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15. Sonntag nach Trinitatis
von Pfarrer Friedhelm Peters,
Costa del Sol

(Rückmeldung oder Frage an
Pastor Friedhelm Peters)

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Gottesdienst am 12. September 2010

Kein Glaubens-Model, aber schön durch Glauben

5 Alle aber begegnet einander in Demut! Denn Gott tritt den Stolzen entgegen, den Demütigen aber schenkt er seine Gnade. 6 Beugt euch also in Demut unter die mächtige Hand Gottes, damit er euch erhöht, wenn die Zeit gekommen ist.
7 Werft alle eure Sorge auf ihn, denn er kümmert sich um euch.
8 Seid nüchtern und wachsam! Euer Widersacher, der Teufel, geht wie ein brüllender Löwe umher und sucht, wen er verschlingen kann. 9 Leistet ihm Widerstand in der Kraft des Glaubens! Wisst, dass eure Brüder in der ganzen Welt die gleichen Leiden ertragen müssen!
10 Der Gott aller Gnade aber, der euch in (der Gemeinschaft mit) Christus zu seiner ewigen Herrlichkeit berufen hat, wird euch, die ihr kurze Zeit leiden müsst, wiederaufrichten, stärken, kräftigen und auf festen Grund stellen.
11 Sein ist die Macht in Ewigkeit. Amen.

1.Petrus 5, 5c-11

Liebe Gemeinde!

1.1 Ist Ihnen das mal aufgefallen. Sie gehen am Strand spazieren. Da sehen Sie die neusten Bademoden. Tolle Strandkleider, Badehöschen, Sonnenhüte, Bikinis und fast gar nichts mehr. Das ist beinahe eine Modenschau. Warum beinahe? Weil fast jeder sich bemüht, schön auszusehen. Aber tut er, sie das?

1.2 Nahezu keiner ist so schön wie diese Handvoll Models, die uns als Maßstab gelten sollen. 99,9 Prozent der Menschen sind normal und sehen auch so aus. Es reicht nicht für den Laufsteg. Zumindest bei den meisten von uns nicht. Wir wissen das, auch wenn es stets noch Menschen gibt, die sich darüber grämen: Warum nur fällt mein Haar mir immer weg? Warum ist meine rechte Wade krumm? Selbstzweifel am unerreichbaren Ideal.

1.3 Und dennoch greifen wir nach schönen Dingen. Mit Recht. Wenn wir schon nicht das Ideal sind: wir machen uns doch schön. Wenn wir schon keinen Laufsteg betreten: die Stege unseres Lebens laufen wir so schön wie wir es können. Deswegen ist die beinahe Modenschau am Strand ein schönes Zeichen: wir machen uns so schön wie wir nur können. Nur wer sich aufgibt achtet nicht darauf.


2.1 In unserem Glauben ist das nicht anders. Wer ist schon idealer Christer, was immer das auch sei. 99,9 Prozent der Menschen, auch derer, die in die Kirche gehen, sind keine Glaubens-Ideale. Da fehlen die Kraft und oftmals auch die Tat. Da gibt es Versagen wider den eigenen Wunsch. Wir wollten es doch anders machen.
Das sieht nicht schön vor Gott aus. Wir ganz normalen Christen sind keine Laufsteg Truppe unseres Herrn. Oftmals sind wir schon froh, wenn wir die Marke Christsein mit dem Gottesdienstbesuch bezeugen und dazu stehen: Da geh ich hin. Dabeisein ist schon viel. Zugucken genug. Doch selber Ideal sein: Na, Danke. Dafür reicht's nicht.

2.2 So ist es. Und obwohl es so ist, strengen wir uns doch an. Wir geben uns nicht auf.
Obwohl das Haar nicht ideal ist. Ich gehe zum Friseur. Obwohl die Haut ganz trocken. Ich nehme meine Creme.
So auch im Glauben. Obwohl ich vielleicht nicht ideal bin, ich suche im Glauben Hilfe. Obwohl ich vor Gott nicht top bin, ich versuche es gut zu machen. Wir wollen schön sein. Auch im Glauben. Wenn schon nicht für den Laufsteg, für unser Leben soll es stimmen.

2.3 Und Gott sei Dank sucht Gott nicht Ideale. Die Glaubens-Models füllen nicht den Himmel. ER sucht die Sünder, die sich schick machen lassen. ER gab schon den Versagern Eva und Adam ein neues Fell als Kleid gegen die Scham. ER hat sich stets auf die Zweitbesten eingelassen. Mit neuen Kleidern nehmen sie an Seinem Festmahl teil.

2.4 Schönmachen im Glauben bei nicht idealen Voraussetzungen. Wie sieht das aus? Schauen wir uns an, wie es der Petrusbrief beschreibt. Er gab schon damals einen Tipp für ganz normale Menschen. Ich denke, was er sagt, trifft unseren Kern, damals wie heute.


3.1 Wie machen wir uns schön im Glauben? Drei Hinweise in unserem Text. Der erste: Demut. Der zweite: Gegen die Sorge. Der dritte: Nicht verschlucken lassen - vom Widersacher.

3.2 Was unseren Glauben schön macht, ist nicht aus Stoff und kommt nicht durch Kosmetik. Die Cremes des Glaubens sind himmlischer Natur. Der Heilige Geist muss Hand anlegen. ER drückt und streichelt mit enormer Tiefenwirkung. Und ER beginnt bei unserem Stolz: Ich bin doch wer.


4.1 Als erstes zeigt ER, dass der Satz nicht richtig ist: Ich bin doch wer. Wir meinen meist in unserem Stolz: Ich bin doch was. Wir denken da an irgendetwas Großes, was wir leisten. Doch was wir leisten, ist noch lange nicht, wer wir sind. Der Weg vom was zum wer ist weit. Oft kommt er niemals an. Stolz stärkt nicht.

4.2 Wo bist du? So fragte Gott Adam. ER wollte ihn aufwecken. Erkenne wer du bist. Ein einziges Geschenk von Mir, Gott, deinem Schöpfer. Und dann erkenne was du tust. Nur das, was Ich geschehen lasse. Was hast du, das du nicht empfangen hast.

4.3 Wer das begreift ist demütig. Demütig ist groß in zweiter Reihe. Der Stolz ist weg. Es dominiert die Dankbarkeit vor Gott. Die steht in der erster Reihe, immer vorn. - Du, Herr, hast mich auch angesehen. Danke. Ich bin wer: Ein Gotteskind. - Du, Herr, hast mich so vieles schaffen lassen. Ich bin was: Ein Beschenkter. Wie sollte ich mich jemals überheben. - Wo bin ich, Herr: Vor Dir. Danke. Immer? - Immer.

4.4 Eine solche Haltung aus dem Glauben, die macht schön. Nicht nur die eigene Seele, auch viele andere, die uns so nicht kennen. Stolz knechtet uns und andere. Demut macht Gott und andere groß und unsere Seele frei.

4.5 Schön durch den Glauben: in Demut.


5.1 Das zweite: Die Sorge. Die Sorge ist das Alltagsgefühl des Lebens. Es ist erstaunlich, wie sie alles überzieht, was wir ihr überlassen. Sie greift und ist nicht wählerisch. - Wird es zu heiß werden? Reicht das Brot? Stehe ich zu lange an der Kasse? Kriege ich noch den Bus? Helfen die Tabletten? Werde ich stolpern? Reichen die Kräfte? Wird der Friede halten? Reicht mein Geld? Unendlich sind die Fragen, die uns die Sorge stellt.

5.2 Sie ist ein Quälgeist. Ihr Namensvetter, die Vorsorge, beruhigt. Sorge beunruhigt. Sie zerfrisst den Frieden. Es bleiben Sorgenfalten. Manchmal auch im Gesicht, wenn sie das Denken dominiert besonders an der Stirn.

5.3 Wie alle Geister haben wir sie nicht. Sie hat uns. Das macht es auch so schwer, sie loszukriegen. Anstrengung alleine hilft nicht. Die Sorgen kommen wieder. Geister bekommt man nur los, indem man sein Herz einem anderen weiht. - Die Sorge bestimmt mein Herz. Herr, ich gebe es Dir. Bestimme Du mit Deinem Frieden mich und all mein Denken. - Und dann: Geist des Vertrauens, ziehe ein. Ich glaube, dass Du, Heiliger Geist, alles zum Besten lenkst. Ich gehöre Dir. - Wer so betet beginnt einen Kampf auf hoher Ebene. Entschiedenheit ist angesagt im Herzen. Auf welche Seite stelle ich mich? - Herr, auf die Deine. Auf meinen Glauben, dass Du mir alles zum Besten dienen lässt.

5.4 Die Sorge ist ein Quälgeist, der schnell zurückkommt, wenn er weggeschickt wird. Deswegen: nie gegen Sorgen kämpfen. Sie siegen immer. Sie auf den Herrn werfen. Der siegt. Alle eure Sorgen werft auf IHN! Am Kreuz des Herrn sind alle Sorgen tot. ER sorgt für uns.

5.5 Die Qualität des Lebens steigt, wenn Sorgen weichen. Schön durch den Glauben: Vertrauensvoll leben. Seht die Blumen auf dem Feld. Sie sorgen nicht. Euer himmlischer Vater ernährt sie doch. Und was die Vorsorge betrifft, da bleibt noch immer genug für uns zu tun. Dafür sind wir verantwortlich.


6.1 Das dritte: Nicht verschluckt werden - vom Widersacher.

6.2 Das ist nun ein merkwürdiges Wort für Alltagsmenschen wie uns. Brüllende Löwen finden wir eher im Zoo als um uns auf der Straße. Und dass sie Mächte des Bösen sein sollen, die uns bedrohen und verschlingen? Ist das nicht ein wenig heiß geredet, übertrieben? Was ist gemeint? Was ist daran so wichtig, dass es ins Abendgebet der Kirche aufgenommen wurde?

6.3 Nüchtern und wach sein, meint das Bibelwort. Na klar. Betrunken und verschlafen lebt sich nicht gut. Das ist für uns und andere auch nicht schön.

6.4 Hier ist jedoch noch Tieferes gemeint, nicht nur der körperliche Zustand. Ich kann im Herzen trunken und verschlafen sein. Trunken an Stolz und Ehrsucht. Verschlafen gegenüber allem was jetzt Not tut. Der Böse lügt. Er nennt das gut, was schadet. Niemals spricht er die Wahrheit. Er gaukelt sie nur vor.

6.5 Er flüstert: Hast du nicht Recht, hier stolz zu sein. Such deine Ehre. Sonst gehst du unter. Du kannst nicht wach für alle sein. Sei wach für dich. Dann geht es dir auch besser. Sanft wie ein Lamm und stark wie Löwengebrüll, so klingen diese Worte in uns.

6.6 Ich höre auf die Stimme meines Herzens, der muss ich folgen. So sagen wir. Und wer nicht unterscheidet, was wer im Herzen sagt, der irrt sehr schnell. Nicht alle Herzensworte sind auch gut. Wir werden schnell verschluckt - vom Widersacher. Er lockt uns dahin, wo nichts mehr schön ist. Nicht alles, was gut aussieht, führt auch zum Guten. Das ist die alte Geschichte mit dem Apfel.

6.7 Seid nüchtern und wach, mahnt unser Wort. Nüchtern: Ich prüfe. Meinst Du das, Herr? Entspricht das Deinem Wort? Wach: Ich entscheide. Ich lasse mich nicht hinreißen. Ich tue, was der Herr von mir verlangt. Ich bleibe gehorsam. Und wenn nicht, ich falle oder irre, kehre ich um.

6.8 Die Trennschärfe im Leben geht nicht verloren. Nicht wie Paulus nach Galatien schreiben muss: Mich wundert, dass ihr euch so bald abwenden lasst von dem, der euch berufen hat. Vielmehr. Ich bleibe in Deiner Spur, Herr. Spurtreue aus Glauben. Schön.


7.1 Dreimal schön aus Glauben. In Demut. Ohne Sorge. Nüchtern und wach. Was für ein Kosmetik Kurs. Einer mit Tiefgang. Tief, für unser Herz. Aber wirksam und voll Ausstrahlung.

Amen.



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Zuletzt geändert am 10.09.2010 von: (fp)