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11. Sonntag nach Trinitatis
von Prädikantin Gisela Johannes

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Prädikantin Gisela Johannes)

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Predigt am 15. August 2010

Gottes gnädigem Erbarmen glauben

4/5 Gott aber, der voll Erbarmen ist, hat uns, die wir infolge unserer Sünden tot waren, in seiner großen Liebe, mit der er uns geliebt hat, zusammen mit Christus wieder lebendig gemacht. Aus Gnade seid ihr gerettet.
6 Er hat uns mit Christus Jesus auferweckt und uns zusammen mit ihm einen Platz im Himmel gegeben.
7 Dadurch, dass er in Christus Jesus gütig an uns handelte, wollte er den kommenden Zeiten den überfließenden Reichtum seiner Gnade zeigen.
8 Denn aus Gnade seid ihr durch den Glauben gerettet, nicht aus eigener Kraft - Gott hat es geschenkt -,
9 nicht aufgrund eurer Werke, damit keiner sich rühmen kann.
10 Seine Geschöpfe sind wir, in Christus Jesus dazu geschaffen, in unserem Leben die guten Werke zu tun, die Gott für uns im Voraus bereitet hat.

Epheser 2, 4-10

"Immerhin",
"Es könnte doch sein, dass es das gibt,
sagt was ihr wollt:
Ein Erbarmen, das mich hält, das mich trägt von jeher.
Ein Erbarmen, in das ich mich bergen kann jederzeit."

Liebe Gemeinde!

1.1 Lothar Zenetti, ehemals Pfarrer und Hörfunkbeauftragter der hessischen Kirche, beginnt mit seinem Gedicht einen leidenschaftlichen Appell an die Glaubenskraft seiner Schwestern und Brüder. Es spricht uns an als Bedenkenträger, die wir die Worte unseres Predigttextes von links nach rechts drehen, skeptisch, als ob es sich um Seifenblasen handelt, schillernd, aber beim kleinsten Windhauch zerplatzend.
"Sagt was ihr wollt".

1.2 Die Worte im Epheserbrief leuchten warm und kraftvoll. Sie sprechen von Meilensteinen in der Begegnung zwischen Gott und Mensch.


2.1 Zu allererst steht das Erbarmen Gottes wie ein Fels in der Brandung. Es heißt: Gott hat uns trotz aller unserer Sünden, die uns wie tot erscheinen lassen, zusammen mit Christus wieder lebendig gemacht.

2.2 Erbarmen hat sehr viel mit Gefühl zu tun. Gott begibt sich nicht in die Position dessen, der sich entnervt mit uns ach so zaghaft Glaubenden oder distanzierten Menschen notgedrungen befasst.
Erbarmender Gott: Da assoziiere ich immer den Vater aus dem Gleichnis mit dem verlorenen Sohn. Rembrandt van Rijn, der große holländische Maler, hat es für mich eindrucksvoll ins Bild gesetzt. Der Sohn kniet in abgerissenen Kleidern vor seinem Vater mit weit geöffneten Armen. Es ist ein Bild, in dem klägliches Scheitern auf die herzerwärmende Kraft der Liebe trifft.
Erbarmen - warum? War da etwas? Warum sollte Gott sich erbarmen?

2.3 Es gibt eine schlichte, starke Antwort: aus Liebe.
Aus Liebe erbarmt sich Gott. Er ist bereit, alles was falsch gelaufen ist hintenan zu stellen. Da ist kein Mitleid. Da ist viel mehr. Gott setzt einen neuen Anfang. Und dies trotz aller schlechten Erfahrung mit uns Menschen.

2.4 Gott liebt seine Menschen so sehr, dass er ihnen in der Gestalt seines Sohnes entgegenkommt. Christus stirbt am Kreuz. Er nimmt unsere Sünde auf sich. Er überwindet die Ferne zwischen Gott und Mensch. Gott ist in Christus, voller Erbarmen.
"Sagt was ihr wollt".

2.5 Wie kommen wir an Gottes Erbarmen?
Eines stellt unser Text sicher: unsere Werke, unser Engagement sind es nicht. Mit dieser Frage hat sich auch Luther auseinandergesetzt. Seine Schlussfolgerung heißt: Allein aus Gnade. Aus Gnade schenkt Gott sein Erbarmen.
Was ist Gnade?


3.1 Unter Gnade verstehen wir etwas Außergewöhnliches. Etwas was man sich weder verdienen noch kaufen kann. Wir sprechen von begnadeten Künstlern. Da gibt es Komponisten wie Mozart. Es gibt Maler wie den schon erwähnten Rembrandt. Das sind Menschen, die etwas können, was einem durchschnittlichen Bürger nicht gelingt. Sie besitzen Gaben, die über Fähigkeiten hinausgehen, die wir uns erarbeiten können.

3.2 Der griechische Text und auch der ins Lateinische übersetzte Text sprechen nicht von Gnade, sondern von Geschenk. Erst Luther hat in seiner Bibelübersetzung von Gnade gesprochen.
Dieses uns von Gott gemachte Geschenk, seine Gnade, ist unbeschreiblich groß. Wir haben nichts, das wir zurückschenken könnten. Wir bleiben Beschenkte.

3.3 Aber was ist es eigentlich, was uns aus Gnade überreicht wurde?
Mit Jesus starb am Kreuz der Tod. Durch seine Auferstehung werden wir mit ihm auch auferstehen. Wir werden mit ihm leben.
Durch unsere Taufe sind wir mit Gott für immer fest verbunden. Das schließt das Leben ein, das er uns aus seiner Gnade gibt.
"Sagt was ihr wollt".
Wir sind lebensverbunden. Gottes Gnade ist das Netz unter dem Seil, auf dem das Leben tanzt.


4.1 Zu Gottes Gnade kommt nun unser Glaube.
Unser Predigttext ist quasi so etwas wie ein Erinnerungszettel an der Pinnwand unseres Lebens. Darauf steht: Durch Gottes Gnade, die du glaubst, bist Du gerettet.
Diese Erinnerung brauchen wir immer wieder. Denn wir sind in unserem Alltag mit so vielen Dingen beschäftigt, dass wir Gott oft aus dem Blick verlieren.

4.2 Der Glaube vertraut Gottes Zusage: Er lässt uns nie allein. Er liebt uns. Er hat uns erlöst.


5.1Was kann das für mich persönlich bedeuten?

5.2 Wenn ich an Gott glaube, dann kann ich von der eigenen Kraftlosigkeit, von meinem kleinen Mut absehen. Ich muss nicht meinen kleinen Erfolg gering schätzen. Oft ist das schwierig in einer Welt, die nur großen Erfolg und sichtbare Leistung auf ihre Fahnen schreibt. Wir bedürfen der Unterstützung unseres Herrn.

5.3 Jesus hat uns gezeigt wie das geht. Erinnern Sie sich wie schnell und glücklich der Zöllner Zachäus von seinem Baum herunterkletterte als Jesus sich ihm zuwandte? Wie befreit wirkte er.

5.4 Wer dem barmherzigen Gott vertraut gewinnt Freiheit. Es ist eine Freiheit, die eigene Ansprüche und Leistungszwänge im Namen Gottes überprüft. Es ist eine Freiheit, die sagt: Gott liebt mich so wie ich bin. Mit ihr kann ich auch eigene Grenzen akzeptieren.

5.5 Jesus hat immer wieder davon gesprochen und uns gezeigt wie er Leben versteht. Wir glauben ihm. In seiner Nachfolge wissen wir, was wir zu tun haben. Kranke und Gefangene warten auf unseren Besuch. Ungerechtigkeit gilt es entgegen zu wirken. Unseren Lebensraum müssen wir schützen. Wo wir im Geist des auferstandenen Christus handeln, leben wir mit Gott im Einklang.


6.1 Der barmherzige Gott kommt uns entgegen. Wo wir ihm glauben und vertrauen nimmt er uns hinein in seine Gnade. Daran will uns unser Predigttext erinnern.

6.2 "Sagt was ihr wollt,
es könnte doch sein, dass es das gibt:
Das einer da ist, der ja zu mir sagt,
der in mir atmet, dessen Herz in mir schlägt,
der macht, dass ich bin.
Es könnte doch sein, dass es das gibt,
sagt was ihr wollt."


Amen.



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Zuletzt geändert am 01.01.2010 von: (fp)