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 <>< Predigt zum 14. Sonntag nach Trinitatis
von Pfarrer Friedhelm Peters,
Costa del Sol

(Rückmeldung oder Frage an
Pastor Friedhelm Peters)

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Gottesdienst am 13. September 2009

Nur einer dankt

11 Auf dem Weg nach Jerusalem zog Jesus durch das Grenzgebiet von Samarien und Galiläa.
12 Als er in ein Dorf hineingehen wollte, kamen ihm zehn Aussätzige entgegen. Sie blieben in der Ferne stehen
13 und riefen: Jesus, Meister, hab Erbarmen mit uns!
14 Als er sie sah, sagte er zu ihnen: Geht, zeigt euch den Priestern! Und während sie zu den Priestern gingen, wurden sie rein.
15 Einer von ihnen aber kehrte um, als er sah, dass er geheilt war; und er lobte Gott mit lauter Stimme.
16 Er warf sich vor den Füßen Jesu zu Boden und dankte ihm. Dieser Mann war aus Samarien.
17 Da sagte Jesus: Es sind doch alle zehn rein geworden. Wo sind die übrigen neun?
18 Ist denn keiner umgekehrt, um Gott zu ehren, außer diesem Fremden?
19 Und er sagte zu ihm: Steh auf und geh! Dein Glaube hat dir geholfen.

Lukas 17, 11-19

Liebe Gemeinde!

1.1 Auf den ersten Blick ist diese Geschichte ziemlich empörend: Nur einer von zehn kehrt um und dankt dem, der ihn gesund gemacht hat! Dabei müssen wir noch eines wissen: Es gab damals keine Medizin gegen den Aussatz! Die Männer hätten sich ihr ganzes restliches Leben mit der Krankheit quälen müssen. Ausgestoßen von der Gesellschaft hätten sie weiter dahinvegetiert, ohne Aussicht auf Heilung, ausgesondert in einem Ghetto, verachtet und gemieden von allen wie vielleicht Jahre schon.
So hätte die Zukunft der zehn Männer ausgesehen. Diese Männer macht Jesus rein. Und diese Männer verhalten sich so undankbar, gehen ihrer Wege, haben keinen Gedanken mehr frei für ihren Wohltäter, der sie dem Leben zurückgegeben hat. Ungeheuerlich, nicht wahr! Empörend! Der eine, der Worte des Dankes findet, wird uns jetzt sicher noch sympathischer. Wenigstens einer! Wenigstens er kehrt um und preist Gott! Wie gesagt: So sieht der erste Blick die Geschichte. - Was hat sie mit uns zu tun?

1.2 Herbert Kaefer schreibt: Ich lade Sie ein, mich beim Besuch einer Leprakolonie zu begleiten. Sie meinen, das gäbe es nicht mehr? Ich bin vor etwa zehn Jahren in einer Kolonie nahe der nordbrasilianischen Stadt Salvador de Bahia gewesen. …
Schließlich drängen sie (die Leprakranken), ihren Mitbewohner Roberto zu besuchen. Roberto kann seinen Raum nicht verlassen. Ein Bein hat er ganz verloren, das andere blieb bis zum Kniestumpf erhalten. Er sitzt oder liegt auf einem Bett. Roberto erzählt, wie er vor 51 Jahren in die Leprakolonie kam und geheilt wurde. Dafür danke er Gott - jeden Tag.
Da reicht jemand Roberto eine Gitarre. Roberto hat an der rechten Hand noch den Daumen, an der linken Hand den ganzen Zeigefinger und von den andern Fingern unterschiedlich viele Gliedmaßen. Das reicht. Das reicht, um Gitarre zu spielen. Roberto singt ein Lied von der Liebe Gottes. Er hat es selbst komponiert. Er dankt Gott im Lied, dass er seit so vielen Jahren geheilt ist.
Während Roberto singt, überfällt mich die Frage: Wie viele Jahre bin ich schon heil? Habe Zehen, Füße und Beine, Finger und Hände - ohne sie je verloren zu haben? Kann gehen, laufen, tanzen und Fußball spielen, kann streicheln und schreiben und auf vielfältige Weise die Hände gebrauchen? Mein Körper ist heil wie oft danke ich dafür? Danke dafür, dass ich so wunderbar geschaffen bin, danke für mein Gesicht, danke dafür, nicht ausgesetzt zu sein.
Auf der Rückfahrt streifen meine Gedanken ins Grenzgebiet von Samaria und Galiläa. Dort begegneten Jesus zehn Aussätzige. Sie blieben von fern stehen, wie das Gesetz es vorschrieb, und riefen um Hilfe. Jesus schließt niemanden aus; er will, dass sie heil werden, dass niemand ausgesetzt wird.
Einer kommt zurück; er spürt: Ich bin geheilt, er nähert sich Jesus und dankt.
Ich entdecke beschämt: Ich gehöre zu den neun Geheilten, die so oft zu danken vergessen.

1.3 Liebe Gemeinde. Wissen wir jetzt, was es mit uns zu tun hat?


2.1 Wir sehen hinter dieser Erzählung von diesen zehn Menschen uns selbst mit den Erfahrungen, die wir mit Jesus gemacht haben, mit seiner Kraft und Hilfe, mit dem Glauben an Ihn. Und ich frage Sie und mich: Sind wir nicht alle irgendwann und immer wieder im Leben gesund geworden durch Jesus?
Das wird kein "Aussatz" gewesen sein, das muss überhaupt keine körperliche Krankheit gewesen sein, von der Er uns geheilt hat. Wir können ja an so vielem leiden. Manchmal ist ein Leid, das uns keiner ansieht, viel schlimmer - und viel quälender. Manchmal werden Menschen krank an dem, was ihnen widerfährt, an ihrem Geschick.

2.2 Mir fallen die unter uns ein, denen das Leben böse Verletzungen zugefügt hat: Vielleicht mussten sie nach kurzen Jahren der Ehe schon den Mann hergeben. Kinder mussten ohne den Vater aufwachsen. Vielleicht haben sich schlimme Erlebnisse tief in ihr Gedächtnis eingegraben. Noch Jahre später hat sie das in nächtlichen Angstträumen aufschrecken lassen. - Gewiss: Ganz "gesund" von diesem schrecklichen Geschehen sind sie nie geworden. Aber langsam verblasste die Erinnerung. Andere, schönere Erlebnisse schoben sich davor. Sie hatten auch viel zum Freuen und zum Danken. Das war nicht allein die Zeit, die ihre Wunden geheilt hat! Da war noch etwas anderes, ein anderer mit seinem Trost, mit seinem Wort und Zuspruch.

2.3 Und an die muss ich jetzt denken, die Krankheiten des Körpers durchleiden mussten, vielleicht am eigenen Leib oder mit einem geliebten Menschen: Die Stunden der Angst vor der Operation, die endlosen Tage auf dem Krankenlager, die Zeit des Wartens zwischen Bangen und Hoffen, die Schmerzen, die Schwäche und der Zweifel und manchmal sogar der Wunsch, es möge endlich alles vorbei sein, so oder so.
Da gab es aber nicht nur schlimme Erfahrungen! Da war auch die Hand, die sich auf unsere legte und sie festhielt. Da war die Stimme, die uns zugesprochen hat: Ich bleibe bei dir. Da war das Wort des Arztes: Es sieht gut aus, sie sind über den Berg! Da waren der erste schmerzfreie Tag seit langem und dann die Entlassung und ein neuer Anfang zu Hause. Als wären wir neu geboren war uns da zumute! - Da haben nicht nur Menschen an uns gehandelt. Da waren noch ein anderer und seine Kraft, sein Beistand, seine Hilfe.

2.4 Und schließlich gehen mir noch andere Erlebnisse durch den Kopf, wie sie unser aller Leben begleiten: Wenn sich die Pläne zerschlagen, wenn wir uns abfinden müssen, wenn die Kinder aus dem Haus gehen und es einsamer um uns wird, wenn das Alter kommt und seine Beschwerden, wenn wir Abschied nehmen müssen von denen, die immer da waren und die wir geliebt haben. Vielleicht nicht nur einmal. - Sind wir aber bisher nicht immer wieder am Ende des dunklen Ganges angekommen? Wurde es nicht immer wieder hell? Konnten wir nicht jedes Mal auch wieder aufatmen? - Das war nicht allein unsere Stärke oder unser Stehvermögen. Schreiben wir es nicht unserem "Verdienst" zu oder unserer Leistung. Ein anderer war da am Werk. Durch Ihn sind wir hindurch gelangt. Es war Sein Wille, Sein Wort, Seine Stärke.

2.5 Wir alle sind schon gesund geworden durch Jesus! Manche schon oft und immer wieder! Wir sind heil geworden an unserem Körper, an unserer Seele. Wie die zehn Männer aus unserer Geschichte.

2.6 Jetzt sind wir zurück bei den Aussätzigen, von denen uns erzählt wird, zurück bei unserer Empörung und unserer Frage: Warum kehrt nur einer um, seinem Wohltäter zu danken? "Sind nicht die zehn rein geworden? Wo sind aber die neun?" - Wenn wir doch auch gesund geworden sind durch Jesus, dann müssen wir uns doch selbst diese Frage vorlegen: Sind wir umgekehrt, dem zu danken, der uns heil gemacht hat? Erinnern wir uns. Und tun wir es wie dieser Samariter.


3.1 Schauen wir uns noch an, was dem zu Teil wird, der dankt. Was fand der Dankbare denn noch?

3.2 Heilung hatten sie alle gefunden. Auf dem Weg zum Priester, ganz unspektakulär. Der Priester hatte nicht wie sonst üblich nach der alten hebräischen Sitte das Totenritual über ihnen eingeleitet. Das glich einer Beerdigung, schloss sie als Gruppe der Todgeweihten aus der Gemeinschaft der Gesunden aus. Jetzt waren sie gesund geworden. Sie wurden wie neu angesehen, aufgenommen. Sie konnten sich selbst neu ansehen - und staunen, lachen, danken.

3.3 Komm, gehen wir nach Hause, werden sie gesagt haben, und stürmten los wie immer in der Gruppe. Doch dann stutzten sie. Hierhin geht es doch, in Richtung Jerusalem. - Einer hatte das nicht kapiert. Er war wohl schon zu lange krank gewesen. - Dort ist nicht Jerusalem. - Nein, sagte der, es geht dorthin. Dort ist Jesus. Da muss ich zuerst hin. - Dafür ist keine Zeit. Komm schon. - Und damit gingen sie zwar in ihre alte Heimat, doch sie fanden keinen neuen Glauben.

3.4 Denn Glaube ist, wo mein Herz eine Heimat hat. Der eine fand sie bei Jesus. Der füllte sein Herz mit Frieden, als er Ihm Danke sagte. Und das ist die schönste Heilung, die es gibt, die Heilung des eigenen Herzens. So zum Herrn Danke sagen hat bisher noch jeden reich gemacht, der zu Jesus kam. Jesus bestätigt dies: Dein Glaube an Mich hat dir geholfen.

3.5 Und auch darin können wir unseren Platz in der Geschichte finden: Wie der Samariter Danke zu Jesus sagen, gibt unserem Herzen Heimat. Und wer die hat, lebt einen Glauben, der hilft für Körper und Seele, für unsere Heilung und unser Heil. Und beides möchte der Herr denen schenken, die Ihn suchen.



Amen.



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Zuletzt geändert am 11.09.2009 von: (fp)