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Sonntag Judica
von Pfarrer Friedhelm Peters,
Costa del Sol

(Rückmeldung oder Frage an
Pastor Friedhelm Peters)

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Gottesdienst am 21. März 2010

Gott gehorsam

7 Als er auf Erden lebte, hat er mit lautem Schreien und unter Tränen Gebete und Bitten vor den gebracht, der ihn aus dem Tod retten konnte, und er ist erhört und aus seiner Angst befreit worden.
8 Obwohl er der Sohn war, hat er durch Leiden den Gehorsam gelernt;
9 zur Vollendung gelangt, ist er für alle, die ihm gehorchen, der Urheber des ewigen Heils geworden.

Hebräer 5, 7-9

Liebe Gemeinde!

1.1 Heute geht es in unserem Text um die Bedeutung des Gehorsams gegenüber Gott. Keine Sorge, sagt dabei der Hebräerbrief. Wir tauchen dabei nicht in alte Klischees ein und gehen unter: Verbotene Bilder angucken, Finger in den Zucker stecken, stibitzte Zigarette heimlich rauchen. Stattdessen: Wir sehen Neues, was uns frei macht. Wie es geht, Gott zu gehorchen sehen wir an Jesus. Er hat es vorgemacht. An Ihm sehen wir vor allem: Es geht überhaupt. Gehorsam wirkt. Ein spannendes Thema.

1.2 Wer eine klassische Erziehung erlebt hat hört noch die Worte: Wer nicht hören will muss fühlen. Gemeint war damit: Du hast deine eigene Idee. Zum Beispiel: Wann du mit der Milch nach Hause kommst, die du einkaufen solltest, entscheidest du. Du hast Lust, vorher mit deinem Freund Karten zu tauschen. Die Milch war mittlerweile warm. Endlich standst du in der Küche. Du hörtest: Habe ich dir nicht gesagt, du kommst sofort nach Hause. Und dann ging es Patsch, Patsch. Wer nicht hören will muss fühlen. Es sollte wehtun, nicht zu gehorchen. Und manchmal tat es das auch.

1.3 Bis heute ist dies für viele das Muster geblieben, wie sie Gott erleben. Geht es irgendwo im Leben schief, geschieht mir Leid, passiert ein schmerzliches Missgeschick, dann denken wir: War ich ungehorsam? Ist das die Strafe Gottes? Und wenn mir nichts einfällt oder nichts angemessen Schlimmes einfällt, was ich gemacht habe, dann klagen wir Gott an wie damals unsere Eltern: Ich habe doch gar nichts gemacht! Das ist ungerecht. Du bist unfair. Das habe ich nicht verdient. Oder wenn etwas vorliegt senken wir den Kopf und sagen: Geschieht mir Recht. - Viele hängen in ihrer Beziehung zu Gott an diesem Punkt. Über allem thront der strafende Gott, dem man Gehorsam schuldet.

1.4 Gehorsam, das scheint dann nur ein Mittel zu sein, um von Gott belohnt zu werden. Leid - erlebt als Strafe Gottes - erscheint als Folge unseres Ungehorsams. Wie damals in der Küche. Nur dass aus dem Patsch, Patsch jetzt eine Krankheit, der Tod eines Menschen oder sonst ein Schicksalsschlag geworden sind.

1.5 Ist Gott wie unser Vater, unsere Mutter? Hat Gott eine klassische pädagogische Ausbildung? Behandelt Er uns, Seine Kinder, nach dem Grundsatz: Wer nicht gehorchen will muss fühlen? Sind unsere Lebensschläge Sein Patsch, Patsch?
Es kann sein, dass etwas dran ist an dem Wort: Kleine Sünden straft der liebe Gott sofort. Aber den Kern trifft es nicht. Gehorsam gegenüber Gott scheint etwas anderes zu sein als nur: Wie kann ich Seiner Strafe entgehen? Und: Wenn ich einmal groß bin, dann brauche ich nicht mehr gehorchen. Dann mache ich es ohne Ihn. Dann müssen andere mir gehorchen. Ich gehe meine eigenen Wege. So denken viele, denen Gehorsam eingeprügelt worden ist.

1.6 Gehorsam Gottes ist anders. Unser Text führt uns zu einem neuen Verständnis. Das räumt auf mit Patsch, Patsch durch Gott. Obendrein macht es Schluss mit falsch verstandenem Gehorsam gegenüber falschen Autoritäten und Institutionen. Falscher Gehorsam wird entlarvt: Soll etwa ein Kind seinem betrunkenen Vater gehorchen? Sollen etwa Glaubende falschen Weisung ihrer Kirche folgen? Nein. Vielmehr werden wir zu einem guten Gehorsam eingeladen. Gegenüber Menschen und auch gegenüber Gott? Was ist guter Gehorsam?


2.1 Unser Wort spricht vom Leidensweg Jesu. In Seiner Not wandte sich Jesus im Garten Gethsemane an Gott. Er bat: Wenn es möglich ist, lass diesen Kelch an Mir vorübergehen. Gott hat Ihn erhört. Er weckte Ihn zu Ostern zu neuem Leben auf. Aber der bittere Weg durch Leiden, Kreuzigung und Sterben blieb Jesus nicht erspart. So lernte Er Gehorsam. So heißt es.

2.2 Das klingt nun alles so wie wir es kennen. Du hast keine Chance. Da bleibt dir nur Gehorsam. Jesus bat um Hilfe. Doch was kam war Seine Passion. Nichts blieb Ihm erspart. So blieb Ihm nur gehorchen. Die Auferstehung nach Seinem Leid änderte daran nichts. Nichts Neues. Es ging Ihm so wie uns. So scheint es uns, weil wir so denken. Doch im Text steht etwas anderes.

2.3 Wir kennen Gehorsam nur zwischen ungleichen Partnern. Einer ist oben und bestimmt. Wir, die wir unten sind, haben zu gehorchen. Eltern - Kinder. Vorgesetzter - Angestellte. Gott - wir. Das ist der Muss-Gehorsam. Der entsteht unter Patsch, Patsch und dauert so lange, bis sich die Rollen auflösen oder umkehren. Dann endlich haben wir zu sagen. Und dann müssen andere tanzen.
Solcher Gehorsam lebt immer unter Druck und ist Ausdruck von Macht. Seine Motivation reicht so lange, bis der andere aus dem Zimmer oder aus dem Herzen ist. Muss-Gehorsam ist beziehungslos. Er lebt von Herrschaft. Wie viel Erziehung läuft nach diesem Muster in Familien und in Schulen.

2.4 In unserem Wort wird nicht vom Muss-Gehorsam gesprochen. Es heißt: (8) Obwohl er der Sohn - der Ihm gleich war - war, hat er durch Leiden den Gehorsam gelernt. Hier wird von einem Gehorsam zwischen gleichen Partnern gesprochen. Der Sohn und der Vater auf gleicher Augenhöhe. Keiner bestimmt über den anderen. Kein Herrschaftsgefälle. Keine Macht von einem über den anderen.

2.5 Freiwillig, nicht weil er muss, sagt der eine: Du, ich gehorche Dir. Ja, Vater, ja von Herzensgrund, leg auf, Ich will's gern tragen. So Jesus. Obwohl Er es nicht brauchte, tat Er es doch. Obwohl er der Sohn Gottes war, lernte Er gehorsam sein. Kein Muss-Gehorsam.

2.6 Das ist Liebes-Gehorsam. Ich tue es, weil du mich liebst und weil ich so deine Liebe erwidere. Mein Gehorsam ist Antwort auf deine Liebe. Nicht, weil ich muss, sondern weil ich möchte, tue ich worum du mich bittest. Du zwingst mich nicht, du strafst mich nicht, du achtest meine Selbständigkeit. Du bittest. - Ich darf. Ich entscheide. Ich will. Dass ich gehorsam bin ist Ausdruck meiner Selbständigkeit und meiner Liebe auf deine Bitte. Das ist guter Gehorsam. Das ist schön.


3.1 So ging Gott mit Jesus um. Und so lebte Jesus mit Seinem Vater. Sie liebten sich. Mein Vater liebt Mich, und Ich liebe den Vater. Und der Gehorsam war, wie vieles andere, Ausdruck dieser Liebe.

3.2 Das ist die Art, wie Gott Gehorsam versteht. Er liebt uns. Wir sind Ihm Partner auf gleicher Augenhöhe. Er zwingt uns nie. Er fragt. Er bittet. Er klopft an. Wir können zu allem ja und nein sagen, was Er möchte. Schon dass Er überhaupt Gehorsam von uns erfragt ist Ausdruck davon, dass wir Ihm würdige Partner sind. Er wartet auf unseren guten Gehorsam, der aus freiem Herzen kommt.

3.3 Das ist der Grund, warum trotz allem Übel dieser Welt jeden Morgen die Sonne wieder aufgeht. Trotz aller Schuld unseres Lebens schlägt unser Herz noch weiter. Warum? Gott hat noch nicht Gericht gehalten. Er hält es zurück. Er straft nicht unseren falschen Gehorsam oder Ungehorsam.

3.4 Stattdessen schenkt Er der Welt noch einen Tag der Partnerschaft in Güte. Und Er gibt uns noch einen Tag, freiwillig vor Ihn zu treten. Er wartet auf uns als geliebtes Gegenüber. Er liebt uns doch. Er: Gehört diese Welt nicht Mir? Wann merken sie es und akzeptieren? Und persönlich: Bin Ich nicht dein Schöpfer und Herr? Wann realisierst du es und willst Mir gehören und gehorchen? Meine Liebe wartet.

3.5 Wir merken: Das ist völlig anders als der Angst-Gehorsam, den wir von Menschen und vielleicht von unserem Gottesbild her kennen. Ein solcher Liebes-Gehorsam könnte schön sein. Auch wenn er schwer ist. Er macht uns würdig, baut auf, lässt uns das sein, was wir befürchten, mit unserem Angst-Gehorsam zu verlieren. Er stiftet Beziehung. Er erfüllt. Der untere Weg dieses Liebes-Gehorsams ist ein Höhenweg für unser Herz. Er macht Sinn.

3.6 Zu einem solchen Gehorsam gegenüber Gott sind wir im Glauben eingeladen. Gehst Du schon einen Gehorsams-Weg mit Gott? Ja. Oh, dann bist du ein freier Mensch. Dann hat Gott dir schon viel von sich gezeigt. Dann kennst du Seine Liebe gerade zu dir. Du gehst einen beneidenswerten Weg. Das ist Liebes-Gehorsam gegenüber Gott.


4.1 Wir sollten uns noch zum Schluss anschauen, wozu Jesus die auffordert, die Ihm mit diesem wunderbaren Gehorsam folgen.

4.2 Jesus folgen heißt zunächst einmal nicht anders gehorsam sein als Jesus es war.
Schluss mit dem Angst-Gehorsam gegenüber Gott: Ja, aber wenn ich nicht, dann wird Gott doch. Ist das Ausdruck der Angst oder der Liebe? Nur die Liebe zählt. Denken Sie stets daran, dass Gott nicht auf einem pädagogischen Seminar gelernt hat. Er behandelt Sie anders als vielleicht Ihre Lehrer oder Eltern es taten. Er ist die Quelle der Liebe.

4.3 Weg mit allem, wo wir aus Berechnung Gott gegenüber gehorsam sind. Da tricksen wir mit unserem alten Gottesbild. Wir bedienen nur unseren eigenen Götzen. Gott ist anders.
Schluss mit falschem Gehorsam gegenüber Regeln und Anordnungen, die nicht aus Gottes Liebe kommen. Wir dienen damit nicht Gott. Wir bedienen nur unsere Angst. Das ehrt Gott nicht.
Alles auf den Prüfstand, wo wir vor Gott Angst haben.

4.4 Stattdessen dürfen wir mit Gott von Angesicht zu Angesicht sprechen. Wir können beten: Herr. So verstehe ich, was ich tue oder lasse. Ist das Recht vor Dir. Ich möchte Dir gehorchen. Gehorche ich darin Dir? Und der Herr wird in Ihr Herz die Antwort geben. Lesen Sie Sein Wort. Hören Sie auf Ihn.

4.5 Jesus gehorchen heißt, einen lebendigen Weg mit dem Herrn gehen. Traurigkeit über Versagen und Freude über Vergeben werden darin einen Platz haben. Aber keine Angst.

4.6 Jesus darin zu folgen lässt erkennen, dass Er der "Urheber des ewigen Heils" ist, in dem keine Angst ist. Wie schön.


Amen.



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Zuletzt geändert am 18.03.2010 von: (fp)