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Predigt zum 19. Sonntag nach Trinitatis
von Prädikantin Heike Peters,
Costa del Sol

(Rückmeldung oder Frage an
Heike Peters)

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Gottesdienst am 18. Oktober 2009

Jesu Vollmacht

Und nach einigen Tagen ging er wieder nach Kapernaum; und es wurde bekannt, dass er im Hause war.
Und es versammelten sich viele, so dass sie nicht Raum hatten, auch nicht draußen vor der Tür; und er sagte ihnen das Wort.
Und es kamen einige zu ihm, die brachten einen Gelähmten, von vieren getragen.
Und da sie ihn nicht zu ihm bringen konnten wegen der Menge, deckten sie das Dach auf, wo er war, machten ein Loch und ließen das Bett herunter, auf dem der Gelähmte lag.
Als nun Jesus ihren Glauben sah, sprach er zu dem Gelähmten: Mein Sohn, deine Sünden sind dir vergeben.
Es saßen da aber einige Schriftgelehrte und dachten in ihren Herzen:
Wie redet der so? Er lästert Gott! Wer kann Sünden vergeben als Gott allein? Und Jesus erkannte sogleich in seinem Geist, dass sie so bei sich selbst dachten, und sprach zu ihnen: Was denkt ihr solches in euren Herzen?
Was ist leichter, zu dem Gelähmten zu sagen: Dir sind deine Sünden vergeben, oder zu sagen: Steh auf, nimm dein Bett und geh umher?
Damit ihr aber wisst, dass der Menschensohn Vollmacht hat, Sünden zu vergeben auf Erden - sprach er zu dem Gelähmten:
Ich sage dir, steh auf, nimm dein Bett und geh heim!
Und er stand auf, nahm sein Bett und ging alsbald hinaus vor aller Augen, so dass sie sich alle entsetzten und Gott priesen und sprachen: Wir haben so etwas noch nie gesehen.

Markus 2, 1-12

Liebe Gemeinde!

Hauptsache gesund! Mit diesem Kommentar trösten manche die Mutter zur Geburt der zweiten Tochter.

Hauptsache gesund!
Mit diesem Wunsch bedanken sich viele von ihnen für die Glückwünsche zu ihrem Geburtstag.
Wir werden alle älter. Einige sind selbst krank. Viele sehen neben sich Menschen mit Erkrankungen kämpfen. Viele sorgen sich um ihre Gesundheit. Viele sehnen sich nach Heilung.
Gibt es etwa neben Ärzten und Medikamenten und Kliniken und vernünftigem Lebensstil noch andere Hilfe?

Vor rund zweitausend Jahren war auch jemand sehr krank.
Einiges wissen wir von ihm. Er ist gelähmt. Er hat Freunde. Sogar vier. Hartnäckige und starke Freunde. Freunde mit Ideen und Hoffnungen.

Die Geschichte dieses Gelähmten steht am Anfang des Markusevangeliums, also am Anfang der Erzählung von Jesus.
Vorangegangen ist, dass Jesus vorgestellt worden war.

Johannes der Täufer hatte zur Taufe der Buße aufgerufen, Jesus war von ihm getauft worden, in der Wüste versucht worden, hatte seine ersten Jünger berufen, hatte in der Synagoge gelehrt, hatte Menschen geheilt und hatte böse Geister ausgetrieben.
Dies alles im ersten Kapitel des Evangeliums. Es liest sich wie ein Paukenschlag der Vorstellung Jesu.

Wer ist Jesus? Kann er etwa Sünden vergeben? Das will er beweisen, indem er jemanden heilt? Stellt er sich jetzt selbst vor?
Welche Vollmacht hat Jesus?

Ein Aussätziger, der geheilt wurde, hatte überall herumerzählt, was ihm geschehen war. Wie ein Lauffeuer geht das durch die Gegend.
Die Menschen strömen zu Jesus. Viele heilt er.

Eines Tages ist Jesus in Kapernaum zu Gast. Das Haus platzt bald aus allen Nähten.
Alle wollen hören, was Jesus zu den Schriften sagt. Also: sie wollen ihn predigen hören!
Immer mehr Menschen kommen. Das Haus ist umringt.

Da kommen auch vier Freunde mit einer Trage. Auf der Trage liegt ein Mann. Er ist gelähmt. Selbst laufen kann er nicht.
Die Vier drängeln sich durch die Menschenmenge. Ins Haus hinein schaffen sie es nicht.
Da steigen sie aufs Dach und decken es ab. Sie lassen den kranken Freund vom Dach herunter. Sie legen ihn direkt Jesus vor seine Füße.
Da liegt er nun.
Er sagt nichts. Er bittet nichts. Über seine Gedanken, Gefühle, Wünsche, Enttäuschungen wird uns nichts mitgeteilt.

Was vor seinen Füßen liegt - er, der kranke Mann - das sieht Jesus.
Jesus sieht aber auch den Glauben der Freunde.
Auf den antwortet Jesus. Er überrascht mit seiner Zusage sicher nicht nur den Gelähmten: Mein Sohn, deine Sünden sind dir vergeben.
Welch eine Anrede: mein Sohn! Das ist die Basis des Vertrauens. Ich und Du.
Aber dann: deine Sünden sind dir vergeben.
Für uns heute, die wir aufrecht und mehr oder weniger fit in der Kirchbank sitzen, wirkt das vielleicht fremd, überheblich, kränkend, zu direkt.

Für den Elenden, der abhängig ist von Schmerzen, Einschränkungen, Hilfeleistungen, Pflege, Almosen klingt das vielleicht anders. Und er als Jude versteht vielleicht auch sofort, was er alles nicht zum Wohlgefallen Gottes getan hat in seinem Leben. Er ist angesprochen.

Fragen wir uns in heftigen Krankheitsanfällen manchmal nicht heimlich: Gott, habe ich etwas gegen dich getan? Bist du mir böse? Bitten wir nicht in unserer Not manchmal heimlich Gott um Verzeihung?

Der Gelähmte reagiert nicht. Oder uns wird es nicht erzählt, weil etwas anderes noch wichtiger ist in der Geschichte. Bestimmt tobt in seinem Inneren ein Kampf zwischen Hoffen und Verzweifeln.

Einige Schriftgelehrte empören sich. Sie scheinen zu verstehen, dass es in der Geschichte auch noch um etwas ganz Besonderes geht.
Jesus stellt sich vor. Er zeigt öffentlich, wer er ist. Er zeigt, dass er Macht hat. Vollmacht: Er ist jemand, der auf Erden Sünden vergeben kann. Dies teilt Jesus ganz ruhig und schnörkellos mit.
Alle sollen das wissen.

Erst dann sagt er zu dem Kranken: steh auf, nimm dein Bett und geh heim.
Fast unspektakulär inmitten der sicher aufgeheizten Atmosphäre heilt Jesus und schickt den jetzt Gesunden auf seinen "ganz normalen" Lebensweg.
Zurück bleiben getroffene Menschen. Einige loben Gott. Einige empören sich.
Jesu Vollmacht löst unterschiedliche Reaktionen aus.

Hauptsache gesund! Das ist für uns oft das Wichtigste, und das wünschen wir uns für uns und unsere Liebsten.

Doch noch viel mehr als Heilung des Körpers hat Jesus anzubieten.

Hauptsache Vollmacht! Das ist die Selbstvorstellung Jesu. Amen.



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Zuletzt geändert am 15.10.2009 von: (fp)