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 <>< Predigt zum 15. Sonntag nach Trinitatis
von Pfarrer Friedhelm Peters,
Costa del Sol

(Rückmeldung oder Frage an
Pastor Friedhelm Peters)

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Gottesdienst am 20. September 2009

Anti-Sorgen-Vertrag

25 Darum sage ich euch: Sorgt nicht um euer Leben, was ihr essen und trinken werdet; auch nicht um euren Leib, was ihr anziehen werdet. Ist nicht das Leben mehr als die Nahrung und der Leib mehr als die Kleidung?
26 Seht die Vögel unter dem Himmel an: sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen; und euer himmlischer Vater ernährt sie doch. Seid ihr denn nicht viel mehr als sie?
27 Wer ist unter euch, der seines Lebens Länge eine Spanne zusetzen könnte, wie sehr er sich auch darum sorgt?
28 Und warum sorgt ihr euch um die Kleidung? Schaut die Lilien auf dem Feld an, wie sie wachsen: sie arbeiten nicht, auch spinnen sie nicht.
29 Ich sage euch, dass auch Salomo in aller seiner Herrlichkeit nicht gekleidet gewesen ist wie eine von ihnen.
30 Wenn nun Gott das Gras auf dem Feld so kleidet, das doch heute steht und morgen in den Ofen geworfen wird: sollte er das nicht viel mehr für euch tun, ihr Kleingläubigen?
31 Darum sollt ihr nicht sorgen und sagen: Was werden wir essen? Was werden wir trinken? Womit werden wir uns kleiden?
32 Nach dem allen trachten die Heiden. Denn euer himmlischer Vater weiß, dass ihr all dessen bedürft.
33 Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch das alles zufallen.
34 Darum sorgt nicht für morgen, denn der morgige Tag wird für das Seine sorgen. Es ist genug, dass jeder Tag seine eigene Plage hat.

Matthäus 6, 25-34

Liebe Gemeinde!

1.1 Wer Sorgen hat braucht zwei Dinge: Einmal Trost und zum anderen einen anderen Standpunkt. Um diesen zweiten Punkt soll es heute in unserer Predigt gehen.


2.1 Sorglos sein bedeutet für uns mindestens zweierlei:

2.2 Es meint zunächst: unbedacht, harmlos, untüchtig, nicht clever. Oder schärfer: fällt anderen auf die Tasche, bringt es zu nichts.
Die Bibel sagt zu solchen Menschen: ein Narr begreift es nicht (Psalm 92,7). Oder: Die Toren werden an ihrer Torheit sterben (Sprüche 10, 21).

2.3 Dem gegenüber steht das Sorgen als erste Aufgabe des Menschen im Garten Eden. Sorge dich! Kümmere dich! Es beginnt mit der Furcht Gottes als aller Weisheit Anfang und entfaltet sich in der Bewahrung und im Erhalt der Schöpfung. Der Fluch der Sünde hat lediglich den Schweiß und die Dornen dazu gebracht. Aber die Sorge bleibt: Wohl dem, der im Segen Frucht schafft, für etwas sorgt.
Merimnáo heißt das im neuen Testament. Und es ist ein Kennzeichen der Christen in der Gemeinde: ... dass die Glieder füreinander Sorge tragen, so 1. Korinther 12, 25, im großen Bild vom Leib Christi, das Paulus zeichnet.


3.1 Jesus meint in der Bergpredigt nicht diesen guten Sinn von Sorge, wenn ER lehrt: Sorget nicht!

3.2 ER meint den Missgriff unseres Herzens, dessen Folge wir als Qual und Last erleben, der uns nicht los lässt und im Schlaf verfolgt, der uns krank macht und manchmal das Leben kostet. Denn bei manchem Menschen lässt sich beobachten, dass die Sorge um das Leben sie oder ihn nicht mehr leben lässt. Sorge bringt um.


4.1 Wie sollen wir das verstehen, sorget nicht? Jesus meint, wir sollen die Lebenssorge ablegen.

4.2 Zunächst ein Beispiel, das Jesus ähnlich gebraucht.
Ich hatte ein kleines Olivenbäumchen. Ich könnte mir Sorgen machen, ob da wohl Früchte wachsen. Doch dadurch wachsen sie nicht. Der Baum wächst von ganz alleine, die Früchte auch. Ich muss den Baum pflegen, vor Insektenbefall schützen, düngen und vieles andere mehr. Nichts wächst durch Sorgen. Die Frucht wächst von ganz alleine - oder auch nicht, trotz aller Fürsorge.

4.3 Unser Leben ist nicht Gegenstand unserer Sorge, sagt Jesus. Es ist wie bei jeder Frucht. Das Leben ist uns gegeben. Wir leben oder sterben so und so nicht nach unserem sorgenvollen Denken. Sorgen wir uns darum, dann ist diese Lebenssorge wie der Griff nach der Frucht im Paradies. Lebenssorge ist im Kern Sünde.

4.4 Als Eltern wissen wir das - und können es doch so schwer leben. Diese Kinder. Wir sorgen uns. Doch sie werden ganz alleine groß und leben alleine. Ihr Wachsen ist uns aus der Hand genommen. Es ist töricht, sich darum zu sorgen. Wir sollen stattdessen lieber für sie sorgen. Wie viele Eltern sorgen sich um ihre Kinder. Doch versorgt haben sie sie wenig mit dem, was sie brauchten und wofür wir da sind: ihnen das Leben zeigen, ihnen zuhören und Mut machen. Falsche Sorge statt Fürsorge.

4.5 Haben wir einen Partner ist das oft nicht anders. Wir sorgen uns um ihn oder sie im Geheimen. Dabei können wir ihm oder ihr nicht einen Lebenstag verschaffen. Die Tage unseres Lebens zählt der Herr. Statt Sorgen um den anderen wäre es viel besser, das bisschen an Fürsorge zu geben, was uns möglich ist. Die tätige Liebe ist die richtige Alternative zur falschen Lebenssorge.


5.1 Warum ist uns die Lebenssorge aus der Hand genommen? Die Bibel gibt dazu einen klaren Hinweis. In Gottes Hand, sagt sie, liegt das Gesetz von Saat und Ernte. Wachsen ist Segen. Es kommt aus Gottes Hand. Tun - Ergehen - Zusammenhang nennen das die Theologen. Wir pflügen und wir streuen ... doch Wachstum und Gedeihen steht in des Himmels Hand. Gott bleibt eingebunden und bleibt letzter Maßstab. ER bleibt Richter, ER bleibt Erhalter, nicht wir.

5.2 Wer diese Ordnung respektiert wird die Lebenssorge lassen. Er wird stattdessen diese Sorge Gott überlassen und damit den tiefen Frieden Gottes erfahren: wohltuende Gelassenheit.


6.1 Warum nur fällt es uns so schwer, diese göttliche Gelassenheit zu leben? Die Ordnung Gottes ist nicht unangefochten. Der Widersacher stört sie durch seinen Sorgengeist. Von Anfang an: Sollte Gott gesagt haben? Müsstest du nicht ... .

6.2 Sorgen kommen von alleine. Schon daran könnten wir merken, dass sie nicht von Gott sind. Alles Böse läuft leicht. Es ist der breite Weg wie Jesus sagt. Lebenssorgen sind seine dunkle Saat.


7.1 Wir sollen frei werden, unsere Lebenssorgen lassen. Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes ... (33) sagt Jesus. Damit ist das Herz schon auf einer anderen Spur.

7.2 Ich kann mich daran erinnern. Ich bin doch getauft. Mein Leben gehört einem anderen Geist, nicht dem der Sorge um mein Leben, das des anderen. Ich bin bereits ein geliebtes Kind Gottes, der andere auch. Weg mit der Lebenssorge.

7.3 Und wenn mir das abhanden kommt, ich mich an meinem Schöpfer versündige - wer hier ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein - dann kehre ich schnell um. Sünden gehören in die Beichte unter Jesu Kreuz. Sorgen auch. Sorgenübergabe an Jesus, so nennt das die Seelsorge.

7.4 Jemand hat dies einmal ganz praktisch in einen Sorge - Übergabe - Vertrag zusammengefasst.

1. Ich übergebe Jesus Christus meine Sorgen und verliere alle weiteren Bearbeitungsrechte.
2. ER übernimmt meine Sorgen zur weiteren Bearbeitung und kommt für die allerbeste Erledigung auf.
3. Die Anzahl der zu übertragenen Sorgen ist unbegrenzt.
4. Rückgabe-Sperrklausel: Bei dem Versuch, den Vertrag zu brechen und rechtswidrig die abgegebenen Sorgen an sich zu reißen, ist der Unterzeichnende verpflichtet zu folgendem Gebet:
Ich danke DIR, dass DU meine Sorgen bereits endgültig übernommen hast. Ich vertraue DIR, dass Du DICH ganz für mich einsetzt.
5. Zur Vertrags-Ausführung wird im Einzelnen empfohlen:
5.1 Die abzugebenden Sorgen aufzuschreiben und in die Bibel einlegen, z.B. bei 1. Petrus 5, 7.
5.2 Die Sorgen außerdem im Gebet mündlich übergeben.
5.3 Das Übergabe-Dankgebet täglich wiederholen.
5.4 Späteres Abhaken der erledigten Sorgen. Dankgebet.

7.5 Wem dieser Weg hilft, der mag damit zum Ziel kommen, das der Herr für uns vorhat: Sorget nicht, damit wir für den Weg der Fürsorge und Liebe gewappnet sind.



Amen.



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Zuletzt geändert am 15.09.2009 von: (fp)