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Predigt zum 19. Sonntag nach Trinitatis
von Prädikantin Gisela Johannis,
Costa del Sol

(Rückmeldung oder Frage an
Gisela Johannes)

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Gottesdienst am 17. Oktober 2009

Ein Gelähmter in Bewegung

Und nach einigen Tagen ging er wieder nach Kapernaum; und es wurde bekannt, dass er im Hause war.
Und es versammelten sich viele, so dass sie nicht Raum hatten, auch nicht draußen vor der Tür; und er sagte ihnen das Wort.
Und es kamen einige zu ihm, die brachten einen Gelähmten, von vieren getragen.
Und da sie ihn nicht zu ihm bringen konnten wegen der Menge, deckten sie das Dach auf, wo er war, machten ein Loch und ließen das Bett herunter, auf dem der Gelähmte lag.
Als nun Jesus ihren Glauben sah, sprach er zu dem Gelähmten: Mein Sohn, deine Sünden sind dir vergeben.
Es saßen da aber einige Schriftgelehrte und dachten in ihren Herzen:
Wie redet der so? Er lästert Gott! Wer kann Sünden vergeben als Gott allein? Und Jesus erkannte sogleich in seinem Geist, dass sie so bei sich selbst dachten, und sprach zu ihnen: Was denkt ihr solches in euren Herzen?
Was ist leichter, zu dem Gelähmten zu sagen: Dir sind deine Sünden vergeben, oder zu sagen: Steh auf, nimm dein Bett und geh umher?
Damit ihr aber wisst, dass der Menschensohn Vollmacht hat, Sünden zu vergeben auf Erden - sprach er zu dem Gelähmten:
Ich sage dir, steh auf, nimm dein Bett und geh heim!
Und er stand auf, nahm sein Bett und ging alsbald hinaus vor aller Augen, so dass sie sich alle entsetzten und Gott priesen und sprachen: Wir haben so etwas noch nie gesehen.

Markus 2, 1-12

Liebe Gemeinde!

Gott um Hilfe anrufen! Jeremia tat es, wie wir im Wochenspruch hörten.
Wie oft hat uns die Geschichte des heutigen Evangeliums von der Heilung des Gelähmten hoffen lassen, dass Gott auch heute noch so ein Wunder an uns tut.
Nicht jeder, der Gott um Heilung bittet, wird wieder gesund. Das wissen wir sehr genau, und ich denke, Jeremia hat das auch gewußt.
Dieser eindrückliche Hilferuf Jeremias: ‚Heile mich, Herr, dann werde ich heil. Hilf mir, dann ist mir geholfen', ist gleichzeitig Bitte und Urvertrauen in Gott, dass er uns heilen kann.

Unser Gleichnis erzählt die wunderbare Geschichte einer Freundschaft, erzählt von Vertrauen und der heilenden Gegenwart des Herrn.
Unser Predigttext führt uns zu der Frage: Wovon will uns Jesus heilen, und wozu verhilft er uns damit?
Von Heilen sprechen wir meistens im medizinischen Zusammenhang. Da erkrankt jemand, z.B. an einer Lungenentzündung, und in der Regel heilt ihn der Arzt.
Wir kennen diesen Begriff aber auch in dem Zusammenhang, dass etwas kaputt gegangen ist, und wir uns darum bemühen, den Gegenstand wieder heil, sprich: ganz zu machen.
Heilen bedeutet gesund und wieder ganz machen.
In unserer Geschichte geht es um einen Mann, der sich nicht mehr bewegen kann. Er hat kaum Handlungsmöglichkeiten, weil er seine Beine nicht gebrauchen kann. So jemand war eine große Belastung für seine Familie. Wenn es hoch kam, konnte er, am Straßenrand abgesetzt, ein bisschen Geld erbetteln, ansonsten war er völlig abhängig von seiner Umgebung.

Aber unser Mann ist nicht allein. Er hat Freunde, die zu ihm stehen.
Als sie erfahren, dass Jesus in der Stadt ist, beschließen sie, der Unbeweglichkeit ihres Freundes ein Ende zu bereiten.
Sie sind sich sicher: Jesus wird ihren Freund gesund machen.
Ihr großes Vertrauen in Jesus setzt sie in Bewegung. Sie tragen den Freund zu dem Haus, in dem Jesus zu einer großen Menschenmenge spricht. Bei einer derart riesigen Menschenansammlung ist es unmöglich, zu Jesus vorzudringen, schon gar nicht mit ihrem Freund auf der Bahre.
Sollen sie aufgeben, sich in die scheinbar unabwendbare Situation schicken? Sie wollen und müssen Jesus doch ganz nahe kommen!
Dieser Glaube befähigt sie zu ungewöhnlichen Taten, ihr Ziel haben sie fest im Blick. Sie klettern mit dem Kranken auf das Flachdach. Schon als Kind fand ich es faszinierend mir vorzustellen, wie sie ein Loch graben, wie der Lehm nach allen Seiten fliegt. Schließlich sehen sie Jesus und lassen ihren kranken Freund auf einer Art Hängematte zu seinen Füßen nieder. Wir erkennen: da haben Menschen einen festen Glauben, daraufhin handeln sie, und schaffen Fakten. Und was nun? Da ist ihre große unausgesprochene Erwartung an Jesus. Mach ihn bitte gesund!

Und der Herr sieht, sieht dieses riesengroße Vertrauen in ihn. Er weiß um diese gelebte Zuversicht, bei ihm, Jesus, am richtigen Platz zu sein.
Liebevoll wendet er sich dem Gelähmten zu und vergibt ihm seine Sünden.
War es das, was die Freunde für ihren Freund erhofft hatten? Ist er nun heil, ist er ganz?
Was heißt das eigentlich: Mein Kind, dir sind deine Sünden vergeben?
Zum einen erinnert uns Jesus damit an die feste Beziehung zwischen Gott und den Menschen, ähnlich wie sie ein Vater und eine Mutter zu ihrem Kind haben.
Zum anderen spricht er von Sünde. Dieses Wort kommt in unserem Alltag kaum noch vor.
In der Bibel allerdings hat es seinen festen Platz immer dann, wenn es um das Fernsein von Gott geht.
Eines Fehlverhaltens gegenüber Gott sind wir uns oft gar nicht bewußt, weil wir ihn vielfach aus unserem Alltag ausgegrenzt haben.
Aber Sünde ist genau das: Fernsein von Gott unter Missachtung seiner Gebote. Da kommt eines zum anderen und wird zu einer Last, die uns lähmt.
Hier greift Jesus ein. Er vergibt alles, was uns belastet, bedrückt oder hemmt. Er spricht dem Gelähmten zu, dass alles, was ihn aus seiner Vergangenheit fesselt, ausgelöscht wird, dass sein Weg zu Gott frei ist von allem, was ihn einengt.
Vergebung ist für Jesus das Entscheidende.
Jeder Mensch trägt für das, was er tut oder lässt, die Verantwortung und wird damit schuldig. Aber Jesus nimmt all die Last aus unserem Leben, indem er uns freispricht, uns unsere Sünde vergibt.
Er führt den Gelähmten aus der Abhängigkeit ins volle Leben. Zwischen Gott und diesem Menschen steht nun nichts mehr im Weg. Diese Beziehung ist heil.

An dieser Stelle wird in unserem Text der Hebel quasi umgelegt. Es geht auf einmal nicht mehr um den Gelähmten, sondern um die Schriftgelehrten, die auch dabei sind. Sie geraten nun in den Blickpunkt.
Sünden vergeben!
Was für ein Ansinnen! Es revoltiert in ihren Herzen, aber über ihre Lippen kommt kein Laut. Sie wissen sicher: Sünden vergeben kann nur Gott. Also lästert Jesus Gott. Das ist aus ihrer Sicht anmaßend und empörend. Sie sind mit den heiligen Schriften bestens vertraut und wissen genau Bescheid.
Jesus durchschaut ihre Gedanken und provoziert sie mit der Frage: Was ist leichter, Sünden zu vergeben oder einen Menschen zu heilen?
Die Schriftgelehrten verstehen nicht. Sie erscheinen gelähmt und bewegungsunfähig in ihrem Gottesbild.
Jesus weist sie daraufhin, dass Gott ihm Vollmacht gegeben hat, beides zu tun. Gott gibt ihm die Möglichkeit, den ganzen Menschen heil zu machen.
Und so befiehlt Jesus dem Mann aufzustehen. Er setzt ihn buchstäblich in Bewegung. Er führt ihn aus der Abhängigkeit ins volle Leben.

Und der Kranke?
Er glaubt Jesus aufs Wort, und mit diesem Glauben werden Wunder möglich. Für die Menschen die ihn als Gelähmten kannten, wird er zum Hoffnungsträger. Seine Beine tragen ihn, und er kann wieder Verantwortung für sich selber tragen. Er steht auf und geht.

Und wo stehen wir in der Geschichte?
Es scheint mir, dass wir ein wenig von jeder dieser Figuren in uns tragen, Gelähmter, Schriftgelehrter und auch Freund.
Gelähmt: Es fällt uns schwer, uns aus dem Trott unserer Gewohnheiten zu lösen, festgefahrene Meinungen aufzugeben, uns Neuem zu öffnen, begangene Fehler anzuschauen und als solche zu erkennen. Hier sagt uns Jesus zu, dass er uns aus unseren Verstrickungen der Vergangenheit befreit, uns mit Gott ins Reine bringt, uns heil macht. Es lohnt sich, darauf fest zu vertrauen.
Viele von uns halten es ähnlich wie die vier Freunde. Sie helfen und tragen dort mit wo es nötig ist. Ihr Glaube beflügelt sie dazu und Gott legt seinen Segen darauf.
Danken wir dem Herrn dafür, dass er uns aus unseren Lähmungen befreit und uns in Bewegung setzt, damit wir an der Fülle des Lebens teilhaben.

Amen.



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Zuletzt geändert am 09.10.2009 von: (fp)