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Jahreslosung 2010 Johannes 14,1 Jahreslosung 2010

 <>< Predigt zum
Zweiten Sonntag nach dem Christfest
Jahreslosung 2010
von Pfarrer Friedhelm Peters,
Costa del Sol

(Rückmeldung oder Frage an
Pastor Friedhelm Peters)

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Gottesdienst am 3. Januar 2010

Jahreslosung 2010: Euer Herz erschrecke nicht

Jesus Christus spricht: Euer Herz erschrecke nicht. Glaubt an Gott und glaubt an Mich.

Johannes 14, 1

Liebe Gemeinde!

1.1 Bum! Macht es. Wir erschrecken. Das Herz steht fast still. Die Wirklichkeit hat Gedanken und Sinne überholt. Nur langsam fragen wir: Was war das? Ein Knall. Erschrecken. - Ein Schrecken ist das plötzliche Ende des Vertrauten. Das wirkt wie eine Fallgrube. Der Boden ist weg. Gerade hatte er noch getragen. Jetzt erschrickt das Herz.

1.2 Es ist erstaunlich, dass man mit Bum! Bum! das neue Jahr einleitet. Natürlich macht es Spaß, zu Knallen und zu Leuchten. Aber mancher denkt dabei sogar an kommende Schrecken. Sollen die mit eigenen Krachern vertrieben werden, wie der Aberglaube meint? Gelingen wird das kaum.

1.3 Wieso redet Jesus in unserer Jahreslosung vom Schrecken unseres Herzens? Welchen Schrecken meint ER? Und was sagt ER dazu? In der Jahreslosung für das Jahr 2010 geht es genau darum.


2.1 Zuerst sagt Jesus etwas zur Überwindung unseres Schreckens. Doch was ER sagt ist merkwürdig. In der Fachsprache nennt man das eine paradoxe Intervention. Im Volksmund sagt man dazu auch: Ein dummer Männerspruch.
Da zuckt eine Frau zusammen. Sie erschrickt. Und der Mann, der daneben steht, sagt: Du musst doch nicht erschrecken. Natürlich hört der Schrecken aufgrund dieser Bermerkung sofort auf. Die Frau schweigt. Genauer müsste man sagen: Das Vertrauen in die Einfühlsamkeit des Partners hört auf. Aber gewiss nicht der Schrecken. Warum?
Das Ende eines Schreckens lässt sich nicht anordnen. Gefühle folgen keinen Befehlen. Noch nie hat einer angefangen zu lieben, weil man ihm sagte: Du musst lieben. Und die Traurigkeit weicht nicht, weil jemand befiehlt: Jetzt ist aber Schluss mit den Tränen. So weicht auch nicht der Schrecken, wenn es heißt: Erschrick nicht.

2.2 Doch Jesus ist nicht dumm. Und Sein Wort ist kein Männerspruch. Wir müssen tiefer graben, um Ihn zu verstehen, wenn ER so etwas sagt.

2.3 Schauen wir uns ein Beispiel an. Jemand erschrickt regelmäßig, wenn sich ein Schlüssel im Schloss bewegt. Warum?
Als Kind hat er etwas erlebt. Das prägte. Hören wir: Ich war allein im Haus. Ich schlief mit offener Tür. Die Eltern waren fort. Da hörte ich jemand am Schloß der Haustür. Ich dachte: Jetzt kommen Mama und Papa heim. Doch das war nicht so. Eine fremde Person schlich durch die Wohnung. Wie sich später herausstellte, fand sie nicht die Wertsachen, die sie stehlen wollte. Sie kam auch nicht ins Kinderzimmer. Gott sei Dank. Sie verschwand unverrichteter Dinge. Später, als die Eltern kamen, war der Schrecken immer noch da. Doch die Eltern sagten nur: Es fehlt doch nichts. Du hast geträumt. -
Bis heute sitzt das drin. Wo der eine freudig denkt: Jetzt kommen jemand nach Hause, ich höre schon das Schloß. Wie schön. Da wird für den anderen der Kopf leer und das Herz kalt. Das Licht geht aus, auch wenn es hell ist. Der Schrecken einer anderen Zeit steht auf, erobert neu das Herz. Das funktioniert ganz automatisch wie ein Zeitensprung. Das Schreckens-Bild im Herzen verdrängt das Bild vor Augen. Das Heute wird durch das Schreckliche von damals oder das Gefürchtete von morgen ausgelöscht. Ein anderes Bild ersetzt das heutige, eine andere Realität die gegenwärtige.
Das ist Schrecken. - Wie läßt sich so etwas denn überwinden?

2.4 Wer nicht erschrecken will, der braucht ein neues Bild in seinem Herzen. Eines, was sich gegen die Erinnerung durchsetzt, sie ablöst und ersetzt. Welches Bild ist stark genug, um das zu schaffen? Was könnte mein Herz so erfüllen, dass Schrecken nicht die Oberhand gewinnt? Was kann in mir so stark werden, meine alte Angst zu überwinden? - Wer darauf eine Antwort hat, der darf auch sagen: Euer Herz erschrecke nicht. Denn der hat einen Schlüssel, der Schrecken besiegt.

2.5 Jesus hat ein solches Werkzeug. ER nennt es Seinen Jüngern. ER gibt den Seinen ein so starkes Bild. Was ist das für ein Bild, das Schrecken überwindet? Schauen wir es uns an.


3.1 Jesus spricht unser Wort zu seinen Jüngern am Tag Seiner Verhaftung. In Meiner Gegenwart, sagt ER, ward ihr bisher ganz sicher. Kam ein Sturm, so habe ich ihn gestillt nachdem ich euer Vertrauen prüfte. Starb Lazarus so habe ich ihn sogar nach Tagen auferweckt. Waren Tausende hungrig, so habe Ich sie mit fünf Broten und drei Fischen gespeist. Ihr hattet nichts, doch spürtet ihr nie Mangel. Ich war euch Schutz. - Doch das werdet ihr ab jetzt nicht mehr erleben. Denn heute Abend schon werde ich gefangen sein. Man wird Mich foltern und auch töten. Die Zukunft wird ein Schrecken sein, für Mich und auch für euch. Ich sage euch jetzt die letzten Dinge vor Meinem Sterben. ICH werde gehen. Ihr seid allein.

3.2 Da war der Schrecken. Jesus weg. Sie dachten: Wir allein ohne Ihn. Wie soll das gehen? Der Boden verschwand. Die Sicherheit war weg. Das dunkle Bild der Zukunft ersetzt das helle Licht der Gegenwart des Herrn. Das war wie ein Silvesterknaller.

3.3 Wie wir das kennen. Sogar zum neuen Jahr. Es braucht nicht viel. Da hat ein Sorgenthema uns erreicht. Bum macht es innen drin. Und unser Herz sieht schwarz.

3.4 Doch Jesus bietet mehr. ER hat für Seine Jünger starke Bilder. Deswegen kann ER sagen: Euer Herz erschrecke nicht. Wir fragen weiter: Jesus, was ist so stark, die alten Bilder zu ersetzen?


4.1 Die folgenden Worte unserer Jahreslosung müsste man vom Urtext her so übertragen: Wenn ihr Glauben an Gott habt, dann glaubt an Mich. Das bedeutet so viel wie: Habt ihr angesichts der Zukunft noch so etwas wie Hoffnung und Vertrauen auf Gott, dann lasst Mich in euer Herz. Mit Mir kommen starke Bilder. ICH zeige euch den Weg. ICH bin die Wahrheit, die eure Welt am tiefsten aufschließt. ICH bin das Leben selbst, das durch euch fließt.

4.2 Und um allen Fragen vorweg zu kommen, wohin denn der Weg mit Ihm geht, sagt ER: In Meines Vaters Haus sind viele Wohnungen: Orte im Paradies sind unser Ziel. ICH gehe dorthin, euch die Stätte zu bereiten: ICH öffne eine Tür für euch dorthin. Mein Sterben und Mein Auferstehen haben den Sinn. ICH will wiederkommen und euch zu Mir nehmen, damit ihr seid, wo ICH bin.

4.3 Mit diesen Bildern füllt Jesus die Herzen Seiner Jünger: Da ist eine Heimat im Himmel. Die ewige Wohnung steht offen. Durch Sein Leiden und Sterben und Auferstehen öffnet ER die Tür. ICH komme wieder als Heiliger Geist jetzt oder als der Weltenrichter einst. ICH hole euch dorthin.

4.4 Nie mehr verlassen, nie mehr ohne Heimat. Wer Mir glaubt ist nie allein, nie ohne Zukunft.


5.1 Mit diesen Worten bereitet Jesus Seine Jünger auf die Zukunft vor. Starke Bilder, die ER schenkt. Wir können sie für unsere Wege in das neue Jahr aufnehmen.

5.2 Wer Schlüsselangst hat wie in unserem Beispiel könnte hören: Sieh mal. Da ist der Herr. Der Auferstandene steht vor der Schlafzimmertür. ER lässt mich sicher sein. ER macht den Einbrecher blind. Und heute ist ER wieder da. ER ist der Wächter vor der Tür. ER tritt mit jedem ein, wenn sich das Schloss jetzt öffnet. Dein Herz erschrecke nicht.

5.3 Doch dies ist nur ein Beispiel. Vor welchen Schrecken brauchen Sie den Schutz? Ihr Herz weiß ganz genau, was Sie benötigen. Fragen Sie doch konkret nach Bildern des Vertrauens, der ewigen Heimat und des beschützten Weges für sich selbst. Der Herr will sie uns geben, wo wir Ihn im Vertrauen darum bitten. Nehmen Sie sie in Anspruch. Euer Herz erschrecke nicht.


6.1 Dazu will uns auch der Maler Felger in dem neuen Jahr Mut machen. Er setzt die Bilder seines Erschreckens ganz unten an den Fuß der Jahreslosung: Zerbrechen, Ablehnung, Tod. Doch darüber malt er den göttlichen Regenbogen nach überstandener Sintflut. Glaubt, sagt der. Nehmt das Bild der Hoffnung wie Noah es schon damals von Gott empfing. Und oben fügt er links und rechts die Zeichen ein, die uns auf Jesus den Auferstandenen und auf Gott den Herrn hinweisen.

6.2 Momente der Verlassenheit werden im neuen Jahr bestimmt uns auch erwarten. Da wirst du einen Schreck kriegen, sagt unser Herz. Das wird nicht das Erste sein, was du befürchten musst, sagt der Glaube. Denn Jesus sagt: Euer Herz erschrecke nicht. ER kann es sagen. ER gibt uns das Werkzeug durch den Glauben an Ihn. Mit Ihm ziehen Bilder der Zukunft und der Freude ein, die unser Herz bewahren und beschützen. Setzen wir sie ein gegen unser Erschrecken.

6.3 Lassen Sie uns mit diesem Wort der Jahreslosung zum neuen Jahr beten: Herr, werde stark in mir.


Amen.



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Zuletzt geändert am 01.01.2010 von: (fp)