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Sonntag Invokavit
von Pfarrer Friedhelm Peters,
Costa del Sol

(Rückmeldung oder Frage an
Pastor Friedhelm Peters)

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Gottesdienst am 21. Februar 2010

Hohepriester Jesus

14 Da wir nun einen erhabenen Hohepriester haben,
der die Himmel durchschritten hat, Jesus, den Sohn Gottes, lasst uns an dem Bekenntnis festhalten.
15 Wir haben ja nicht einen Hohepriester,
der nicht mitfühlen könnte mit unserer Schwäche, sondern einen,
der in allem wie wir in Versuchung geführt worden ist, aber nicht gesündigt hat.
16 Lasst uns also voll Zuversicht hingehen zum Thron der Gnade,
damit wir Erbarmen und Gnade finden und so Hilfe erlangen zur rechten Zeit.

Hebräer 4, 12-13

Liebe Gemeinde!

1.1 Jesus trägt viele Ehrennamen. Er ist der Christus, der Gottessohn, der Menschensohn, der Messias. Weiter kennen wir IHN als Licht der Welt, als Brot des Lebens, als den Weg, die Wahrheit und das Leben, die Frucht des Lebensbaumes vom Paradies.
Ein Ehrenname begegnet uns in unserem heutigen Text, den manche von Jesus gar nicht kennen. Wenn doch, dann fällt es schwer damit etwas zu verbinden. Jesus der Hohepriester.

1.2 Der Hebräerbrief, aus dem unser Wort stammt, ist ein Katechismus für Fortgeschrittene. Er erklärt die Geheimnisse des Glaubens und der Person Jesu anhand der Geheimnisse des jüdischen Gottesdienstes und Tempelkultes. Der Alte Bund steht Pate für den Neuen, das Alte Testament erklärt das Neue. Was in Israel durch irdische Regeln im Kult praktiziert wurde ist Blaupause der Dinge, die mit Jesus im Neuen Bund Gottes im Geist Realität geworden sind. Ein faszinierender Entwurf.
Geschrieben wurde er in der Zeit als man das erste Feuer der Nachfolge Jesu durch Gewöhnung verlor. Man musste sich entscheiden: Folge ich der nächsten interessanten Unterhaltung und Erbauung. Oder grabe ich weiter und mache Ernst. Für Christen bleibt das stets eine Frage.

1.3 Das große Thema des Hebräerbriefes ist nun genau unser Anliegen: Jesus der Hohepriester. Worum es dabei geht sei entscheidend für das Wachsen im Glauben, für einen Glauben, der nicht nur Babynahrung zu sich nimmt. Fragen wir also nach der Bedeutung von Jesus als dem Hohenpriester.


2.1 Neben vielen Priestern gab es in Israel einen, der der Hohepriester genannt wurde. Sein Vorbild war der Bruder Moses: Aaron. Der Hohepriester hatte zwei Aufgaben.

2.2 Einmal im Jahr, am großen Versöhnungstag, geht er stellvertretend für das ganze Volk Gottes ins Allerheiligste, den dritten, innersten Bereich der Stiftshütte und später des Tempels (Levitikus 16). Dort bittet er um Vergebung für die Sünde des ganzen Volkes. Den einen Sündenbock hat er zuvor im Vorhof, dem ersten, äußeren Bereich, dargebracht, den anderen in die Wüste geschickt. Mit der Antwort Gottes tritt er dann hervor. Vor dem gesamten, versammelten Volk verkündet er Vergebung und Erlösung als Segen des Herrn.
Stellvertretende Bitte um Versöhnung und Spende des Segen im und aus dem Allerheiligsten gehörten zu seinen Aufgaben. Nur er konnte das vollbringen. Niemand anderes durfte in das Allerheiligste.

2.3 Der Hohepriester war leicht an seiner Kleidung zu erkennen: Sein Gewand (in Exodus 28 und 39 genau beschrieben) bestand aus einem (blauen) Obergewand (Aufsicht in himmlischer Gesinnung), an dem Granatäpfel (Fruchtbarkeit) und goldene Glöckchen (Kirchenglocken, Evangelisation) hingen. Neben dem Schulterkleid (Berufung zum Dienst) trug er das Brustschild (Fülle der Wahrheit), eine Schmuckplatte mit zwölf Edelsteinen (Leben aus dem Geist), die jeder einen Stamm des Volkes Gottes repräsentierten. In der Kopfbedeckung war eine goldene Stirnplatte (Siegel des Geistes) mit der Inschrift eingelassen: Heilig dem Herrn.

2.4 Das alles war schon prächtig anzusehen. Doch am großen Versöhnungstag war es anders. Da trug er nur einen einfachen weißen Leinenumhang (den Erlösten angerechnete Gerechtigkeit Gottes). Er war nichts anderes als jeder andere im Volk von seiner äußeren Erscheinung. Als solcher trat er vor das Angesicht des Herrn.


3.1 Mit diesem Hohenpriester wird nun Jesus verglichen.

3.2 Wir wissen, Jesus wird auch als Priester bezeichnet. Aber Er ist nicht ein normaler Priester, der das Opfer eines anderen darbringt. Er ist ein besonderer Priester. Denn Er bringt als Opfer sich selbst, Sein Leben als ein Lösegeld für viele. Als solchen bezeichnet Johannes der Täufer Ihn als Lamm Gottes, welches hinweg trägt die Sünder der Welt. Sein Tod am Kreuz gilt seitdem als priesterlicher Dienst, bei dem Er sich selbst opfert, Lamm Gottes wird. Er als Priester ist auch selbst das Opfer.
Das ist Seine stellvertretende Erlösung für uns. Er für uns.


4.1 Doch worin ist Er Hohepriester? Was ist damit gemeint?

4.2 Hier verlassen wir das Wissen um unsere Erlösung durch Jesu stellvertretenden Tod am Kreuz. Wir werden mitgenommen von dem Auferstandenen zu Seiner Himmelfahrt, dorthin wo Er jetzt ist. Wo ist Er jetzt? Zur Rechten des Vaters, vor Seinem Angesicht, in der Ewigkeit, im Allerheiligsten. Das ist nicht hier auf Erden, auf dieser Seite der Wirklichkeit. Hier ist es immer nur eine blasse Kopie von dem Ort, wo Gottes Ehre wohnt. Vor Gott steht Jesus, als der erste auferstandene Mensch in der Ewigkeit. Ich gehe hin, um euch die Stätte zu bereiten (Johannes 14, 3).

4.3 Was tut Er da? Zwei Dinge.
Er bittet für uns: Vater, vergib ihnen. Sieh nicht auf ihre Sünden. Sieh auf das Opfer meines Lebens, das Ich für sie gebracht habe. - Und dabei hält Er vor Seinen himmlischen Vater die Hingabe Seines Lebens am Kreuz stellvertretend für uns.
Das ist Seine erste Arbeit. Der große Versöhnungstag im Himmel jeden Tag. Für Sie, für mich. Wie gut, dass Er das tut. Wo wären wir sonst. Der Seher Johannes sah Jesus genau so als das Lamm (Offenbarung 5, 6) vor dem Thron.

4.4 In Seiner zweiten Aufgabe spendet Er Segen für Seine ganze Kirche, für Sie, für mich. Warum ist der Segen eigentlich frisch, aktuell und jeden Morgen neu? Weil Jesus ihn jeden Tag neu gibt. Seine Güte hört niemals auf. Auch jetzt ist Er da und segnet uns. Immer während. Dies hat Er zuvor gesagt: Ich will den Vater bitten, und Er wird euch einen anderen Tröster senden (Johannes 14, 16). Die ständige Erfüllung mit dem Heiligen Geist ist das jeweils aktuelle Geschenk vom Thron Gottes.


5.1 Das Werk Jesu in der Passion auf Erden war Sein priesterlicher Dienst. Das Werk Jesu jetzt im Himmel ist Sein hohepriesterlicher Dienst. Sein Wirken dauert an im wahren Allerheiligsten.
Er ... sitzend zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters. So heißt es im Glaubensbekenntnis. Als unser Hohepriester ist Er dort nicht arbeitslos. Gott sei Dank spricht Er dort für uns und Er segnet uns. Als Sündenbock wurde Er auf Erden - im Vorhof - geopfert. Als Hohepriester tritt Er im Himmel - im Allerheiligsten - mit Seinem Opfer für uns ein.

5.2 Was uns im Abendmahl auf Erden angeboten wird: Sein Leben für uns. Das findet im Himmel seine Entsprechung: Mein Leben für sie. Die Feier des heiligen Abendmahls auf Erden entspricht dem hohepriesterlichen Dienst Jesu im Himmel: Er für uns.


6.1 Wenn Ihnen diese Worte zu hoch und abgehoben vorkommen, dann möchte ich noch auf eine hilfreiche Kleinigkeit hinweisen. Sie erinnern sich. Der Hohepriester trat nicht im Festgewand bei seiner wichtigen Aufgabe ins Allerheiligste, sondern im weißen schlichten Leinengewand, normal. Dieses Zeichen nimmt unser Text auf. Es heißt dort: Wir haben ja nicht einen Hohenpriester, der nicht mitfühlen könnte mit unserer Schwäche, sondern einen, der in allem wie wir in Versuchung geführt worden ist (15).

6.2 Als normaler Mensch steht Gottes Sohn vor Gott. Mitfühlend - Er weiß, was ich empfinde. Versucht wie wir - Er kennt, was mich bedrängt.
Was Jesus da tut ist nicht fernab. Er bringt mein Leben jetzt vor Gott. Er gibt mir heute, was ich als Segen brauche. Er ist jetzt für mich da. Das ist Sein Hohepriesterdienst. Er schenkt mir Sein weißes Kleid der Gerechtigkeit vor Gott. Die Taufe ist dafür Zeichen. Seine Erlösung jetzt. Sein Segen jetzt. Ich darf es jetzt nehmen.


7.1 Dass ein solcher Hohepriester kommen würde, der einen Dienst vor Gott im Himmel für alle Menschen in alle Ewigkeiten tut und nicht nur zeitlich einmal pro Jahr für ein Volk, das ist im Alten Testament schon angedeutet.

7.2 Dafür spricht Melchisedek, der König von Salem, der Priester Gottes (Genesis 14, 18-20). Dort finden wir, was er dem siegreichen Abraham noch an viel Größerem schenkte: Brot, Wein und Segen. In den Psalmen heißt es: Du bist ein Priester in Ewigkeit nach der Weise Melchisedeks (Psalm 110, 4). Christen haben Melchisedeks Handeln stets auf das Wirken Jesu jetzt im Himmel bezogen. Die Worte Jesu dazu in Johannes 17 werden deshalb auch als hohepriesterliches Gebet bezeichnet.

7.3 Der Ehrenname Jesu als Hohepriester schließt alles ein, was Sein Wirken ausmacht: Sein Werk auf Erden, dass Er vollbracht hat, und Sein Werk im Himmel, das Er jetzt vollbringt. Für uns. -
Jesus, Du Hohepriester. Danke.


Amen.



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Zuletzt geändert am 05.02.2010 von: (fp)