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Ersten Sonntag nach Epiphanias
von Prädikantin Gisela Johannes,
Costa del Sol

(Rückmeldung oder Frage an
Prädikantin Gisela Johannes)

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Gottesdienst am 10. Januar 2010

Lebendiges Opfer und vernünftiger Gottesdienst

1 Ich ermahne euch nun, liebe Brüder, durch die Barmherzigkeit Gottes, dass ihr eure Leiber hingebt als ein Opfer, das lebendig, heilig und Gott wohlgefällig ist. Das sei euer vernünftiger Gottesdienst. 2 Und stellt euch nicht dieser Welt gleich, sondern ändert euch durch Erneuerung eures Sinnes, damit ihr prüfen könnt, was Gottes Wille ist, nämlich das Gute und Wohlgefällige und Vollkommene.
3 Denn ich sage durch die Gnade, die mir gegeben ist, jedem unter euch, dass niemand mehr von sich halte, als sich's gebührt zu halten, sondern dass er maßvoll von sich halte, ein jeder, wie Gott das Maß des Glaubens ausgeteilt hat.

Römer 12, 1-3

Liebe Gemeinde!

Ich möchte Sie hoch in die Berge mitnehmen, dorthin, wo es eng ist, wo es steil wird. Zum Beispiel an den Königssee in Berchtesgaden. Dort besteigen wir ein Boot und fahren auf den See hinaus. An einer bestimmten Stelle hält das Boot an. Jemand nimmt eine Trompete und spielt eine Melodie. Von verschiedenen Seiten kommen die Töne als Echo zurück. Eine schöne Spielerei, die auf physikalischen Gesetzen basiert.

Unser Bibeltext und ein Echo - was hat das miteinander zu tun?

Ich lese noch einmal den ersten Vers: Ich ermahne Euch nun, liebe Brüder, durch die Barmherzigkeit Gottes, dass Ihr Eure Leiber hingebt als ein Opfer, dass lebendig, heilig und Gott wohlgefällig ist. Das sei Euer vernünftiger Gottesdienst.

Was ist das für ein bedrängender und radikaler Text! Paulus bittet und ermahnt uns, unser ganzes Leben Gott zur Verfügung zu stellen. Warum?

Ermahnungen haben etwas mit Ratschlägen zu tun, die wir gerne beiseiteschieben, oder seufzend über uns ergehen lassen, weil sie oft mit einem moralischen Zeigefinger verbunden sind. In unserem Text steht die Ermahnung aber nicht in einem luftleeren Raum. Elf Kapitel lang hat Paulus im Römerbrief die gute Nachricht verkündet und von der Liebe und Treue Gottes erzählt. Und nun ist es für Paulus eine logische Folge, dass unser Lebensstil davon nicht unberührt bleibt, dass wir als Echo antworten. Denn Gott hat sich unser erbarmt. In der Weihnachtsgeschichte haben wir davon erfahren. Christus kam in die Welt und hat uns von unserer Sünde erlöst. Er hat uns befreit.

Und nun diese Aufforderung: Gebt Euren Leib als lebendiges Opfer dahin.
Das eigene Leben als Opfer geben?
Was macht so ein Satz mit mir? Gott hat mir doch mein Leben geschenkt, es behütet, es für wertvoll erachtet. Und nun soll ich es opfern? Mit fallen bei diesem Begriff zunächst Verkehrsopfer ein oder Menschen, die einer Naturkatastrophe zum Opfer fallen. Ein Opfer ist nicht aktiv, zum Opfer wird man.
Aber hier soll ich mein Leben als ein lebendiges Opfer hingeben. Unser Glaube kennt doch nur ein Opfer, und das hat Jesus Christus erbracht. Jesus starb für unsere Schuld am Kreuz. Das ist ein einmaliges, unvergleichbares Opfer, durch das er uns erlöst hat.

Was meint der Apostel Paulus mit dem von ihm angemahnten Opfer? Es bedeutet, dass ich mein Leben, meine Seele, Gott anvertraue, mich seinem Willen unterstelle, mich in meinem Handeln von ihm bestimmen lasse.

Mein Leben als Hingabe an Gott bedeutet nicht nur, dass ich sein Wort kenne und höre, sondern, dass mein Handeln durch meinen lebendigen Leib hinzukommen muss. Paulus sagt, dass das richtige Tun des Menschen und die Auseinandersetzung mit Gottes Wort ein vernünftiger Gottesdienst ist.

Bei Stichwort Gottesdienst kommt uns meistens der Sonntagvormittag in den Sinn. Die Orgel spielt, Gott spricht zu uns durch sein Wort, und wir antworten mit Gebet und Lobpreis. Das ist ganz sicher Gottes Dienst an uns, und unser Dienst an Gott. Paulus zufolge ist das nur eine Seite unseres Christseins, eine sehr wichtige. Im Gottesdienst werden wir durch das Hören und die Auslegung von Gottes Wort gestärkt und ermutigt. Wir können immer wieder überprüfen, ob unser Leben auch im Einklang mit Gottes Wort steht, uns damit kritisch auseinandersetzen.

Aber darüber hinaus müssen wir mit dem, was wir glauben, im Alltag erkennbar werden. Es reicht nicht, dass wir unsere Gebete sprechen und schöne Lieder singen. Christen muss man an ihren Taten erkennen. Diese können so vielfältig sein, wie wir alle verschieden sind. Da gibt es Menschen, die kümmern sich im Rahmen der Nachbarschaftshilfe um Alleinstehende und Einsame. Sie helfen wenn nötig beim Einkauf oder beim Gang zum Arzt. Das ist ein ebenso vernünftiger Gottesdienst, wie zum Beispiel ein Regierungsamt zu übernehmen, zu forschen, ein Unternehmen mit Verantwortung für die Mitarbeiter zu leiten, oder sich für Umweltprobleme einzusetzen. Wir sind Gottes Hände und Füße. In Wort und Tat bekennen wir uns zu ihm. Unser Gewissen muss sich dabei immer wieder an der Bibel schärfen.

Nicht der Welt sollen wir uns gleichstellen, sondern uns ändern durch die Erneuerung unseres Sinnes, damit wir überprüfen können, was Gottes Wille ist - so heißt es im Predigttext. Anderen Menschen sollen wir nicht helfen, weil man das so tut, sondern weil Gott es so möchte. Immer sollen wir darauf achten, ob etwas gut oder schlecht ist. Unser Handeln müssen wir vor unserem Gewissen verantworten, und das orientiert sich an Gottes Wort. Für die Christen ist es wichtig zu zeigen, wofür sie stehen, warum sie zum Beispiel gegen Armut kämpfen und für Frieden einstehen.

Nun gehören wir nicht zu den Mächtigen der Welt, die Kriege verhindern können, oder der Gier nach immer mehr Geld und Besitz Einhalt gebieten können. Das heißt aber nicht, dass wir ohnmächtig zusehen müssen, wie Menschen sich ins Unglück stürzen. Zivilcourage und Handeln im Rahmen der eigenen, individuellen Möglichkeiten ist geboten. Da müssen wir realistisch sein und uns selbst nicht überschätzen. Wir wollen Gott dienen mit unseren eigenen Möglichkeiten und Grenzen. Die sollten wir nicht ängstlich eng ziehen, sondern im Vertrauen auf Gottes Hilfe auch wagen, was möglich ist.

Dem einen ist es gegeben, sich zum Beispiel in der Arbeit einer Suppenküche oder im Besuchsdienst eines Krankenhauses zu engagieren. Andere bohren Brunnen in Afrika oder helfen weltweit im Kampf gegen Aids, kümmern sich um die Waisen dieser Seuche und verhelfen ihnen zur Bildung. Handeln mit Augenmaß so gut wir können, das ist unser vernünftiger Gottesdienst, unser Echo auf Gottes Erbarmen.

Und der Apostel fügt noch hinzu: Tut Euren Dienst in aller Bescheidenheit, je nach der von Gott empfangenen Gnadengabe.
Jeder soll so handeln, wie Gott es ihm geschenkt hat.
Wir müssen uns dabei nicht von anderen abgrenzen und uns ins rechte Licht setzen, damit jeder merkt, wie tüchtig wir sind.
Wir geben mit unserem Handeln ein Echo auf Gottes Erbarmen mit uns.
Mit der Geburt unseres Herrn hat Gott seine große Liebe zu uns gezeigt. Was brauchen wir mehr?
So, wie das Echo in den Bergen ein Widerhall ist, so sollen wir durch unser lebendiges Handeln die Antwort auf Gottes Ruf geben und sein Licht in die Welt tragen.
Wir sind nun aufgefordert herauszufinden, was Gottes Wille für unser Leben ist, und was unsere Antwort darauf sein kann.


Amen.



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Zuletzt geändert am 01.01.2010 von: (fp)