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12. Sonntag nach Trinitatis
von Prädikantin Gisela Johannes

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Prädikantin Gisela Johannes)

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Predigt am 22. August 2010

Saulus - Paulus

1 Saulus wütete immer noch mit Drohung und Mord gegen die Jünger des Herrn. Er ging zum Hohenpriester 2 und erbat sich von ihm Briefe an die Synagogen in Damaskus, um die Anhänger des (neuen) Weges, Männer und Frauen, die er dort finde, zu fesseln und nach Jerusalem zu bringen.
3 Unterwegs aber, als er sich bereits Damaskus näherte, geschah es, dass ihn plötzlich ein Licht vom Himmel umstrahlte.
4 Er stürzte zu Boden und hörte, wie eine Stimme zu ihm sagte: Saul, Saul, warum verfolgst du mich? 5 Er antwortete: Wer bist du, Herr? Dieser sagte: Ich bin Jesus, den du verfolgst. 6 Steh auf und geh in die Stadt; dort wird dir gesagt werden, was du tun sollst.
7 Seine Begleiter standen sprachlos da; sie hörten zwar die Stimme, sahen aber niemand.
8 Saulus erhob sich vom Boden. Als er aber die Augen öffnete, sah er nichts. Sie nahmen ihn bei der Hand und führten ihn nach Damaskus hinein. 9 Und er war drei Tage blind, und er aß nicht und trank nicht.

Apostelgeschichte 9, 1-9

Liebe Gemeinde!

1.1 Wäre ich damals eine der Jüngerinnen des Herrn gewesen, so wäre mir bei dem Gedanken an Saulus von Tarsus angst und bange geworden. Unser Text spricht von ihm als einem Mann, der die Leute des neuen Weges, also die Nachfolger Jesu, verfolgt. Er tut das mit voller Wut und schweren Drohungen.

1.2 Es scheint, dass Saulus sehr tatkräftig war. Wir wissen, er war dazu noch hochgebildet, ein frommer Mann und tief religiös. Sein Glaube, die Lehren der Thora, das alles war ihm ungeheuer wichtig. Dafür konnte er kämpfen und war dabei nicht zimperlich.

1.3 Da tobte ein Mann gegen die jungen Christengemeinden, wollte sie vernichten, weil er ihren Glauben an Jesus Christus als Gotteslästerung verstand. Nach dem Motto "wehret den Anfängen" wollte er unterbinden, dass die Botschaft von Jesus Christus sich weiter ausbreitete. Mit Sicherheit war er überzeugt, dass dieser Jesus nicht der erwartete Messias war. Schließlich hatte man diesen Mann hingerichtet. Dass er angeblich am 3. Tag wieder auferstanden war, hielt Saulus für eine glatte Lüge. Mit den Verheißungen war das nicht in Einklang zu bringen.

1.4 Gleichzeitig war Saulus auch ein vorsichtiger Mann. Den Kampf gegen jene "Abweichler" führte er nicht ohne Rückendeckung. So ließ er sich vom obersten Priester Empfehlungsschreiben ausstellen. Sein Plan war es, nach Damaskus zu reisen und seine Hetzjagd dort fortzusetzen.

1.5 Dazu brauchte er die Unterstützung seiner Glaubensgenossen vor Ort. Sie kannten die Szene und konnten ihm behilflich sein, die Anhänger Jesu zu finden. Saulus brauchte die Namen der Jünger und Jüngerinnen. Die wollte er dann festnehmen und nach Jerusalem schaffen. Dort konnten sie dann vor Gericht gestellt werden. Ein schlau eingefädelter Plan.


2.1 Viel anders sehen die heutigen Kämpfe um Überzeugungen auch nicht aus. Da gibt es z.B. die Selbstmordattentäter. Sie töten sich und andere aus Rache oder um einer bestimmten Gesinnung ein Zeichen zu setzen. Leid und Chaos werden in die Welt gesetzt. Wie viel Verblendung und Hass haben dazu geführt. Diese Menschen sind von der Berechtigung ihres Tuns zutiefst überzeugt.

2.2 Auch Paulus verhielt sich wie ein Fanatiker. Die Marschrichtung war für ihn klar. Die Legitimation hielt er in Händen. Dachte er.


3.1 Aber kurz vor Damaskus passierte etwas, was ihn buchstäblich zum Anhalten zwang. Ein Licht vom Himmel tauchte den Verfolger in gleissende Helligkeit ein. Machtvoll greift Gott in das Leben des Saulus ein, stellt sich ihm in den Weg. Dieses Himmelslicht blendet ihn so stark, dass er fällt. Er gerät aus dem Gleichgewicht, und kann sich nicht mehr auf den Beinen halten. Der Boden wird ihm unter den Füßen weggezogen.

3.2 Merkwürdigerweise fangen genau an dieser Stelle wilde Spekulationen an. Hatte Saulus einen epileptischen Anfall, halluzinierte er, oder hatte er eine Vision? Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt. Solche Überlegungen führen nicht weiter. Warum sollte man dieses Ereignis relativieren oder gar klein reden?

3.3 Entscheidend ist, dass es bei dieser Lichterscheinung nicht bleibt. Wie sehr muss sich Saulus erschreckt haben. Seine Begleiter können das bezeugen als eine Stimme zu ihm spricht: Saul, Saul, warum verfolgst Du mich?

3.4 An dieser Stelle verändert sich etwas bei ihm. Man spricht vom Damaskus Erlebnis. Das ist ein plötzlicher Prozess des Umdenkens bei einem Menschen, ein einschneidendes Erlebnis. Was bisher galt ist nun nicht mehr Handlungsgrundlage. Der Mensch wandelt sich um 180 Grad.
Für Saulus begann eine geistliche Wandlung. Er tut das ganze Geschehen nicht als eine Sinnestäuschung ab. Er lässt sich ein auf ein Gespräch. Er fragt die Stimme. Er wählt dabei die Anrede "Kyros", Herr. So nennt man hochgestellte Persönlichkeiten, z.B. einen König. Saul stellt eine Gegenfrage: Wer bist Du Herr? Da ist er ganz geistesgegenwärtig. Er möchte eine Antwort offen und ehrlich.


4.1 Mir gefällt die Frage, die Saulus stellt. Ich frage mich und auch uns alle, wann haben wir gefragt: Herr, wer bist Du? Mit Sicherheit ist das eine schwierige Frage.

4.2 Eine fertige Antwort gibt es darauf wahrscheinlich nicht. Es Recht gibt es auch keine Antwort, die für alle Menschen gleich ist. Jesus, unser Bruder, wer bist Du hier und heute?

4.3 Als Christinnen und Christen in seiner Nachfolge müssen wir uns immer wieder neu an ihm orientieren und fragen: Herr, wer bist Du?

4.4 Für Saulus war in diesem Moment die Antwort: Ich bin Jesus, den du verfolgst. Und für Saulus gab es in diesem Moment nicht den leisesten Zweifel, dass Christus selbst zu ihm gesprochen hatte. Was mag das mit ihm gemacht haben? Jesus stellt sich ihm in den Weg, und bringt sein ganzes Leben durcheinander.


5.1 Aber Saulus hört noch mehr. "Steh auf, und geh nach Damaskus. Dort wirst Du erfahren was Du tun sollst." Danach hörte er nichts mehr. Aber er weiß, dass er etwas dazulernen soll. Bisher hatte er doch immer selber gewusst, was er tun sollte.
Nun soll er warten, soll hören, die Antwort finden.

5.2 Durch die übergroße Helligkeit kann Saulus nicht mehr sehen und muss sich doch neu orientieren. Sein Weg erscheint als eine Sackgasse. Seine Lebensplanung steht nicht mit Gottes Planung im Einklang.

5.3 Das erleben wir doch auch immer wieder. Wir fragen dann: Herr, was sollen wir tun? Hören wir genau hin? Paulus tat es.

5.4 Jemand der auch genau hörte war z.B. Abraham. In Etappen ging er seinen Weg mit Gott. Das Ziel kannte er gar nicht. Für Saulus hieß es zunächst: Warte, du wirst eine klare Weisung bekommen. Wann auch immer.


6.1 Selbständig nach Damaskus gehen, das konnte Saulus nicht. Er sieht nichts mehr, ist mit Blindheit geschlagen. Seinen Weg findet er nicht allein. Er muss sich seinen Begleitern anvertrauen, die ihn führen.

6.2 Es fällt auch uns manchmal schwer, an der Hand genommen zu werden wenn wir auf einem Weg nicht mehr weiterkommen, vielleicht umkehren müssen. Saulus hatte keine Wahl. Er war orientierungslos.

6.3 Offenbar braucht man Zeit um nachzudenken, um zu Erkenntnissen zu gelangen. Drei Tage kann Saulus nicht sehen. Das ist mit Sicherheit nicht leicht zu verkraften. Es sind drei Tage voller Enge, Angst, Dunkelheit, Ungewissheit und Abhängigkeit. Eine Art inneres Gefängnis. Das Leben steht still, der Mann trinkt und isst nicht mehr.

6.4 Wie es weitergehen soll ist im Moment scheinbar nicht klar. Aber es gibt eine klare Führungszusage Gottes. "Du wirst erfahren was du tun sollst." Gott führt. Er führt nicht nur den Fanatiker Saulus und formt ihn zu einem seiner besten Mitarbeiter und Zeugen.

6.5 Gott führt auch uns. Ganz sicher. Nur hören müssen wir. Aufmerksam hören. Dann kann der Herr auch in erstarrte Lebensmuster Bewegung bringen. Ein Signal zum Aufbruch in einen neuen Anfang. Ganz gewiss.


Amen.



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Zuletzt geändert am 01.01.2010 von: (fp)