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Sonntag Reminiszere
von Prädikantin Gisela Johannes,
Costa del Sol

(Rückmeldung oder Frage an
Prädikantin Gisela Johannes)

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Gottesdienst am 28. Februar 2010

Gerecht aus Glauben

1 Gerecht gemacht aus Glauben, haben wir Frieden mit Gott durch Jesus Christus, unseren Herrn. 2 Durch ihn haben wir auch den Zugang zu der Gnade erhalten, in der wir stehen, und rühmen uns unserer Hoffnung auf die Herrlichkeit Gottes. 3 Mehr noch, wir rühmen uns ebenso unserer Bedrängnis; denn wir wissen: Bedrängnis bewirkt Geduld, 4 Geduld aber Bewährung, Bewährung Hoffnung. 5 Die Hoffnung aber lässt nicht zugrunde gehen; denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist.
6 Christus ist schon zu der Zeit, da wir noch schwach und gottlos waren, für uns gestorben. 7 Dabei wird nur schwerlich jemand für einen Gerechten sterben; vielleicht wird er jedoch für einen guten Menschen sein Leben wagen. 8 Gott aber hat seine Liebe zu uns darin erwiesen, dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren. 9 Nachdem wir jetzt durch sein Blut gerecht gemacht sind, werden wir durch ihn erst recht vor dem Gericht Gottes gerettet werden.
10 Da wir mit Gott versöhnt wurden durch den Tod seines Sohnes, als wir noch (Gottes) Feinde waren, werden wir erst recht, nachdem wir versöhnt sind, gerettet werden durch sein Leben. 11 Mehr noch, wir rühmen uns Gottes durch Jesus Christus, unseren Herrn, durch den wir jetzt schon die Versöhnung empfangen haben.

Römer 5, 1-11

Liebe Gemeinde!

Wissen Sie, was ein Dominoeffekt ist? Seinen Namen hat der Dominoeffekt von einem Geschicklichkeitsspiel mit den Steinen des Dominospiels. Die Steine sind hochkant in einer Reihe so aufgestellt, dass beim Umwerfen des ersten Steins dieser den zweiten umwirft und so weiter. Vielleicht haben Sie ja am 9. November 2009 im Fernsehen die Feier zur zwanzigjährigen Öffnung der Berliner Mauer gesehen. Da hatten Menschen in aller Welt sogenannte Dominosteine bemalt. Diese waren alle in einer Reihe aufgestellt entlang der ehemaligen Mauertrasse. Jeweils am Ende der Reihe wurde ein Stein umgestoßen. Vor unseren Augen entwickelte sich ein raffiniertes Schauspiel. Der fallende Stein stieß den jeweils nächsten Stein an. Die liegenden Steine bildeten eine lange Kette. Faszinierend anzuschauen!

An einen solchen Dominoeffekt musste ich denken, als ich unseren heutigen Predigttext las. Da ergibt sich das eine aus dem anderen.

Bedrängnis bringt Geduld, Geduld aber Bewährung, Bewährung aber Hoffnung. Ist das ein Dominoeffekt des Glaubens? Und wenn ja, wer oder was gibt den Anstoß, dass sich die Kette des Glaubens in Bewegung setzt? Der Apostel Paulus spricht in unserem Predigttext von seinen Erfahrungen mit dem Glauben und dem Leben. Lassen Sie uns seinen Worten nachspüren.

Gerecht durch den Glauben, das war Luthers große, revolutionäre Erkenntnis. Das warf alles um, was die damalige Kirche den Menschen verkündete. Das alles beherrschende Thema war Angst. Die Angst der Menschen, sich am Ende ihres Lebens vor Gott rechtfertigen zu müssen. Die Angst, im Leben viele Fehler zu machen, kein gottgefälliges Leben zu führen, und vor Gott dem Richter nicht bestehen zu können. Diese Angst hat die Kirche damals verstärkt. Sie hatte große Macht über die Menschen und hatte viele Verhaltensregeln entwickelt, wie man vor Gott gerecht werden könne.

Schluss damit, sagte die Reformation. Allein der Glaube an Jesus Christus unseren Erlöser zählt. Keine Kirche, kein Bischof oder Priester sollte darüber entscheiden, ob der Mensch gerecht vor Gott ist. Allein der Glaube an den Herrn zählt. Vor ihm brauche ich keine Angst zu haben. Durch meine guten Taten lässt Gott sich nicht beeindrucken. Mein Glaube, mein großes Vertrauen in Gottes Liebe, ist der Dreh- und Angelpunkt. Ich brauche keine Opfer zu bringen, um Gott gnädig zu stimmen. Ich muss nicht erst einen Leistungskatalog vorlegen, in dem ich nachweise, was ich in meinem Leben sinnvolles und Gutes getan habe. Mein Glaube ist mein unverrückbares Vertrauen in Gottes Liebe zu mir. Ich weiß, dass Gott Christus in die Welt gesandt hat, um alles das, was in meinem Leben in die Schieflage gerutscht ist, wieder gerade zu rücken. Ich bin Gott nahe, seine Liebe hat mein Herz erreicht. Das reicht aus, um gerecht vor Gott zu sein. Und das befähigt uns zu den guten Werken, an denen man uns erkennen soll.

Damit lebe ich im Einklang, im Frieden mit Gott, durch Christus, der mich erlöst hat. Er ist das Beständige in meinem Leben. Das Angebot seiner Liebe besteht täglich. Es liegt an mir, dazu JA zu sagen. Was ist das für ein Glück!

Dass wir das Glück haben, dass wir in diesem Frieden mit Gott leben dürfen, das ist Gottes Gnadengabe an uns. Gnade erwirbt man nicht, die bekommt man geschenkt. In unserem alltäglichen Leben sprechen wir manchmal davon, dass wir Gnade vor Recht ergehen lassen. Es kommt auch vor, dass wir "gnädig" gestimmt sind, also die Bereitschaft haben, ein bisschen auf unser Recht zu verzichten. Mit Gottes Gnade hat das nichts zu tun. Die ist so groß, dass wir nur staunen können. Denn er hat Christus gesandt, dass er uns erlöse. Gottes Gnade ist die große Umarmung von uns Menschen, die rückhaltlose Liebe, die uns annimmt, wie wir sind. Lassen wir uns doch damit beschenken.

Paulus zufolge ist diese Gnade umfassend. Sie hat in der Hoffnung der zukünftigen Herrlichkeit eine Zukunftsperspektive. Gott will, dass die Gemeinschaft, die wir hier, in unserem irdischen Leben, mit ihm haben, über unseren Tod hinaus weiter besteht. Dann werden wir nicht mehr glauben, sondern schauen, von Angesicht zu Angesicht. Paulus sagt: Im Glauben hast Du die Möglichkeit, im Angesicht des Todes nicht zu verzweifeln. Unsere Hoffnung sollen wir festhalten: Der Tod ist die Tür, durch die wir in Gottes ewige Gemeinschaft eingehen, seine Herrlichkeit schauen. Diese Gnade gilt immer, und das gibt Hoffnung.

Es gibt aber Umstände in unserem Leben, Paulus nennt es Bedrängnisse, wir sprechen heute von Leid, die es schwer werden lassen, unseren Glauben zu leben. Wie allen Menschen geht es Christen nicht nur gut, bleiben sie von Unglück und Krankheit nicht verschont. Wir sehen das bei unseren Brüdern und Schwestern in Haiti. Was sollen diese gepeinigten Menschen, deren Leid buchstäblich zum Himmel schreit, tun? Paulus weicht dieser Situation nicht aus. Aber er hat die Erfahrung gemacht, dass ein glaubender Mensch mit dem Leiden anders umgeht. Die Einwohner von Haiti werden mit Gott ringen im Gebet. Sie werden klagen, Gott anklagen, warum er so unermessliches Leid zulässt. Er ist ihr Adressat im Gebet. Bei ihm können sie alle Verzweiflung, Bitterkeit, ihr Unglück abladen. Er hält es mit ihnen aus, lässt sie nicht allein. So beteuern die Menschen in Haiti immer wieder, dass sie an ihrem Glauben Halt finden trotz des Leids.

Vielleicht stimmen sie Paulus zu, der der festen Meinung ist, dass die Bedrängnisse in unserem Leben Geduld mit sich bringen. Bist Du sicher, würde ich den Apostel fragen. Freilich habe ich schon bemerkt, dass mit Ungeduld Probleme nicht gelöst werden. Aber das ist trotzdem schwer zu ertragen. So halte ich meine Not, mein Leid, meine Bedrängnis, Gott hin. Er sieht mich und ich vertraue darauf, von ihm gehalten zu werden und überlasse ich mich nicht der blanken Verzweiflung. Ich weiß, dass die Mitte der Nacht der Anfang eines neuen Tages ist.

Aus der Geduld erwächst das Geschenk der Hoffnung. Die Hoffnung spüren wir unserem Leben als eine Kraft, die uns durch Herausforderungen und Probleme hindurch hilft. Sie ist wie ein Motor, der uns voranbringt. Diese Kraft sollen wir erfahren und nutzen. "Kleines Senfkorn Hoffnung" heißt es in einem Lied. Hegen und pflegen müssen wir das Pflänzchen Hoffnung. Dann kann es wachsen und uns stark machen. Durch Jesus hat Gott uns diese Hoffnung gegeben.

Wir wissen, dass die Hoffnung verhindert, dass Menschen zerbrechen oder aufgeben. Hoffnung ist ein Lebenselixier, das nach zwei Seiten wirken kann. So hoffen die Menschen, die in diesem Land zu wenig zum Leben haben, auf die Unterstützung durch ihre Mitmenschen. Sie hoffen auf eine warme Mahlzeit in einer Suppenküche. Andere Menschen hoffen auf Arbeit, auf Aufträge für ihren Betrieb, wieder andere auf Gesundheit oder auf gelingende Beziehungen. Es gibt aber auch Menschen, die diesen Hoffenden helfen. Sie bringen einen Hoffnungsschimmer in das Leben ihrer Freunde und Mitmenschen. Beide eint die Hoffnung auf Veränderung der Situation, die aus der Bewährung erwächst.

Aber was ist es, das uns Menschen hoffen lässt? Warum hoffen Menschen auf Veränderung ihrer Lage? Und warum lassen sich wiederum andere Menschen in ihrer Hoffnung nicht beirren? Paulus weist uns auf die Liebe Gottes hin, die unser Herz ausfüllen kann und soll. Geschenkt hat er sie uns durch Christus, der alles Trennende zwischen Gott und uns aus dem Weg geräumt hat.

Und wie geschieht das? Der Heilige Geist, Gottes großes Kraftpaket, richtet sich in unseren Herzen mit der Liebe Gottes ein. Diese Liebe schafft den Glauben, sie spricht uns gerecht, sie gibt uns auch die Hoffnung durch das Tal der Bewährung. Die Liebe Gottes und der Heilige Geist setzen uns in Bewegung als Hoffende und Hoffnungsträger.

Und wie steht es nun um den Dominoeffekt des Glaubens? Ich denke, es gibt ihn. Ich kann dem symbolischen Bild folgen, das mit zeigt, wie die Liebe Gottes der Anstoß ist, der unser Heil, unsere Hoffnung in Bewegung setzt. Öffnen wir uns für diese uns bewegende Liebe.

Friedrich Hölderlin, ein deutscher Dichter um 1800, hat es einmal so gesagt:
Glaube und Liebe und Hoffnung
Sollen nie aus meinem Herzen weichen.
Dann gehe ich, wohin es soll,
und werde gewiss am Ende sagen:
Ich habe gelebt.


Amen.



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Zuletzt geändert am 01.01.2010 von: (fp)