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Dritten Sonntag im Advent
von Pfarrer Friedhelm Peters,
Costa del Sol

(Rückmeldung oder Frage an
Pastor Friedhelm Peters)

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Gottesdienst am 13. Dezember 2009

Wegweiser des Glaubens

1 Als Diener Christi soll man uns betrachten und als Verwalter von Geheimnissen Gottes.
2 Von Verwaltern aber verlangt man, dass sie sich treu erweisen.
3 Mir macht es allerdings nichts aus, wenn ihr oder ein menschliches Gericht mich zur Verantwortung zieht; ich urteile auch nicht über mich selbst. 4 Ich bin mir zwar keiner Schuld bewusst, doch bin ich dadurch noch nicht gerecht gesprochen; der Herr ist es, der mich zur Rechenschaft zieht. 5 Richtet also nicht vor der Zeit; wartet, bis der Herr kommt, der das im Dunkeln Verborgene ans Licht bringen und die Absichten der Herzen aufdecken wird. Dann wird jeder sein Lob von Gott erhalten.

1. Korinther 4, 1-5

Liebe Gemeinde!

1.1 Wegweiser sind in Spanien eine besondere Erfahrung. Das wissen alle, die hier leben. "Parador" steht in großen Lettern am Eingang einer Stadt. Sie suchen das Hotel. Sie fahren bis zur nächsten Kreuzung. Kein Schild. Na, da geht es wohl geradeaus. Sie kommen zur nächsten. Wieder nichts. Hier geht wohl die Hauptstraße rechts ab. Also rechts. Wieder eine Kreuzung. Sie versuchen es geradeaus. Und plötzlich sehen sie wieder ein Schild. Hier links scharf abbiegen zum "Parador". Dass Sie es gefunden haben ist reiner Zufall. Die Straßenschilder in Spanien! Sie haben nichts mit einer Wegführung zu tun. Wer hat sie nur aufgestellt.

1.2 Oft geht es in der Kirche auch spanisch zu. Da sucht man einen Glaubensweg für sich. Aber wer zeigt den Kurs, der zum lebendigen Glauben führt? Fehlen nicht oft brauchbare Hinweise an der richtigen Stelle? Und geht nicht mancher Tipp in die völlig falsche Richtung? Suchend irrt man herum in seinem Glauben. Und man ist froh, wenn man endlich einen glaubwürdigen Hinweis kriegt. Irrfahrten des Glaubens, wer kennt sie nicht. Wie viele geben auf und kommen nie zu ihrem Ziel.

1.3 Der dritte Advent spricht von den Wegweisern im Glauben. Die können wir gut gebrauchen. Die dritte Kerze des Adventslichtes weist darauf hin: Weglichter des Glaubens.

1.4 Doch wer sind sie? Was zeichnet sie aus? Wo stehen sie? Und bin ich eventuell selbst einer?
Um diese Fragen soll es heute gehen, wenn wir das Bibelwort betrachten. Wegweiser des Glaubens.


2.1 Zunächst hatte Paulus mit der Gemeinde in Korinth ein Problem. Einige sagten ihm ganz schlicht: Du bist keiner. Du bist kein Wegweiser mehr für unseren Glauben. Es waren wohl nach der Gründung der Gemeinde durch Paulus andere gekommen, die mit welchen Worten und Intrigen auch immer die Gläubigen von Paulus abzogen. Spaltungen unter Christen, die gibt es ja bis heute, leider. Schon Paulus lebte damit. - Doch er zog sich nicht zurück, gab nicht dem Irrtum Recht. Er deckte vielmehr den Grund des Irrtums mit der Frage auf: Wer ist denn ein Wegweiser im Glauben? Wem kann man denn die Führung seines Herzens in Glaubensdingen anvertrauen? Wer leitet uns durch die Altstadt unseres Herzens bis zum Ziel? Auf wen ist denn Verlass?

2.2 Wir alle kennen dieses Problem. Es gibt zu viele Rattenfänger von Hameln, die nicht nur mit ihrem Flötenspiel die Ratten und Probleme beseitigen, sondern am Ende auch noch die Kinder und die Zukunft stehlen. Denen wollen wir mit Recht nicht aufsitzen. Also, Paulus, was ist das dritte Adventslicht? Was ist authentische Wegweisung im Glauben?


3.1 Als Diener Christi soll man uns betrachten und als Verwalter von Geheimnissen Gottes (1).

3.2 Diener Christi, angestellt beim Herrn, das ist die Kerze. An dieser Basis hängt sehr viel. Paulus sagt nicht: Ich komme von Jerusalem und bringe die Grüße vom Apostelkreis. Er sagt auch nicht: Ich komme als jemand, der eure Gemeinde gründete. Und das ist bis heute in Kraft und nicht widerlegt. Er kommt nicht als Kirchenangestellter und auch nicht als Jurist. Er kommt als Christ, der Jesus folgt.

3.3 Ich folge dem Herrn und bin zwischenzeitlich angestellt in der EKD, sage ich auf die mir gestellte Frage, wie ich als Pfarrer glaube. Und Sie können denselben Stand vor dem Herrn haben. Ich lebe als Christ und bin momentan das und das und das. Diener Christi gibt es in allen Berufen. Wegweiser Gottes stehen nicht nur in den Kircheninstitutionen. Die meisten finden einen Weg zum lebendigen Glauben gar nicht durch einen Berufspfarrer. Gott nutzt viele als Seine Hinweisschilder.

3.4 Bin ich ein solches Hinweisschild zum Herrn? Stellen wir uns doch vor, der Herr möchte einen Menschen aus meiner Umgebung zu sich führen. Wie soll ER das denn tun, wenn ER mich gebrauchen will? Könnte der nächste Besuch auf dem Golfplatz der Anlass sein, dass ich den Hinweis fallen lasse: Ich gehe immer in den Gottesdienst. Und so schlecht ist das gar nicht. - Und schon rollt der Ball.
Oder Ihr nächstes Kaffee-Kränzchen kriegt durch Sie noch ein anderes Thema. Sie sagen einfach: Ich backe übrigens diesen Kuchen auch für das Kirchcafe. - Was, Kirchcafe? - Ja, kennen Sie das nicht. Ich gehe immer in den Gottesdienst. - Und schon liegt was auf dem Teller.
Hinweisschilder für den Herrn. Da geht es hin. So ist das Ziel. Formulieren Sie dezent auch solche Fragen: Beten Sie auch? Kennen Sie Gott, ich meine wirklich persönlich? Was haben Sie denn für Erfahrung mit der Kirche gemacht? Übrigens, da kann man auch noch ganz andere machen.

3.5 Lebendige Hinweisschilder sind immer wach. Man weiß nie, wer wann guckt und wer was braucht. Das riecht nach Überforderung. Doch der Herr verspricht, uns die richtigen Worte zu geben, wenn wir auf Ihn vertrauen. Es ist doch Sein Weg, auf dem wir sind und andere hinweisen. ER lässt sich doch durch unsere Fehler oder Schwächen nicht abhalten, durch uns zu wirken. ER fragt nur: Willst du? Bist du bereit. - Herr, ich gebe Dir meine Bereitschaft. Ich möchte Dein Diener, Deine Dienerin sein. Dein Hinweisschild im Glauben. Dein drittes Adventslicht.

3.6 So hat es Paulus auch gesagt, mit seinen Schwächen, Größen, Begabungen. So sagte es auch Johannes der Täufer, der hinwies auf den Herrn. So können wir es sagen.


4.1 Die Kerze haben wir. Doch fehlt ihr noch das Licht. Verwalter von Gottes Geheimnissen (1), so nennt es Paulus, was eine Kerze brennen lässt. Was ist damit gemeint?

4.2 Mir geht ein Licht auf. Das besagt: Ich sehe etwas, was ich jetzt verstehe. Was mir bisher verborgen war, jetzt kann ich es erkennen. Es lag bisher im Dunkel. Jetzt ist es hell und klar. Geheimes ist mir offenbar geworden.

4.3 Geheimnisse sind alle Begegnungen mit Gott. Sie liegen für uns erst im Dunkeln. Kein Mensch kann mit den Sinnen Gottes Gegenwart erfassen. Doch kommt mir Seine Nähe als ein Licht ins Herz, dann kann ich plötzlich sehen: ER ist da. Dann spüre ich die Andacht Seiner Nähe. Dann denke ich ganz anders als zuvor von Ihm und Seinen Gaben. Dann handele ich und frage mich, was hast du vorher nur getan. Es ist wie die Berührung eines Engelflügels.

4.4 Dies Geheimnis Seiner Gegenwart tragen Wegweiser des Glaubens mit sich herum.
Die einen lachen spottend: Wo ist Gott denn? - Sie lachen im Herzen: Du siehst Ihn nicht. Das kommt noch. Hoffentlich. Und Sie sagen vielleicht laut: Ja, dann brauchen Sie wohl eine Brille, vielleicht eine Glaubensbrille.

4.5 Verwalter von Gottes Geheimnissen, nicht Besitzer sind wir. Jeden Tag braucht es das Gebet: Herr, erleuchte mich auch heute mit Deiner Gegenwart. - Ich bin nie überlegen, auch wenn ich vielleicht mehr weiß. Die Demut bleibt der Wegbegleiter des Geheimnisses.

4.6 Treu sollen Verwalter sein. Wir sollen Gott nicht verraten und so tun als gäbe es Ihn nicht. Wir sind zu Ihm loyal.

4.7 Treu sein heißt auch, im Dienst des Herrn zu bleiben, beständig. Als lichte Wegweiser haben wir keinen Dienstplan von 10 - 11 und dann nochmal von 18 - 19. Als Menschen benötigen wir Pausen. Doch als Christen ist Gott stets mit uns. Das Geheimnis Gottes lebt auch in uns, wenn wir im Urlaub sind oder schlafen. Wie gut.

4.8 Geheimnis heißt in der Kirchensprache Sakrament. Ist es verwunderlich, dass Christen die Sakramente lieben, die Taufe, die sie gründet, das Abendmahl, das sie stärkt.


5.1 Das dritte Adventslicht: Glaubwürdig den Weg Gottes gehen und anzeigen. Das können wir als Diener Christi und als Verwalter Seiner Geheimnisse. Als Menschen, die Jesus gehören und Ihm folgen und dabei Gottes geheimnisvolle Gegenwart erleben und bezeugen.

5.2 Es wäre doch schön, wenn genügend Lichter der Orientierung und Einladung brennen, und es in unserer Umgebung an diesem Punkt nicht spanisch zugeht.


Amen.



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Zuletzt geändert am 26.11.2009 von: (fp)