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Letzten Sonntag nach Epiphanias
von Pfarrer Friedhelm Peters,
Costa del Sol

(Rückmeldung oder Frage an
Pastor Friedhelm Peters)

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Gottesdienst am 24. Januar 2010

Zerbrochene Gefäße

6 Denn Gott, der sprach: Aus Finsternis soll Licht aufleuchten! ER ist in unseren Herzen aufgeleuchtet, damit wir erleuchtet werden zur Erkenntnis des göttlichen Glanzes auf dem Antlitz Christi.
7 Diesen Schatz tragen wir in zerbrechlichen Gefäßen; so wird deutlich, daß das Übermaß der Kraft von Gott und nicht von uns kommt.
8 Von allen Seiten werden wir in die Enge getrieben und finden doch noch Raum; wir wissen weder aus noch ein und verzweifeln dennoch nicht; 9 wir werden gehetzt und sind doch nicht verlassen; wir werden niedergestreckt und doch nicht vernichtet.
10 Wohin wir auch kommen, immer tragen wir das Todesleiden Jesu an unserem Leib, damit auch das Leben Jesu an unserem Leib sichtbar wird.

2. Korinther 4, 6-10

Liebe Gemeinde!

1.1 Wir haben es heute mit einem sehr tröstlichen Thema zu tun. Selbst Zeitungsartikel beschäftigen sich damit. Warum fällt es so schwer, die Vorsätze von Silvester im neuen Jahr umzusetzten? So fragen Reporter. Warum bleiben gute Wünsche auf der Strecke? Wie kommt es, dass der Geist willig, aber das Fleisch schwach ist? Schon Jesus sagt dies Seinen Jüngern.

1.2 Es gibt wohl keinen unter uns, der nicht schon einmal über seine guten Vorsätze gestolpert ist. Warum nur? Warum gibt es keine Autobahn vom Vorsatz zur Verwirklichung, vom Wollen zum Vollbringen?
Ich will gar nicht von so großen Dingen wie dem Beenden des Rauchens sprechen. Auch kleine Vorsätze sterben schnell.
- Ich werde Dich jetzt regelmäßig anrufen. Doch es geschieht nicht. Kein Telefon klingelt.
- Die Schuhe ziehe ich in Zukunft immer aus, wo jetzt der neue Teppich da ist. Am nächsten Tag lernt auch der neue Teppich die alten Schuhe kennen.
- Ich tue das nie noch einmal. Und dann - doch.
So sind wir. Aber warum sind wir so?

1.3 Wer seine Unvollkommenheit spürt braucht eine Erklärung. Sonst bleibt ein Dauerschmerz der Schuldgefühle. Das Spektrum der Erklärung zur Entlastung ist groß.
- Ich konnte nichts dafür. Es ist mir halt passiert.
- Ich stehe dazu. Ein jeder Mensch macht Fehler. Ich auch.
- Was willst Du denn. Du bist doch auch nicht besser.
- Wer ohne Sünde ist werfe den ersten Stein. Wir sind doch alle, alle kleine Sünderlein.
Und irgendwo dazwischen stehen wir alle.

1.4 Schon Paulus widmet sich diesem Thema. Ich denke, dass er als religiöser Mensch sehr wohl um seine Unvollkommenheiten wusste. Er war als Pharisäer groß geworden und getrimmt, konsequent die Gebote einzuhalten. Ganz folgerichtig kannte er auch Scheitern. Hatte sich daran etwas geändert, als er Christ wurde? Gewiss nicht. Denn auch der Weg der Nachfolge Jesu lebt von Entschlüssen, die ich fasse, und der Umsetzung mit Erfolg oder Scheitern.
Was sagt Paulus den Christen, die er in der Seelsorge begleitet? Wie gehen wir mit unseren Unvollkommenheiten um und mit denen der anderen? Schauen wir uns den Text an. Es führt weiter.


2.1 Zunächst einmal spricht Paulus nicht von Silvesterbeschlüssen, die im Neujahrskater enden. Er spricht von dem Gewinn, den Christen in ihrem Leben haben, die sich für ein Leben in der Kraft des Glaubens entscheiden. Der Entschluss, dem auferstandenen und lebendigen Jesus zu folgen, führt zu einer tiefgreifenden Verwandlung im eigenen Leben. Um diese Verwandlung zu beschreiben greift Paulus auf eine alte Geschichte zurück, die jedem Juden bekannt war und ist.

2.2 Als Mose die zehn Gebote im Gespräch mit Gott empfangen hatte, wollte im Anschluss daran keiner mehr mit Mose reden. Warum? Durch die Begegnung mit dem Ewigen hatte sich sein Gesicht verändert. Es strahlte so, dass alle von diesem Leuchten zurückwichen. Mose war Praktiker. Er legte sich eine Decke über das Gesicht. Dann konnte er mit allen sprechen. Wenn er mit Gott sprach und betete, nahm er sie wieder ab.

2.3 Damit vergleicht Paulus jeden Christen. Die Begegnung mit Gott lässt das Herz leuchten.
Wenn es finstere Abgründe in unserem Herzen gibt, dann sagt Jesus: Gib sie mir. Ich nehme sie auf mich. Dafür bin ich am Kreuz gestorben. Für dich ist mein Kreuz eine Brücke zum Leben. Ich bringe da Licht rein. Ich nehme es weg. Wo dein Abgrund war fängt der Himmel an zu strahlen. Wer das erlebt hat, dem wird das Gesicht hell. Der bekommt eine andere Ausstrahlung. Der versteht das Phänomen bei Mose. Und das beschränkt sich nicht auf Dunkles in uns.

2.4 Wem Gott ins Herz lacht, der kann weiter denken. Auch die Erkenntnis wird verwandelt. Es ist ein Unterschied, ob jemand immer nur zum Negativen denkt. Oder ob jemand von der lichten Gegenwart Gottes berührt Lösungen sucht, Hoffnung weckt, Mut macht, ein gutes Ziel steckt.
Christen sind von einer solchen Erkenntnis erleuchtet, schreibt Paulus. Der Glanz - nicht nur des Mose, der Gott erlebt hat - der Glanz Jesu Christi des Auferstandenen ruht in ihnen. Das ist mehr als Mose. Das ist ein Glanz der Herrlichkeit Gottes, wo der Tod nicht mehr zählt. Morgenglanz der Ewigkeit. Leuchtend weiß von lebendiger Kraft strahlt alles Ewige. Das ruht in unserem Herzen. Christen denken zum Licht hin, zur Erlösung.

2.5 Also, sagt Paulus, da fangen wir an. Wecken wir es in uns. Entdecken wir es. Leben wir es. Wir haben einen großen Herrn. Und der lebt mit Seinem Geist in uns. ER ist in unseren Herzen aufgeleuchtet.


3.1 Ja wo denn? Könnte jetzt sofort jemand fragen. Ich sehe das nicht bei mir und nicht bei anderen. Mit diesem Einwand hatte Paulus auch zu tun. Er kannte die Herrlichkeit Gottes. Und er kannte die Stunden und Tage, wo er nichts davon erlebte. Deswegen weiß er, wovon er spricht:
Wir haben diesen Schatz in irdenen Gefäßen. So übersetzt Luther. Wörtlich: zerbrechlichen Gefäßen. Nichts auf dieser Erde ist nicht zerrissen. Auch unser Herz, die edelste Liebe unserer Seele. Der fitteste Körper eines Menschen trägt doch Zerfall in sich.

3.2 Die Wahl Gottes bestand darin: In zerbrechliche Gefäße wie uns Menschen haucht ER Seinen Geist und Seine Liebe. Deshalb sind wir unvollkommene Christen Gottes Kinder. Unvollkommen und doch himmlisch.
Schon in der Schöpfung war es so. In das Chaos der Natur sprach ER: Es werde Licht. Und es wurde licht (6). Gott wählte das Unvollkommene als Wohnung für das Vollkommene. ER tat es immer.
Jesus, der Sohn Gottes, kam im Stall zur Welt.

3.3 Deshalb stehen wir so oft vor einem Scherbenhaufen. Wir zweifeln. Wir fragen: Kann das sein? Sind wir gut genug? Wo ist nur Sein Licht? Wir sehen es nicht. Wir sehen nur Zerbrochenes.
Ja, sagt Paulus. Wir haben diesen Schatz in zerbrechlichen Gefäßen. Deshalb fühlst Du so.

3.4 Aber du kannst wählen. Du kannst auf das Zerbrechen schauen, dann siehst du auch in Zukunft nur das Unvollkommene, bleibst darin stecken. Oder du kannst auf den Schatz sehen, den Gott in dich gelegt hat. Wenn du den anschaust, wirst du Mut und Hoffnung schöpfen. Du wirst aufstehen und neu anfangen. Du wirst mit dem Herrn Taten tun, mit Ihm Neues Denken, Ihn loben und du wirst lachen.
Der Glanz ist der Schlüssel. Gelingt es, diesen Glanz Jesu im eigenen Herzen zu entdecken und bei ihm zu bleiben?


4.1 Warum, Paulus, also dieser Riß zwischen Wollen und Vollbringen? - Damit wir aufstehen lernen und daran deutlich wird, daß das Übermaß der Kraft von Gott und nicht von uns kommt (7). Auch im Vollbringen bleibt ER der Herr und wir demütig abhängig. Sein Glanz ist es, nicht wir.

4.2 Und das soll funktionieren? - Und wie, sagt Paulus. Und er zählt auf was sich im Leben ändert.
8 Von allen Seiten werden wir in die Enge getrieben und finden doch noch Raum; wir wissen weder aus noch ein und verzweifeln dennoch nicht; 9 wir werden gehetzt und sind doch nicht verlassen; wir werden niedergestreckt und doch nicht vernichtet.
Merken wir den Mut in der Not, die Hoffnung in der Angst, die Kraft in der Schwäche? Das macht der Glanz des Auferstandenen, der im Herzen leuchtet.

4.3 Paulus faßt das Gesagte in einem kurzen Bild zusammen. Ein jeder kennt es: Das Kreuz Jesu.
Jede Unvollkommenheit sagt Paulus ist für Christen ein Splitter Seines Kreuzes. Und wir, die anderen, die ganze Welt ist voll davon. Wir tragen diese Splitter mit uns, verletzen uns und andere. Das Sterben Christi tragen wir an uns, solange wir auf dieser Seite der Wirklichkeit leben.
Doch Christen wissen mehr. Am Kreuz Jesu wurde das Böse besiegt. Der Auferstandene lebt. Unser Weg ist, den Glanz des Auferstandenen zu spiegeln. An unserem Leben sollen wir und andere sehen: Wir tragen Jesu Leben in uns. Wir blicken auf das Licht, das durch die Risse dringt. Zerbrechen werden wir. Doch durch die Brüche scheint Liebe, Vergebung, Heilung, Friede. Das ist der Weg des Auferstandenen und derer, die Ihm folgen.

4.4 So stöhnen Christen nicht über gescheiterte Vorsätze. Sie sagen vielmehr: Warum versuchst du es nicht noch einmal.
Und sie wissen noch dabei, warum sie so was sagen.
Und: Sie tun es sogar selbst.


Amen.



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Zuletzt geändert am 21.01.2010 von: (fp)