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Zweiten Sonntag nach Epiphanias
von Pfarrer Friedhelm Peters,
Costa del Sol

(Rückmeldung oder Frage an
Pastor Friedhelm Peters)

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Gottesdienst am 17. Januar 2010

Brennend im Geist

Si no levantas los ojos, creerás que eres el punto más alto.
Wenn du nicht nach oben schaust, wirst du glauben, dass du der höchste Punkt bist.

Antonio Porchia (1886 - 1968), argentinischer Schriftsteller

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9 Eure Liebe sei ohne Heuchelei. Verabscheut das Böse, haltet fest am Guten!
10 Seid einander in brüderlicher Liebe zugetan, übertrefft euch in gegenseitiger Achtung!
11 Laßt nicht nach in eurem Eifer, laßt euch vom Geist entflammen und dient dem Herrn!
12 Seid fröhlich in der Hoffnung, geduldig in der Bedrängnis, beharrlich im Gebet!

13 Helft den Heiligen, wenn sie in Not sind; gewährt jederzeit Gastfreundschaft!
14 Segnet eure Verfolger; segnet sie, verflucht sie nicht!
15 Freut euch mit den Fröhlichen und weint mit den Weinenden!
16 Seid untereinander eines Sinnes; strebt nicht hoch hinaus, sondern bleibt demütig! Haltet euch nicht selbst für weise!

(17 Vergeltet niemand Böses mit Bösem! Seid allen Menschen gegenüber auf Gutes bedacht!
18 Soweit es euch möglich ist, haltet mit allen Menschen Frieden!
19 Rächt euch nicht selber, liebe Brüder, sondern laßt Raum für den Zorn (Gottes); denn in der Schrift steht: Mein ist die Rache, ich werde vergelten, spricht der Herr.
20 Vielmehr: Wenn dein Feind Hunger hat, gib ihm zu essen, wenn er Durst hat, gib ihm zu trinken; tust du das, dann sammelst du glühende Kohlen auf sein Haupt.
21 Laß dich nicht vom Bösen besiegen, sondern besiege das Böse durch das Gute!)

Römer 12, 9-16

Liebe Gemeinde!

1.1 Paulus hat im Römerbrief lange erklärt, worin der Glaube der Christen besteht. Jesus, der Gekreuzigte, hat für uns etwas Einmaliges geschaffen: Wir sind vor Gott gerecht. Wir werden nicht wie der alte Adam aus dem Paradies verwiesen. Wir sind als neue Kinder Gottes dorthin eingeladen. "Heut schleußt ER wieder auf die Tür zum schönen Paradeis", so haben Christen zu Weihnachten gesungen. Der auferstandene Jesus Christus garantiert: Nichts kann uns scheiden von der Liebe Gottes. Das ist Erlösung. Das ist die Mitte unseres Glaubens.

1.2 Dieser Glaube bleibt ein totes Bücherwissen, wenn - ja wenn ich ihn nur als Information in meinem Kopf behalte. Ich bin dann gläubig, aber nicht fromm. Denn fromm bedeutet, den Lebensalltag mit Gott teilen. Das zeigt sich zum Beispiel so:

1.3 Ich bete. Herr, sieh Dir an, was da bei den Erdbebenopfern für eine Not herrscht. Erbarme Dich. Ich bete. Der heutige Tag ist ein Geschenk von Dir. Ich spüre das. Und ich möchte, dass Dein Segen auch auf alle kommt, mit denen ich zu tun habe. Mach jede Begegnung zu einem Segen.
Ich bete. Was ist nur mit meinen Lieben? Womit sie sich plagen. Schick Engel, die ihnen helfen.
Ich bete. Herr, wie viele Christen haben sich nicht ganz und gar Dir anvertraut. Sie kennen Dich, doch nicht als Mitte Ihres Lebens. Werde die Mitte ihres Herzens. Die Quelle Deiner Gegenwart wird dann in ihnen sprudeln.
Ich bete. Wie viel an Gottesferne liegt im Keller vieler Herzen, im Dunkeln vergessen. Nie wurde es in einer Lebensbeichte ausgeräumt. Entgiftung würde helfen, dass Deine Gegenwart mehr Wachstum schenkt, mehr Frucht im Glauben, mehr Freude im und am Himmel.

1.4 So könnte es aussehen, mein Leben und das der anderen vor den Herrn zu bringen. Das ist gelebter Glaube, angewandtes Glaubenswissen, im Herzen gelebte Nachfolge.

1.5 Genau darum geht es Paulus in unserem Textabschnitt. Aus dem tiefgefrorenen Glaubensschnitzel richtiger Erkenntnis soll ein warmes saftiges Steak auf unserem Lebensteller werden. Wie soll der Glaube sonst satt machen? Wie soll er schmecken und Freude bereiten? Wie soll ich andere dazu einladen?
Ich lege ja schließlich meinen Gästen auch keine tiefgefrorene Lammkeule auf den Teller und sage: Guten Appetit. Wer futtert schon aus dem Tiefkühlfach!
Ist das im Glauben anders? Nein. Lebendiger Glaube ist gefragt. Paulus nennt das hier: Seid brennend im Geist. Fragen wir ihn: Was ist ein brennender Geist? Und wie komme ich daran?


2.1 In unserem Geist ist abgelegt, wer wir von unserer Herkunft und Zukunft aus sind und sein werden. Begabte Menschen haben oft einen großen Geist, aus dem sie leben. Man sieht das an den Augen. Die leuchten, sie sind voller Kraft. Schon Jesus sagt: Das Auge ist das Licht des Leibes. Matthäus 6,22.
Natürlich gibt es dafür biologisch chemische Erklärungen. Ich habe Augenärzte danach gefragt. Wer das als Widerspruch empfindet mag bedenken: Warum sollte unser Geist nicht chemischen Veränderungen nutzen, um sichtbar zu werden? Auch in leuchtenden Augen.
Dem entspricht auch ihre Lebenskraft. Oft sprühen solche Menschen nach allen Seiten. Sie bewegen etwas aus sich selbst heraus. Als ob sie einen Brunnen in sich hätten oder ein Feuer.

2.2 Ist das der brennende Geist des Paulus? Wenn ja, dann wäre der gelebte Glaube etwas für wenige Auserwählte, besonders Begabte, für seltene Elitemenschen. Wer dieses Feuer der Begnadeten nicht in sich trägt, geht leer aus. Das träfe für die meisten von uns zu. - Ich glaube, dass das nicht so ist.

2.3 Ich habe beobachtet, dass mit dem Älterwerden das natürliche Feuer oft verblasst. Die Kraft wird weniger. Die Augen werden blasser. Nur bei ganz wenigen ist dieses anders. Gibt es den brennenden Geist nicht für Senioren? Sollte der nur für die Jugend da sein?

2.4 Wir merken, hier fehlt ein Baustein, eine Unterscheidung. Was wir beobachteten trifft für alles zu, was unseren natürlichen Geist betrifft. Es stimmt: Er ist je nach Begabung unterschiedlich groß. Das Lebensalter lässt ihn stark wirken oder einmal verlöschen.
Doch von dem redet Paulus nicht. Er sagt im gleichen Atemzug: Dient dem Herrn. Er spricht nicht von unserem natürlichen Geist. Wovon redet Paulus dann?


3.1 Ein jeder Mensch brennt in seinem Geist. Sonst würden wir nicht leben. Die Frage ist nur, was ihn brennen lässt. Denn der Geist in uns nährt sich von dem, was ihn erleuchtet.

3.2 Sind wir uns selbst die Mitte, brennen wir uns selber ab, erleuchten uns selbst. Wie eine Kerze. Schnell oder langsam, viel oder wenig, strahlend oder funzelig. Ein jeder brennt so wie er ist. Keiner entgeht sich. Begabte leuchten vielleicht mehr. Doch oft erlischt ihr Feuer umso schneller.
Dieses natürliche Feuer unseres Geistes meint Paulus nicht, wenn er sagt: Seid brennend im Geist.

3.3 Er spricht von Menschen, die sich in ihrem Geist nach Gottes Geist ausrichten. Die Lebensflamme wird von Gottes Feuer hell. Sie bleibt natürlich - natürlich. Doch Gottes Geist entzündet und erhält das Feuer.

3.4 Der ganz normale Stolz ist weg, der von sich sagt: Ich bin schon wer.
Die Sehnsucht steht im Hintergrund: Herr, fülle mich. Ich warte, bis ich Dein Feuer spüre. Ich nehme nicht mein eigenes. Du bist Mein Licht. Die Richtung meines Geistes hat gewechselt. Ich nehme nicht von mir - solange bis es alle ist. Ich nehme von Dir - solange bis ich verwandelt bin - in Dein Bild. Mein Geist ist ein Gefäß für Deinen. Brenne in mir. Leuchte in mir.
Seid brennend im Geist des Herrn, sagt Paulus, nicht nur im eigenen.


4.1 Wir haben es hier mit dem Unterschied zwischen Motivation und Berufung zu tun.
Man kann engagiert sein. Und das ist gut, wenn man das ist. Trägheit ist eine der sieben Totsünden.
Doch Paulus und das ganze Neue Testament sagen nicht: Engagiert euch mal richtig in der Liebe und in der Nächstenliebe. Das wäre auch schon gut. Er gräbt tiefer. Er möchte dem Engagierten eine Berufung schenken, eine Kraftquelle, einen göttlichen Sinn. Deshalb stellt er in die Mitte aller ethischen Hinweise: Seid brennend im Geist Gottes.

4.2 Wenn ihr das tut werdet ihr an jedem Tag von Ihm geleitet sein.
ER selbst gibt euch das Öl des Geistes, das eure Tageswunde schließt, Linderung schenkt. Sonst arbeitet ihr nur eure Tage ab, statt Neues in ihnen zu schaffen.
ER gibt euch das Öl, das euch als Kinder Gottes salbt. Ihr habt einen Platz in Seiner Liebe, von der euch nichts trennt. Ihr geht geliebt durch eure Lebenszeit bei allem Streit und Haß, der euch auch trifft.
ER gibt euch das Öl, das euch bevollmächtigt, in Seinem Namen zu handeln. Ihr werdet merken, wie ICH wirke. Und das durch euch. Ich nehme euch in Meinen Dienst. Und das geschieht.

4.3 Was möchte Paulus? Die Lebensflamme meines Geistes brennt für den Herrn. Sie strahlt Sein Licht, zwar immer auch vermischt auf dieser Erde, doch klar erkennbar von Gott. Das führt nicht nur zu einem engagierten Leben. Das öffnet unseren Horizont für das Geheimnis eines Lebens aus Berufung. Paulus gönnt dies allen Christen.


5.1 Von zweimal sieben Beispielen spricht der Text, der erweiterte Text von dreimal sieben. Sie zeigen alle: Brennend im Geist des Herrn lässt Menschen anders leben. Natürlich. Er kommt. Und dann ist es anders als wenn der eigene Geist nur für und aus sich leuchtet.

5.2 Der Geist des Herrn lässt uns zu Liebenden werden, wo wir von Natur aus gar keine sind.
Er macht Querdenker aus uns, wo wir von uns nur die eigene Spur und das Normale sahen.
Er macht uns gastfreundlich, wo wir nur hinter Mauern flüchten wollten.
Er lässt uns helfen, wo wir sonst nur sagten: Was geht das mich an.
Er macht uns fröhlich aus einer inneren Hoffnung, selbst in Bedrängnis.
ER macht, ER macht, ER macht.
Schauen Sie sich ruhig die Beispiele noch einmal genau an. Aber es sind nur Beispiele, die Paulus nennt. Sie und ich sind ebenfalls ein Beispiel. Sind wir es?

5.3 Brennend im Geist des Herrn. Von Seinem Licht entzündet. So leuchten Kinder Gottes, durch sich für Ihn. Und es wird sichtbar in dem, wie sie leben. Dazu lädt Paulus ein. Wir können beginnen.


Amen.



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Zuletzt geändert am 15.01.2010 von: (fp)