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14. Sonntag nach Trinitatis
von Pfarrer Friedhelm Peters,
Costa del Sol

(Rückmeldung oder Frage an
Pastor Friedhelm Peters)

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Gottesdienst am 5. September 2010

Welcher der Geist Gottes treibt

12 Wir sind also nicht dem Fleisch verpflichtet, Brüder, so dass wir nach dem Fleisch leben müssten.
13 Wenn ihr nach dem Fleisch lebt, müsst ihr sterben; wenn ihr aber durch den Geist die (sündigen) Taten des Leibes tötet, werdet ihr leben.
14 Denn alle, die sich vom Geist Gottes leiten lassen, sind Söhne Gottes.
15 Denn ihr habt nicht einen Geist empfangen, der euch zu Sklaven macht, so dass ihr euch immer noch fürchten müsstet, sondern ihr habt den Geist empfangen, der euch zu Söhnen macht, den Geist, in dem wir rufen: Abba, Vater!
16 So bezeugt der Geist selber unserem Geist, dass wir Kinder Gottes sind.
17 Sind wir aber Kinder, dann auch Erben; wir sind Erben Gottes und sind Miterben Christi, wenn wir mit ihm leiden, um mit ihm auch verherrlicht zu werden.

Römer 8, 12-13.14-17

Liebe Gemeinde!

1.1 Es sind die guten Geister, die uns helfen. So sagen wir. Der Autostau in einer Kurve. Wir bremsen. Wir kommen gerade noch zum Stehen. Gut. Das Stolpern an der Stufe. Wir können uns gerade noch halten. Wir stürzen nicht. Gut. Die Hilfe bei der Behandlung. Wir sind noch mal davongekommen. Die guten Geister. Wir haben sie sehr gerne. Am besten ist, sie stehen Schlange, längs an unserem Weg. Denn wenn sie weg sind, ja was dann? Wir wissen was mit denen ist, die von allen guten Geistern verlassen sind. So bitte nicht. Viel besser, sie begleiten uns.
Ich hoffe, es sind gute Geister, die es ermöglichen, dass wir heute hier sind.

1.2 Für viele ist die Welt damit zu Ende. Sie haben diesen Glauben in das Jenseits, das sie berührt. Durch gute Geister, hoffentlich. Durch Flügelrauschen, wie manche diesen unsichtbaren Engeleinsatz nennen. Durch Segen, den Gott fließen lässt und schenkt. So weit ist Glaube gut.
Das ist er auch. Er schenkt uns Energie, die wir nicht haben. Und Schutz vor Dingen, die wir nicht lenken können.
Doch dann ist Schluss. Was sollte man auch noch mehr zu dem Thema sagen.

1.3 Sehr viel, sagt Paulus: Ich sage mehr dazu. Und tatsächlich. Sein Wort im Römerbrief geht über das hinaus, was wir von guten Geistern glauben.
Er spricht von keiner Steigerung der Frömmigkeit wie Menschen sie sich vorstellen: mehr Kerzen helfen mehr in mancher Not. Oder: eine Opfergabe lässt doch unrechtes Gut gedeihen - was niemals stimmt.

1.4 Paulus spricht nicht vom guten Geist als unserem Diener. - Schön, wenn der da ist. - Er spricht vom guten Geist in uns. Und das ist eine völlig neue Dimension im Glauben eines Menschen. Was sonst als Glauben um mein Leben wirkt, wird in mein Leben eingepflanzt. Was um mich ist wird selbst zum Teil von mir. Ich habe nicht nur einen Glauben. Ich bin selbst Teil davon. Er lebt in mir und ich durch ihn.

1.5 Wie es dazu bei Menschen kommen kann, das sagt uns Paulus. Was das dann mit sich bringt, das schreibt er hier in unserem Text.


2.1 Zunächst wohl das Verblüffendste. Paulus stellt klar. Wir selber sind auch Geist. Es gibt so viele Menschen, die das leugnen. Aber es gibt auch viele, die leugnen, dass sie Gefühle haben oder einen Verstand. Ihr Leben sieht entsprechend aus. Fast alles kann man leugnen. Ob es dann weg ist, ist eine ganz andere Frage.

2.2 Wer leugnet spürt in der Regel nichts. Kein Wunder. Wer sich im Garten aufhält und hat sein Telefon im Haus, der hört es nicht. Und wenn es drinnen kracht, dann weiß er nicht, was war. Fiel ein Bild runter? Stürzte ein Regal? Ist eine Vase jetzt geplatzt?
Wer nicht in sich ist, der kann auch nichts begreifen, von dem was in ihm ist. Wer niemals in sich geht, der kennt auch nicht sein Inneres. Wer äußerlich bleibt ist wie jemand, der seine Wohnung nur von außen kennt. Erst übergeht er nur das Krachen, dann sieht er keine Überschwemmung, dann sammelt sich der Schmutz. Am Ende ist sein Inneres eine Wüste. Nur Äußerliches zählt noch: Habe ich nicht eine schöne helle Fassade? Steht nicht davor ein tolles Auto? Sieht nicht ein jeder wie ansehnlich alles ist.

2.3 Paulus nennt diesen Lebensstil "fleischlich". Er nennt es so, weil sich die Seele in uns für Äußeres entschieden hat, für das, was man nach außen von uns sieht. Klar, das ist unser Körper, unser Fleisch, unsere Natur mit allem, womit wir uns umgeben. "Fleischlich" leben. Die Seele richtet sich mit allen Kräften darauf aus. Sie geht nicht mehr in sich. Die Wohnung verkommt. Das Innere geht unter.


3.1 Es geht auch anders. Ich kann mein Inneres beachten. Ich kann mein Haus betreten und nachschauen. Ich kann der Seele folgen, die mich ruft: Schau hier. Achte auf das. Hörst du das Klopfen? Spürst du die Ahnung? Pack dieses an. Fälle die Entscheidung. Setze sie um. - Reinigen und pflegen, schmücken und einrichten, lieben und hoffen, das alles gehört zur Innenschau. Das alles prägt eine Wohnung. Wer sie besucht, der spürt es: Hier wird gelebt. Oder: hier war nie jemand drin.
Nicht anders in der Seelsorge. Wer in sich geht, geht anders mit sich um. Und auch mit anderen.

3.2 Die freie Zeit ist wunderbar geeignet, die Innenschau zu pflegen. Manchmal ist es auch nötig, das Schloss nach innen aufzubrechen, da es schon lange klemmt und rostig ist. Warum denn nicht bei Sonnenschein und Rotwein. Viel besser macht sich dies bei gutem Kaffee als auf der Intensivstation mit Infusion.

3.3 Der Seele folgen mit dem, was sie von innen sagt. Das hieße "seelisch" leben. Sein Innenleben kennen und beachten. Mit Wachheit und mit Würde innerlich und äußerlich sein.


4.1 Noch immer sind wir nicht bei dem, was Paulus meint. Die Seele mit ihren inneren Entschlüssen, Fantasien, Empfindungen und ihrer Tatkraft, die Seele ist nicht unser Geist. Von dem sprach Paulus.

4.2 Der Geist in uns ist unser Herzstück. Er verbirgt sich in jedem Atem unseres Körpers, in jeder Regung unserer Seele, ist ihr Motiv, ist ihre Sonne, ist ihre Energie, die sie bewegt. Der Geist in uns ist, dass unser Körper lebt und unsere Seele lieben kann und will. Der Geist hält uns lebendig. Die Seele haben wir. Der Geist hat uns. Wir haben ihn geliehen. Wir geben ihm mit unseren Seelenkräften Gestalt. Der Geist regiert. Die Seele reagiert. Und unser Körper drückt dann etwas davon aus.

4.3 In unserer Ausstrahlung lebt viel von dem Geist, der uns trägt. Man muss nicht Künstler sein, um dieses zu verstehen. Doch Künstler fühlen und gestalten genau. Aus dem, was sie erschaffen, spricht der Geist, dem sie nachfolgen.
Wir alle wissen dies: Was nutzen gute Geister, wenn jemand mit bösem Geist uns nervt. Da laufen alle guten Seelenkräfte vor die Wand. Sie werden tiefgefroren. Der Geist wirkt. Er wirkt immer. Auch bei uns.
Mit unserer Seele, unserem Körper sind wir die Künstler, die auf dem Drahtseilakt des Lebens nach ihm tanzen oder fallen.

4.4 Nur äußerliche Menschen leugnen dies strikt. Sie wollen nicht, dass ihr Konzept gestört wird, nach dem nur wichtig ist, was außen geschieht. Was für ein Irrtum. Man muss sich schon ganz tief begraben lassen unter "Fleischlichem". Und dennoch wird die Sehnsucht als die letzte Stimme unseres Geistes sagen: Mir fehlt der Friede. Paulus: Wenn ihr nach dem Fleisch lebt, müsst ihr sterben (13). Kein Geist, kein Leben.


5.1 Welcher Geist soll mich leiten? Das ist die Frage, die Paulus berührt. Ja, sagt er. Das ist die entscheidende Frage eines Lebens. Von welchem Geist will ich geleitet sein? Wer lässt mich meinen Lebenstanz bestehen?

5.2 Jetzt wird er Missionar. Er sprudelt über. Sehr wohl wissend, dass es bei Dingen des Geistes nichts zu missionieren gibt. Denn jeder entscheidet selbst und keiner für den anderen. So fließt es doch aus ihm voll Freude: Welche der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder (14). Welche der Geist Gottes treibt.

5.3 Mein Geist in mir hat eine Form des Trichters. Nach oben offen. Nach unten speist er meine Seele. Von welchem Geist will mein Geist nehmen und empfangen? Welches "Programm" soll in mir laufen, das ich sehen will? Von welchem Geist soll mein Geist denn erfüllt sein?


6.1 Komm, Heiliger Geist, und erfülle die Herzen deiner Gläubigen. Das ist eines der ältesten Kirchengebete. Paulus meint, das kann ein jeder selber sprechen, wenn er sich seiner wichtigsten Lebensfrage stellt. Dann hieße es: Komm, Heiliger Geist. Erfülle mein Herz. Ich glaube Dir.

6.2 Wenn ER sich unser erbarmt und unseren Lebenstrichter füllt, dann lebt von Seinem Geist in uns ein Teil. Und dieser Teil treibt, wie es Paulus sagt.
Ein Hefeteig treibt. Keiner kann sagen: Es geht erst unten los oder erst oben, erst links, dann rechts. Er treibt. So ist es auch mit Gottes Geist in uns. Er treibt: Manche früher aus dem Bett um zu beten. Manche weg von der Flasche, manche hin zu den Nöten, die es gilt anzupacken, manchen unters Kreuz Jesu, um endlich Vergebung zu empfangen. Immer treibt Er zum Leben aus Ihm, weg vom Leben nach dem "Fleisch".

6.3 Ich sage hinterher aus tiefstem Herzen: Ich habe das gemacht - durch die Güte des Herrn. Ich lebe - der Herr lebt in mir. Ich bin in Frieden - ER ist Mein Halt. Wer bin ich - Du hast mich angesehen. Du wirkst in mir - ich bin dein Kind. Welche der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder.


7.1 So sind die Gotteskinder selber gute Geister. Natürlich mögen andere Unsichtbare um sie sein. Doch Gottes Strom der Menschwerdung in Jesus hat sie gleichsam mitgerissen. Sie haben nicht nur ihren Geist entdeckt. Sie haben ihn von Gottes Geist erfüllen lassen, sind Gotteskind geworden hier auf Erden. Die guten Geister Gottes in Fleisch und Blut.

7.2 Sie lieben das Gebet in Gottesnähe: Abba (15). Papa. So sagen sie wie Jesus.
Sie leiden mit, wo Gottes Reich verdorben und verraten wird. Wenn sie mit Ihm leiden (17).
Sie leben Seine Gegenwart an allen Orten und zu jeder Zeit. Darin sind sie Miterben Christi (17).
Sie tragen ihren Geistes-Trichter offen nach oben. Das Zeugnis Gottes (16) kann so in sie fallen. Und so erfrischt Er jeden Tag ihr Herz.

7.3 Ein solches Gotteskind zu sein ist doch sehr attraktiv. Wir können es sein.

Amen.



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Zuletzt geändert am 23.06.2010 von: (fp)