlich ist Umkehr ein heikles Unternehmen. Wer ahnt, wie sauer der Vater ist? Wer weiß, was Er sich als Demütigung ausgedacht hat? Mit welcher Strafe ist zu rechnen? Wenn gilt: Wie du mir, so ich dir. Auge um Auge, Zahn um Zahn, dann ist bei der Umkehr nichts Gutes zu erwarten.

5.2 Die größte Überraschung bei Gott: Der Vater sieht ihn von Weitem und - läuft auf ihn zu. Er nimmt ihn in die Arme. Er küsst ihn. Zeichen der Ebenbürtigkeit. Das Wort der Entschuldigung: Ich bin nicht wert, Dein Sohn zu sein. Es wird gehört und umgekehrt: Du warst tot - und ich ja auch für dich. Doch jetzt lebst du - und ich mit dir. Du bist wieder mein Sohn. Ich bin wieder dein Vater.

5.3 Hier steckt die Wende im Gottesbild. Jesus lässt keinen Zweifel daran, wie anders sich Gott verhält als man erwarten könnte. Barmherzig und gnädig ist der Herr, geduldig und von großer Güte. So heißt es nicht nur von Ihm. So ist Gott auch zu jedem, der zu Ihm umkehrt. Weil der Vater dem Sohn entgegenläuft, heißt diese Güte Gottes auch "Seine vorauseilende Gnade". Er kommt jedem, der zu Ihm umkehrt, mit ausgebreiteten Armen entgegen. Er nimmt uns neu an Sein Herz.

5.4 Wenn wir diese Güte Gottes glauben könnten. Wir würden häufiger zu Ihm flüchten, wenn wir uns verlaufen haben. Wir könnten schneller umkehren, ohne mit den Rachegefühlen zu kämpfen. Wir könnten vertrauensvoller leben. Seine ausgebreiteten Arme warten doch auf uns. Was für ein Geschenk für unser Leben. Was für ein Gottesbild.


6.1 Als Zeichen der Bestätigung steckt ihm der Vater Seinen Ring auf. Vollmacht im Geschäft.
Er lässt ihm Schuhe bringen. Zeichen für die Kinder des Hauses. Knechte gingen barfuß.
Er schenkt ihm ein neues Gewand. Damit war die alte Geschichte abgetan.
Und er lässt ein Fest ansagen und das Beste auffahren, was im Haus ist. Freude im Herzen.

6.2 Für diesen umgekehrten Sohn war das wie eine umgekehrte Welt. Er konnte alles, was er früher einmal für sich weggenommen hatte, mit Dankbarkeit und wie aus Gnaden neu genießen.

6.3 Und das ist auch die Überraschung, die viele Christen kennen. Wer zu Gott umkehrt und die Gnade von Ihm kennenlernt, erfährt das Leben plötzlich als Geschenk. In Dankbarkeit steht er vor jedem Tag. Er weiß, was ich hier habe, ist eine Gabe von Ihm. Ich bin nur dankbar.

6.4 Ich genieße es, Kind Gottes zu sein. Er hat mich dazu gemacht. Ich laufe in Seinen Schuhen.
Ich weiß mich neu geliebt. Er hat mich rein gemacht. Ich trage ein neues Gewand.
Ich bin von Ihm bevollmächtigt. Ich darf in Seinem Namen lieben, handeln, beten, danken.
Das ist mein neues Selbstbild, das mir Gott schenkt.


7.1 Sieben Überraschungen im Reich Gottes. Ein Gott, der überschwänglich liebt und vergibt. Ein Mensch, der zu Ihm umkehrt und ein neues Bild von sich erlangt: Dankbar aus Gnade. Dazu lädt Jesus ein.



Amen.



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Zuletzt geändert am 26.06.2009 von: (fp)