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Ersten Sonntag im Advent
von Pfarrer Friedhelm Peters,
Costa del Sol

(Rückmeldung oder Frage an
Pastor Friedhelm Peters)

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Gottesdienst am 29. November 2009

Schluss mit der Dunkelheit. ER ist mein Licht.

8 Bleibt niemand etwas schuldig; nur die Liebe schuldet ihr einander immer.
Wer den andern liebt, hat das Gesetz erfüllt. 9 Denn die Gebote: Du sollst nicht die Ehe brechen, du sollst nicht töten, du sollst nicht stehlen, du sollst nicht begehren!, und alle anderen Gebote sind in dem einen Satz zusammengefasst: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. 10 Die Liebe tut dem Nächsten nichts Böses. Also ist die Liebe die Erfüllung des Gesetzes.
11 Bedenkt die gegenwärtige Zeit: Die Stunde ist gekommen, aufzustehen vom Schlaf. Denn jetzt ist das Heil uns näher als zu der Zeit, da wir gläubig wurden. 12 Die Nacht ist vorgerückt, der Tag ist nahe.
Darum lasst uns ablegen die Werke der Finsternis und anlegen die Waffen des Lichts.
13 Lasst uns ehrenhaft leben wie am Tag, ohne maßloses Essen und Trinken, ohne Unzucht und Ausschweifung, ohne Streit und Eifersucht. 14 Legt (als neues Gewand) den Herrn Jesus Christus an, und sorgt nicht so für euren Leib, dass die Begierden erwachen.

Römer 13, 8-12.13-14

Liebe Gemeinde!

1.1 Es ist eine alte Tradition zur Adventszeit, Lichter anzuzünden. Advent, Advent, ein Lichtlein brennt. Mancher erinnert sich noch an seine Kindheit. Das Anzünden der Lichter am Adventskranz bleibt unvergessen. Plötzlich lag ein geheimnisvoller Schleier über allem sonst Vertrauten. Und mit der Flamme, die aufleuchtet, taucht sich alles in neues Licht. Wir staunten.

1.2 Für uns als Erwachsene ist das Staunen nicht mehr so einfach. Wir wissen, dass Feuerschutz wichtig ist, damit die Adventskerzen nicht alles abfackeln. Wir wissen, dass man vorher einen Adventsschmuck kaufen muss, damit er zum rechten Zeitpunkt da ist. Und wir wissen, dass wir das elektrische Licht schnell wieder anmachen müssen, da wir sonst nichts mehr sehen, weil unsere Augen schlecht sind. Wir wissen. Aber staunen wir noch?

1.3 Wir bekommen das Geheimnis des Lebens nur mit, wenn wir noch staunen können. Das geht auch mit vielem Wissen. Aber es braucht etwas. Es braucht tragfähige Inhalte, glaubwürdige, authentische. Als Kinder begeisterte uns der Zauber eines Lichtscheins, der alles anders aussehen ließ. Als Erwachsene begeistert uns, wenn wir harte Fakten unseres Lebens in neues Licht tauchen können.

1.4 Der Glaube an Jesus macht das möglich.
Nehmen wir unser heutiges Wort und zünden damit in uns ein neues Licht an. Als äußeres Zeichen kann es dann auch auf dem Adventskranz brennen, vielleicht sogar elektrisch. Authentisches Licht zum Advent in uns. Licht des Glaubens. Das lässt uns als Erwachsene noch richtig staunen.


2.1 Das erste Licht des Glaubens, das uns heute angezündet wird, ist ein merkwürdiger Auftrag: Schluss mit der Dunkelheit. Was meint Paulus mit dem Wort, das er den Christen in Rom schreibt?

2.2 Natürlich meint Paulus nicht das irdische Licht, besonders wenn die Worte in der hellen Sommerzeit in Rom eintrafen. Und er meint auch nicht Pechfackeln, die nachts in Gärten oder Kellergewölben angezündet werden sollen. Er meint ganz im Sinne der damaligen Religionsphilosophie mit Licht in der Dunkelheit ein Leben aus Gottes Kraft in einer Welt, die dieses Licht nicht sieht und deshalb im Dunkeln steht. Jesus, nicht Osiris, ist unsere Gnadensonne. Sein Licht leuchtet allen ins Herz, die von der Erlösung leben und auf die Auferstehung hoffen.

2.3 Dass dieses Licht Gottes zu Weihnachten in Jesus zur Welt gekommen ist glauben wir. Dass dieses Licht einmal als helle Sonne über der ganzen Welt aufgehen wird, hoffen wir in Erwartung der Wiederkunft Jesu. Wenn die Geschichte dieser Welt ein Tag ist, dann leben wir im Morgengrauen, nicht im Sonnenuntergang oder Dunkel des Abends. Denn die Nacht ist vorgerückt, der Tag Seines Kommens ist nicht mehr fern.

2.4 Mit diesem Hintergrund schreibt Paulus: Schluss mit der Dunkelheit! Für Christen steht am Anfang, was auch den Anfang aller Schöpfung ausmachte: Es werde Licht.

2.5 Wir Christen leben aus dieser Quelle. Das Heil ist gekommen. In meinem Leben kann es hell werden. Ich bin nicht dazu verurteilt, ein finsterer Typ zu sein oder in Dunkelheit um zu kommen. Christen sind zu aller erst Optimisten Gottes. Sie sind Menschen mit innerer Freude. Sie sind mutig mit ihrem Herrn. Sie gehen gegen finstere Gedanken, Gefühle, Absichten und Phantasien vor und sagen: Schluss. Die Freude am Herrn ist meine Stärke. Das tun sie, weil sie mit dem Wiederkommen Jesu rechnen, bei dem alles in Licht aufgehen wird und nicht in Finsternis untergehen.
Zünde dieses Licht des Glaubens an, damit es in dir brennt. ER ist dein Licht. Seele vergiss es ja nicht! Schluss mit dem Dunkel.

2.6 Aber ist das nicht ein Kindertraum? Spielt mir die Wirklichkeit und vor allem mein Empfinden nicht etwas ganz anderes vor? Bleibt nicht so viel Dunkles in mir und um mich? - Ja, natürlich, sagt Paulus. Wir leben ja noch im Morgengrauen, nicht am hellen Tag. Doch sieh die Richtung, in die es geht. Lebe so, dass es heller wird und nicht so, dass sich alles verfinstert.
Und dafür gibt Paulus drei wertvolle Hinweise. ER ist dein Licht. Was hilft dafür?


3.1 Bleibt niemand etwas schuldig außer der Liebe. Licht kann verdunkeln. Eine Flamme kann ersticken. Vorwürfe und Kränkungen in uns sind wie Stickstoff für das Licht des Glaubens. Es geht aus.

3.2 Jeder überlegt in der Adventszeit: Was brauche ich noch für Geschenke? Wem muss ich noch schreiben? - Was halten Sie von folgender Überlegung. Meine Weihnachtsgrüße und Geschenke sind in diesem Jahr besonderer Art. Neben dem Üblichen überlege ich, wem ich verzeihen muss und bei wem ich etwas gut zu machen habe.

3.3 In der Regel hat jeder von uns Rechnungen offen oder anderen etwas zugemutet. Meine Weihnachtsgeschenke bestehen in diesem Jahr darin, diesen Menschen zu vergeben im Namen Jesu. Herr, das soll Dein Licht in mir sein. Egal ob die Menschen das mitbekommen - vielleicht leben sie auch gar nicht mehr - Sie tun es vor Gott. Und wenn das klar ist könnten Sie sogar eine Postkarte schicken, wenn derjenige noch lebt, mit einem kleinen Gruß. Wenn ein handgeschriebener zu dicht ist, nehmen Sie einen gedruckten. Gesegnete Weihnachten oder so. Gesegnet sollte schon draufstehen. Denn Sie haben einen Segen in die Welt gebracht.

3.4 Wenn Sie anderen etwas taten, was nicht mehr gut zu machen ist, dann tun Sie jemand anderem etwas Liebes, der jetzt in Ihrer Nähe ist. Es kann eine Überraschung sein. Tun Sie es vor Gott. Der andere muss das nicht wissen. Wenn er fragt, können Sie es sagen, wenn Sie möchten: Ich wollte dem Licht in mir eine kleine Chance geben. Schön, wenn es ankommt.
Was meinen Sie, wie jede brennende Adventskerze Ihnen entgegen lacht.


4.1 Hinweis zwei zu: ER ist mein Licht. Bedenke die Zeit.

4.2 Das muss jeder in der Adventszeit tun, sonst wird man nicht fertig bis zum Heiligabend oder man ist fertig. - Aufgabe zwei in der Adventszeit ist, jeden Tag nicht nur zu planen, sondern einmal auch zu denken: Wofür? Weshalb mache ich das alles? Was soll das? Wofür ist das gut?

4.3 Und dann die Antwort des Glaubens wiederholen: Das tue ich, Herr, für Dich. Dein Licht soll leuchten. - Und wenn Sie schon beim Wiederholen dieses Satzes im Herzen merken: Das stimmt ja alles nicht. Es wird ja gar nicht heller. Da kann der Herr nicht kommen. Wenn Sie das spüren, dann halten Sie inne und prüfen, ob Sie wirklich weitermachen oder ob Sie sagen Stopp. Ich tue das nicht. Das gehört nicht zu Dir, Herr. Oder Sie fragen: Wie muss ich es machen, damit Advent nicht eine Verdunklungsmaschine wird?

4.4 Was meinen Sie, das gibt inneren Gesprächsstoff von ganz anderer Art als sonst. Bedenke die Zeit.


5.1 Hinweis drei. ER ist mein Licht. - Bleib niemand etwas schuldig. Bedenke die Zeit. - Und jetzt: Nimm Waffen des Lichtes.

5.2 Das ist wieder so ein tiefsinniges Wort, dessen Bedeutung wir uns suchen müssen. Natürlich sind keine modernen Laserwaffen gemeint. Licht ist der Herr. Der Herr soll als Waffe eingesetzt werden. Wo gegen und wie?

5.3 Mir wird dunkel, wenn ich an maßloses Essen und Trinken denke. - Ich bringe da Licht rein. Herr, ich will über unseren Speisen und Getränken noch ehrlichen Herzens ein Tischgebet sprechen können.
Mir wird es dunkel, wenn ich an die Weihnachtskräche in den Familien denke, die die ganze Nähe nicht verkraften, die sie sich so innig wünschen. Und Weihnachten kracht es. - Ich bringe da Licht rein. Herr, ich mache ausreichend früh gute Ratschläge, wie wir alles managen. Und wenn es brenzlig wird, dann greife ich früh genug ein und stifte Frieden. Ich rechne mit dem Licht Deiner Geistesgegenwart und mache mich nicht vom Acker, sondern gehe vielleicht früh genug mit jemandem spazieren.
Mir wird dunkel, wenn ich an Ausschweifungen denke, die für manche nötig sind, damit sie lachen können. - Ich bringe da Licht rein. Ich lache nicht. Und ich weiß, welche Dinge ich vorbereite und erzähle möchte, wenn der Moment kommt. Sich für die Familie darauf vorher vorzubereiten ist nicht zu viel verlangt. Herr, in mir brennt dein Licht. Es soll nicht dunkel werden.


6.1 Bleib niemand etwas schuldig. Bedenke die Zeit. Nimm die Waffen des Lichtes.

6.2 Damit kann die Adventskerze Nummer eins gut leuchten. Nicht nur auf dem Kranz. In uns.


Amen.



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Zuletzt geändert am 19.11.2009 von: (fp)