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 <>< Predigt zum 18. Sonntag nach Trinitatis
von Pfarrer Friedhelm Peters,
Costa del Sol

(Rückmeldung oder Frage an
Pastor Friedhelm Peters)

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Gottesdienst am 11. Oktober 2009

Gott liebe und die Menschen lieben

28 Ein Schriftgelehrter hatte ihrem Streit zugehört; und da er bemerkt hatte, wie treffend Jesus ihnen antwortete, ging er zu ihm hin und fragte ihn: Welches Gebot ist das erste von allen?
29 Jesus antwortete: Das erste ist: Höre, Israel, der Herr, unser Gott, ist der einzige Herr.
30 Darum sollst du den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen und ganzer Seele, mit all deinen Gedanken und all deiner Kraft.
31 Als zweites kommt hinzu: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. Kein anderes Gebot ist größer als diese beiden.
32 Da sagte der Schriftgelehrte zu ihm: Sehr gut, Meister! Ganz richtig hast du gesagt: Er allein ist der Herr, und es gibt keinen anderen außer ihm, 33 und ihn mit ganzem Herzen, ganzem Verstand und ganzer Kraft zu lieben und den Nächsten zu lieben wie sich selbst, ist weit mehr als alle Brandopfer und anderen Opfer.
34 Jesus sah, dass er mit Verständnis geantwortet hatte, und sagte zu ihm: Du bist nicht fern vom Reich Gottes.
Und keiner wagte mehr, Jesus eine Frage zu stellen.

Markus 12, 28-34

Liebe Gemeinde!

1.1 Gottesliebe und Menschenliebe. Damit fasst Jesus den Kern des Glaubens zusammen.

1.2 Ein Schriftgelehrter, ein Theologe im Judentum der damaligen Zeit, hatte Jesus zugehört und gestaunt, wie treffend Jesus Dinge auf den Punkt bringen konnte. Da fasste er die Situation am Schopf und legte ihm die strittigste aller Fragen vor, die das Judentum kannte: Jeder weiß: Das Wichtigste kommt zuerst. Aber was ist das Wichtigste? Was ist das wichtigste Gebot?
Ist es die Erhaltung der von Gott geschaffenen Natur? Ist es das Opfer mit seiner Vergebung und dem Tempel? Sind es die Propheten, die um Lebendigkeit und Freiheit des Volkes Gottes ringen? Was ist das Wichtigste?

1.3 Die theologischen Schulen stritten: Schriftgelehrten diskutierten. Pharisäer strebten verbissen nach Heiligkeit im Alltag. Zeloten kämpften gegen die Besatzungsmacht der Römer, um für das Ansehen des Tempels und für ein freies Volk Gottes zu streiten. Was ist das wichtigste Gebot?

1.4 Die Frage ist auch heute gut.

1.5 Wie immer Jesus geantwortet hätte: Mit einer Position, die einen zum Freund macht, hätte er sich mindestens zwei andere Gruppen zu Feinden gemacht. Von daher hatte es die Frage in sich. Die Antwort war gefährlich.

1.6 Gottesliebe und Menschenliebe. Wie einfach sagt es Jesus. Und Er tut nichts anderes, als das Alte Testament zitieren. Er kombiniert zwei Gebote, die dort an ganz unterschiedlichen Stellen, in Deuteronomium 6, 5 und Leviticus 19, 18, stehen. Er sagt: Beides gehört zusammen. Das ist das Wichtigste. Damit hat er allen theologischen Flügeln die Flügel gestutzt. Das mussten alle lernen.


2.1 Aber was sagt Jesus damit eigentlich? Was ist die Liebe zu Gott verbunden mit Menschenliebe?

2.2 Haben Sie sich einmal klar gemacht wie Sie Gott lieben? Liebe zu Gott geht ja nicht mit Umarmung und Küsschen, Küsschen. Und Liebe zu Gott geht auch nicht mit Päckchen packen und Karte schreiben.

2.3 Gott ist Geist. Und deshalb verschwindet irgendwann das kindliche Bild vom guten, alten Mann über den Wolken. Wir lernen Gott wie jeden Menschen als ein Geheimnis kennen. Seine Wirkungen sehen wir, aber wir verwechseln ihn nicht mehr mit einer Gestalt. Das wäre ein Götze. Einen Menschen lieben heißt ja auch nicht, nur die körperliche Form zu sehen, die er oder sie auch noch hat.

2.4 Wir lieben Gott als Geist mit unserem Geist. Und die Werkzeuge unseres Geistes sind die Eigenschaften der Seele wie die Bibel sie beschreibt: mit ganzem Willen (Herzen) mit ganzem Empfinden (Seele), mit ganzem Denken (Gedanken), mit ganzer Tatkraft (Kraft). Wie liebe ich damit Gott? - So könnte ich es.


3.1 Ich will, Gott, was Du willst. Und ich bin darin treu. Ich will es, wenn es leicht ist und ich will es, wenn es mir schwer fällt. Meine Entscheidung ist für Dich gefallen. Du bist mir der Erste. - Das ist Liebe Gottes mit dem Willen.

3.2 Wer Gott nicht mit dem ganzen Willen liebt fällt in der Regel um, sobald die Umstände es ergeben. Jesus erzählt dazu die Geschichte vom Haus auf dem Sand.

3.3 Alle Eigenarten der Liebe zu Gott haben ihre kirchengeschichtliche Prägung gefunden. Die Bekehrungs-Christen wissen um das Glück einer Entscheidung für den Herrn. Sie betonen, dass Liebe zu Gott durch den Willen geht. "Hast du dich entschieden?" Wie Recht sie haben. Aber wie arm, wenn es nur dabei bleibt.


4.1 "Ich lieb Dich Herr. Keiner ist wie Du. Anbetend jauchzt mein Herz Dir zu." Mein Empfinden ist erfüllt von Deiner Liebe zu mir. Sie hat mich tief durchdrungen. Ich staune. Und jetzt kann ich nicht anders als Dich zurück zu lieben. Was tust Du mir Gutes, mir, Deinem armen Kind. Herr, ich habe Sehnsucht nach Dir. - Das ist Liebe Gottes mit dem Empfinden.

4.2 Wie gut es tut, so in Gottes Liebe zu ruhen, sie zu genießen.

4.3 Kirchengeschichtlich haben alle Erneuerungsbewegungen, vor allem die Anbetungs- und Lobpreisbewegungen die Freude entdeckt, die entsteht, wenn das Empfinden der Seele in die Liebe Gottes eingetaucht wird. Eine halbe Stunde Gott loben, manchem wird da schwindelig und ihm geht die Puste aus. Doch wessen Seele brennt, in dem leuchtet das Feuer göttlichen Liebe länger als 30 Minuten. Der laute oder stille Lobpreis ist ein Zeichen der Liebe mit dem Gemüt. Doch auch die soll nicht isoliert stehen.


5.1 In Gottes Linien zu denken ist ein großes Privileg. Es öffnet unglaubliche Möglichkeiten. Betend zu denken reinigt den Kopf. -
Herr, Du hast mich erlöst. Wie denke ich über mich und wie sollte ich es? Ich bin Dein geliebtes Kind. Wie ändert das mein Denken? -
Ich denke über meine Zukunft. Was willst Du von mir dass ich tue? -
Ich denke über meine Lieben? Was willst Du für sie von mir?

5.2 An welchen alten Denk-Mustern hänge ich fest, die Du nicht willst? Welche Mauern von Gedankengebäuden muss ich in Deinem Namen einreißen (2. Korinther 10, 4.5), die noch in meinem Hirn fest stehen. Herr, ich will lernen, Deine Gedanken zu denken. -
Das ist Liebe zu Gott mit dem ganzen Denken.

5.3 Die Theologie hat sich der Liebe zu Gott mit dem Denken verschrieben. Doch dabei ist nötig zu sagen, dass in jedem glaubenden Kopf eine Dogmatik, eine Theologie steckt. Nicht nur der ist Theologe, der an der Uni darüber ein Staatsexamen abgelegt hat. Nicht nur schriftgelehrte Berufstheologen denken über die Frage nach, was denn das höchste Gebot ist. Sonst wären wir alle heute nicht hier.

5.4 Die ethischen Grundlagen einer europäischen Welt wurden geprägt von Menschen, die aus dem Christentum heraus dachten. Sie entwickelten die Wirtschaft, das Bildungssystem, die Krankenversorgung, die Demokratie, weil sie als Christen Verantwortung übernahmen, christlich dachten. Wir brauchen das heute dringend.


6.1 Tun was Gott tut. Das ist das die fröhliche Umsetzung der guten Tat aus Glauben, womit wir Gott lieben. -
Herr, ich arbeite für Dich. Das gilt unabhängig von Anstellungsverhältnissen, Bezahlung, Ansehen, Anerkennung. Ich tue, was ich hier tue, für Dich. Meine Schaffenskraft hast Du mir bis heute gegeben. Sie ist mein täglicher Gottesdienst (so Luther). Handle ich für dich, dann gehöre ich nie der Trägheit, nie der Oberflächlichkeit, nie der Langeweile, nie der Hinterlist, nie der Unwahrhaftigkeit, nie dem Betrug - denn ich stehe in Deinem Segen. Und der hält mich und der verpflichtet mich. Ich liebe dich mit dem, was ich tue und schaffe. - Gott lieben mit der ganzen Tatkraft.

6.2 Das dies einmal die Wurzel war von vielen Sozialen Werken, großen Bildungsbewegungen und Universitäten, von vielen Finanz- und Wirtschaftsentwicklungen unseres christlichen Abendlandes? Wir wagen das heute kaum zu sagen. Und doch gibt es bis heute Unternehmer, die sich dem verpflichtet wissen, Pädagogen, die aus dieser Quelle schöpfen, Menschen im sozialen Einsatz, die sich so verstehen: Tun was Gott tut. Ihn damit lieben. Mit aller Tatkraft. Wer so schafft verliert nie die Freude.


7.1 Gott lieben. Wie mache ich das? Ihn liebe mit ganzem Willen. Mit ganzem Empfinden. Mit ganzem Denken. Mit ganzer Tatkraft. Wer das tut, dem öffnet sich die Seele wie ein Blütenkelch. Der wird entfaltet, blüht selbst auf in der Liebe Gottes.

7.2 Dass diese Liebe zu Gott sich stets auch auf andere Menschen richtet und nicht für sich lebt, das haben unsere Beispiele deutlich gezeigt. Aus dieser Gottesliebe kommt nämlich die Kraft, für andere auch in Liebe da zu sein.
Ich will tun, was Gott tut. Deshalb kann ich auch diesem Menschen in Liebe nachgehen.
Ich bin durchtränkt von Gottes Liebe. Deshalb bin ich für andere Menschen ein froher Zeitgenosse.
Ich denke Gottes Linien nach. Deshalb stehe ich zur Wahrheit, wenn die gefragt ist ohne umzufallen.
Ich tue was Gott tut. Darum bin ich da, wenn andere Hilfe brauchen.

7.3 Gottesliebe, die sich in Menschenliebe zeigt.

7.4 Hören wir und lernen wir dies schlichte Glaubensbekenntnis unseres Herrn.


Amen.



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Zuletzt geändert am 09.10.2009 von: (fp)