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Ostern 2010
von Pfarrer Friedhelm Peters,
Costa del Sol

(Rückmeldung oder Frage an
Pastor Friedhelm Peters)

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Gottesdienst am 4. April 2010

Der Glaubens-Code: Der Herr ist auferstanden

1 Ich erinnere euch, Brüder, an das Evangelium, das ich euch verkündet habe. Ihr habt es angenommen; es ist der Grund, auf dem ihr steht. 2 Durch dieses Evangelium werdet ihr gerettet, wenn ihr an dem Wortlaut festhaltet, den ich euch verkündet habe. Oder habt ihr den Glauben vielleicht unüberlegt angenommen? 3 Denn vor allem habe ich euch überliefert, was auch ich empfangen habe:

Christus ist für unsere Sünden gestorben, gemäß der Schrift, 4 und ist begraben worden. Er ist am dritten Tag auferweckt worden, gemäß der Schrift, 5 und erschien dem Kephas, dann den Zwölf. 6 Danach erschien er mehr als fünfhundert Brüdern zugleich; die meisten von ihnen sind noch am Leben, einige sind entschlafen. 7 Danach erschien er dem Jakobus, dann allen Aposteln. 8 Als letztem von allen erschien er auch mir, dem Unerwarteten, der "Missgeburt".

9 Denn ich bin der geringste von den Aposteln; ich bin nicht wert, Apostel genannt zu werden, weil ich die Kirche Gottes verfolgt habe. 10 Doch durch Gottes Gnade bin ich, was ich bin, und sein gnädiges Handeln an mir ist nicht ohne Wirkung geblieben. Mehr als sie alle habe ich mich abgemüht - nicht ich, sondern die Gnade Gottes zusammen mit mir. 11 Ob nun ich verkündige oder die anderen: das ist unsere Botschaft, und das ist der Glaube, den ihr angenommen habt.

1.Korinther 15, 1-11

Liebe Gemeinde!

1.1 -.. . .-. .... . .-. .-. .. ... - .- ..- ..-. . .-. ... - .- -. -.. . -. Können Sie das entziffern? Oder noch besser: Verstehen Sie es? Ich bin überzeugt, ich könnte es noch 10 Mal wiederholen. Es wird dadurch nicht besser. Denn wenn Sie das Morsealphabet nicht kennen, dann können sie diesen Funkspruch nicht entschlüsseln. Aber wenn Sie die Zeichen kennen, dann liegt Ihnen die Bedeutung klar vor Augen. Der Herr ist auferstanden: -.. . .-. .... . .-. .-. .. ... - .- ..- ..-. . .-. ... - .- -. -.. . -.

1.2 Manchmal kommt es mir vor, als ob die Auferstehung Jesu so eine Morsebotschaft ist. Gesendet aus der Ewigkeit empfangen wir sie in Raum und Zeit. Und dann hören wir .- ..- ..-. . .-. ... - .- -. -.. . -. und wissen gar nichts.
Vielleicht sagen wir dann: Was für ein Gepiepse seit hunderten von Jahren. Wer soll daran glauben. Dahinter ist doch nichts. Andere wiederum sagen: Na klar:
.- (a) ..- (u) ..-. (f) . (e) .-. (r) ... (s) - (t) .- (a) -. (n) -.. (d) . (e) -. (n) auferstanden. ER ist wahrhaftig auferstanden! Meine Hoffnung und meine Freude. Der Anfang meines lebendigen Glaubens: ER lebt. Jesus Christus ist hier. ER in mir.

1.3 Die gleichen Zeichen führen in zwei ungleiche Welten. Was lässt die einen abwinken und die anderen verstehen? Was lässt die einen sagen: Ich höre Meinen Herrn. Während die anderen sagen: Schöne Einbildung. An so was glaube ich nicht.


2.1 Schlechter Vergleich, könnten jetzt einige Zuhörer sagen. Das Morsealphabet ist ein klarer Code. Wer ihn kennt, kann Sendungen entschlüsseln. So etwas liegt bei der Auferstehung nicht vor. Hier geht es um reine Spekulation und Phantasie, die so und so gedeutet werden kann. - Stimmt das? Für mich als Christen stimmt das nicht.

2.2 Für mich ist Glaube ebenfalls ein Code, mit dem ich meine Wirklichkeit betrachte. Und der ist nicht nur reine Spekulation und Phantasie. Der ist konkret. Zum Beispiel so: Herr, gibt es Dich? Oder: Herr, zeige Dich mir. Oder: Herr, ich will Deine Stimme hören. Oder: Herr sprich zu mir. Und dann wird das Ergebnis geprüft an eigener Erfahrung. Frage - Prüfung - Antwort.

2.3 Wenn das "nur" Phantasie ist, dann ist auch jeder Flugplan Phantasie, der auf der Homepage steht, und jede Aldi Werbung in der Zeitung. Doch das ist - meist - nicht so. Der Flug und das Produkt sagen mir: Verlässlich. Ja, es stimmt. - Wir sehen. Wir prüfen. Wir finden Antwort. Und dann vertrauen wir. Oder auch nicht. Ein solcher Vorgang ist nicht nur Phantasie. - So macht es christlicher Glaube.

2.4 Wenden wir ihn an. Entschlüsseln wir damit die Botschaft aus der Ewigkeit: Der Herr ist auferstanden. Sehen wir, wie Paulus es machte. Wir finden bei ihm Worte, die zu den ältesten Texten des Neuen Testamentes gehören. Sie gehen zurück vor die Osterberichte der Evangelien, in die Mitte des ersten Jahrhunderts.


3.1 Paulus schreibt den Christen in Korinth. Das Thema der Auferstehung war eigentlich kein Problem. Die Esoterik blühte. Man rechnete mit dem Jenseits wie heute Engel in der Werbung erscheinen, um die Verlässlichkeit einer Versicherung zu erläutern. Jenseits ist schön.
Aber nicht konkret. Im Allgemeinen mag es eine Welt auch hinter allem Sichtbaren geben. Aber bitte nicht für mich zum Anfassen. Und schon gar nicht in meinem Glauben.

3.2 Doch die Auferstehung Jesu war konkret. Der Auferstandene hatte Seine Grabgewänder abgelegt. Der Stein war weggerollt. Jesus war den Menschen erschienen. Er ließ sich berühren. Er aß Fisch mit ihnen. Der Auferstandene erschien als erster Mensch nicht als Geist, sondern im Auferstehungsleib in und jenseits von Raum und Zeit. Er lehrte und ermahnte, er führte und er sandte in neuen Berufungen. So war Er und so ist Er.

3.3 Wenn Er so Gegenüber unseres Glaubens ist, dann ist Glaube konkret. Dann ist er lebendig, persönlich, eine einzigartige Beziehung zwischen dem Herrn und mir. Die Beziehung kann ich wohl mit anderen Christen teilen. Die werde ich auch in Liebe und Demut versuchen umzusetzen und zu leben. Doch Quelle bleibt dabei der auferstandene Herr. ER ist mein erstes, bleibendes und letztes Gegenüber. Ohne Ihn läuft nichts.

3.4 Ein solcher Auferstehungsglaube ist nicht zuerst: Ich mache weiter, was Jesus angefangen hat. Das versuche ich auch. Zuerst sagt solch ein Glaube: Du, Mein Herr. Wie schön, dass Du heute da bist. Was sagst Du mir heute? Was möchtest Du von mir? Danke, dass Du mir nicht nur diesen Tag gibst, sondern dass wir ihn zusammen leben. Du bei mir. Ich bei Dir. Der Auferstandene beginnt eine einzigartige persönliche Beziehung zu denen, die Ihm glauben.


4.1 Das war viel mehr als die Korinther dachten. Ein bisschen Auferstehung schadet nicht. Doch so. So hatten sie es nicht mit diesem Herrn.

4.2 Und dann zieht Paulus gleich die Reiß-Leine der Kritik. Wenn jemand sagt: so eine Auferstehung gibt es nicht, so handfest, so konkret, so ein Beziehungs-Gegenüber, so ganz direkt von Geist zu Geist, Gesprächspartner mit dem Herrn der Ewigkeit - der sei erinnert an das, was ich, Paulus, immer lehrte. Und er zitiert das wohl damals bekannte und für uns älteste erhaltene Bekenntnis der Christenheit. Es muss wenige Jahre nach der Kreuzigung und Auferstehung Jesu entstanden sein.

4.3 Gestorben für unsere Sünden nach der Schrift und begraben. Auferweckt am dritten Tage nach der Schrift.


5.1 .- ..- ..-. . .-. ... - .- -. -.. . -. Gepiepse. So könnten schon damals die Korinther gesagt haben. Wer soll das glauben. Uns reicht der allgemeine Auferstehungsglaube: Es geht schon weiter. Es gibt immer wieder Hoffnung. - Was Gott sei Dank ja stimmt.

5.2 Stopp, sagt Paulus. Und jetzt nennt er den Code, von dem wir anfangs sprachen. Der unseren Alltag überall durchzieht, mit dem wir leben und ganz unbewusst auch handeln: Sehen - prüfen - entscheiden. Paulus macht ihn zum Glaubens-Code im Hinblick auf die Auferstehung.

5.3 Sieh doch, sagt Paulus. Die haben Jesus als Auferstandenen gesehen: Petrus. Zwölf Jünger. 500 auf einmal. Da die meisten davon noch leben, könnt ihr sie fragen. Jakobus. Alle Aposteln. Ich, Paulus, übrigens auch. 527 Menschen.

5.4 Und jetzt sagt Paulus nicht: Weil die Jesus sahen, ist die Auferstehung wahr. Das wäre blinder Glaube und entspräche nicht dem Glaubens-Code. Paulus lehrt sehenden Glauben: Weil die Ihn sahen, könnt ihr es auch. Wenn ich, Paulus, als Verfolger des Namens Jesu ihn sehen durfte, sogar ich, dann auch ihr. Also: Sehen und erwarten im Geist - prüfen - und entscheiden. Auch ihr. So wie die es taten, die ich nenne. Wenn es euch hilft. Fragt sie. Ihr Zeugnis bleibt ein Impuls für Euch. Glauben müsst ihr schon selbst. Es geht nicht allgemein. Es geht nur konkret mit Eurer Entscheidung.

5.5 Am Ende soll ich sagen können: Jetzt weiß ich, was die meinten, die sagen: Er ist erschienen. Er lebt. Auch heute. Ich habe es selbst gespürt. Der eine weiß es, der andere sieht es, der dritte fühlt es, der vierte kann es gar nicht beschreiben. Doch immer ist der Geist berührt von dieser Wirklichkeit: Er lebt und ich darf mit Ihm leben. Die Seele hat so viele Falten, um dies auszudrücken. Dann ist der Glaubens-Code entschlüsselt. Und das Gepiepse wird zur Botschaft: Er ist wahrhaftig auferstanden.


6.1 Ostern als Fest der Auferstehung ist in der westlichen Welt auf den ersten Sonntag nach Frühlingsvollmond festgelegt worden. Ob das historisch war lässt sich mit Recht hinterfragen. Die Ostkirche feiert einen anderen Termin. Und wieder einen anderen der jüdische Kalender mit dem Passah. Wie konnte man so frei mit diesen Daten umgehen?

6.2 Schon Paulus gibt uns darauf eine gute Antwort. Für ihn war Ostern - ja wann? Bestimmt nicht, als Jesus den Jüngern am dritten Tage nach der Kreuzigung erschien. Für ihn war Ostern als er Jesus sah und seine Antwort auf die Frage: Wer bist du, Herr? - Ich bin … sagte ihm Jesus. Das war Ostern.

6.3 Wenn dieser Herr erneut ICH bin spricht, dann ist mein Ostern. Wie schön, wenn dieses heute ist, wenn im Kalender Ostern steht. Doch das ist nicht entscheidend. Entscheidend ist, dass Er es mir sagt und ich Ihm darauf Antwort gebe: Auch ich bin - Dein.


7.1 Und jetzt folgt: …-. Sie ahnen, was das heißt: Kompletten Text verstanden (VE).
Oder kirchlich: Amen.



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Zuletzt geändert am 31.03.2010 von: (fp)