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Zweiten Sonntag im Advent
von Pfarrer Friedhelm Peters,
Costa del Sol

(Rückmeldung oder Frage an
Pastor Friedhelm Peters)

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Gottesdienst am 6. Dezember 2009

Geduld

7 Darum, Brüder, haltet geduldig aus bis zur Ankunft des Herrn! Auch der Bauer wartet auf die kostbare Frucht der Erde, er wartet geduldig, bis im Herbst und im Frühjahr der Regen fällt.
8 Ebenso geduldig sollt auch ihr sein. Macht euer Herz stark, denn die Ankunft des Herrn steht nahe bevor.
9 Klagt nicht übereinander, Brüder, damit ihr nicht gerichtet werdet. Seht, der Richter steht schon vor der Tür.
10 Brüder, im Leiden und in der Geduld nehmt euch die Propheten zum Vorbild, die im Namen des Herrn gesprochen haben.
11 Wer geduldig alles ertragen hat, den preisen wir glücklich. Ihr habt von der Ausdauer des Ijob gehört und das Ende gesehen, das der Herr herbeigeführt hat. Denn der Herr ist voll Erbarmen und Mitleid.

Jakobus 5, 7-8

Liebe Gemeinde!

1.1 Alle Adventssonntage tragen eine innere Bedeutung. Der erste Advent spricht vom Kommen Jesu als Heiland in diese Welt. Die Geschichte vom Einzug Jesu in Jerusalem erinnerte daran. Der zweite Advent erinnert an das zweite Kommen Jesu als Herrscher in diese Welt, Seine Wiederkunft. Der apokalyptische Text des Evangeliums vom Ende der Welt weist darauf hin.

1.2 In unserem Text aus dem Jakobusbrief wird auch davon gesprochen. Es geht nicht um die Frage, wie man zum Glauben kommt, sondern darum, wie man im Glauben bleibt. Was muss geschehen, damit mir nicht der Glaube wegrutscht vor meinem Ende oder vor dem Ende dieser Welt.

1.3 Das ist ein hochinteressantes Thema für Menschen im fortgeschrittenen Lebensalter. Es berührt die Frage nach dem Sinn des Alters. Was muss ich beachten wenn ich älter werde, damit ich nicht nur eine Kopie meiner jungen Jahre bin? Diese Frage wird mir in meinem Glauben gestellt, aber natürlich auch in meinem ganzen Lebensstil. Was ist meine Lebensaufgabe in der zweiten Lebenshälfte? Was würdigt mich darin, älter zu sein?

1.4 Wir wissen, dass viele Klischee Antworten bereit liegen. Zum Beispiel: Es gibt kein Alter. Gemeint ist: Guck nicht auf die Falten, sondern auf das Lachen. Richtig daran ist ja vieles. Denn wir sind stets so jung wie wir uns fühlen. Falsch ist daran, dass wir ganz vergessen, dass auch die Falten Geschichten erzählen. Vielleicht sogar die interessantesten. - Eine weitere Pauschalantwort ist, die Jungend zu kopieren. Richtig daran ist wieder, dass Beweglichkeit lebendig erhält. Wir wissen davon hier in Spanien genug. Aber auch das, was uns bindet trägt eine Botschaft in sich. Lernen wir sie?

1.5 Bleiben wir also nicht bei Anfängerfragen des Lebens und Glaubens stehen. Stellen wir uns mit dem Jakobusbrief den fortgeschrittenen Fragen. Der ganze Brief ist voll davon. Ich nenne nur einige:
Vom Sinn der Versuchung in unserem Leben. Von der Macht der Zunge. Von der Weisheit von oben. Die Warnung vor der Zwietracht, vor der Selbstsicherheit, vor dem hartherzigen Reichtum, vor dem Schwören. Von der Verantwortung z.B. für einen gefährdeten Menschen. Was ist nötig, um darin die Frau und den Mann zu stehen? Gehen wir würdige Wege in diesen Lebensfragen? Was hilft uns dabei?
Sollte nicht unsere Aufgabe in der zweiten Lebenshälfte sein, der nachwachsenden Generation vorzuleben: Ich komme mit diesen Fragen zurecht. So kann das Leben aussehen und gelingen.

1.6 Wenn es sie auch reizt, sich diesem Thema zu stellen, dann schauen wir doch auf den heutigen Text, welches zweite Adventslicht uns dort angezündet wird.


2.1 Das große Lebensthema des fortgeschrittenen Alters ist Geduld. Das steckt in allen angesprochenen Themen. Das gilt im Leben wie im Glauben.
Bin ich jung denke ich, ich habe eine Idee. Die setzte ich um. Fertig. Aber fertig ist gar nichts. Das merke ich oft erst hinterher. Und als erfahrener Mensch weiß ich das eben schon vorher. Und wenn zudem die Knochen weh tun und die Hände gar nicht mehr gehorchen, dann ist es mit dem Umsetzen noch viel mühseliger. Da ist Geduld gefragt. Woher nehme ich Geduld?

2.2 Die meisten Menschen schieben alles auf ihren Charakter. Sie sagen: Ich bin eben kein geduldiger Mensch. Und wenn dann andere Fehler machen, schimpfen sie nur. Und wenn sie selber welche tun, schimpfen sie nur über sich. Sie meinen, Geduld sei nur charakterlich verankert. - Andere missverstehen Geduld nur als Tatenlosigkeit. Man muss nur richtig anpacken, dann lässt sich alles klären. Doch nicht alles, was hektisch angepackt wird gedeiht. Manchmal wird es nur noch schlimmer.

2.3 Geduld ist die Fähigkeit, etwas zu erdulden, stark genug sein, einen Mangel auszuhalten. Geduld legt eine Pause ein. Sie sagt, warte mal. Jammere nicht sofort. Klage nicht sofort an. Hilf nicht sofort. Lauf nicht weg. Schaue erst mal hin. - Ja, aber es tut doch weh. Es brennt doch. Es ist doch alles klar. - Die Geduld sagt: Stopp. Warte, halte aus. Nichts ist klar. Du musst erst die Hintergründe kennen. Besorge dir ein Röntgenbild von der Lage, was die Ursachen sind. Überlege erst, ob die Lösung auch wirklich hilft, zu der es dich drängt. Prüfe es im Herzen.
Brennt die Kerze der Geduld zum zweiten Advent in dir ohne Flackern? Oft ist sie gar nicht an.

2.4 Wie viele Beziehungen von uns sind in Ungeduld zerbrochen. Wie viele Probleme der Gemeinde wachsen auf dem Acker der Ungeduld. Wie viele Glaubenswege sind bei uns geendet, weil wir ungeduldig waren.
Wie schwer ist es, in Geduld den bösen Attacken eines Menschen zu begegnen. Wie schwer ist es in Geduld Schmerzen zu tragen. Wie schwer ist es, in Geduld sich selber anzunehmen mit allen Einschränkungen des Alters und der Krankheit. Wie schwer ist es, in Geduld einen Weg des Glaubens durchzuhalten.
Wie lerne ich die Lebensaufgabe Geduld, ganz gleich mit welcher charakterlichen Voraussetzung ich ausgestattet bin.


3.1 Geduld kann ich nur lernen, wenn ich einen Standpunkt habe, der tiefer reicht als meine charakterlichen Fähigkeiten. Der Glaube schenkt uns das. Der Glaube wurzelt nicht in den Gefühlen unserer Seele. Er wächst aus unserem Herz, dem Geist in uns.

3.2 Herr, Du bist die Quelle und das Ziel meines Lebens. Aus Dir bin ich. Zu Dir komme ich. Jetzt bin ich irgendwo dazwischen. Du machst es gut. Ich Augenblick spür ich dies nicht. Doch Du sorgst für mich zum Besten. Ich vertraue Dir. - Das ist Geduld.

3.3 Das können Sie auf alles in ihrem Leben anwenden.
Herr, das läuft doch hier völlig falsch mit diesem Menschen. Du weißt um seine Not und alle Hintergründe, auch um alles Unrecht, was er oder sie hier anrichtet. Du weißt auch, was jetzt hilft. Ich weiß es nicht. Gib mir die richtigen Gedanken, Worte, Handlungen. Ich vertraue Dir und versuche es. - Das ist Geduld. Klagt nicht übereinander, Brüder (8), sagt der Jakobusbrief. Geduld ist die Alternative.

3.4 Es tut nur noch weh. Bei ihnen funktioniert nichts mehr. Da hilft gegen die Verzweiflung nur: Herr, Du bist mein Halt. Andere beten ein Vaterunser nach dem nächsten. Oder sie sagen sich das Lied Du meine Seele singe immer wieder auf. Rückzug auf den tieferen Grund. Das ist der Kampf. Die Seele zerrt zum Schmerz. Der Geist hält uns beim Herrn. In diesem Kampf bestehen und durchhalten. Das ist Geduld. Im Leiden … nehmt euch die Propheten zum Vorbild, die im Namen des Herrn gesprochen haben (10). Der Name des Herrn ist eine feste Burg. Der Gerechte geht dorthin und ist darin geborgen.

3.5 Geduld holt Not und Mangel zurück auf den Herrn. Und wenn wir uns auf Ihn stellen und berufen dann haben wir einen Halt, der stärker ist als wir. Wir dulden mit Ihm und können so erdulden.

3.6 Wir üben in den Augenblicken der Geduld, uns auf den Herrn zu beziehen in den unmöglichsten Lagen und Momenten. Das geht über unsere charakterlichen Möglichkeiten hinaus. Und das lässt unseren Geist im Herrn stark werden. Macht euer Herz stark (8), sagt dazu der Jakobusbrief. Geduld aus dieser Quelle bringt Bewährung. Und diese Bewährung lebt Hoffnung. So sagt Paulus mit Recht im Römerbrief (5, 4). Der Schlüssel für Geduld aus Glauben ist das Ruhen im Herrn in Momenten der Unruhe. Versuchungen in unserem Leben haben diesen Sinn, uns in dieser Haltung wachsen zu lassen, sagt der Jakobusbrief. Das zweite Licht des Advents, die Geduld, als Licht in uns.


4.1 Nun wendet der Jakobusbrief das Thema der Geduld nicht nur auf unser Herz an, sondern auf den Horizont der ganzen Welt. Wie wir persönlich einmal vor dem Herrn sein werden, so auch die Welt bei Seinem Wiederkommen. Was im Privaten gilt, gilt auch für unsere ganze Welt.

4.2 Herr, bei den Nöten unserer Gesellschaft könnte ich die Hoffnung aufgeben und zynisch werden. Doch ich halte geduldig aus bis zur Ankunft des Herrn. Ich lasse nicht nach, für das Gute einzustehen. Du wirst einmal in Herrlichkeit vollenden, was wir hier - vielleicht oft vergeblich - an Gutem verwirklichen wollen. Wir schaffen in Geduld.

4.3 Weil einmal der gute Hirte kommen wird in Herrlichkeit, können wir hier Weiden pflegen, die dabei sind, kaputt zu gehen. Immer wieder. In Geduld. Der Sisyphus hat einen Glaubensbruder. Uns Christen. Darum, Brüder, haltet geduldig aus bis zur Ankunft des Herrn! (7).


5.1 Zum Schluss noch ein Hinweis auf den Bauer, der pflanzt und auf die Frucht wartet in Geduld, wie unser Wort erläutert. Natürlich, er hackt auch nicht den Boden auf und guckt jeden Tag, wie weit jetzt dieses Pflänzchen schon gewachsen ist. Das machte alles nur kaputt.

5.2 Stattdessen schaut er aus nach Regenzeiten, die im Herbst und Frühjahr zu erwarten sind. Das ist ein Bild. Der Regen meint den Segen des Heiligen Geistes, der nur manchmal kommt und neben der ständig scheinenden Sonne Jesu für uns wichtig ist. Ausschau nach dem Wirken von Gottes Geist. Herr, wann handelst Du? Wann ist Deine Zeit? Wann schickst Du Kraft zur Veränderung? Wann wirkst Du? Geduld schaut aus nach Regen, nach Segen des Heiligen Geistes.

5.3 In dieser Erwartung leben lässt die Kerze des zweiten Advents ruhig leuchten als Licht der Geduld.


Amen.



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Zuletzt geändert am 26.11.2009 von: (fp)