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13. Sonntag nach Trinitatis
von Prädikantin Gisela Johannes

(Rückmeldung oder Frage an
Prädikantin Gisela Johannes)

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Predigt am 29. August 2010

Neuer Name: Liebe

7 Liebe Brüder, wir wollen einander lieben; denn die Liebe ist aus Gott, und jeder, der liebt, stammt von Gott und erkennt Gott.
8 Wer nicht liebt, hat Gott nicht erkannt; denn Gott ist die Liebe.
9 Die Liebe Gottes wurde unter uns dadurch offenbart, dass Gott seinen einzigen Sohn in die Welt gesandt hat, damit wir durch ihn leben.
10 Nicht darin besteht die Liebe, dass wir Gott geliebt haben, sondern dass er uns geliebt und seinen Sohn als Sühne für unsere Sünden gesandt hat.
11 Liebe Brüder, wenn Gott uns so geliebt hat, müssen auch wir einander lieben.
12 Niemand hat Gott je geschaut; wenn wir einander lieben, bleibt Gott in uns, und seine Liebe ist in uns vollendet.

1. Johannes 4, 7-12

1.0 In der Millionenstadt Tokio stromert ein kleiner Junge frierend und bettelnd durch die Straßen. Er spricht einen Europäer an und bittet um eine Gabe. Der nennt ihm eine Adresse, beschreibt ihm das Haus und sagt: "Wenn man Dir öffnet, sagst du "1.Johannes 4 Vers 9". Der Junge wundert sich, aber er rennt los. Unterwegs murmelt er vor sich hin: "1.Johannes 4 Vers 9!" Er findet die Straße und das Haus, klopft an, und auf die Frage was er wünsche, sagt er: "1.Johannes 4 Vers 9". Der Junge wird hereingebeten, bekommt ein warmes Bad, neue Kleidung und ein gutes Essen. Als der Junge überglücklich das Haus verlässt, denkt er noch immer an die wunderbare Parole 1.Johannes 4 Vers 9. In Gedanken versunken rennt er auf die Straße und wird von einem Auto angefahren. Schwer verletzt wird er ins Krankenhaus gebracht. Immer wieder murmelt er vor sich hin: 1.Johannes 4 Vers 9, sonst nichts. So schreiben die Schwester auf die Tafel über seinem Bett als Namen: 1.Johannes 4 Vers 9.

Liebe Gemeinde!

1.1 Erinnern Sie sich noch? Die Parole des kleinen Jungen ist ein Vers aus unserem heutigen Predigttext. Sie lautet: "Dadurch ist Gottes Liebe unter uns offenbar geworden, dass er seinen einzigen Sohn in die Welt sandte." Gott lässt uns damit eine wunderbare Wahrheit sagen: "Du bist geliebt. So sehr geliebt, dass ich mein Liebstes für Dich gab."

1.2 Der kleine Japaner in unserer wahren Geschichte wundert sich. An Stelle eines Geldstücks oder etwas Essbarem gibt ihm der Fremde ein geheimnisvolles Code-Wort und eine Adresse an die Hand. Der Kleine läuft los. Er weiß gar nicht, was er sich da gemerkt hat. Aber für ihn ist es eine Hoffnung wert. Er vertraut darauf, dass für ihn mit seinem großen Hunger etwas dabei herauskommt.

1.3 Und sieh, schau, sieh da, das Code-Wort ist ein "Sesam öffne dich". Die Menschen kennen das Wort. Sie machen ihre Türe weit auf. Sie geben dem kleinen Jungen alles, was er braucht. Diese Bibelstelle trifft das Selbstverständnis der Menschen, die ihm öffnen. Aber warum handeln sie? Fühlen sie sich durch Gottes Wort verpflichtet?


2.1 Unser heutiger Predigttext beginnt mit einer Forderung: "Lasst uns einander lieben!" Als ob man Liebe befehlen könnte! Ich denke, wir sind uns einig: Liebe kann man weder erzwingen noch einfordern. Sie ist ein Geschenk. Eines der wenigen Dinge im Leben, die uns zufliegen, die wir uns nicht erarbeiten können. Manche sprechen von der Liebe als einer Himmelsmacht. Lieben durch Aufforderung? Da ist erst einmal Widerspruch angesagt.

2.2 Aber dem oben genannten Satz folgt ein weiterer Halbsatz, den wir gleich mitlesen sollten: "Denn die Liebe ist von Gott". Beide zusammengenommen sind die ganze Aussage: "Lasst uns einander lieben, denn die Liebe ist von Gott."

2.3 Bevor wir über diesen Satz weiter nachdenken, sollten wir klären, was Johannes mit Liebe meint. Unsere Vorstellung von Liebe ist meistens mit dem Begriff "Eros" verknüpft. Die physische Liebe, die wir in unendlichen Filmen à la Hollywood sehen können, oder die seit undenklichen Zeiten in Liedern besungen und in Büchern beschrieben wird, die ist hier nicht gemeint.

2.4 Im griechischen Text begegnet uns das Wort "Agape". Mit Agape bezeichnet man nicht die erotische, sinnliche Liebe, sondern die freundliche Hinwendung zu jemandem, um dessen selbst willen. Um diese Liebe geht es in unserem Text. Die Liebe ist also weit mehr als ein überschwängliches Gefühl. Sie ist eine Lebensform, eine Einstellung.
Liebe ist ein Zustand des Vertrauens.


3.1 Johannes spricht in unserem Predigttext von der Liebe, die von Gott kommt. Er macht deutlich, was Gott für die Menschen getan hat. Gott hat seinen Sohn in die Welt gesandt, damit er durch seinen Tod alle unsere Sünde tilgt.

3.2 Wer von Gottes Liebe spricht muss diese wahre Geschichte erzählen. Er muss erzählen, dass Jesus für uns einen grausamen Tod erlitten hat. Am Kreuz begegnen wir der bedingungslosen Liebe Gottes. Wir sind erlöst aus Liebe.

3.3 Das alles hat Gott für uns Menschen getan ohne zu fragen, ob wir unsererseits irgendeine Fähigkeit zur Liebe haben. Gott hat seine Liebe nicht an Bedingungen geknüpft, er hat uns einfach geliebt. Gott ist sozusagen in Vorleistung gegangen und hat uns ein Geschenk gemacht.


4.1 Weil das so ist, hat der Mensch die Möglichkeit zu antworten. In Vers 11 lesen wir: "Ihr Lieben, wenn uns Gott so sehr geliebt hat, dann müssen wir auch einander lieben." Das ist eine Erkenntnis, die sich für uns ganz logisch aus Gottes Handeln ergibt.

4.2 Dem Text zufolge sind wir verpflichtet zu lieben, weil Gott uns schon geliebt hat. Nicht wir sind es, die zuerst lieben. Gott hat das Seine schon getan. Darauf sollten wir glaubend vertrauen.

4.3 Aus diesem Glauben heraus können wir lieben und entsprechend handeln.
Die von Gott erfahrene Liebe war in unserer Eingangsgeschichte der Grund, warum diese Menschen dem kleinen Jungen geholfen haben.
Wir wissen, dass Gott uns in unserem alltäglichen Leben liebt. Das kann unsere Fantasie beflügeln und uns Kraft geben, aufeinander zu achten, füreinander zu sorgen. Zum Beispiel können wir in unseren Familien aufmerksam und liebevoll miteinander umgehen. Am Arbeitsplatz und in der Schule müssen wir nicht unsere Ellbogen gebrauchen. Wir können anderen Menschen in unserem Umfeld auch einmal etwas "gönnen", ohne dass wir es auch haben müssen.

4.4 Es ist aber gar nicht so einfach, Gottes Liebe in unserer heutigen Zeit erkennbar zu leben. Viele Menschen kennen seine Liebe nicht, viele wollen sie nicht annehmen.
In Berlin habe ich fünf Jahre lang als sog. "Grüne Dame" an der Charité gearbeitet. Ich gehörte zu einem ehrenamtlichen Besuchsdienst, der kleine Aufträge für die Kranken erledigte und viel Zeit zum Zuhören mitbrachte. Ab und an wurde ich von Patienten gefragt, warum ich das mache. Manchmal war es schwer, keine ausweichende Antwort zu geben, sondern zu sagen: ich bin Christin. Schön war es, wenn sich dann ein lebhaftes Gespräch entwickelte.
Vielleicht wird unsere Welt ein kleines bisschen wärmer, wenn wir der zunehmenden Lieblosigkeit Widerstand entgegensetzen weil Gott uns liebt.


5.1 Niemand hat Gott je gesehen. In Jesus ist Gottes Liebe sichtbar geworden. Er ist die Basis unseres Lebens. Deswegen gilt auch uns die Parole: "Geliebt seid ihr, unendlich geliebt".

5.2 Wäre nicht 1.Johannes 4, Vers 9 ein schöner Name auch für uns?


Amen.



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Zuletzt geändert am 10.01.2011 von: (fp)