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 <>< Predigt zum Drittletzten Sonntag des Kirchenjahres
von Pfarrer Friedhelm Peters,
Costa del Sol

(Rückmeldung oder Frage an
Pastor Friedhelm Peters)

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Gottesdienst am 8. November 2009

Heimat in der Fremde

20 Als Jesus von den Pharisäern gefragt wurde, wann das Reich Gottes komme, antwortete er: Das Reich Gottes kommt nicht so, dass man es an äußeren Zeichen erkennen könnte. 21 Man kann auch nicht sagen: Seht, hier ist es!, oder: Dort ist es! Denn: Das Reich Gottes ist (schon) mitten unter euch.
22 Er sagte zu den Jüngern: Es wird eine Zeit kommen, in der ihr euch danach sehnt, auch nur einen von den Tagen des Menschensohnes zu erleben; aber ihr werdet ihn nicht erleben. 23 Und wenn man zu euch sagt: Dort ist er! Hier ist er!, so geht nicht hin, und lauft nicht hinterher! 24 Denn wie der Blitz von einem Ende des Himmels bis zum andern leuchtet, so wird der Menschensohn an seinem Tag erscheinen. 25 Vorher aber muss er vieles erleiden und von dieser Generation verworfen werden. 26 Und wie es zur Zeit des Noach war, so wird es auch in den Tagen des Menschensohnes sein. 27 Die Menschen aßen und tranken und heirateten bis zu dem Tag, an dem Noach in die Arche ging; dann kam die Flut und vernichtete alle. 28 Und es wird ebenso sein, wie es zur Zeit des Lot war: Sie aßen und tranken, kauften und verkauften, pflanzten und bauten. 29 Aber an dem Tag, als Lot Sodom verließ, regnete es Feuer und Schwefel vom Himmel, und alle kamen um. 30 Ebenso wird es an dem Tag sein, an dem sich der Menschensohn offenbart.

Lukas17,20-30

Liebe Gemeinde!

1.1 Heimat in der Fremde. Unter dieser Überschrift versammeln sich viele Deutsche in Auslandsgemeinden in der ganzen Welt. In der Tourismusgemeinde an der Costa del Sol ist das nicht anders. Hier leben viele deutschsprachige Menschen im Sonnengürtel Europas mit unterschiedlichster Verweildauer. Für fast alle ist der Grund klar: Sie lieben die Sonne und das Licht, das sie hier mehr finden als in fast allen anderen Regionen Europas.

1.2 Doch die Sonne und das Klima sind nicht alles im Leben. Wir brauchen auch Sonne im Herzen, Menschen und Dinge, die uns wärmen und Vertrautheit schenken. In der Diaspora ist dies nicht selbstverständlich zu finden. Die Fremdheit der Umgebung, des Lebensstils, der Sprache und der Kultur knabbert am Vertrauten, fordert heraus, verunsichert und macht auch in der Wärme der Sonne das Leben kalt.

1.3 Der Sonntag, in Deutschland vielleicht beliebter Erholungstag vom Stress, wird in der Fremde zu einem Begegnungstag mit vertrauten Menschen. Natürlich kann diese Begegnung auch an einem Mittwoch stattfinden, wenn der Kalender und das meist lange Anreisen es nicht anders möglich machen. Der Gottesdienst, in Deutschland vielleicht eine Veranstaltung unter unzähligen, wird in der Fremde zu einem Ort, wo ich endlich Vertrautes erlebe. Der Glaube, in Deutschland vielleicht etwas, was mein Leben am Rand begleitet, wird in der Fremde zu einer Stütze und zum Geländer meines Weges in einer oft fremden Welt. Der Glaube wird als Weg, als innere Reise, plötzlich hoch interessant. Bei Gott Zuhause und doch noch unterwegs - das ist wie eine Metapher auf das Leben. Also:

1.4 Heimat in der Fremde finden - um welche Nöte und welches Glück es dabei geht, davon wissen viele, die im Ausland leben. Wer findet in der Fremde die Heimat, die er braucht? Wem gelingt es? Was hilft dabei?


2.1 Von einer solchen Frage waren auch die Menschen bestimmt, die Jesus fragten. Nur ging es ihnen nicht allein um ihr zu Hause im Volk Gottes. Das war von den Römern besetzt und an vielen Punkten fremdbestimmt. Natürlich gab es die Frage: Wann hört das auf? Es ging ihnen auch um die ewige Heimat. Wann bricht die Zeit an, wo Gott alle Tränen abwischt und alle Schwerter zu Pflugscharen werden? Wann wird Frieden auf Erden und das Wohlgefallen Gottes die Herzen aller Menschen bestimmen? Wann endet die Diaspora der Glaubenden, die tiefste Heimatfremde, von der alle übrige Fremdheit nur ein Schatten ist? Wann kommt Gottes Reich sichtbar auf Erden? Die Frage wohnt in jedem Glaubenden, der das Vater Unser betet: Dein Reich komme. Und wann ist das?

2.2 Wann wir im Glauben am Ziel angekommen sind wird bei Jesus klar beantwortet: Jetzt, sagt ER. Nicht irgendwann und irgendwo. Hier ist das Reich Gottes gegenwärtig. Und Jesus meint dabei sich selbst, nicht uns. Bei Ihm sind wir am Ziel. Und weil schon hier Seine Gegenwart als auferstandener Herr im Blick ist, kann ER sagen: Das Reich Gottes ist Mitten unter Euch. Wieso sind wir mit Jesus am Ziel unseres Glaubens?

2.3 Jesus gibt uns, was Er ist: Die Gotteskindschaft. Und Er nimmt uns, was uns von Gott trennt: Die Gottesferne, Sünde. Der Glaube an Ihn macht uns so zu Gottes Kindern. Schon jetzt sind wir erlöst, versöhnt mit Gott. Durch meine Taufe, die ich selbst annehme und bestätige, gilt mir: Ich bin Kind Gottes. Ich bin erlöst.
Wer das erfährt kann selbst vergeben und im Sinne Gottes lieben. Der Gottesgeist in unserem Geist treibt dazu an. Ich sage dann: Ich will, Herr, was Du willst. Wenn Du den Frieden in mich legst, dann will ich ihn auch schaffen wo immer Du mich hinstellst.
Das Reich Gottes ist mitten unter den Christen, die Raum geben für Seinen Geist. Es ist schon da.


3.1 Was für einzelne Glaubende gilt, gilt längst nicht für die Welt, in der wir leben. Die Schöpfung ist nicht erlöst, nicht die Geschichte und auch nicht unser Alltag. Da leben wir noch gänzlich in Diaspora und in der Fremde.

3.2 Ein jeder Krieg schreit nach Erlösung und nach Frieden. Ein jedes Unrecht in der Behandlung vieler Menschen schreit nach Gerechtigkeit. Eine jede Umweltzerstörung schreit nach Erhaltung unserer Schöpfung. Und jede Trennung unter Christen ruft nach der Einheit. Der Ruf ist deutlich: Wann kommt das Reich des Herrn, nicht nur im Glauben, sondern sichtbar hier für alle, in die Welt?

3.3 Es wird eine Zeit kommen, in der ihr euch danach sehnt, auch nur einen von den Tagen des Menschensohnes zu erleben; aber ihr werdet ihn nicht erleben. Wer kennt nicht dies Verlangen? Wer weiß nicht um diese Fremdheit: Wo bist Du, Gott, und Deine Herrschaft? Komm, Herr Jesus, war deshalb das letzte Gebet der ersten Christen.

3.4 Viele werden leben als gäbe es Gott nicht - wie schon zu Zeiten Noachs oder Lots. Kein Gott, keine Erlösung und Vergebung, keine Liebe. So werden viele Gottes Reich vergessen. Einrichten in der Fremde ohne Ihn.

3.5 Doch Gotteskinder werden ihr Geheimnis nie verlieren. Ich bin erlöst - dies wird für unsere ganze Schöpfung und Welt gelten. Er wird kommen wie die Sonne an dem letzten großen Tag. Es wird sein wie das Leuchten eines Blitzes, so plötzlich wird Er da sein und Sein Reich. Dann wird die Fremdheit gänzlich weichen und sichtbar werden, was wir sind: Zu Hause bei Gott. Das tickt wie ein unsichtbarer Wecker in jedem Christen, der den Herrn in sich trägt.


4.1 Wie viel Fremdheit lässt sich ertragen? Wie viele Brücken vermögen wir zu bauen? Wie viele Sonntage pflegen wir als Orte unserer Heimat bei Gott und hier auf Erden? Wie viele Kräfte haben wir zu integrieren?

4.2 Stets ist es eine Frage unserer Hoffnung. Wenn viel vom Herrn und Seiner Zukunft in uns lebt, dann können wir auch viel an Heimat um uns schaffen, auch in der Fremde.



Amen.



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Zuletzt geändert am 11.11.2009 von: (fp)