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Sonntag Sexagesimae
von Pfarrer Friedhelm Peters,
Costa del Sol

(Rückmeldung oder Frage an
Pastor Friedhelm Peters)

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Gottesdienst am 7. Februar 2010

Lebendig - kräftig - schärfer - durchringend - richtend

12 Denn lebendig (1) ist das Wort Gottes, kraftvoll (2) und schärfer (3) als jedes zweischneidige Schwert; es dringt durch (4) bis zur Scheidung von Seele und Geist, von Gelenk und Mark; es richtet (5) über die Regungen und Gedanken des Herzens;
13 vor ihm bleibt kein Geschöpf verborgen, sondern alles liegt nackt und bloß vor den Augen dessen, dem wir Rechenschaft schulden.

Hebräer 4, 12-13

Liebe Gemeinde!

1.1 Kennen Sie noch Ihren Konfirmationsspruch? Ist Ihnen, falls Sie getraut wurden, Ihr Trauspruch noch gegenwärtig? Wissen Sie um Ihren Taufspruch? - Warum sind diese Worte wichtig?
Wenn wir das Leben überdenken, dann merken wir: Die Worte sind wie Wegweiser. Sie zeigen eine Richtung. So lief es. So wird es laufen. Sie haben uns über Jahrzehnte treu begleitet, selbst wenn wir sie vergaßen. Für manches sind sie wie ein Schlüssel, wenn auch oft erst im Nachhinein. Sie sind für uns lebendig. - Wenn Sie die Worte nicht mehr kennen, erforschen Sie sie neu. Suchen sie es.

1.2 Warum ist so ein Wort lebendig? Gott redet durch so ein Wort.
ER ist für uns ein Hirte, der uns bewahrt, zur Lebensquelle leitet und uns dann führt. Das macht ER durch Sein Wort. Das stärkt, es tröstet, führt und leitet. Deswegen gehört es in das Leben jedes Christenmenschen, genauso wie das Duschen und die Tasse Kaffee oder Tee am Morgen.

1.3 Die Konfirmanden lernen Bibelworte so zu lesen, dass sie den Pin-Code Gottes darin finden. Das ist das Wort, was eine Botschaft freischaltet, wie beim Handy. Was ist der Pin-Code Gottes in dem Bibelwort für mich? Was sagt mir heute Gott durch Sein lebendiges Wort?

1.4 In unserem Predigttext werden 5 Dinge freigeschaltet, die Gottes Wort uns tut. Wir schauen. Es sind 5 Selbstvorstellungen. Sie gleichen den 5 Säulen, die vor dem Eingang des Heiligtums im Tempel standen. Durch sie musste ein jeder gehen, der in die Gegenwart des Heiligtums eintreten wollte.


2.1 Lebendig ist das Wort Gottes: zoon, steht da im Urtext, von zao - lebendig sein.
Der Hintergrund führt uns zum feurigen Flammenschwert, das in der Hand des Cherubim das Paradies bewachte. Adam und Eva wurden aus ihm vertrieben. In Genesis 4, 16 wird dies beschrieben: Er trug die Flamme des wirbelnden Schwertes. Das war lebendig, zoon. Lebendig durch die Herrlichkeit Gottes, die Schekunah, die Ursache alles Lebens.

2.2 Es ist eine andere Art der Lebendigkeit als unsere Fitness. Es ist die Quelle des Lebendigen, Gottes Herrlichkeit, der unsere Welt in Liebe schuf, erhält und erlöst. Es ist der Sinn in allem, der Leben und Tod umfasst und uns Zukunft schenkt. Es ist die Kraft, die den Weg zum Baum des Lebens bewacht.

2.3 Wenn uns Wasser im Mund zusammenläuft, dann liegt in der Regel was Leckeres auf dem Teller. Wenn uns das Wasser des Geistes erquickt, dann wird uns Gottes Wort lebendig. Es redet. Wie beim Essen: Man muss schon hingucken und zugreifen. So beim Glauben: Wort Gottes lesen und annehmen.
Deswegen: Täglich ein Wort Gottes! Es ist und macht lebendig in ganz tiefer Weise.


3.1 Zweite Selbstvorstellung: Gottes Wort ist kräftig. Energäs - wirksam, steht dort im Griechischen.
Energie ist ein Schlüsselwort. Wir haben sie im Übermaß und verschwenden sie auch im Übermaß. Denken Sie mal, wie hier in Südspanien ein Salat wächst und verpackt in Deutschland über die Theke geht. Energetischer Wahnsinn. Und gleichzeitig suchen viele Menschen nach neuen Energien. Leer gebrannt fragen sie danach, was sie neu aufbaut. Die Esoterik interessiert viele genau aus diesem Grund. Finde ich dort für mich neue, noch unentdeckte Energie?

3.2 Der Heilige Geist im Wort Gottes ist Energie. Gottes Wort stellt sich uns als wirksam, energäs, vor. Wie geschieht dies? -
Der Heilige Geist baut unseren Willen auf, der Wahrheit zu gehorchen. Abweichungen im Leben werden korrigiert, das Ziel neu angefasst. Bei Fehlern lässt uns der Heilige Geist umkehren.
Der Heilige Geist stärkt in uns Hoffnung. Eine Hoffnung die hell ist, nicht verzweifelt.
Der Heilige Geist wärmt uns, taucht uns in Liebe ein. Ich bin geliebt, gewollt von meinem Herrn.
Der Heilige Geist bettet das Göttliche in uns in ganz normale Alltagswirklichkeit des Lebens.
Das alles ist Energie pur. Das macht Mut. Das baut auf.

3.3 Als Christen täglich die Verheißung Gottes ernst nehmen: Du Herr hast doch gesagt: … . Energie.


4.1 Die dritte Selbstvorstellung: Schärfer ist Gottes Wort, tomoteros - Komperativ von tomos, scharf.

4.2 Der Kirchentag in Köln 2007 hatte sich dem Thema gewidmet. Ein am Wort Gottes geschärftes Gewissen haben. Wie geht das? -
Wir werden wieder ins Alte Testament geleitet, zur Opferung des Isaak. Genesis 20. 6 und 10 spricht vom Opferwerkzeug des Schwertes, Opfermesser, machaira. Das ist gemeint, wenn die Übersetzung vom zweischneidigen Schwert spricht. Es wurde später am Brandopferaltar gebraucht, bevor der Weg ins Heiligtum des Tempels frei war.

4.3 Geistlich hat dies folgende Bewandtnis. Der Weg in Gottes Nähe schließt unser Opfer ein. Gebt euer Leben als lebendiges Opfer hin, so Paulus. Warum ist das so? Und worin besteht unser Opfer in der Nachfolge Jesu?
Nur wenn wir Gott die Lebensfrüchte unseres Lebens hinlegen kann Seine Frucht daraus werden.
Nur wer sein Leben hingibt wird es als Segen von Gott empfangen.
Nur wer sagt: Du bist Mein Herr, wird Vollmacht im Glauben gewinnen.
Denken sie an das Friedensgebet von Franz von Assisi: Herr, mach mich zu einem Werkzeug Deines Friedens. Das ist ein Opfergebet. Als solches setzt es Leben frei.

4.4 So gibt es keinen Glaubensweg mit Gottes Wort, in dem nicht unsere eigene Seele als Nummer Eins des Lebens abgetrennt wird von unserem Geist. Das ist wie sterben, hingeben, opfern. Doch dann wird Gottes Geist in unserem die Nummer Eins. ER gibt der Seele neue Kraft, himmlische Kraft. Sie lebt, sie lebt sogar viel besser als unter eigener Regie.

4.5 Flieh vor jedem Opfer, aber nie vor dem, was Gott dir abverlangt. Anders gesagt: Spring Gott nicht von der Töpferscheibe, wenn ER sie dreht, um dich zu formen. Wort Gottes, es schließt Opfer ein.


5.1 Die vierte Selbstvorstellung: Das Wort Gottes dringt durch. Düknumenos steht dort. Und das erinnert an eine alte Geschichte in Richter 3, 16. Der Moabiterkönig Eglon, Feind Israels, war so dick, dass sein Fett ihn wie ein Panzer schützte. Als Ehud, Israels Gesandter, vorgab, ihn alleine sprechen zu müssen, tötete er den Tyrann. Er steckte ihm ein zweischneidiges Schwert in seinen Bauch, das darin ganz verschwand. Das Schwert aber durchdrang alles.

5.2 Fett ist in geistlicher Bedeutung stets ein Bild für Stolz. Hochmut, Moab bedeutet Hochmut, kommt oft in Stolz daher. Stolzer Hochmut, wie oft begegnet er uns bei anderen. Und andere erkennen oft viel schneller, wo Stolz und Hochmut bei uns sind.

5.3 Das Wort Gottes lässt dies nicht durchgehen. Es lässt Demut wachsen. Es dringt durch Stolz und Hochmut und bringt ihn um. In uns. Immer nur in uns. Und wenn Gott will, dann auch im anderen. Aber das entscheiden nicht wir. Tersteegen sagt in seinem Lied mit Recht: Du durchdringest alles. Düknumenos ist Gottes Wort. Lassen wir es uns gefallen, wenn es uns so trifft.


6.1 Die fünfte Selbstvorstellung, die fünfte Säule vor dem Heiligtum: Das Wort Gottes richtet unsere Gedenken. Kritikos steht dort im Urtext - Richter. Richter, nicht Ankläger. Was richtet es?

6.2 Vieles in unserem Leben tun wir überhaupt nicht aus dem Glauben heraus. Wir folgen unseren seelischen Interessen. Darüber hinaus denken wir nicht nach.
Doch tritt Gottes Wort in unser Leben, kommt eine weitere Ebene hinzu. Plötzlich fragen wir in unserem Geist, dem Herzen: Was ist vom Herrn aus eigentlich richtig, notwendig, schön, angesagt? Was sollte ich lassen, weil es nicht mehr zu dem passt, was Gottes Wort mir sagt? Gottes Wort richtet uns aus. Es richtet, was von Ihm her falsch ist. Es bestätigt, was von Ihm aus gut tut.

6.3 Wir können uns dann immer noch auch selbst betrügen. Gottes Wort ist kein Tyrann. Es zwingt uns nicht. Doch es sagt leise: Ch, Ch. Das war es nicht. Auf diese Stimme sollen wir hören. Das ist der Richter-Hinweis.

6.4 Wir können es ganz leicht von unserem Gewissen unterscheiden. Unser Gewissen verklagt. Gottes Wort, es richtet aus. Wer weise ist, der nimmt den Hinweis an. Ist es nicht gut, einen himmlischen Coach zu haben?


7.1 Lebendig - kräftig - schärfer - durchdringend - richtend. So ist Gottes Wort. Fünf Eigenarten. Fünf Säulen vor dem Heiligtum, durch die wir in die Gegenwart Gottes treten.

7.2 Der Hebräerbrief ist kein Anfängerkapitel. Er schildert Glaubensschritte für Menschen, die mit Jesus leben. Mit dem Herrn unterwegs zu Seinem Ziel. Der Hebräerbrief nennt das Sabbat-Ruhe im Glauben. Das ist dann, wenn wir vor Gott sind und ER alles ansieht und sagt: Siehe, es ist sehr gut. Ein ewiger Sabbat.

7.3 Gottes Wort will uns dahin bringen. Und es bringt alles mit, was dafür nötig ist. Deshalb: Keinen Tag ohne ein Wort von IHM.


Amen.



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Zuletzt geändert am 03.02.2010 von: (fp)