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Sonntag Septiagesimae
von Pfarrer Friedhelm Peters,
Costa del Sol

(Rückmeldung oder Frage an
Pastor Friedhelm Peters)

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Gottesdienst am 31. Januar 2010

Wettkampf des Glaubens
Einführung der Prädikantinnen Gisela Johannes und Heike Peters

24 Wißt ihr nicht, daß die Läufer im Stadion zwar alle laufen, aber daß nur einer den Siegespreis gewinnt? Lauft so, daß ihr ihn gewinnt.
25 Jeder Wettkämpfer lebt aber völlig enthaltsam; jene tun dies, um einen vergänglichen, wir aber, um einen unvergänglichen Siegeskranz zu gewinnen.
26 Darum laufe ich nicht wie einer, der ziellos läuft, und kämpfe mit der Faust nicht wie einer, der in die Luft schlägt;
27 vielmehr züchtige und unterwerfe ich meinen Leib, damit ich nicht anderen predige und selbst verworfen werde.

1. Korinther 9, 24-27

Liebe Gemeinde!

1.1 Was hat der Glaube mit einem Wettkampf zu tun? So möchte man Paulus fragen. Soll es etwa darum gehen, wer am besten glaubt? Und wie sähe das aus? Oder kämpfen Prädikantinnen und Prädikanten darum, wer es am Besten macht? Soll es darüber Wettstreit unter Christen geben? Ist Konkurrenz jetzt auch im Glauben angesagt? Ist unser Weg zum Himmel doch ein Wettkampfweg?

1.2 Bei fast allen werden die inneren Alarmglocken läuten: Das kann nicht sein. Das stellte alles auf den Kopf, was wir vom Glauben wissen. Doch wenn nicht so, wie meint dann Paulus seine Worte?

1.3 Er wählt das Beispiel des Sportes. Das lag in Korinth auf der Hand. Denn unweit von der Stadt fanden zwar nicht die Olympischen Spiele, wohl aber die nicht weniger berühmten Isthmischen Spiele statt. Ganz Griechenland nahm daran Anteil. Alle vier Jahre wurden die Wettkämpfe ausgetragen, zu denen man sich in Gymnasien Jahr für Jahr vorbereitete. Fünf Disziplinen wurden trainiert: Springen, (Kurzstrecken) Laufen, Diskuswerfen, Leibesringen und Faustkampf. Die Sieger bekamen keine Werbeverträge, wohl aber das damalige Äquivalent: Ruhm und Ansehen. Im Triumphzug wurden sie in ihre Heimat geleitet, wo man sie und sich feierte. Der Kranz aus Fichtenreisern und Eppichblättern galt als Sieges-Trophäe. Für ihn tat man alles.
Monate trainierte man auf seinen Wettkampf hin. Und dieses Training war wie eine Schulzeit. Körperbeherrschung war nur der erste Schritt zu Geistesbeherrschung in Mathematik und Philosophie, die sich für die Erfolgreichen anschloß. Man wußte damals in der Pädagogik noch ein wenig mehr darum, wie wichtig Rhythmus, Disziplin und Ausdauer für das Lernen sind.

1.4 Auf diese Erfahrung greift Paulus zurück. Jedem in Korinth war klar, was Pauls meint, wenn er vom Wettlauf oder einem Faustkampf spricht. Ein jeder kannte die zehn Monats Diät der Wettkämpfer - keinen Alkohol, leichtverdauliche Speise, gutes Fleisch, keinen Geschlechtsverkehr - und ihr tägliches Training. Doch was ist was? Was im Glauben ist für Paulus Wettkampf?


2.1 Zunächst ist klar, daß Paulus die Erlösung nicht mit dem Wettkampf vergleicht. 1 Gerecht gemacht aus Glauben, haben wir Frieden mit Gott durch Jesus Christus, unseren Herrn. 2 Durch ihn haben wir auch den Zugang zu der Gnade erhalten, in der wir stehen (Römer 5, 1.2). So lautet das erste Bekenntnis des Paulus zum christlichen Glauben. Vorbei ist der pharisäische Wettkampf: Wer am Besten schafft zählt für den Himmel am meisten. 27 Kann man sich da noch rühmen? Das ist ausgeschlossen (Römer 3, 27). So Paulus. Erlösung ist kein Wettkampf. Erlösung ist Gnade.

2.2 Das stimmt. Nicht nur die Reformation hat mit der Glaubensleistung Schluß gemacht. Sie sagte: Allein aus Glauben sind wir vor Gott recht. Wer sich auf Leistung oder Werke stützt, der findet nie die Liebe Gottes. Wer aber zu dem Herrn sagt: Ich gehöre Dir, mach mich zu Deinem Kind. Wer so Erbarmung sucht, dem schenkt Gott ganz aus Gnade Gotteskindschaft. Was damals Luther gegen alle Welt durchfocht, das wissen alle Christen tief in ihrem Herzen, die mit dem Herrn tagtäglich leben.
ER spricht und das ist wunderschön. Nie sagt ER: Das tue ich, weil du so tüchtig bist.
ER berührt uns innerlich. Und das ist Labsal. Doch tut ER dies bestimmt nicht wegen meiner Leistung.
ER schenkt Gewißheit der Erlösung: Ich bin Dein Kind. Doch das steht vor jedem Tun aus Glauben.
Er läßt Frieden ins Leben fließen. Lichte Zufriedenheit entsteht. Das kann kein Mensch bezahlen.

2.3 Also. Die Erlösung wird nicht von uns erstritten. Jesus hat das ein für alle Mal für uns getan. Dafür ist Paulus selbst der beste Zeuge. Was wird dann aber im Glauben durch Wettkampf noch erfochten? Machen wir uns das doch am besten im Bild klar.


3.1 Da ist die merkwürdigste Arena der Welt. Eine Laufbahn. Auf den Rängen sitzen Engel. Man sieht auch noch einige andere ehrwürdige Gestalten: Paulus ist da. Und natürlich auch Abraham und Jesaja. Sie alle sehen auf das Wettkampffeld. Und da stehen sie am Start. Ja wer denn? Unser Blick richtet sich auf die Läufer. Unglaublich: Es sind Sie und ich und noch viele andere. Wir stehen da. Frohgemut im weißen Trikot der Tauffarbe. Locker, leicht. Vor allem aber von Herzen froh.

3.2 Dann geht der Blick noch näher heran, so daß wir hören können: Ich bin ein Gotteskind, sagt jemand. Ist das nicht ein fantastisches Geschenk. Ich brauche keinen Schritt mehr zu laufen in diesem Stadion meines Herrn. Alles gehört Ihm. Ich steh schon jahrelang am Start und freue mich immer noch. -
Aber es wird doch zum Wettkampf aufgerufen. Da steht dein Starter, der die Startpistole lange erhoben hat und auf dich wartet. -
Das ist das Stadium der Erlösten. Die rennen nicht, die kämpfen nicht, die sind am Start schon wie am Ziel. Ich habe doch schon den Siegespreis: Meine Erlösung.

3.3 Peng! Macht es. Einige laufen los. Sie waren noch gar nicht lange da. Ihr Startschuß fiel. Sie liefen. Und auf der Anzeige über allen war zu lesen: Wettlauf der Erlösten. -
Was für ein Unsinn da steht, sagen einige. Theologisch alles falsch. Erlöste laufen nicht. - Lies doch darunter, sagt ein anderer: Den Start als Erlöste verpassen zum Teil seit vielen Jahren folgende Wettkämpfer. Sieh mal die lange Liste. Und ich, ich stehe da auch. Wie kann das sein? -
Da sagt ein anderer: Seht doch wie dieser Wettlauf heißt. Dabei wies er auf die großen Lettern der Überschrift. Und alle konnten lesen: Wettlauf zur Vollendung. Nur Erlöste sind startberechtigt.

3.4 Dann sieht man eine ganze Gruppe von Engeln aufspringen, die den Läufern hinterher blicken. -
Noch einen Schritt der Liebe, noch einen, so rufen sie. Und man sieht, wie die Kämpfer offensichtlich mit unsichtbaren Hindernissen zu tun haben. -
Spring, vergib! Von ganzem Herzen: Vergib! So tönt es von der Empore. Dann schaffst du es. -
Wenn er nur hören würde, so hört man Jesaja erstaunlich laut flüstern. Wenn er nur auf das Wort hören würde, das er kennt. Er würde dem Gegenwind nicht so viel Respekt zollen. -
Liebe, liebe, so tönt der Sprechchor jetzt. -
Nur Paulus blickt traurig zu dem Kreis der Startverweigerer. Ich habe es doch extra aufgeschrieben. Vollendung ist das Ziel erlöster Christen, nicht Selbstzufriedenheit der Erlösung. Geschenkte Gnade ist doch nur der erste Schritt. Als ob ein Baby fertig wäre. Mit der Erlösung fängt doch alles an.


4.1 Was ist der Wettkampf, für den Paulus wirbt? Der Wettkampf der Liebe zu Gott und zu den Menschen. In diesem Wettkampf stehen wir, wenn wir vom Herrn aus leben. Mal ist das ein grader Weg. Mal ist das ein Kampf, es geht durch viele Kurven und bergauf. Mal fließt es uns aus dem Herz. Mal geht uns gegen den eigenen Strich. Mal sind wir fit. Mal wissen wir nicht, ob wir noch einen Schritt weiter kommen. Dann kämpfen wir: Einen Schritt der Liebe. Noch einen.

4.2 Beim Training entstehen die Früchte des Glaubens: 22 Die Frucht des Geistes aber ist Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Güte, Treue, 23 Sanftmut und Selbstbeherrschung; … 24 Alle, die zu Christus Jesus gehören, haben … ihre Leidenschaften und Begierden gekreuzigt (Galater 5, 22.23). Und als Erfrischung werden vom Laufbahnrand die Gaben des Geistes gereicht. Damit nur keiner aufgibt bei dieser Strecke von der Erlösung zur Vollendung.

4.3 Und was ist der Siegespreis? Nicht die Erlösung. Mit der starten wir.
Himmlische Berufung, nennt Paulus diesen Ehrenkranz. Stehen vor dem Thron Gottes, im Glanz Seiner Herrlichkeit und Liebe. Und ER sagt: Du bist über Wenigem getreu gewesen. ICH will dich über Vieles setzen. Der Herr braucht dich als Werkzeug jetzt und in der Ewigkeit. Für die Wettkämpfer der Liebe liegt dieser himmlische Lohn bereit.


5.1 Da möchte ich bei sein, sagt Paulus. Darum laufe ich. Mit der Erlösung im Rücken.
Und er wirbt darum, daß viele diesen Liebeslauf mit dem Herrn beginnen, laufen und nicht aufgeben.

5.2 Heute sind Gisela Johannes und Heike Peters als Prädikantinnen zum Dienst in der EKD eingesegnet worden. Zum Wettkampf der Liebe, auch in dieser Aufgabe.
Auch im Prädikantinnendienst könnt Ihr in der unsichtbaren Arena unseres Herrn laufen. Achtet auf die Winke, die Euch stützen. Gebt nicht auf, Schritte der Liebe zu tun und dazu anzuleiten. Steht auf, wenn ihr zu Fall gebracht werdet. Freut euch auf den Siegeskranz des Herrn, der alles übersteigt, was wir auf dieser Erde üben. Die Läuferinnen im Wettkampf der Liebe wurden früher Diakonissen genannt. Versteht Ihr es so, dann trägt es bei auf dem Weg zur Vollendung vor den Thron des Herrn.

5.3 Berufen für den Dienst der Liebe. Das ist der Wettlauf der Erlösten, von dem Paulus spricht.


6.1 Das Bild schließt sich. Keine Arena. Kein Engelpublikum. Kein Siegespreis. Nur Sie und ich, so wie wir heute sind und leben.

6.2 Doch Paulus hat uns die Augen geöffnet für eine tiefere Wirklichkeit. Was wird aus unserem Leben, wenn wir bei diesem Wettkampf zur Vollendung mitlaufen? Ist das nicht eine himmlische Chance, im wahrsten Sinne des Wortes.


Amen.



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Zuletzt geändert am 27.01.2010 von: (fp)