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Die Umarmung des Gekreuzigten durch Maria Umarmung des Gekreuzigten

 <>< Predigt zum
Karfreitag 2010
von Pfarrer Friedhelm Peters,
Costa del Sol

(Rückmeldung oder Frage an
Pastor Friedhelm Peters)

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Gottesdienst am 2. April 2010

Versöhnt mit Gott

14 Denn die Liebe Christi drängt uns, da wir erkannt haben: Einer ist für alle gestorben, also sind alle gestorben. 15 Er ist aber für alle gestorben, damit die Lebenden nicht mehr für sich leben, sondern für den, der für sie starb und auferweckt wurde. 16 Also schätzen wir von jetzt an niemand mehr nur nach menschlichen Maßstäben ein; auch wenn wir früher Christus nach menschlichen Maßstäben eingeschätzt haben, jetzt schätzen wir ihn nicht mehr so ein.
17 Wenn also jemand in Christus ist, dann ist er eine neue Schöpfung: Das Alte ist vergangen, Neues ist geworden.
18 Aber das alles kommt von Gott, der uns durch Christus mit sich versöhnt und uns den Dienst der Versöhnung aufgetragen hat. 19 Ja, Gott war es, der in Christus die Welt mit sich versöhnt hat, indem er den Menschen ihre Verfehlungen nicht anrechnete und uns das Wort von der Versöhnung (zur Verkündigung) anvertraute. 20 Wir sind also Gesandte an Christi Statt, und Gott ist es, der durch uns mahnt. Wir bitten an Christi Statt: Lasst euch mit Gott versöhnen!
21 Er hat den, der keine Sünde kannte, für uns zur Sünde gemacht, damit wir in ihm Gerechtigkeit Gottes würden.

2.Korinther 5, 14b-18.19-21

Liebe Gemeinde!

1.1 In einem Radiointerview wurde ich diese Tage nach meinen Eindrücken zu den Traditionen in der Karwoche in Andalusien gefragt. Die Prozessionen und Passionsspiele verschlagen fast jedem Beobachter aus dem Ausland die Sprache. Man sieht Jesus Darstellungen auf den Thronen im Straßenbild, die bei uns in Deutschland eher in Gottesdienste gehören. Und im Umfeld dieser biblischen Darstellungen breitet sich eine karnevalistische Volksfest Stimmung aus, die bei uns kaum mit den frommen Darstellungen zu verbinden wären. Jesus, der Gekreuzigte, wird über die Straßen getragen. Lamm Gottes als Ehrenbezeichnung in Samt auf einer Büßertracht. Was tut man da?

1.2 Als Betrachter fragt man unwillkürlich: Wird auch verstanden was man im Glauben zeigt? Doch umgekehrt könnte ein Andalusier angesichts deutscher Traditionen fragen: Zeigt ihr auch, was ihr im Glauben meint verstanden zu haben? Sind beide Fragen nicht berechtigt?

1.3 Was haben wir von Jesus dem Gekreuzigten gesehen und verstanden? Können wir Antwort geben? Und was könnten wir über ein Kruzifix Symbol oder leeres Kreuz hinaus zeigen? Als Gesandte an Christi Statt - wie Paulus uns nennt - sollten wir wissen, mit welcher Botschaft wir wohin gesandt sind. Und wir sollten daran erkennbar sein. Sind wir es? Also: Was ist die Botschaft vom Kreuz?


2.1 Es ist erstaunlich, dass Bilder uns die Augen öffnen können, die inneren Augen. Das gilt nicht nur für die Prozessionen und Passionsspiele auf Straßen und Dorfplätzen. Das gilt auch für die Kreuzigungsbilder, die Künstler malten. Der Künstler Rando aus Malaga, der einzige religiöse Expressionist dieser Tage in Spanien, hat uns dieses Kreuzigungsbild für unseren Gottesdienst überlassen. Rando, Danke. Und wir schauen, was uns durch dieses Bild gesagt wird.

2.2 Zunächst die Bewegung in dem Bild. Es sind die Kreuzesbalken. Sie dominieren. Alles ist Kreuz. Die beiden Personen, Jesus und Maria, wachsen gleichsam aus ihm hervor. Sie sind Teil des Kreuzes. Selbst die Farbe des Kreuzes gehen in sie über.

2.3 Maria umarmt Jesus. Ein Schwert wird durch deine Seele gehen. So sagte ihr Jesus. Wir sehen: Sein Kreuz geht durch sie. Sie nimmt teil. Co-Passion durch Umarmung.

2.4 In der Umarmung liegt ihr Gesicht an Seinem. Sie gibt keinen Judaskuss. Sie leidet mit. So spiegelt sie wieder, was Er tut. Sein Schwarz wird ihr Schwarz. Seine Farbe ihre. In Ihrem Gesicht sehen wir Seines. Sie wird zur Botschafterin an Christi Statt.

2.5 Die Krone windet sich um Jesu Haupt. Die Dornen sind nicht genau zu sehen. Doch werfen sie das Bild des Fisches aus. Es ist das erste aller christlichen Bekenntnisse: ichtys - Jesus Christus Gottes Sohn, Retter.

2.6 Wer Jesus umarmt, der nimmt auch Seine Botschaft auf: Retter. Maria tut das. Sie spiegelt nicht nur Sein Leiden. Sie wird zum Signal für Seine Hoffnung, die Seine Erlösung schafft.

2.7 Denn das Kreuz ist grün. Die Farbe ist die Botschaft: Hoffnung. Sie füllt den Herrn, Marias Arm und ihr Gesicht: Er hat den, der keine Sünde kannte, für uns zur Sünde gemacht, damit wir in ihm Gerechtigkeit Gottes würden. Das Alte ist vergangen, Neues ist geworden. Hoffnungsgrün.


3.1 Sehen wir uns selbst in diesem Bild? Verstehen wir Jesu Absicht? Es wäre doch schön, wenn wir als Seine Namensträger, als Christen, Ihn umarmen, Ihn widerspiegeln können wie Maria.

3.2 Wäre Weihnachten nicht - wäre ER nie auf die Welt gekommen. Wäre Ostern nicht - gäbe es IHN nicht hier als den, zu dem wir beten könnten. Es gibt so viele osterlose Christen. Wäre Karfreitag nicht - gäbe es, ja was gäbe es nicht? Was wäre anders? Was würde fehlen?

3.3 Weihnachten ist Christus geboren. Karfreitag sind die Christen geboren. Sein Tod ist unser Leben.
Ohne Sein Kreuz keine Erlösung von unserem Kreuz.
Ohne Sein Ende für uns kein Anfang von neuem Leben.
Ohne Sein Sterben für uns kein Leben im Glauben.
Ohne Seine Stellvertretung am Kreuz für uns kein Versöhnung mit Gott.
Paulus drückt es in unserem Text so aus: 17 Wenn also jemand in Christus ist, dann ist er eine neue Schöpfung: Das Alte ist vergangen, Neues ist geworden. 19 Ja, Gott war es, der in Christus die Welt mit sich versöhnt hat, indem er den Menschen ihre Verfehlungen nicht anrechnete.

3.4 Diese Botschaft bedeutet nicht: Du musst auch möglichst viel leiden, dabei ein guter Mensch sein und obendrein Gott vertrauen - kurz: sein wie Jesus. Falsch, sagt Paulus.
Die neue Botschaft, die gute Nachricht, das Evangelium lautet: Du darfst was ICH tat für dich nehmen.
Mein Leiden, Meine Güte, Mein Gottvertrauen. Es gilt für dich vor Gott. Du bist darin und dadurch mit Gott versöhnt. ER sieht dich an wie Mich. Mein Kreuz ist deine Qualifikation vor Gott. ICH tat es für dich. Nimmst du es?

3.5 Jesu Kreuz ist einmalig. Nur ER starb in Liebe vor Gott.
Aber es ist allgemeingültig für jeden, der das für sich in Anspruch nimmt. Wer es tut, der kann sagen:
Ich bin Karfreitag, unter dem Kreuz Jesu, als Christ geboren. Denn von diesem Punkt an sieht mich Gott als Sein Kind. Dort habe ich mich bekehrt, verwandelt in den Augen Gottes. Sein Kreuz - mein neues Leben. Denn: 21 Gott hat den, der keine Sünde kannte, für uns zur Sünde gemacht, damit wir in ihm Gerechtigkeit Gottes würden.


4.1 Sind wir davon Botschafter? Haben wir uns im Bild erkannt: Du für mich? Tragen wir diese Botschaft weiter?

4.2 Es ist nicht entscheidend, ob wir das in stiller Karfreitagsliturgie ausdrücken oder in Passionsspielen oder Prozessionen. Es ist entscheidend, ob wir es im Herzen tragen und dort zeigen, wo wir leben. Unser Alltag ist die Liturgie, die zählt. Und unser täglicher Weg ist die Prozession, auf die es ankommt. Jede Frömmigkeit - ob spanisch oder deutsch - ist dafür nur Hilfe und Unterstützung.

4.3 Jesu Kreuz lebt in meinem Herzen. Danke, Herr. Ich bin durch Deinen Tod vor Gott in Ordnung. Danke. Und ich möchte es noch vielen zeigen, dass dieser Weg sich lohnt und gut ist. Dafür möchte ich Gesandter sein. Es kann die Wende der Welt und des eigenen Lebens werden, wo Dein Bild in ein Herz eindringt. Ich wünsche vielen diesen Karfreitagsglauben.

4.4 Nehmen wir dies Bild des Herrn als Bild im Herzen mit.



Amen.



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Zuletzt geändert am 31.03.2010 von: (fp)