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Misericordias Domini
von Pfarrer Friedhelm Peters,
Costa del Sol

(Rückmeldung oder Frage an
Pastor Friedhelm Peters)

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Gottesdienst am 18. April 2010

Perspektive für unruhige Geister

21 Dazu seid ihr berufen worden; denn auch Christus hat für euch gelitten und euch ein Beispiel gegeben, damit ihr seinen Spuren folgt.
22 Er hat keine Sünde begangen, und in seinem Mund war kein trügerisches Wort.
23 Er wurde geschmäht, schmähte aber nicht; er litt, drohte aber nicht, sondern überließ seine Sache dem gerechten Richter.
24 Er hat unsere Sünden mit seinem Leib auf das Holz des Kreuzes getragen, damit wir tot seien für die Sünden und für die Gerechtigkeit leben. Durch seine Wunden seid ihr geheilt.
25 Denn ihr hattet euch verirrt wie Schafe.

Jetzt aber seid ihr heimgekehrt zum Hirten und Bischof eurer Seelen.

1.Petrus 2, 21b-25

Liebe Gemeinde!

1.2 Wissen Sie, was Unruhe ist? Ich glaube, jeder kennt das.
Da sitzen Sie ganz gemütlich auf der Terrasse. Was hast Du denn, sagt der Partner? Ach, ich weiß nicht. Aber ich glaube, ich muss noch einmal ... . Und dann ist es bei jedem anders. Die Frauen wischen noch einmal die obere Küchenschublade aus oder gehen in das Blumenbeet, um zu sehen, ob nicht doch alles zu trocken ist. Und die Männer sehen nach, ob das Fußballspiel nicht doch eine halbe Stunde früher übertragen wird oder gehen an den Computer. Warum eigentlich? Es sind nicht die Brotkrümel oder Feuchtigkeitswerte, auch nicht die Übertragungszeiten oder die Formatierung eines Textes. Es ist die Unruhe.

1.2 Unruhe lässt nachts nicht schlafen und morgens nicht zufrieden aufstehen. Unruhe lässt lästige Anrufe entstehen, ob denn auch alles in Ordnung sei. Unruhe lässt Einkäufe geschehen, die gar nicht nötig wären. Unruhe lässt hin- und herjetten, obwohl gar keiner weiß, warum das jetzt wirklich nötig ist. Wer es hinkriegt, ein Volk richtig unruhig zu machen, der hat schon fast die Wahlen gewonnen. Unruhe hebt das Geschäft.

1.3 Doch unsere Seele macht es krank. Denn es fehlt immer die Zeit zum Verweilen, zum echten Prüfen, zum wirklichen Genießen, die Zeit, zu sich selbst zu kommen. Und man hat oft den Eindruck, die so was versprechen, halten uns am geschicktesten davon ab. Unsere Zeit stellt die verrücktesten Forderungen: Bringe Höchstleistung, aber schlage keine Wurzeln der Ruhe. Wie sehen Bäume aus, die so gezüchtet sind. Sie liegen platt auf dem Boden. Vielleicht sind deshalb heute viele so platt.

1.4 Nun sagt unser Text etwas sehr Interessantes und für uns Tröstliches. Ihr seid heimgekehrt. Es meint nicht die davon abgeleitete wunderschöne Erfahrung, irgendwo ein Zuhause zu haben und voller Freude dahin zu kommen. Es meint die Quelle aller dieser davon abgeleiteten Erfahrung: Deine Seele hat ihr Zuhause gefunden. Du bist in dir selbst heimgekehrt. Eine Perspektive für unruhige Geister. Der Kirchenvater Augustin hat das im 5. Jahrhundert in seinem wirklich bewegten Leben in den Worten ausgedrückt: Unsere Seele ist unruhig bis sie Frieden findet in DIR.
Ich möchte diese Erfahrung mit Ihnen heute betrachten. Überschreiben wir deshalb unser Wort: Perspektive für unruhige Geister.

2.1 Warum lässt sich Unruhe mit normalen Mitteln nicht beruhigen?
Stellen Sie sich vor, Sie sind eingeladen und haben einen Bärenhunger. Und dann sitzen Sie zusammen und man reicht Ihnen ein paar Chips. Sie essen immer schon drei, was fast unhöflich ist. Sie denken: Wann kommt endlich das Essen? Und dann wird Ihnen gesagt, Ach, wir sind so wie so alle zu dick. Wir dachten heute mal, es bei Kleinigkeiten zu belassen.
Und Ihr Hunger meldet sich und sagt: Nein.
Das ist Unruhe. Sie werden nicht satt.

2.2 Wir werden nicht satt von den Urlauben, Essen, Reisen, Besitz, Unterhaltungen, Zerstreuungen, Büchern, Begegnungen, Wohnungen, Einrichtungen, Fernsehsendungen.
Unsere Seele braucht zum Sattwerden eine für sie füllende Nahrung, keine Chips.

2.3 Was sättigt die Seele?
Freude gehört dazu - aber auch Trauer über Leid.
Liebe und Treue gehören dazu - aber auch Aushalten von Verlust und Trennung.
Friede gehört dazu - und die Fähigkeit, Streit zu tragen und zu ertragen.
Und Dankbarkeit - angesichts von Vielem was fehlen mag.

2.4 Wer deckt uns den Tisch mit diesen Gaben? Wer ernährt uns mit diesen Wohltaten? Jetzt sind wir beim Thema. Unser heutiger Predigttext spricht davon: Es ist möglich, innerlich satt zu werden. Ein Leben im Glauben an Jesus schenkt uns diese Erfüllung. Stimmt das?


3.1 Wer mit Jesus lebt macht diese Entdeckung. Wer Ihn als Herrn annimmt, wird gut behandelt.
Wer Ihn den guten Hirten seines Lebens sein lässt, wird auf grüne Aue geführt. Wer die Gaben des Glaubens wählt, dem wird der Tisch im Angesicht der Feinde gedeckt. Dieser Herr gibt nicht alles was wir wünschen. Doch Er gibt alles, was wir für ein erfülltes Leben brauchen. Wie macht Er das?

3.2 Unser Text sagt, Er bringt uns heim. Jetzt aber seid ihr heimgekehrt. Was ist damit gemeint?
Unruhe im Herzen ist tiefe Feindschaft mit uns selbst. Wir sind nicht in uns zu Hause. Wir flüchten so oft vor uns selbst.

3.3 Jesus aber sagt: Du bist Mein. Er spricht in die Mitte meines Herzens. - Nein, nein, sagt da mein Herz. Das kann nicht sein. Du weißt nicht wer ich bin und wie es da aussieht. - Doch, sagt Er. Ich habe dich erschaffen. Und ich habe dich erlöst. Die Mitte deines Lebens kann wiedergeboren werden. Ich kann deine Mitte sein. Dann bin Ich in dir. Und mit Mir lebt in dir lebendige Hoffnung.

3.4 Es ist als wenn Er sagt:
Ich bin in dir als große Dankbarkeit. Dein Schöpfer liebt dich. Du bist gewollt. Das macht dich frei.
Du spürst Meinen Frieden. Er kommt mit mir. Als Mein Kind bist du mit dem Schöpfer eins. Versöhnt.
In meiner Liebe wird dein oft so kaltes Herz erwärmt. Ich bin treu. Du kannst dich darauf verlassen. Meine Liebe trägt dich. Beginne aus ihr heraus dich selbst zu lieben. Dann auch andere.
Mein Frieden lässt dich mehr und mehr zufrieden sein. Dankbarkeit wächst. Sei nur bei Mir zu Hause.

3.5 So könnte dieser gute Hirte reden. Ein Wort von Ihm reicht. Wenn das in unser Herz trifft, wir es bewahren und es dort bleibt, wird unsere Seele satt. Er schafft uns Heimat in uns selbst durch Seine Gegenwart. Wenn dort Unruhe zu sagen hatte, wirft Er sie raus. Er setzt sich selber in die Mitte.


4.1 Und dann geht es weiter. Wirkt Sein Friede in uns stabil, macht Er uns heilsam unruhig. Los, tu Gutes. Wie Ich. Es braucht so viele Menschen, die den Tisch mit guten Dingen decken, nicht mit Müll. Wer selbst zur Quelle aller Liebe fand, der kann auch anderen daraus zu trinken geben. Wer selber Heimat in sich durch den Herrn gefunden hat, der kann auch anderen Heimat schenken. Wer in sich selber zur Ruhe kam, kann viel Unruhe ertragen.

4.2 An jedem Tag ist dieses Futter nötig: Herr, mache meine Seele satt. Ich möchte nicht mehr vor mir selbst weglaufen. - Und Er tut es. Ihr seid heimgekehrt, sagt der Text. Gott sei Dank: Er ist genug.


5.1 Bleibt noch die Frage, warum das oft so schwer zu leben ist. Unsere Seele wird nicht leicht zufrieden, weil - ja warum eigentlich? Weil sie so groß ist. Wir sind keine kleinen Kaliber.
In uns ist unglaublich große Sehnsucht nach Liebe. Und in uns ist ein unglaublich großer Abgrund, in den wir stürzen können. Gibt es eine Bosheit auf Erden, die sich noch nicht aufgetan hat? In Höhen und in Tiefen sind wir unbegrenzt.

5.2 Weil das so ist hält uns so richtig eigentlich nur einer aus: Unser Schöpfer. Ohne Frieden mit Ihm wird das nichts mit unserer Unruhe. Wir entdecken nämlich immer noch etwas, was uns alles raubt. Erst wenn Er uns unsere Seele satt gemacht hat, können wir in tiefer und hoher Zufriedenheit leben.
Und Jesus bringt uns dahin.

5.3 Er wird hier bezeichnet als Hirte und Bischof. Das ist interessant, warum hier diese Bezeichnungen gewählt werden. Ich möchte sie so erklären.

5.4 Für das Loch unter uns, jeden Abgrund, jeden Sturz, jeden Mangel, zuletzt den Tod, ist der Hirte Jesus da. Er sagt: Komm, Ich trage dich. Ich halte dich. Richte dich wieder auf. Im Tod führe Ich dich durch. ICH bin unter dir. - Er ist der Boden. Er hat sich angesichts der Abgründe als Weg des Lebens vorgestellt. Der Hirte Jesus unter mir.

5.5 Und für alles über mir ist Er der Bischof. Endlich ein guter Chef. Einer, der mir sagt, was von oben ist. Zu Ihm blicke ich auf. Zu keinem anderen mehr. Er ist genug. Ich stehe unter Seiner Autorität. Er bestimmt. Ich weiß wo ich hin gehöre. Der Bischof Jesus über mir.

5.6 Jesus, Hirte und Bischof, unten und oben. Das hält die Seele. Das stillt das Verlangen und schließt in Liebe die Abgründe ab. Meine Seele hat ihr Zuhause gefunden, in Ihm.

Amen.



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Zuletzt geändert am 31.03.2010 von: (fp)