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 <>< Predigt zum 21. Sonntag nach Trinitatis
zum Reformationstag 2009
von Pfarrer Friedhelm Peters,
Costa del Sol

(Rückmeldung oder Frage an
Pastor Friedhelm Peters)

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Gottesdienst am 1. November 2009

Seligpreisungen

2 Dann begann er zu reden und lehrte sie.
3 Er sagte: Selig, die arm sind vor Gott; denn ihnen gehört das Himmelreich.
4 Selig die Trauernden; denn sie werden getröstet werden.
5 Selig, die keine Gewalt anwenden; denn sie werden das Land erben.
6 Selig, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit; denn sie werden satt werden.
7 Selig die Barmherzigen; denn sie werden Erbarmen finden.
8 Selig, die ein reines Herz haben; denn sie werden Gott schauen.
9 Selig, die Frieden stiften; denn sie werden Söhne Gottes genannt werden.
10 Selig, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden; denn ihnen gehört das Himmelreich.

11 Selig seid ihr, wenn ihr um meinetwillen beschimpft und verfolgt und auf alle mögliche Weise verleumdet werdet. 12 Freut euch und jubelt: Euer Lohn im Himmel wird groß sein. Denn so wurden schon vor euch die Propheten verfolgt.

Matthäus 5, 2-10.11-12

Liebe Gemeinde!

1.1 Die Welt ist verkehrt. Da wird gesagt: Selig bist du, wenn du so viel getrunken hast, dass du nicht mehr weißt wie viel es war. Richtig: Die Seele fühlt, sie kann die Lasten des Lebens nicht mehr zählen und erzählen. Dass das aber keine Seligkeit ist, merkt sie schnell am nächsten Tag. Das Übel ist wieder auferstanden und zählt oft sogar doppelt. Das ist nicht selig, aber dumm.

1.2 Die Welt ist auch verkehrt im Urteil. Luther schreibt zu unserem Text: Alle Sünden, darauf (woran) Gottlose in ihrem Herzen gedenken (denken) und zu vollbringen begehren, messen sie den Heiligen (und Gott) zu (rechnen sie Ihm an), dagegen was die Heiligen (und Gott) tun und ihre rechten Tugenden sind, das schreiben sie sich selbst zu (Luthers Biblisches Schatzkästlein, 1925, 154). Gott ist an aller Sünde schuld, besonders dann, wenn es schlecht läuft. Was selig macht entscheiden wir.

1.3 Fragen wir nicht nach dem Verkehrten, sondern nach dem Rechten: Was macht selig?


2.1 Selig ist eine Seele, die ihren Sinn gefunden hat. Wir denken, fühlen, handeln, wünschen und fantasieren nicht ins Leere, nicht für Nichts, nicht für uns, sondern aus Liebe zu Gott und anderen.

2.2 Eine selige Seele sagt: Ich weiß, woran ich glaube, ich weiß, was fest besteht. Damit packe ich mein Leben an. Meine Seele lebt, was sie an Sinn erfüllt. Das zeigt sich in Gedanken, Worten, Werken, innerem Leuchten und Liedern. Das ist selig.

2.3 Eine selige Seele ist nicht geistlos, sondern erfüllt mit Gutem. Sie setzt dieses in ihren vier Lebensäußerungen um: Im Denken, im Fühlen, im Handeln, im Wünschen und Vorstellen. So entstehen Tugenden.

2.4 Eine Seele, die selig ist, verliert mit dem Sterben durch den Tod ihre Lebensäußerungen hier auf dieser Welt. Aber sie verliert nicht ihren Geist, der sie erfüllt. Der lebt auch über den Tod hinaus und entscheidet, was dann aus unserer Seele wird. Auf den kommt es deshalb nicht nur im Leben hier, sondern auch in Ewigkeit dort entscheidend an.

2.5 Also entsteht erneut die Frage: Selig, was ist das denn, was uns dazu macht? Was macht selig?


3.1 Schauen wir uns an, was Luther dazu sagte. Die drei großen Ausrufezeichen der Reformation vor etwa 500 Jahre gaben dem Christentum nach 1.500 Jahren Geschichte einen neuen Akzent. Sie tun es bis heute. Wie werden wir selig? So hatte Luther gefragt. Sola gratia - allein aus Gnade. Sola fides - allein durch den Glauben. Sola scriptura - allein durch das Wort. Nach den Hammerschlägen mit dem Thesenanschlag an Wittenbergs Schlosskirche - heute würde man sagen, nach der Veröffentlichung im Internet - waren diese drei Soli die Säulen nicht nur der Reformation, sondern einer neuen Welt, die das Mittelalter ablöste.

3.2 Selig werde ich durch das Geschenk der Erlösung. - ICH nehme deine Sünde auf Mich, sagt der Herr. Willst du dafür Mein göttlich reines Leben für dich empfangen? Wir tauschen. Nimm Meinen Geist in deinen. Übergib dich Mir. Das ist das Geheimnis Meines Kreuzes und Meiner Auferstehung. ICH lebe in dir. - Sein Geist in meinem. Das ist Gnade. Sola gratia.

3.3 Selig werde ich durch den Glauben an den Erlöser. - Willst du in deinem Leben, dass ICH die Mitte bin? Willst du deine Seele nicht mehr von allem möglichen dieser Welt füllen lassen, sondern von Mir? Willst du Meiner Erlösung zutrauen, dass sie die Quelle aller Liebe ist, auch dich einschließt, auch dich erfüllt, auch dich verwandelt in einen erlösten Menschen? Willst du Meine Erlösung für dich nehmen? - Wer dazu ja sagt, der wird selig. Dessen Glaube hat Jesus Christus als Sinn und Inhalt gefunden. Es ist mein Glaube. Aber ER ist der Inhalt. Ich will es, aber ER macht es. So werde ich selig. Die Seele füllt sich mit Jesu Sinn, mit Seinem Geist. Aus Seiner Liebe entsteht Liebe zu Ihm. Sie strahlt aus als Liebe für andere. Allein durch den Glauben. Sola fides.

3.4 Selig werde ich durch das Hören auf Sein Wort. - ER sagt: ICH lasse die Botschaft Meiner Liebe zu dir kommen. Du wirst sie überall entdecken, wenn dein Herz sich dafür öffnet und Mir glaubt. In der Schönheit der Natur, in deinem Gewissen, in der Liebe, in der Kunst, in der Tradition und im Fortschritt, in der Kirche, in tausendfacher Weise. Doch höre wirklich MICH. Höre Meine Stimme. Das prüfe an der Schrift. Die Bibel ist das Maß von Meinem Wort. Dort sprechen Menschen Meines Herzens Meine Worte. Prüfe du alles an ihr. Mein Wort ist wahr und trüget nicht und hält gewiss, was es verspricht, im Tod und auch im Leben. Trage Mein Wort in dir und prüfe es an der Bibel. Lies die Bibel. - Wer das tut, der ist selig. Sola scriptura.
Luther, Tischreden: Darum lass deinen Dünkel und Stolz fahren und halte viel an diesem Buch als von dem allerhöchsten, edelsten Heiligtum, auch als von der allerreichsten Fundgrube, die nimmermehr genug ausgegründet noch erschöpft werden mag. In diesem Buch findest du die Windeln und Krippen, dahin auch der Engel die Hirten weist.

3.5 Jetzt haben wir die Säulen klar, auf denen Seligkeit beruht. Allein aus Gnaden, allein durch den Glauben, allein aus der Schrift. Ins Zentrum der Kirche und des Glaubens gehören sie. Dies deutlich zu machen war Ziel der Reformation. Wie schön, dass darüber mit der heutigen Katholischen Kirche, wie mit allen Kirchen der Ökumene kein Dissens mehr besteht. Das leben macht selig.


4.1 Selig seid ihr, sagt Jesus in den Seligpreisungen. Und dann entfaltet Er, was Menschen erfahren, die sich entschieden haben, ihre Seele nach dem Geist Gottes und nicht nach ihren Alltagssorgen auszurichten. Er entfaltet, was Sinn für Früchte trägt. Er holt das Paradies zurück in unser Herz.

4.2 Er weiß es, denn Er ist der Erste, der in Seiner menschlichen Seele selig war. Er war in Seinem Geist von Gottes Geist nicht nur durchdrungen, sondern eins zu eins gleich. Aus Geist gezeugt, aus Geist berufen, aus Geist geprägt in Denken, Fühlen, Wollen, Wünschen. Ein Menschensohn, der wirklich Gottes Sohn war. Und Er erklärt was eine Seele wird, die sich nach oben ausrichtet. Schauen wir auf die Früchte der Seligkeit.


5.1 Arm vor Gott - hungrig nach Seiner Gnade - solche Menschen sehen nicht nur das Himmelreich, sie sind nicht nur Teil von ihm, sie besitzen es, sie leben, sie betreiben es. - Das fängt mit der Gewissheit der Erlösung im eigenen Leben an als Quelle göttlichen Friedens. Das ist nur der Anfang.

5.2 Trauer tragen - wer tut das nicht. Die Frucht der Seligkeit ist Trost. Im Herzen lebt, was Auferstehung meint.

5.3 Gewalt missbräuchlich erleben. Die Frucht der Seligkeit verzichtet auf Gegengewalt. Sie bleibt in der Liebe. Vater sie wissen nicht was sie tun. Vergib ihnen.

5.4 Sehnsucht nach Gerechtigkeit. Die Frucht der Seligkeit ist dieses Wissen, das es lohnt. Göttliche Gerechtigkeit wird kommen. Auf sie leben wir zu, nicht auf den Untergang.

5.5 Barmherzigkeit empfangen haben macht barmherzig. Eine Frucht der Seligkeit.

5.6 Ein reines Herz sieht Gott. Es ist nicht blind durch irdisches Licht. Es schaut von innen durch.

5.7 Friedensstifter tragen Gottes Frieden in sich. Sie tragen ihn weiter.

Sieben Früchte der Seligkeit, die Jesus aufzählt.


6.1 Und dann gibt Jesus noch den Hinweis auf die verkehrten Umstände, von denen wir schon am Anfang sprachen. Wer selig lebt muss sich nicht wundern, dass das nicht passt. Beschimpfung, Verfolgung, Verleumdung begleiten diesen Weg. Freut euch und jubelt, sagt Jesus. Der Lohn ist groß.

6.2 Der Lohn? Natürlich. Wer Gottes Geist in sich empfängt und aus ihm selig lebt, der wird auch wieder bei Ihm landen, wird selig werden in Ewigkeit. Schon jetzt ist gar nicht schlecht, was Er uns schenkt. Wie wird es einmal sein. Der Lohn der Seligkeit ist groß.


7.1 Ein Lutherwort zum Schluss zu dem, was ist nötig, um selig zu werden?
Gottes Natur ist, dass ER aus nichts etwas macht. Darum wer noch nicht Nichts ist, aus dem kann Gott nichts machen.
Die Menschen aber machen aus Was etwas, das ist aber lauter unnütz Werk.
Darum nimmt Gott nicht auf, denn (außer) die Verlassenen, macht Gott nicht gesund, denn (außer) die Kranken, macht nicht sehen, denn (außer) die Blinden, macht nicht lebendig, denn (außer) die Toten, macht nicht fromm, denn (außer) die Sünder, macht nicht weise, denn (außer) die Unweisen. Kurz: ER erbarmet sich nicht, denn (außer über die) der Elenden, und gibt nicht Gnade, denn (außer) denen, die in Ungnade sind!
(Luthers Biblisches Schatzkästlein, 1925, 100-101).

7.2 Selig seid ihr, sagt Jesus.

Amen.



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Zuletzt geändert am 29.10.2009 von: (fp)