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von Pfarrer Friedhelm Peters,
Costa del Sol

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Pastor Friedhelm Peters)

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Gottesdienst am 9. Mai 2010

Beten lernen mit den Sinnen der Seele

1 Vor allem fordere ich zu Bitten und Gebeten, zu Fürbitte und Danksagung auf,
und zwar für alle Menschen,
2 für die Herrscher und für alle, die Macht ausüben, damit wir in aller Frömmigkeit und Rechtschaffenheit ungestört und ruhig leben können.3 Das ist recht und gefällt Gott, unserem Retter; 4 ER will, dass alle Menschen gerettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit gelangen.
5 Denn: Einer ist Gott, Einer auch Mittler zwischen Gott und den Menschen: der Mensch Christus Jesus, 6 der sich als Lösegeld hingegeben hat für alle, ein Zeugnis zur vorherbestimmten Zeit.

1.Timotheus 2, 1-6a

Liebe Gemeinde!

1.1 Es klingelt. Ein langes Gespräch. Dann höre ich: Könnt ihr für meine Bekannte beten? Sie hat Schwierigkeiten beim Examen. Sie ist fix und fertig. - Geht so etwas? Sollen wir für ein Examen beten? Können wir das für andere? Ist es normal, solche Anrufe zu bekommen? Kriegen Sie sie auch?

1.2 Unser Bibeltext richtet sich an Timotheus. Er war Beauftragter des Paulus für die Christen in Ephesus. Als erstes Ziel wird ihm aufgetragen: Vor allem fordere ich zu Bitten und Gebeten, zu Fürbitte und Danksagung auf. Oder anders: Bring den Leuten beten bei. Timotheus tat es.

1.3 Wie schön wäre es, in jeder Kirche beten zu lernen.
Was wäre das, wenn es sich herumspräche, dass wir als Christen für andere beten. Was bekämen Sie für Anrufe aus Ihrer Umgebung. Wäre es schlimm wenn Ihre Gebetszeit länger würde.
Es hat Politiker gegeben, die gingen nicht in den Plenarsaal ohne zuvor im Andachtsraum zu Gott für ihre Gegner und für ihre politischen Freunde gebetet zu haben.
Es gibt Manager in der Industrie, die machen keinen Vertrag ohne zuvor ihr Anliegen mit Gott zu teilen. Es gibt Ärzte, Krankenschwestern, die machen keine Operation ohne das Gespräch mit IHM.
Es gibt sie. Und es gibt Sie und mich. Wie beten wir?


2.1 Es ist erstaunlich, dass Paulus gleich vier Worte für das Gebet gebraucht: Bitten - déäsis, Gebet - proseuchás, - Fürbitte - énteuxis und Danksagung - eucharistía. Er führt damit den Hinweis Jesu an Seine Jünger zum Gebet weiter.

2.2 Jesus sagte: Ihr sollt nicht plappern wie die Heiden. Damit meint Jesus: Euer Herz ist beteiligt, wenn euer Mund spricht. Sonst ist alles leer und hohl. Gott will eurem Geist begegnen und euer Geist IHM. Deswegen tretet mit eurem Geist, mit eurem Herz vor Gott. Sagt Vater und meint Vater. Also: Kein geistloses Gebet.

2.3 Doch nicht nur unser Herz schafft beim Beten. Auch die Sinne unserer Seele tun dies. Sieht man die vier verschiedenen Worte für Gebet, dann sind darin die vier unterschiedlichen Sinne, Anlagen, Richtungen unserer Seele angesprochen. Mit jedem filtern wir die Wirklichkeit in ganz bestimmter Hinsicht. Die Fülle aller Aspekte erst macht die ganze Sicht aus. Ein jeder Mensch entspricht seiner Begabung gemäß dem einen oder anderen Teil. So sind auch unsere Gebete alle unterschiedlich und verschieden, wenn wir mit Herz und Sinnen zu Gott beten.


3.1 Es fängt beim Beten mit den Bitten an, déäsis. Das ist: ich lege es vor Gott hin. Da, Herr. Es liegt jetzt nicht mehr nur auf meinem Küchentisch. Es liegt vor Dir, auf Deinem heiligen Schreibtisch.
Das Examen der Freundin. Die Schwangerschaft. Das kaputte Auto. Der böse Mieter. Kopfschmerz. Alles. Welcher Berg von Dingen liegt noch auf ihrem Herz, der eigentlich vor Gottes Herz liegen sollte.
Jeder Tag ein Umschichten: von mir zu IHM. Vor und auf mir liegt es immer von alleine. Vor den Herrn muss ich es ablegen. Von Herzen mit meinem Sinn. Gestaltungssinn: Von hier nach dort.
Bitten als Hinlegen vor Gott ist ein Lebensstil. So was muss man sich angewöhnen, damit es wie selbstverständlich läuft. Das ist wie das Aufräumen einer Wohnung, wenn kleine Kinder darin leben. Da kommt nur Ordnung rein mit tausend Handgriffen. So ist es mit unseren Bitten. Das vor Gott. Und das. Und das. Tausendmal. Beten wir so: Das vor Dich und das und das. Rund um die Uhr.

3.2 Gebet - proseuchás. Wenn es doch jetzt schon alles wieder im Lot wäre! Wäre es doch jetzt schon nächste Woche! - Wenn Sie solche Wünsche kennen, dann wissen Sie, was Proseuchás sind. Wünsche vor Gott ausgeschüttet wie ein Eimer. Sehnsüchte, die uns bestimmen, Ihm anvertraut. Geheime Erwartungen IHM erzählt. Herr, ich will. Doch Dein Wille geschehe. Manchmal sind solche Gebet blau vor himmlischer Erwartung. Manchmal rot vor Kummer und Verletzung. Manchmal grün wie die Hoffnung. Und manchmal schwarz vor Verzweiflung. Proseuchás sind die Farben ihrer Bitten. Unsere Sinne fühlen vor Gott. Und Gott fühlt mit.
Deswegen fließen Tränen beim Beten. Deswegen lachen wir los, wenn wir mit Gott sprechen. Empfindsam beten und Empfindungen mit Gott beim Beten teilen. Was für ein Schatz der Seele. Herr, ich wünsch mir. Du kennst die Sehnsucht meines Herzens.

3.3 Die Fürbitten - énteuxis - sind hier ganz besonders beschrieben.

3.3.1 Zunächst: Ich bitte jeden, nach seiner Verantwortung Fürbitte zu tun. Ein Lehrer soll für seine Schüler einmal am Tag beten. Jeder Pate einmal am Tag für sein Patenkind. Jeder Partner für seinen Partner und wenn es sie gibt für seine Kinder und Enkel. Jeder Pastor soll für seine Mitarbeitenden jeden Tag einmal beten und für alle ihm anvertrauten Anliegen.
Wo wir das tun kann der Geist des Herrn zurück wirken auf den Geist der Betroffenen. Wie viele Kinder sind durch die Gebete der sonst oft belächelten Oma gerettet worden.

3.3.2 Man soll erst dann mit der Fürbitte aufhören, wenn der Herr im Herzen dafür ein Signal gibt. Jetzt kannst du damit Schluss machen. Oft sagt ER: Für die Person bete weiter.

3.3.3 Gott schickt Segen. Er benutzt dafür Verbindungen natürlicher Beziehung und Verantwortung. Wie im römischen Brunnen fließt das Wasser von einer Schale in die nächste herab, gemäß den inneren Ordnungen, in denen wir verbunden sind. Die Bibel spricht vom Fluch bis in das dritte Glied und vom Segen bis in das tausendste. Also: Der Weg ist offen. Gehen wir ihn und leisten Fürbitte.

3.3.4 Ènteuxis, Fürbitte, bedeutet vom Wortsinn her dies. Ich habe eine Audienz bei einem Machthaber. Ihn soll ich zu einem Handeln in einer Angelegenheit bewegen. Ich verhandele also.
Herr, von meiner Sicht her sieht das so aus. Da müsstest DU bei dieser Familie schnell eingreifen. Denn sie sind völlig am Ende. Ich bitte Dich also, zögere nicht, Heilung zu schenken. Wie auch immer. Es geht nicht mehr. Oder hast DU andere Informationen als ich. Dann würde ich sie gerne wissen. Wenn nicht: Um Deiner Ehre willen. Hilf.

3.3.5 Verhandeln ist Sache des Willens. Mit dem Willen beten. Abraham, Mose, Jeremia, Jesus, Paulus, alle haben sie mit Gott verhandelt. ER war dazu bereit. Wir also auch. Fürbitte, énteuxis. Und scheuen Sie sich nicht, einen Gebetszettel anzulegen, wenn Sie nicht alles im Kopf behalten können.

3.4 Danksagung - eucharistía. Dieses Wort für Gebet hat die katholische Tradition übernommen, um damit die Feier des Herrenmahls im Gottesdienst zu beschreiben. Nach dem Dankgebet für Brot und Wein als Gegenwart für Leib und Blut Christi wird oft die ganze Messe Eucharistie genannt.

3.4.1 Der Herr hat geholfen. Ich bin gut angekommen. Es geht mir wieder gut. Danke, Herr. Du bist gut zu mir. Es hätte ganz anders kommen können. Echt danke.
Ich teile mein Glück mit Gott. Ich halte es nicht nur für mich, bei meinen Lieben. Ich gebe es zurück woher es kommt. Zu Gott.

3.4.2 Beim Danken erhebt sich meine Seele. Sie steht auf wie beim Applaus. Sie sagt: Ich will dich erheben, mein Gott, Du König. Ich finde Dich gut. Ich weiß, dass Du es bist. Jetzt bist du es für mich. Ich erhebe Dich.
Wenn wir die Eucharistiegebete wieder lernten. Wer Gott hoch sein lässt, der wird auch selber erhoben. Wie manches Kellerloch der Seele würde leer, weil wir zum Himmel beten und zum Herrn erheben werden. Danken ist schön. Es freut. Die Seele nährt sich von dem, woran sie sich freut.

3.4.3 Heute dem Herrn schon Danke gesagt? Das ist eine Frage, die schnell zur Moral verdirbt. Doch wer sie als Ausdruck der Flügel seiner Seele kennt, den trägt sie und der fliegt mit ihr.


4.1 Die vier Sinne unserer Seele als Ausdruck unseres Gebetes:
Gestaltung - Bitten - déäsis - Da, Herr.
Gefühl - Gebet - proseuchás - Du kennst meine Sehnsucht.
Wille - Fürbitte - énteuxis - Es wird Zeit, Herr, bitte.
Phantasie als Kraft zur Erhebung - Danksagung - eucharistía - Ich erhebe dich, Herr.
So vor Gott sein. So sollen Christen beten.

4.2 Eine interessante Beobachtung zum Schluss. Für die Herrscher soll gebetet werden, für alle, die Macht haben. Das war ganz schön demütigend für sie.
Denn die Mächtigen waren damals wie Götter. Man betete sie an, aber nicht für sie. Das Gebet für sie bedeutet: Auch sie werden vom Herrn gelenkt. So wurden sie in ein anderes Licht gerückt. Wir sollen sie achten, sie nicht verehren, doch für sie beten. Ihr göttlicher Zauber wird gebrochen. Gott ist groß.

4.3 Ihr Telefon klingelt. Kummer in der Verwandtschaft. Wissen Sie jetzt, was für Ihr Tagesgebet noch ansteht?


Amen.



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Zuletzt geändert am 04.05.2010 von: (fp)