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 <>< Predigt zum 20. Sonntag nach Trinitatis
von Pfarrer Friedhelm Peters,
Costa del Sol

(Rückmeldung oder Frage an
Pastor Friedhelm Peters)

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Gottesdienst am 25. Oktober 2009

Liebe für Ehe und Kinder

2 Da kamen Pharisäer zu ihm und fragten: Darf ein Mann seine Frau aus der Ehe entlassen? Damit wollten sie ihm eine Falle stellen. 3 Er antwortete ihnen: Was hat euch Mose vorgeschrieben? 4 Sie sagten: Mose hat erlaubt, eine Scheidungsurkunde auszustellen und (die Frau) aus der Ehe zu entlassen. 5 Jesus entgegnete ihnen: Nur weil ihr so hartherzig seid, hat er euch dieses Gebot gegeben.
6 Am Anfang der Schöpfung aber hat Gott sie als Mann und Frau geschaffen. 7 Darum wird der Mann Vater und Mutter verlassen, 8 und die zwei werden ein Fleisch sein. Sie sind also nicht mehr zwei, sondern eins. 9 Was aber Gott verbunden hat, das darf der Mensch nicht trennen.

10 Zu Hause befragten ihn die Jünger noch einmal darüber. 11 Er antwortete ihnen: Wer seine Frau aus der Ehe entlässt und eine andere heiratet, begeht ihr gegenüber Ehebruch. 12 Auch eine Frau begeht Ehebruch, wenn sie ihren Mann aus der Ehe entlässt und einen anderen heiratet.

13 Da brachte man Kinder zu ihm, damit er ihnen die Hände auflegte. Die Jünger aber wiesen die Leute schroff ab. 14 Als Jesus das sah, wurde er unwillig und sagte zu ihnen: Lasst die Kinder zu mir kommen; hindert sie nicht daran! Denn Menschen wie ihnen gehört das Reich Gottes. 15 Amen, das sage ich euch: Wer das Reich Gottes nicht so annimmt, wie ein Kind, der wird nicht hineinkommen. 16 Und er nahm die Kinder in seine Arme; dann legte er ihnen die Hände auf und segnete sie.

Markus 10, 2-9.10-16

Liebe Gemeinde!

1.1 Wie sollen wir uns diesen Worten Jesu nähern? Was möchte ER uns mit den Worten zur Ehe und zu den Kindern mitteilen? Konnte ER etwas zur Ehe sagen, wo ER doch nicht verheiratet war? Waren seine Worte zu den Kindern lebensnah, wo ER doch keine Kinder hatte?

1.2 Jesus war nicht verheiratet, hatte keine Kinder. Das stimmt. Andererseits wusste er worum es ging. Er war in einer Familie groß geworden, hatte mit seinen Geschwistern erlebt, wie Kinder leben. Auch damals gab es glückliche Ehen. Und auch damals wurden Ehen geschieden. Kinder lebten in guten Familien oder verwahrlost auf der Straße. Das alles ist keine Erfindung unserer Tage. Um das alles wusste Jesus bestimmt.

1.3 Und als Auferstandener, der heute mit uns lebt, kennt ER auch unsere Nöte. ER weiß, wer von uns geschieden lebt oder in neuer Partnerschaft. ER kennt die Scheidungszahlen, die besonders bei Pfarrern und Pfarrerinnen so hoch sind. ER kennt die Frage, die die Menschen in den Gemeinden haben: Kann eine geschiedene Bischöfin jetzt neue Ratsvorsitzende der EKD werden? Ist eine geschiedene Frau an der Spitze der deutschen Kirche die rechte Wahl?

1.4 Aber ging es überhaupt darum? Ging es um die Frage, ob Jesus in sozialen Nöten mitreden konnte und für diese auch Antworten hatte? In welchem Kontext steht sein Hinweis zur rechten Haltung in der Ehe und zu unseren Kindern?

1.5 Wie immer Jesus geantwortet hätte: Mit einer Position, die einen zum Freund macht, hätte er sich mindestens zwei andere Gruppen zu Feinden gemacht. Von daher hatte es die Frage in sich. Die Antwort war gefährlich.

1.6 Gottesliebe und Menschenliebe. Wie einfach sagt es Jesus. Und Er tut nichts anderes, als das Alte Testament zitieren. Er kombiniert zwei Gebote, die dort an ganz unterschiedlichen Stellen, in Deuteronomium 6, 5 und Leviticus 19, 18, stehen. Er sagt: Beides gehört zusammen. Das ist das Wichtigste. Damit hat er allen theologischen Flügeln die Flügel gestutzt. Das mussten alle lernen.


2.1 Der Zusammenhang macht es klar. Da kam keiner, der ein Eheproblem hatte und dann zu Jesus sagte: Es ist schlimm mit uns. Wir sind schon lange zusammen. Aber die Liebe ist uns abhanden gekommen. Und es kam auch keine Mutter, vielleicht - mit oder ohne Mann - alleinerziehend und sagte: Ich krieg meine Tochter nicht groß. Es reicht hinten und vorne nicht für einen würdigen Lebensunterhalt. Und jetzt läuft sie mir aus dem Ruder, weil ich ganz allein bin.

2.2 Das alles geschah nicht. Sondern es kam einer zu Jesus, der wollte ihn reinlegen. Und er wählte dafür das Thema der Ehe. Vielleicht war er verheiratet, vielleicht geschieden. Das wird hier nicht deutlich. Pharisäer durften als Laientheologen heiraten. Und was noch interessanter ist in dem Zusammenhang: Sie durften sich auch scheiden lassen wie sie wollten, jedenfalls als Männer. Denn als theologische Juristen hatten sie alle Kniffe raus, wie sie das religiöse Gebot "Du sollst nicht ehebrechen" für sich zurechtrückten.

2.3 Bei den einfachen Menschen war Ehescheidung nicht so leicht. Mann und Frau brauchten sich zum puren Überleben. Nur wohlhabende Männer konnten es sich leisten, eine Frau wegzuschicken und eine andere zu nehmen. Sie mussten zwar keine Versorgungsanteile zahlen - die Frau blieb unversorgt - dafür aber neue, hohe Brautpreise. Dieses oft himmelschreiende Unrecht war bekannt.

2.4 Doch wurde es von den Pharisäern gedeckt. Und nicht nur das. Man praktizierte es selbst fleißig. Dabei verdiente man für den Tempel wahrscheinlich noch eine gute Stange Geld, indem Betroffene wasserdicht religiös beraten wurden, um vor Gericht zu bestehen.
Wer verdient heute bei Ehescheidungen, wo alle verlieren? Wie die Zeiten gleich geblieben sind.
Die Pharisäer spielten hier die Zöllner im Sittengesetz. Das Recht auf ihrer Seite, so wie sie es auslegten, lebten sie von der Not der anderen: Du kommst nur durch mit meinem Rat und Ruf.


3.1 Jetzt sehen wir die Falle, die man Jesus stellte. Man wusste, Jesus ist ein Mann, der gegen Unrecht aufsteht. Soll er doch mal. Soll der doch für die Geschiedenen eintreten. Dann haben wir ihn. Denn dann zeigen wir ihm auf, dass er gegen das Recht ist, wie Mose es gegeben hat und damit gegen Gott. Er mag sich zwar auf das sechste Gebot beziehen: Du sollst nicht ehebrechen. Aber da haben wir noch ganz andere Gebote, die das aushebeln und ihn zu Fall bringen.

3.2 Und sie hatten. In 5. Mose 24,1 steht: Wenn ein Mann eine Frau geheiratet hat und ihr Ehemann geworden ist, sie ihm dann aber nicht gefällt, weil er an ihr etwas Anstößiges entdeckt, wenn er ihr dann eine Scheidungsurkunde ausstellt, sie ihr übergibt und sie aus seinem Haus fortschickt … und dann geht der Gesetzestext weiter.
Die Interpretation: Die Entlassung der Frau aus der Ehe war damit also durch das Gesetz des Mose geregelt und erlaubt. Umstritten war lediglich, welche Gründe dies rechtfertigten: nach der strengeren Auffassung des Schriftgelehrten Schammai: Ehebruch, ansteckende Krankheit, Geisteskrankheit, Kinderlosigkeit; nach der Auffassung des Schriftgelehrten Hillel, die zurzeit Jesu vorherrschend war, alles, was dem Mann an seiner Frau missfiel.

3.3 Dass dieser Gesetzestext im weiteren Verlauf beschreibt, was mit der Frau zu geschehen hat, wird nicht erwähnt. Vielmehr ist klar: Die Ehescheidung steht im Gesetz. Sie ist also von Gott.
Na, Jesus, was sagst Du nun? Das ist der Todesstoß für deine Gottes- und auch Nächstenliebe.


4.1 Doch es war nicht zu Ende mit Jesus. Er tappt nicht in die Falle, sondern bringt den Angreifer zu Fall. Nur weil ihr so hartherzig seid, hat er euch dieses Gebot gegeben (5).

4.2 Die Liebe bleibt das Wichtigste. Wenn Gott Regeln für die Not gibt, dann nicht, um die Not gut zu reden, auch nicht die Ehescheidung, auch nicht das herzlose Ausbeuten von Gescheiterten, auch nicht das verdrehte Recht der Religion. Wer die Liebe verlässt lebt nicht aus Gott. Die Härte des Herzens ist unsere Sünde, nicht die Absicht des Herrn.

4.3 Deshalb gibt es zur Liebe keine Alternative, auch nicht in der Ehe, auch nicht, wenn sie scheitert, auch nicht, wenn nur Ehescheidung bleibt. Ein Recht auf Scheidung gibt es nicht, sagt Jesus. Es gibt nur ein Scheitern unserer Liebe. Das kann es geben. Doch das ist kein Anspruch. Es ist unser Not.

4.4 So wollte der Pharisäer mit Gottes Gebot sein Recht über Jesu Liebe stellen. Doch Jesu Liebe deckte das harte Herz des Klägers auf. Aus dem kam keine Liebe. Und dann ist Recht noch lange nicht das Rechte. Das haben wir schon alle am eigenen Leib bitter gespürt. Und vielleicht haben wir uns auch schon dabei ertappt, wo wir den Zöllner-Pharisäer bei anderen spielten. Wir waren ja im Recht.


5.1 Und als ob Jesus dieses Herz aus Liebe noch einmal besonders zeigen wollte, schließt sich die Segnung kleiner Kinder an diese Geschichte an: Kommt her, taucht ein in die Liebe Gottes. Nehmt von Seiner Güte. Lasst die Kinder zu mir kommen; hindert sie nicht daran! Denn Menschen wie ihnen gehört das Reich Gottes (13). Was dabei geschieht passiert jedem, der Kind im Reiche Gottes ist. Input von Liebe.

5.2 Unsere Ehen laufen nur mit dem Sprit der Liebe. Sonst bleiben wir in der Entwicklung stehen. Tanken wir und leben es! Der Einsatz ist hoch und lohnt sich, nicht nur für den anderen, auch für uns.
Und auch unsere Kinder wachsen nur in der Kraft, geliebt zu sein. Alles andere baut nur darauf auf. Geben wir sie ihnen, solange wir es noch können und auf dieser Seite der Wirklichkeit wirken.

5.3 Für unsere Ehen - wie für unser Single Leben, was auch Jesus führte - und für unsere Kinder und Enkel dürfen wir die Kraft der Liebe von Gott ständig nehmen. Herr, segne uns! ER segnet das gerne. Und dabei fließt die Liebe in die Herzen, in unseren Geist, damit aus Liebe das Rechte geschieht.

5.4 Das Recht kann nur das Leben regeln. Das ist notwendig, wo es dran ist. Aber die Liebe lässt es wachsen und entstehen. Sie kommt zuerst. Auch in der Ehe, auch bei den Kindern.

5.5 Das lehrt uns diese Geschichte von Jesus. Jesus, der Ehe und Kinder segnet.



Amen.



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Zuletzt geändert am 22.10.2009 von: (fp)