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Vorletzten Sonntag des Kirchenjahres
von Pfarrer Friedhelm Peters,
Costa del Sol

(Rückmeldung oder Frage an
Pastor Friedhelm Peters)

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Gottesdienst am 15. November 2009

Weltgericht am Jüngsten Tag

31 Wenn der Menschensohn in seiner Herrlichkeit kommt und alle Engel mit ihm, dann wird er sich auf den Thron seiner Herrlichkeit setzen. 32 Und alle Völker werden vor ihm zusammengerufen werden, und er wird sie voneinander scheiden, wie der Hirt die Schafe von den Böcken scheidet. 33 Er wird die Schafe zu seiner Rechten versammeln, die Böcke aber zur Linken.
34 Dann wird der König denen auf der rechten Seite sagen: Kommt her, die ihr von meinem Vater gesegnet seid, nehmt das Reich in Besitz, das seit der Erschaffung der Welt für euch bestimmt ist. 35 Denn ich war hungrig, und ihr habt mir zu essen gegeben; ich war durstig, und ihr habt mir zu trinken gegeben; ich war fremd und obdachlos, und ihr habt mich aufgenommen; 36 ich war nackt, und ihr habt mir Kleidung gegeben; ich war krank, und ihr habt mich besucht; ich war im Gefängnis, und ihr seid zu mir gekommen.
37 Dann werden ihm die Gerechten antworten: Herr, wann haben wir dich hungrig gesehen und dir zu essen gegeben, oder durstig und dir zu trinken gegeben? 38 Und wann haben wir dich fremd und obdachlos gesehen und aufgenommen, oder nackt und dir Kleidung gegeben? 39 Und wann haben wir dich krank oder im Gefängnis gesehen und sind zu dir gekommen? 40 Darauf wird der König ihnen antworten: Amen, ich sage euch: Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.
41 Dann wird er sich auch an die auf der linken Seite wenden und zu ihnen sagen: Weg von mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer, das für den Teufel und seine Engel bestimmt ist! 42 Denn ich war hungrig, und ihr habt mir nichts zu essen gegeben; ich war durstig, und ihr habt mir nichts zu trinken gegeben; 43 ich war fremd und obdachlos, und ihr habt mich nicht aufgenommen; ich war nackt, und ihr habt mir keine Kleidung gegeben; ich war krank und im Gefängnis, und ihr habt mich nicht besucht.
44 Dann werden auch sie antworten: Herr, wann haben wir dich hungrig oder durstig oder obdachlos oder nackt oder krank oder im Gefängnis gesehen und haben dir nicht geholfen? 45 Darauf wird er ihnen antworten: Amen, ich sage euch: Was ihr für einen dieser Geringsten nicht getan habt, das habt ihr auch mir nicht getan. 46 Und sie werden weggehen und die ewige Strafe erhalten, die Gerechten aber das ewige Leben.

Matthäus 25, 31-46

Liebe Gemeinde!

1.1. Geht es gerecht zu auf unserer Welt? Nein. Gibt es Gerechtigkeit? Ja. Wie kommen wir darauf? Nun, dass Werte gültig sind entnehmen Menschen ihrem Glauben. Eine ewige Gerechtigkeit wird im christlichen Glauben festgehalten. Es gibt ein Jüngstes Gericht. Von dannen ER kommen wird zu richten die Lebenden und die Toten, sprechen wir im Glaubensbekenntnis. Wenn schon Gerechtigkeit nicht in dieser Welt, dann doch in der ewigen. Kleine Sünden straft der liebe Gott sofort, sagt der Volksmund. Aber größere im jüngsten Gericht. Es kommt also keiner durch, sagt der Glaube. Keiner.

1.2 Das ist ein Trost bei erfahrenem Unrecht. Einmal kommt jeder dran. Jeder und jede. Wie gut. - Aber es ist auch eine Herausforderung. Wir sind nicht Lebensrichter über andere. Wir sind nicht das Jüngste Gericht. Es liegt in Gottes Hand. Mancher sagt da: Schade. - Aber was noch viel wichtiger ist. Auch wir kommen dran. Nicht nur die anderen erwartet Gottes Gericht. Auch uns. Und dann?

1.3 Haben Sie einmal darüber nachgedacht, was Sie antworten, wenn Sie am Jüngsten Tag vor IHM stehen? Keine Sorge, es geht hier nicht um Angst und Bange machen. Das ist zwar wirklich oft geschehen im Namen der Kirche. Und das war schlecht und ist schlecht, wo es noch geschieht. Jesus macht nie Angst. ER macht Mut. So teilt ER uns im Gleichnis mit, worauf es ankommt. Wollte ER uns Angst machen hätte ER uns nichts gesagt.

1.4 So kann ein Probelauf ganz gut sein, gerade um alle Angst zu nehmen. Schließlich üben wir ja auch manchen anderen Auftritt. Ohne Probe geht kein Musiker auf der Bühne. Ohne Vorbereitung wäre keiner durch sein Staatsexamen gekommen. Nicht mal den Führerschein schafft man heute ohne Unterricht. Und ins Jüngste Gericht wollen wir so hineinspazieren? Jesus erzählt seine Geschichte, damit wir proben können. Wir sind ja noch nicht so weit. Wir haben ja noch die Chance und etwas Zeit. Vielleicht machen Sie mit.


2.1 Das Mittelalter hat seine Ethik auf das Jenseits ausgerichtet. Was muss jetzt geschehen, damit wir am Jüngsten Tag vor IHM bestehen? Der Text war die Grundlage für die 7 Werke der Barmherzigkeit:
(1) Durst löschen, (2) Hunger stillen, (3) Fremde aufnehmen, (4) Obdachlose beherbergen, (5) Nackte kleiden, (6) Kranke pflegen und (7) Gefangene besuchen.
Die großen Erneuerungsbewegungen aller Orden führten die Menschen zu diesen Taten der Barmherzigkeit. Die fünf Wunden Jesu - Hände, Füße und Seite - galt es zu verbinden und zu heilen. Womit? Mit den Taten der Barmherzigkeit. Neben der Unheilsgeschichte des Christentums gibt es auch diese Geschichte der Barmherzigkeit. Caritas, Diakonie, viele freie Werke leben das bis heute.

2.2. Haben wir sie erfüllt? Haben die Christen damals sie erfüllt? Habe ich sie erfüllt?
Jeder halbwegs rechtschaffene und ehrliche Mensch bekommt hier ein Problem. Natürlich habe ich schon anderen den Durst gelöscht und Hunger gestillt. Natürlich habe ich Fremde aufgenommen. Ich habe sogar schon Obdachlose bei mir beherbergt. Fast Nackte waren auch schon vor meiner Tür. Und Gefangene habe ich auch besucht. Doch habe ich genug getan? Natürlich nicht.
Vielleicht meldet sich auch mein Widerspruch, der sagt: Und weißt Du, ich konnte nicht mehr. Ich bin im Unterschied zu Dir nur Mensch. Und zu viel Helfen ist auch nicht gut. Ich will kein Helfersyndrom. -
Richtig Ruhe macht das nicht. Es bleibt irgendwie offen: Reicht es oder reicht es nicht, was ich tue?


3.1 Wir könnten einen zweiten Anlauf machen. Wir wissen heute, dass es auf die Haltung ankommt. Da werden wir fündig. Die einen werden empfangen: Kommt her!
Ihr Leben lang hatten sie genau das gelebt: Kommt her. Sie haben wahrscheinlich auch mal ihre Tür zugemacht und nicht immer Besuch gehabt. Aber in ihrer Haltung hat sich das immer durchgezogen: Kommt her! Vielleicht waren es nur die Kranken, die sie so aufgenommen hatten, oder die Hungrigen, für die sie sich bei der Welternährungskonferenz eingesetzt hatten. Kommt her! haben sie gelebt. Und das war ihr Lohn beim Jüngsten Gericht. Ihre Haltung war Ihr Urteil. Was sie lebten erleben sie dann.

3.2 Die anderen hörten: Geht weg!
Und ihr Leben war von dieser Haltung geprägt: Geht weg! Wann haben wir gesehen? Wann haben wir gehört? Wann bist Du uns begegnet? Weg, weg, weg!
Und das erfuhren sie am Ende selbst: Weg von Mir, ihr Verfluchten. Was sie waren das waren sie dann auch. Es wurde nur nach außen deutlich, was längst nach innen war.

3.3 So gesehen ist das Jüngste Gericht eigentlich gar kein Urteil, sondern nur eine Offenbarung von dem, was jeder so wie so schon ist. Das Innere kommt nach außen. Die Konsequenz tritt in Kraft.

3.4 Zwischenfrage: Macht das fröhlicher? Wie stehe ich da mit meiner Haltung? Bin ich genug das, was ich dann gerne sein möchte?
Und wenn es Ihnen so geht wie mir, dann muss ich ehrlich gestehen, dass mir die Auslegung gefällt, ich aber um nichts in der Welt klarer sehe wie es ausgeht. Denn in meinem Herz ist beides: Kommt her! Und: Geht weg! Sind wir nicht alle ambivalente Menschen? Nur wenn ich mich noch nicht gut kenne, könnte mir der Trugschluss gelingen zu sagen: Ich bin nur zugewandt, ich bin nur Liebe.


4.1 Dann sehe ich etwas Aufregendes. Das Jüngste Gericht ist nach den Worten Jesu nicht nur eine Offenbarung radikalster Selbsterfahrung - das ist es sicherlich auch. Es ist vor allem eine Offenbarung von Gotteserfahrung. Und hier scheint mir der Schlüssel zu liegen.

4.2 Durstige tränken. Der Herr sagt: ICH war durstig. Hungernde speisen. Der Herr sagt: ICH war hungrig. Fremde aufnehmen. Der Herr sagt: ICH war fremd. Und ER geht alle durch. Überall ist ER gewesen. ER hat sich in allen versteckt. Und ich weiß das gar nicht.

4.3 Wenn ich es recht mache müsste ich also in allen Alltagsdingen IHM dienen. Ich besuche Kranke. - Herr ich diene darin Dir. - Diese Haltung geht durch bis in die Ewigkeit. - Ihr Gesegneten, ihr habt Mich besucht.
IHN in allen Dingen vor mir sehen würde beim Jüngsten Gericht bedeuten: IHN auch in alle Ewigkeit vor mir sehen und bei IHM sein.

4.4 Das will ich tun. Dich, Herr, in allen Dingen suchen. Ich bin dazu bereit.

4.5 Doch reicht das? Bin ich nicht auch darin ein schwacher Mensch mit vielen Fehlern? Bleibt mir damit am Ende doch nur die Angst vor dem, was Jesus hier vom Jüngsten Gericht sagt?


5.1 Ein Pastor kommt an die Himmelstür. Petrus steht da und öffnet. Der Pastor: Ich will hier rein. -Petrus sagt: Augenblick. Nach einigem Zögern und Einschätzen seines Gegenübers: 5.000 Punkte. - Was, sagt der Pastor. Das habe ich nie gehört. Und auch nie gepredigt. - Die Tür ging zu. - Moment, sagte der Pastor. Ich kann ja mal beginnen. Und er fing an. Ich habe regelmäßig die Kranken meiner Gemeinde besucht. - 1 Punkt. - Was? Wie viel braucht man? - 5.000. Du kannst ja weiter machen. - Da dachte der Pastor, es müsse wohl um Persönlicheres gehen. Er sagte: Ich habe meine Mutter zu mir nach Hause genommen. Meine Frau hat sie gepflegt. Sie ist bei uns gestorben. - 2 Punkte, sagte Petrus. - O Gott, sagte der Pastor. Und fügte hilflos hinzu. Wenn Du, Herr Jesus, mich nicht rein lässt, klappt das nie. - Was hast du gesagt, fragte Petrus. - Ach nichts, ich habe nur vom Erbarmen meines Herrn gemurmelt, sagte der Pastor. - 5.000 Punkte, sagte Petrus. Die Tür ist auf. Komm her!

5.2 Denn ohne das Erbarmen meines Herrn reicht es nie. Deswegen steht das gute Werk Seiner Erlösung vor meinem guten Werk. Aufgrund seines Opfers bin ich erlöst und bestehe im Gericht.
Das ist die Antwort für die Gewissheit im Jüngsten Gericht. Die Werke der Barmherzigkeit gelten auch für mich selbst. Der Herr tut sie an mir. Dem Demütigen gibt ER Gnade. Und weil ER damit in mir ist, kann ich gewiss sein: Es reicht selbst dort, wo ich es möchte und doch versage.


Amen.



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Zuletzt geändert am 17.11.2009 von: (fp)